Cottbuser Fotograf widmet sich der „Glatze im Film“

(c) Mathias Schulze

Kino-Besuchern des Cottbuser Weltspiegels werden die 12 großformatigen Motive im Rang aufgefallen sein: Unter dem Titel „Die Glatze im Film“ zeigt der Cottbuser Hobby-Fotograf Mathias Schulze seine Interpretation des Themas.

Egal ob Marlon Brando in „Apocalypse Now“, Telly Savalas in „Kojak“ oder Klaus Kinski in „Nosferatu – Phantom der Nacht“ – viele Superstars der Filmszene ließen sich für ihre Rollen den Kopf kahl scheren. Selbst Darstellerinnen wie Sigourney Weaver in „Alien 3“ oder Demi Moore in „Die Akte Jane“ verabschiedeten sich von ihren Haaren. Und bei Bruce Willis konnte man in der „Stirb Langsam“-Reihe sehen, wie die Haare immer kürzer wurden…

Bei all diesen Filmen beeindruckten mich die Standfotos. Ohne Haare sehen wir Menschen klarer. Der Kopf hat keinen natürlichen Rahmen, er ist pur, Stärken und Schwächen werden sichtbarer.“, so Mathias Schulze zu seinen Beweggründen, sich intensiver mit der Thematik zu befassen. Seine Idee: 12 Bilder von 12 verschiedenen Filmfiguren, egal welchen Geschlechts, deren gemeinsames Merkmal die Glatze ist.

Angefangen hat seine Leidenschaft fürs Fotografieren ziemlich spät. An der „BÜHNE acht“ ist Mathias Schulze Leiter der „Filmgruppe acht“, dreht dort regelmäßig Kurzfilme, auch ein Langfilm steht in seiner künstlerischen Vita. Irgendwann nahm Mathias Schulze eine Fotokamera mit ans Set und fotografierte die Dreharbeiten. „Die Beschäftigung mit Filmen und Fotografieren war bei mir stets eng verbunden. Von Kameramännern konnte ich viel lernen.“, so Mathias Schulze.

Aus gelegentlichen dreh-begleitenden Fotoaufnahmen entwickelten sich im Laufe der Zeit erste Fotoshootings in den Räumlichkeiten der „BÜHNE acht“. Hier lernte er auch ein Cottbuser Model kennen, welches keine Haare mehr auf dem Kopf hatte und ihn zu seinem Projekt „Die Glatze im Film“ inspirierte.

Mathias Schulze hatte sein Model gefunden und setzte mit ihr seine Idee um. Zwölfmal schlüpfte sie in eine andere (Film-)Rolle, zwölfmal wurde sie neu maskiert, um dem Originalmotiv so nahe wie möglich zu kommen. Herausgekommen sind zwölf großformatige Aufnahmen unterschiedlicher Charaktere, die man beim stillen Betrachten zweifelsohne bestimmten Filmen zuordnen kann.

Der Aufwand hat sich gelohnt, wie man sich nun in der kleinen Ausstellung überzeugen kann. Noch bis Anfang Dezember zeigt der Cottbuser „Weltspiegel“ Mathias Schulzes „Glatzen im Film“.

Mathias Schulze (rechts im Bild) als Regisseur am Set von „Rootstock“

„Jule“-Nachbau wird zum Filmstar

Wer am Vormittag des Wahlsonntags in der Forster Innenstadt unterwegs war, wunderte sich bestimmt, dass der fahrbare Nachbau der Forster Stadteisenbahn im Stadtgebiet unterwegs war. Normalerweise setzt Familie Herrmann ihr Schmuckstück nur zu besonderen Anlässen in Betrieb. Diesmal wurde der Nachbau der „Schwarzen Jule“ jedoch zum Filmstar.

Im Auftrag des Museumsvereins Forst soll bis zum 125. Geburtstag der Forster Stadteisenbahn 2018 eine filmische Dokumentation zur Geschichte der Bahn erstellt werden. Eine Arbeitsgruppe des Museumsvereins ist für die Vorbereitung und Umsetzung dieses ehrgeizigen Projektes zuständig. „Wir liegen voll im Zeitplan!“, verrät Uwe Zeihser, Leiter der AG. „Dank der Unterstützung der Forster und einiger Auswärtiger bekamen wir viel Material zur Verfügung gestellt, so dass wir nun mit der Produktion der Dokumentation beginnen können.“.

Für die Bewegtbilder ist Frank Junge, bekannt für seine „Forst von Oben“-Videos, zuständig. Nicht nur historisches Bild- und Tonmaterial soll verwendet werden, sondern anhand aktueller Aufnahmen soll der Sprung von Historie und Gegenwart gewagt werden. „Ich habe bereits die Ansichten alter Fotos mit den Ansichten von Heute gegenüber gestellt“, sagt Frank Junge. „In der Dokumentation sollen dann beide Ansichten überblendet werden.“

Da nicht allzu viele Filmaufnahmen der „Schwarzen Jule“ in den Archiven zu finden waren, entwickelten die Mitglieder der Arbeitsgruppe die Idee, mit dem „Jule“-Nachbau neue Szenen zu drehen, die dann später mittels Computertechnik in die vorhandenen Filmaufnahmen eingefügt werden.

Große Unterstützung fand man bei Familie Herrmann. „Es ist ein schöner Anlass und für einen guten Zweck, deshalb helfen wir gerne bei den Aufnahmen.“, sagt Marion Herrmann, die als Beifahrerin und mit ihrem Mann Siegbert am Steuer das grüne Ungetüm durch die Forster Straßen navigierte, teils zum Erstaunen, öfters jedoch zum Schmunzeln der Passanten und Autofahrer in der Innenstadt.

Frank Junge befestigte derweil mehrere Kameras an das Fahrzeug, die die Fahrt aufzeichneten. Zusätzlich wurde aus dem Heck der „Jule“ gefilmt. Weitere Kameras in und auf Begleitfahrzeugen gingen mit der „Jule“ auf die gut zweistündige Fahrt durch Forst.

Aus alten Gleisplänen der Forster Stadteisenbahn wurde ein Rundkurs erarbeitet, der sowohl die noch im Stadtbild existierenden Schienenreste abfährt als auch markante Gebäude in den Fokus rückt. So führte die Tour u.a. zum ehemaligen Schlachthof, in die Alexanderstraße mit der Gleis-Ausweiche, zur ehemaligen Textilfabrik in der Heinrich-Werner-Straße (heute Likörfabrik) und ins heutige Textilmuseum. Natürlich durften auch die Straßen rund um den Stadtbahnhof nicht fehlen.

„Der Stadtbahnhof spielt im Film eine zentrale Rolle. Wir konnten Zeitzeugen interviewen, die früher hier gearbeitet hatten.“, sagt Uwe Zeihser. Das Wissen dieser ehemaligen Mitarbeiter der Stadteisenbahn half der Arbeitsgruppe, bestimmte Betriebsabläufe besser zu verstehen und offene Fragen, die sich aus der Sichtung der Archivalien ergaben, zu beantworten.

Jetzt beginnt für die Filmemacher, die alle ehrenamtlich für das Projekt tätig sind, der schwierigste Teil: die neuen Szenen müssen nun geschnitten und mit den vorhandenen Aufnahmen verknüpft werden, die Tricktechnik muss programmiert und Begleittexte erstellt und eingesprochen werden. Zum Festwochenende anlässlich des Jubiläums der Forster Stadteisenbahn im Mai nächsten Jahres soll die Dokumentation ihre Premiere haben.

Female Agents – Geheimkommando Phoenix

Im Mai 1944 rekrutieren Louise Desfontaines (Sophie Marceau) und ihr Bruder Pierre (Julien Boisselier) im Londoner Exil vier Frauen für einen Geheimauftrag. Zwar sind bis auf Louise alle anderen Frauen militärisch unerfahren, haben aber Jede für sich spezielle Kenntnisse, die bei der Lösung des Auftrags nützlich sein könnten. Die Gruppe soll nämlich in Frankreich SS-Offizier Heindrich (Moritz Bleibtreu) eliminieren, der kurz davor ist, den Geheimplänen der Alliierten für die Landung in der Normandie auf die Schliche zu kommen.

Ein britischer Geologe, der von den Plänen weiß, befindet sich als angeblicher Spion in deutscher Gefangenschaft. Zwar gelingt es der Gruppe, den Geologen zu befreien, doch Heindrich überlebt die Befreiungsaktion. Notgedrungen müssen Louise und die anderen Mitglieder der Widerstandsgruppe in Frankreich bleiben, um den gestellten Auftrag zu erfüllen. Als Pierre, der Kommandeur der Gruppe, den Deutschen in die Hände fällt, sind die Frauen auf sich allein gestellt. Sie machen sich auf nach Paris, um Heindrich endgültig zu töten. Doch auch der hat bereits den Feind ausgemacht und jagt die Frauen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, den Heindrich zu gewinnen scheint, denn die Gruppe um Louise wird nach der Verhaftung von Gaelle (Deborah Francois), der Jüngsten im Team, immer kleiner. Als schließlich auch noch Louise beim Versuch, Heindrich eine Falle zu stellen, festgenommen wird, scheint der Plan endgültig zu scheitern. Aber so schnell geben Jeanne (Julie Depardieu) und Suzy (Marie Gillain) nicht auf…

Louise und Pierre haben den Geologen befreit und verstecken sich vor den Verfolgern.

„Female Agents – Geheimkommando Phoenix“ des französischen Regisseurs Jean-Paul Salomé ist kein reiner Kriegsfilm, der einmal mehr irgendeine beliebige Schlacht des 2. Weltkrieges nacherzählt. Es ist vielmehr ein actiongeladener, spannender und wendungsreicher Spionagefilm um ein Projekt der Alliierten, das so tatsächlich existierte. Auch Louise Desfontaines ist eine reale Person der Zeitgeschichte. Regisseur Salomè verpackte das Ganze in eine fiktive Handlung.

Herausgekommen ist ein bemerkenswertes Abbild der damaligen Zeit. Die meisten Filmaufnahmen entstanden in historischen Gebäuden und an Original-Schauplätzen und weniger in Filmstudios. Um authentisch und möglichst nah an der Realität zu sein ließ sich Salomè während der Folterszenen im Gestapo-Keller von einem Historiker beraten. Und schließlich griff Salomè auch auf vorhandenes Archivmaterial zurück.

„Female Agents“ ist aber auch ein Frauenfilm in bester französischer Tradition. Fünf Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, raufen sich zusammen, wenn es drauf an kommt. Angeführt von einer grandiosen Sophie Marceau versammelte Salomé eine exzellente Darstellerriege um sich. Besonders Marceau und Moritz Bleibtreu liefern sich ein famoses Katz-und-Maus-Spiel.

Moritz Bleibtreu spielt den SS-Offizier Heindrich

Moritz Bleibtreu als Heindrich entspricht so gar nicht dem typischen Klischeebild eines Nazis, das man von ausländischen Produktionen kennt. In „Female Agents“ spielt er mit einer solchen Härte, daß – so die Aussage des Regisseurs im Audiokommentar – sogar seine Filmpartnerin Sophie Marceau erschrocken zurückwich.

Marceau selber war während der Dreharbeiten nicht zimperlich zu sich selbst und nahm auch die eine oder andere Blessur oder Ohrfeige in Kauf. Was jedoch besonders bei Großaufnahmen auffällt sind die gereiften Gesichtszüge einer Frau, die sich längst vom Image der kleinen Vic Berreton aus der „La Boum“-Reihe verabschiedet und sich zu einer gestandenen, mittlerweile gesamteuropäischen, Schauspielerin entwickelt hat.

Gaelle, Louise, Suzy und Jeanne bei ihrer Ankunft in Paris

Mit “Female Agents“ gelang Jean-Paul Salomé ein kleines Meisterwerk, daß sich wohltuend von den blutrünstigen Abschlachtorgien anderer Filme mit WK-II-Thematik unterscheidet. Und er beweist, daß man auch in Europa mit einem vergleichsweise geringen Budget einen ordentlichen Actionfilm drehen kann, der für Spannung beim Zuschauer sorgt. Gutes Kino kommt schon lange nicht mehr nur aus Hollywood!

Marie Gillain spielt Suzy
alle Fotos: © Koch Media

Die 2-Disc-Collector’s Edition bietet neben dem Hauptfilm auch jede Menge Bonusmaterial. So befindet sich auf der Bonus-DVD ein 50-minütiges „Making of“, welches anschaulich und ausführlich von den Dreharbeiten berichtet und auch zeigt, wie Film wirklich funktioniert, wenn es um Spezialeffekte geht.

Die „geschnittenen Szenen“, Trailer und einen Bericht vom Casting Deborah Francois‘ runden die Bonus-Disc ab.

Etwas nervig ist der Audiokommentar des Regisseurs, der bei fast jeder Einstellung die Ausstattung und die Kostümbildner über alle Maßen lobt. Wenigstens erfährt man etwas über den Wahrheitsgehalt der Story und die Zusammenarbeit der Schauspieler untereinander.

Die eigentliche DVD-Box befindet sich in einem Pappschuber, auf dem der Titel-Schriftzug reliefartig hervorgehoben wird.

Film-Daten:
Frankreich, 2008
Originaltitel: Les femmes de l´ombre
Spielzeit: 112 min

Die Rollen und ihre Darsteller

Louise Desfontaines – Sophie Marceau
SS Colonel Heindrich – Moritz Bleibtreu
Jeanne Faussier – Julie Depardieu
Suzy Desprez – Marie Gillain
Gaelle Lemenech – Déborah Francois
Maria Luzzato – Maya Sansa
Pierre Desfontaines – Julien Boisselier
Eddy – Vincent Rottiers
Lieutenant Becker – Volker Bruch

Stab

Regie – Jean-Paul Salomé
Drehbuch – Jean-Paul Salomé, Laurent Vachaud
Kamera – Pascal Ridao
Szenenbild – Francoise Dupertuis
Kostüm – Pierre-Jean Larroque

Festivalsonntag gehört den Kindern

26-ffcottbus-marke-long-iDer letzte Tag des Filmfestival Cottbus gehört traditionell den Kindern mit einem Fest in der Stadthalle. Neben vielen Mitmach-Angeboten wie Bastelecke, Glücksrad-Drehen oder Spielmöglichkeiten gehört zu diesem Kindertag auch die jährliche Welturaufführung der Märchen-Neuverfilmung vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb).

In diesem Jahr hatte der Film „Das singende, klingende Bäumchen“ Premiere, basierend auf dem legendären DEFA-Film von 1957. Neben den zahlreichen großen und kleinen Märchenfilm-Liebhabern waren auch die Hauptdarstellerin Jytte-Merle Böhrnsen sowie Regisseur Wolfgang Eißler anwesend. Einen besonderen Applaus erhielt Christel Bodenstein, die die Prinzessin in der DEFA-Verfilmung verkörperte und auch im neuen Film eine kleine Rolle spielt.

Die Geschichte handelt von einer hochmütigen Prinzessin (Jytte-Merle Böhrnsen), die alle Freier ablehnt. Als ein junger Prinz (Lucas Prisor) um ihre Hand anhält, verlangt die Prinzessin von ihm, ihr das singende, klingende Bäumchen zu bringen.

Der Prinz macht sich auf die Suche nach dem Bäumchen und findet es bei einem Waldgeist. Um aber das Bäumchen zu bekommen, muss sich der Prinz auf einen Handel mit dem Waldgeist einlassen.

Zurück am Königshof, stellt die Prinzessin fest, dass das Bäumchen weder singt noch klingt. Der Prinz erkennt, dass die hartherzige Prinzessin nicht lieben kann und verlässt das Schloss, um sein Wort beim Waldgeist einzulösen.

Die Prinzessin schickt ihren Vater, den König (Heinz Hoenig), los, ihr das Bäumchen zu beschaffen. Auch er lässt sich auf einen Handel mit dem Waldgeist ein: das erste Lebewesen, dass ihm bei seiner Rückkehr begegnet, gehört dem Waldgeist. Zu dumm nur, dass ausgerechnet die ungeduldige Prinzessin das erste Lebewesen ist, dass der König sieht. Fortan muss sie beim Waldgeist leben, der darüber hinaus die schöne Prinzessin in eine hässliche Frau verwandelt. Als der Prinz, der ebenfalls beim Waldgeist lebt, die Prinzessin trifft, ist er alles andere als begeistert…

Gedreht wurden die Filmszenen im Harz, im Potsdamer Schloss Belvedere sowie im Kloster Chorin.

Für den Cineasten bot der Film noch ein kleines Extra, den sich die Filmemacher als Reminiszenz an die DEFA-Verfilmung haben einfallen lassen: das im Schloss an der Wand hängende Porträtbild der verstorbenen Mutter der Prinzessin ist das Plakatmotiv der DEFA-Verfilmung.

ARD/rbb DAS SINGENDE, KLINGENDE BÄUMCHEN, am Sonntag (25.12.16) um 14:45 Uhr im ERSTEN. Der König (Heinz Hoenig) sitzt auf seinem Thron neben dem Portrait seiner verstorbenen Gemahlin. © rbb/Theo Lustig, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter rbb-Sendung bei Nennung "Bild: rbb/Theo Lustig" (S2+). rbb Presse & Information, Masurenallee 8-14, 14057 Berlin, Tel: 030/97 99 3-12118 oder -12116, pressefoto@rbb-online.de

Der König (Heinz Hoenig) sitzt auf seinem Thron neben dem Portrait seiner verstorbenen Gemahlin.
© rbb/Theo Lustig

Im Anschluss an die Vorführung mussten die beiden Schauspielerinnen und der Regisseur viele Fragen der Kinder beantworten. Die wollten wissen, wie die Prinzessin im Film durch die Luft geschleudert wurde, wie die Zaubertricks des Waldgeistes funktionierten und ob die Verletzungen des Prinzen echt waren. Geduldig gaben die Protagonisten Auskunft und verrieten den einen oder anderen Filmtrick.

Christel Bodenstein zeigte sich im Interview begeistert von der Neuverfilmung, die mit den technischen Möglichkeiten von heute umgesetzt wurde. Als die Anfrage kam, mitzuwirken, zögerte sie nicht lange und sagte zu. Am Set traf sie dann auf ihre „Nachfolgerin“ Jytte-Merle Böhrnsen, die wiederum bereits die Verfilmung von 1957 kannte.

Selbstverständlich standen die beiden Prinzessinnen auch für Autogramm- und Fotowünsche der kleinen Zuschauer zur Verfügung und kamen mit den Gästen ins Gespräch.

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v.l.n.r.: Jytte-Merle Böhrnsen, Christel Bodenstein, Wolfgang Eißler

Ausgestrahlt wird die Neuverfilmung von „Das singende, klingende Bäumchen“ am 25. Dezember 2016 um 14:45 Uhr im ERSTEN.

Schweigeminute

ZDF-Logo

Erstausstrahlung: 31.10.2016

schweigeminuteEin kleines Fischerdorf an der Ostsee, Ende der 50er Jahre. Stella Petersen (Julia Koschitz) kehrt nach 14 Jahren England-Aufenthalt in ihre Heimat zurück. Sie wird mit Beginn des neuen Schuljahres die neue Englisch-Lehrerin am Gymnasium. Der junge Christian Voigt (Jonas Nay), der seinem Vater (Uwe Preuss) bei der Steinfischerei aushilft, ist nach der ersten flüchtigen Begegnung im Hafen fasziniert von der attraktiven, aber älteren Frau. Immer öfter versucht er, einen Blick von ihr zu erhaschen. Bei einem Hafenfest befreit er sie sogar aus einer misslichen Lage, als Ulrik Quedens (Thure Linhardt) Stella belästigt.

Auch Stella ist zunehmend von dem jungen Mann angetan. Zufällig sieht er durchs Fenster, wie sich Stella umzieht. Als er von ihr entdeckt wird, raunt sie ihn an, um sich ein paar Minuten später bei ihm zu entschuldigen.

Stella Petersen (Julia Koschitz) ist eine etwas andere Englischlehrerin.

Stella Petersen (Julia Koschitz) ist eine etwas andere Englischlehrerin.

Gemeinsam fahren sie mit dem Boot aufs Meer hinaus, um Bojen zu postieren. Ein aufziehendes Unwetter zwingt beide, auf der nahe gelegenen Vogelinsel Unterschlupf zu suchen. Christian sieht seine Chance gekommen, allein mit der Frau seiner Träume Zeit zu verbringen, gleichzeitig ist er unsicher, ob er diese Gelegenheit auch wirklich nutzen soll. Stella jedoch nimmt ihm die Entscheidung ab und erwidert seinen flüchtigen Kuss.

Langsam kommen Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz) sich näher.

Langsam kommen Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz) sich näher.

Christian und Stelle lieben sich leidenschaftlich in der Hütte auf der einsamen Insel.. Fortan bewahren beide ein wohlgehütetes Geheimnis. „Wir sehen uns doch wieder?“ fragt Christian nach der Rückkehr aufs Festland. „Ja, morgen in der dritten Stunde.“, antwortet Stella und spürt, dass es wohl nicht dabei bleiben wird.

Stella versucht als Christians Klassenlehrerin, sich ihre Gefühle für ihn nicht anmerken zu lassen und behandelt ihn in der Schule mit Gleichgültigkeit. Gleichzeitig trifft sie sich weiter mit ihm heimlich am Nachmittag. Christian ist irritiert von Stellas Verhalten und stellt sie zur Rede. Stella erklärt Christian, dass sich an ihren Gefühlen für ihn nichts geändert hat, nur die Situation auch für sie neu ist, schließlich ist sie seine Lehrerin.

Mit Stella (Julia Koschitz) als strenger Lehrerin hat Christian (Jonas Nay) nicht gerechnet.

Mit Stella (Julia Koschitz) als strenger Lehrerin hat Christian (Jonas Nay) nicht gerechnet.

Trotz heimlicher Treffen der Beiden werden Freunde, Familienmitglieder und Schulleitung langsam misstrauisch. Christian schmiedet sogar schon Pläne für eine gemeinsame Zukunft.

Bei einem privaten Segeltörn wird Stella bei einem misslungenen Wendemanöver von einem Segelbaum schwer verletzt und über Bord geschleudert. Christian, der wie viele Fischer Zeuge des Unfalls wird, kann Stella zunächst aus dem Wasser retten und begleitet sie ins Krankenhaus.

Wird sie wieder aufwachen? Christian (Jonas Nay, r.) sorgt sich um Stella (Julia Koschitz, l.).

Wird sie wieder aufwachen? Christian (Jonas Nay, r.) sorgt sich um Stella (Julia Koschitz, l.).

Am nächsten Tag besuchen Christian und seine Mitschüler und Lehrer die schwer verletzte Stella im Krankenhaus, nicht ahnend, dass er sie zum letzten Mal sehen wird…

„Schweigeminute“ basiert auf der gleichnamigen Novelle des 2014 verstorbenen Schriftstellers Siegfried Lenz. Ursprünglich wollte Bernd Eichinger den Stoff fürs Kino verfilmen, nun haben ihn die Drehbuchautoren André Georgi, Claudia Kratochvil und Thorsten M. Schmidt fürs ZDF adaptiert. Schmidt führte darüber hinaus auch die Regie.

Herausgekommen ist eine zeitlos schöne Verfilmung. Anders als in der literarischen Vorlage ahnt der Zuschauer schon zu Beginn des Filmes, welch tragische Wendung die Handlung nehmen wird. Im Vordergrund steht jedoch die beginnende verbotene Liebe einer Lehrerin zu ihrem Schüler, misstrauisch beäugt von ihrem Umfeld.

Eine Liebe, die nicht sein darf: Unverhofft kommen sich der 18-jährige Christian (Jonas Nay) und seine neue Englischlehrerin Stella Petersen (Julia Koschitz) heimlich näher und entdecken eine Anziehung zueinander, deren Intensität beide überwältigt.

Eine Liebe, die nicht sein darf: Unverhofft kommen sich der 18-jährige Christian (Jonas Nay) und seine neue Englischlehrerin Stella Petersen (Julia Koschitz) heimlich näher und entdecken eine Anziehung zueinander, deren Intensität beide überwältigt.

Julia Koschitz und Jonas Nay spielen mit einer bewundernswerten Intensität, ohne ihre Rollen zu überzeichnen. Jonas Nay als jungerwachsener Liebhaber, hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen. Nicht der Rebell und nicht der Naivling.

Christian (Jonas Nay).

Christian (Jonas Nay).

Julia Koschitz wirkt manchmal so zerbrechlich, dass es ans Herz geht. Manchmal reicht ein kurzer Blick oder Augenaufschlag – allein dadurch signalisiert sie mal die sanfte Verführerin, die sich ihrer Wirkung auf die Männer bewusst ist, oder die kühl Berechnende, die genau weiß, wie verboten und von der Gesellschaft geächtet Stellas Liebe zu Christian ist.

Stella (Julia Koschitz).

Stella (Julia Koschitz).

Geprägt wird die Handlung auch von den Landschaftsaufnahmen, die Kameramann Hannes Hubach zu verantworten hat. Viele Aufnahmen entstanden auf der dänischen Insel Bornholm. Seien es die dunklen aufziehenden Wolken und hohen Wellen, strahlender Sonnenschein, romantisch gelegene verborgene Strände oder endlose Ferne bis zum Horizont – es sind atmosphärische Bilder, die Hubach da zaubert. Und manchmal vermitteln die Bilder den Look der Filme der 50er-Jahre.

Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz) genießen die Zeit zu zweit. Sie dürfen dabei nur nicht entdeckt werden.

Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz) genießen die Zeit zu zweit. Sie dürfen dabei nur nicht entdeckt werden.

Passend zum Film der Soundtrack: Neben dem eigentlichen Score von Gert Wilden jr. hört man einige Klassiker wie Bobby Darins „Beyond the sea“ oder „Diana“ von Paul Anka. „Scarborough Fair“ von Simon & Garfunkel, ein Lied über ein Liebespaar, das wieder zueinander finden will, gewinnt im Laufe des Filmes sogar eine besondere Bedeutung.

Spektakulär und fast schon rührend das Ende des Filmes. Stella und Christian für eine kurzen Moment wieder vereint – in einer grandiosen Einstellung, gefilmt unter Wasser. Wie eine Meerjungfrau, die sich von ihrem Liebsten verabschiedet, küssen sich ein letztes Mal Stella und Christian, bevor sie ihn für immer verlassen muss…

„Schweigeminute“ ist ein melancholisch-berührender Film, fernab jeglicher Klischees, den Zeitgeist der späten 50er Jahre widerspiegelnd mit zwei wunderbaren, gefühlvoll spielenden Darstellern.

Die Rollen und ihre Darsteller

Christian Voigt – Jonas Nay
Stella Petersen – Julia Koschitz
Wilhelm Voigt – Uwe Preuss
Jürgen Kugler – Johannes Allmayer
Frauke Bruns – Henny Reents
Johann Petersen – Hermann Beyer
Ulrik Quedens – Thure Lindhardt
Jutta Voigt – Nina Petri
Block – Alexander Held

CREW

Produzent: Oliver Berben
Produzentin: Sarah Kirkegaard
Regie: Thorsten Schmidt
Redaktion: Günther van Endert, Stefanie von Heydwolff
Herstellungsleitung: Dieter Salzmann
Kamera: Hannes Hubach
Drehbuch: André Georgi, Claudia Kratochvil, Thorsten Schmidt
Produktionsleitung: Roman Gustke
Ausstattung: Jérôme Latour
Kostümbild: Riccarda Merten-Eicher
Maske: Britta Balcke, Mike Reinecke
Schnitt: Andreas Althoff, Margit Wiltschko
Musik: Gerd Wilden Jr.
Zusätzliche Musik: Olaf Taranczewski
Casting: Mai Seck

Copyright für alle Fotos: ZDF / Hannes Hubach

Mach’s gut, Schimi!

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Götz George als „Schimanski“ in der Folge „Asyl“
Foto: (c) Uwe Stratmann
Quelle: Agentur Nicolai

„Fang du jetzt bloß nicht an zu weinen
Du spielst doch sonst den harten Mann“

Treffender hätte ihn Klaus Lage nicht beschreiben können. Deutschland hat einen seiner besten Schauspieler verloren. Götz George verstarb am 19. Juni 2016 nach kurzer Krankheit. Der in Berlin geborene Sohn des Schauspieler-Ehepaares Berta Drews und Heinrich George wurde 77 Jahre.

Sein Filmdebüt gab Götz George 1953 an der Seite von Romy Schneider in „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“. Es folgten eher unbedeutende Filmrollen sowie ein paar Western („Der Schatz im Silbersee“, „Unter Geiern“).

Zum Idol einer ganzen Fernsehgeneration wurde George ab 1981, als er erstmals den charmant-rauhbeinigen „Tatort“-Kommissar Horst Schimanski verkörperte. 48mal schlüpfte er in diese Rolle, machte das Wort „Scheiße“ salonfähig und eine ausgediente Militärjacke zum Kultobjekt. Ähnlich wie James Bond hatte Schimanski in jeder Folge eine neue schöne Frau an seiner Seite. Seine unorthodoxen Ermittlungsmethoden sorgten für Beschwerden innerhalb der Polizei, die Action in den „Tatort“-Filmen war für die damalige Zeit etwas völlig Ungewohntes.

Götz George ließ sich aber nicht nur auf die Rolle als Schimanski reduzieren. Immer öfter war er jetzt auch wieder in Kinofilmen präsent („Abwärts“, „Die Katze“). Noch vor der politischen Wende in der DDR spielte George zusammen mit Otto Sander und Rolf Hoppe in der deutsch-deutschen Co-Produktion „Der Bruch“. Im urkomischen Mehrteiler „Schulz & Schulz“ verkörperte er ein Zwillingspärchen, das getrennt in Ost und West lebt und während der Wendezeiten die Rollen tauscht und neue Ideen ins jeweils andere Deutschland bringt.

Nach seinem Abschied als Schimanski spielte Götz George in einigen der bemerkenswertesten Filmen der deutschen Filmgeschichte. Er brillierte in den Komödien „Schtonk“ und „Rossini“ und verschreckte in „Der Sandmann“ und „Der Totmacher“. Eine seiner größten künstlerischen Herausforderungen hatte Götz George 2013: im Fernsehfilm „George“ verkörperte er seinen eigenen Vater Heinrich George.

Götz George war immer direkt und sagte, wenn ihm etwas nicht passte. Legendär sein Auftritt in „Wetten, daß?“, als er Moderator Thomas Gottschalk in die Parade fuhr und ihn aufforderte, endlich mit dem Labern aufzuhören und zum Thema zu kommen und Georges damaligen neuesten Film zu promoten.

Längst war Götz George als Charakterdarsteller einer der gefragtesten Schauspieler des Landes. Nach Hollywood zog es ihn jedoch nie. Hier hatte er sein Publikum, außerdem wollte er nicht auf englisch drehen. George war sich auch nicht zu fein, in seichten Fernsehfilmchen („Alpenglühen“, „Schokolade für den Chef“) mitzuspielen. Auf die Frage, warum er sich das antut, wo er doch ganz andere Rollen annehmen könne, antwortete George: „Beim Fernsehen erreiche ich 6 Millionen Zuschauer, im Kino vielleicht nur eine Million. Als Künstler will ich aber soviel Menschen erreichen wie möglich!“

Auch solche Äußerungen machten Götz George unverwechselbar. Oft wirkte er unnahbar und arrogant. Schaut man sich jedoch „Making of“-Sequenzen seiner Filme an, kommt man zu dem Schluß, daß da ein akribischer Schauspieler am Werk ist, dem es in erster Linie um ein gutes Produkt geht. Und der jüngere oder unerfahrene Kollegen nicht kritisierte, sondern ihnen half, sich genauso gut ins Projekt einzufügen.

Götz George wusste um seine Position in der Filmlandschaft. Skandale, Klatsch und Tratsch gab es bei ihm nicht. Auch auf dem roten Teppich sah man ihn nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ und er einen Preis zugesprochen bekam.

Es gab und gibt nicht viele deutsche Schauspieler von der Klasse eines Götz George. Die Lücke, die er nun hinterläßt, dürfte für zukünftige Schauspieler-Generationen schwer zu füllen sein. „Scheiße!“ würde Schimanski dazu sagen.

Deshalb: Mach’s gut, Schimi!

Mitten in Deutschland: NSU

Mit der Spielfilm-Trilogie „Mitten in Deutschland: NSU“ versucht Das Erste, sich dem Thema „rechtsextremer Terror“ zu nähern.

Aus drei verschiedenen Blickwinkeln – dem der Täter, dem der Opfer und dem der Ermittler – will die Gemeinschaftsproduktion von WDR, SWR, BR, MDR und ARD Degeto Antworten finden auf die Frage, wie es soweit kommen konnte, daß zehn Morde, mehrere Sprengstoffanschläge und mindestens 15 Raubüberfälle jahrelang nicht aufgeklärt wurden, obwohl die Täter im Visier der Ermittler waren. Wie groß ist das Versagen der zuständigen Ermittlungsbehörden? Und wie konnte es überhaupt zur Radikalisierung der 3 Haupttäter Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos kommen?

Die Handlung der Trilogie basiert auf jahrelangen Recherchen, Materialien der Untersuchungsausschüsse, Zeugenbefragungen. Der zweite Teil basiert zudem auf dem Buch „Schmerzliche Heimat“ von Semiya Simsek. Ihr Vater war das erste Mordopfer. Mit dem Schreiben des Buches versuchte Semiya Simsek, die Geschehnisse zu verarbeiten.

Für die Umsetzung des Stoffes konnten mit Züli Aladag, Florian Cossen und Christian Schwochow herausragende Regisseure gewonnnen werden, die zugleich Teile ihrer eigenen Geschichte in die Filmgeschichte einbringen.

Auch die Haupt- und Nebenrollen wurden namhaft besetzt. So agieren u.a. Tom Schilling, Florian Lukas, Ulrich Noethen, Sylvester Groth, Andrè M. Hennicke und vor allem Anna Maria Mühe in der Rolle der Beate Zschäpe vor der Kamera.

Produzenten sind Gabriela Sperl, Quirin Berg und Max Wiedemann.

Folge 1: Die Täter – Heute ist nicht alle Tage

Regie: Christian Schwochow
Darsteller: Anna Maria Mühe, Albrecht Schuch, Sebastian Urzendowsky, Nina Gummich

Albrecht Schuch, Anna Maria Mühe, Sebastian Urzendowsky, Christian Schwochow

Albrecht Schuch, Sebastian Urzendowsky, Anna Maria Mühe und Regisseur Christian Schwochow

Folge 2: Die Opfer – Vergesst mich nicht

Regie: Züli Aladag
Darsteller: Almila Bagriacik, Tom Schilling, Andrè M. Hennicke, Orhan Kilic

Andre M. Hennicke, Züli Aladag, Almila Bagriacik, Tom Schilling

Andre M. Hennicke, Regisseur Züli Aladag, Almila Bagriacik, Tom Schilling

Folge 3: Die Ermittler – Nur für den Dienstgebrauch

Regie: Florian Cossen
Darsteller: Florian Lukas, Liv Lisa Fries, Sylvester Groth, Florian Stetter, Alexander Beyer, Anna Brüggemann, Christian Berkel, Ulrich Noethen

Florian Cossen, Florian Stetter, Sylvester Groth, Alexander Beyer

Regisseur Florian Cossen, Florian Stetter, Sylvester Groth, Alexander Beyer

Geplante Ausstrahlungstermine:

30.März 2016 – 20:15 Uhr
04.April 2016 – 20:15 Uhr
06.April 2016 – 20:15 Uhr

Abgerundet wird das Projekt von der Dokumentation „Der NSU-Komplex – Die Rekonstruktion einer beispiellosen Jagd“ (Ausstrahlung 06. April 2016 im Anschluß an Folge 3)

Vorgestellt: Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen

Im Sony-Center am Potsdamer Platz in Berlin befindet sich das Filmhaus. Es beherbergt neben der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) auch die Deutsche Kinemathek, die sich dem Sammeln, Bewahren und Präsentieren des audiovisuellen Erbes verpflichtet fühlt. Ein Teil der Bestände werden im Museum für Film und Fernsehen ausgestellt.

Über mehrere Etagen erstreckt sich die ständige Ausstellung zur deutschen Filmgeschichte, die für jeden Filmliebhaber ein Muß sein sollte.

Schon zu Beginn des Ausstellungsrundganges wird der Besucher in eine andere Welt versetzt. Im Eingangsbereich sorgen scheinbar unzählige aufeinander abgestimmte Spiegel für einen ersten „Wow“-Effekt. Der Betrachter sieht sich oberhalb, unterhalb, seitlich – mit jedem Schritt ändert sich der Blick aufs eigene Ich. Die Illusion ist perfekt: man glaubt, in einem riesigen Schacht gefangen zu sein. Vorsichtig nähert man sich der Begrenzung und blickt entweder in einen tiefen Abgrund oder nach oben in ein Wirrwarr aus Verstrebungen.

Ständige Ausstellung, „Spiegelsaal“
Foto: Marian Stefanowski
Quelle: Deutsche Kinemathek

Was folgt, ist ein Ausflug in die deutsche Filmgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Viel Raum wird den Pionieren und ersten Stars des Films gewidmet: Ernst Lubitsch, F.W. Murnau, Asta Nielsen, Emil Jannings. Ein Schwerpunkt ist Fritz Langs Stummfilm-Monumentalwerk „Metropolis“ (1927). Damals bei der Kritik durchgefallen, gehört „Metropolis“ heute zum visuellen Welterbe.

Nach der Stummfilmzeit folgte die Tonfilmzeit. Eine der damaligen Stars: Marlene Dietrich (1901-1992). Ihr sind mehrere Räume in der Ausstellung gewidmet. Zu sehen sind Privataufnahmen, Briefe, persönliche Dinge wie ihr Make-Up-Koffer, aber auch Kostüme der Diva, so u.a. der legendäre GI-Anzug.

Ständige Ausstellung, „Marlene Dietrich“
Foto: Marian Stefanowski,
Quelle: Deutsche Kinemathek

Die Vereinnahmung des Films in der NS-Zeit und die daraus resultierende Flucht ins Exil vieler Filmschaffender wird im folgenden Ausstellungsbereich genauso thematisiert wie die Filmproduktion im geteilten Nachkriegs-Deutschland. Immer wieder entdeckt der Besucher Bekanntes und Neues: Filmausschnitte indizierter Propagandafilme des Dritten Reiches sind ebenso zu sehen wie Ausschnitte aus Leni Riefenstals Olympiafilm (mit Modell des Olympiastadions zur Veranschaulichung der gezeigten Sequenzen), dazu Kleidungsstücke aus „Das Boot“ oder „Lola rennt“, Filmplakate bekannter Filme, Trophäen, Fotos von Schauspielern, an die man sich zurück erinnert.

Ständige Ausstellung, „Von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart (1946–1980)“
Foto: Marian Stefanowski,
Quelle: Deutsche Kinemathek

Im Zeittunnel wird dem Fernsehen gehuldigt. Emotionale Momente der Zeitgeschichte wie die erste Mondlandung oder der Fall der Mauer werden ebenso gezeigt wie Ausschnitte aus Unterhaltungssendungen. In der Programmgalerie kann der Besucher selber auf Entdeckungsreise gehen und nach Sternstunden der Fernsehunterhaltung recherchieren.

Ständige Ausstellung, „Zeittunnel Fernsehen“
Foto: Marian Stefanowski,
Quelle: Deutsche Kinemathek

Im „Spiegelsaal“ werden Bilder verschiedener Epochen des deutschen Fernsehens auf eine Wand projiziert, die mittels Spiegeln und geteilter Szenen zu neuen Bildern verknüpft werden. So entsteht spätestens mit Beginn des Farbfernsehens und des Fernseh-Vollprogramms ein Kaleidoskop aus Informationen und Bildern, die in dieser Vielfalt nur schwer zu verarbeiten sind.

Motiv der Ausstellung „Best Actress – Oscars®. Rollen. Bilder“
Design: Pentagram, Berlin

Neben der Ständigen Ausstellung gibt es im „Museum für Film und Fernsehen“ Sonderausstellungen zu speziellen Filmthemen. Aktuell ist die Ausstellung „Best Actress – Oscars. Rollen. Bilder“ zu sehen. Diese Hommage an die Oscar-Gewinnerinnen in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ würdigt das Schaffen jeder Einzelnen und zeigt gleichzeitig Originalkostüme und Entwürfe aus den jeweiligen Filmen. So ist jenes Kleid zu sehen, welches Vivian Leigh in „Vom Winde verweht“ (1939) getragen hat. Auch einige der pompösen Kleider, die die Gewinnerinnen während der Preisverleihung getragen haben, sind zu sehen, darunter die Kleider von Julia Roberts oder Cher (Foto unten).

Raumfoto: Marian Stefanowski

Raumfoto: Marian Stefanowski

Auch wenn die Raumaufteilung der Ausstellungen gewöhnungsbedürftig ist (die Sonderausstellung ist zweigeteilt, für die ständige Ausstellung wechselt man ständig die Etage), wird man doch mit interessanten und faszinierenden Einblicken in die über 100jährige Geschichte des Films belohnt. Die Exponate werden visuell ansprechend präsentiert, an einigen Stationen wird man sogar zum Ausprobieren und Knöpfchen-Drücken animiert.

Wer alles sehen und lesen will, sollte viel Zeit mitbringen. Die Vielzahl an Exponaten, Schautafeln, Fotos und Filmsequenzen begeistert und macht Lust, der Ausstellung einen weiteren Besuch abzustatten.

Weitere Infos zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und zur Ausstellung: www.deutsche-kinemathek.de

„Auf der Suche“ – die etwas andere Filmpremiere

PLAKAT (WEB) Auf Der Suche 2016Ein ungewöhnliches Kinoerlebnis hatten im Cottbuser Weltspiegel die gut 350 Besucher der Weltpremiere von „Auf der Suche“, dem ersten interaktiven Film. In Anwesenheit fast des gesamtes Filmteams verriet Moderator Olaf Pöschk dann auch gleich zur Eröffnung der Veranstaltung, was den Zuschauer erwartet: „Ich darf live im ‚Weltspiegel‘ zocken und Sie dürfen mir dabei zusehen!“, freute er sich.

„Auf der Suche“ ist ein Mix aus Spielfilm und Computerspiel. Erdacht hat sich das Konzept Erik Schiesko, bekannt für seine Filme „Blaue Stunde“ oder „Holger und Hanna (und der ganze kranke Rest)“. Doch Schiesko wollte etwas Besonderes schaffen: ein (Film)Spiel mit Lausitzer Motiven und realen Lausitzer Darstellern. Unterstützung für sein Projekt fand er bei der LAUSITZER RUNDSCHAU, die Erik Schiesko und seinem Team u.a. Zugang zum LR-Archiv und zu den Redaktionsräumen ermöglichte. Chefredakteur Johannes M. Fischer würdigte dann auch in seinem kurzen Grußwort das Ergebnis: „Was hier geschaffen wurde, ist einzigartig und beweist einmal mehr, daß Cottbus so einiges zu bieten hat!“.

Erik Schiesko beim Sektempfang vor der Premiere

Erik Schiesko beim Sektempfang vor der Premiere

Doch wie soll man sich einen interaktiven Film im Kino vorstellen? Genau das war das Experiment, daß Erik Schiesko, Programmierer Robert Baruck und Spieldesigner Olaf Pöschk an diesem Abend wagten. Das Bildmaterial wurde vom Laptop auf die große Leinwand übertragen. Neben fiktionalen Filmsequenzen, die die Handlung vorantreiben, gilt es immer auch wieder, bestimmte Aufgaben zu lösen. Während Olaf Pöschk auf seinem Sofa auf der Bühne dem Zuschauer erklärte, wie das Spiel abläuft, durfte Georg Martin in die Rolle des Spielers schlüpfen und verschiedene Rätsel lösen. Bei richtiger Antwort läuft das Spiel weiter, bei falscher Antwort folgen witzige Einspieler, die im Publikum für viel Gelächter sorgten. So wird bei einem Bewerbungsgespräch schon mal die Bewerbungsmappe zerrissen oder die Sekretärin platzt ins Gespräch und verkündet den Weltuntergang.

Gezeigt wurden knapp zwei Stunden Film- und Spielmaterial, viele Level wurden auf Zeitgründen übersprungen. Die effektive Spielzeit hat Olaf Pöschk mit 4-5 Stunden angegeben, und das auch nur, wenn man alle Rätsel beim ersten Versuch löst. Aber dann verpaßt man eben auch die vielen kleinen lustigen Überraschungen, die überall in das Spielkonzept eingebaut sind.

Letztendlich gelang das Experiment, wie der Applaus des Publikums verdeutlichte. Erik Schiesko versammelte noch einmal alle am Film Beteiligte auf der Bühne um sich herum und lud dann zu einem kleinen Bufett (passend zum Filmthema mit DDR-Gerichten) und zur großen Aftershow-Party ein. „Ich habe in den vergangenen Wochen soviel Zeit in die Fertigstellung des Films investiert, daß ich jetzt einfach nur noch feiern will!“, so Schiesko zum Abschluß.

Und wie kam das Projekt beim Publikum an? Viele waren überrascht von der professionellen Umsetzung und vom Produktionsaufwand. Aber sie waren auch neugierig, das Spiel selber einmal auszuprobieren. Ab Ende Februar besteht dazu auf einer speziell eingerichteten Webseite unter www.spielfilm.click die Möglichkeit.

Die beiden Hauptdarsteller Vanessa Jordan-Heinrich und Leander Linz

Die beiden Hauptdarsteller Vanessa Jordan-Heinrich und Leander Linz

„Auf der Suche“ – Erik Schieskos neuestes Projekt kurz vor der Premiere.

Bei Erik Schiesko, der mit seinem Spielfilm-Debüt „Blaue Stunde“ sowie mit „Holger und Hanna (und der ganze kranke Rest)“ für Furore sorgte und mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Region besitzt, steigt die Anspannung. Nur noch wenige Tage, und sein neuestes Projekt feiert am 22. Januar 2016 im Cottbuser Weltspiegel seine Premiere.

Mit „Auf der Suche“ – so der Name des Filmes – wagt sich Schiesko auf völlig neues Terrain. Zum ersten Mal wird ein Film interaktiv auf die Kinoleinwand gebracht, d.h. es entsteht ein Spielfilm mit Computerspieleinlagen. Oder, je nach Betrachtungsweise, ein Computerspiel mit Filmsequenzen. Gut möglich, dass mit „Auf der Suche“ ein komplett neues Filmgenre geschaffen wird.

„Erstmalig entsteht ein interaktiver Film, dessen Thematik in der Lausitz angesiedelt ist.“ verrät der Filmemacher. „Dabei ist die Handlung nicht nur für Einheimische interessant. Der Spieler bzw. der Zuschauer wird auch vieles über die Lausitz erfahren, was er so vielleicht noch nicht kennt!“

Die Handlung des Filmes ist schnell erzählt: Ein junger Reporter namens Lukas kommt einer Verschwörung auf die Schliche. Er findet in einem Archiv einen Artikel aus den 80er Jahren, welcher seinen Tod beschreibt. Auf der Suche nach der Wahrheit deckt der Held nach und nach die Geschichte einer verflossenen Liebe auf, die für sein eigenes Schicksal verantwortlich scheint.

Der Spieler am PC oder mobilen Endgerät steuert Lukas durch verschiedene Orte und Situationen, lässt ihn Gegenstände einsammeln und versucht durch Geschick und Kombinationsgabe, das Mysterium um die geheimnisvolle Anzeige zu lösen. Das Spielprinzip kennen viele als “Point & Click”-Adventure vom heimischen Computer. Zusätzlich bringen filmische Rückblenden die Geschichte voran und offenbaren wichtige Informationen.

Während der Spielanteil in der Jetztzeit angesiedelt ist, werden die Ereignisse des Jahres 1986 in kurzen Filmszenen dargestellt.

Gerade der Sprung zurück in die Vergangenheit stellte das Filmteam vor größere Herausforderungen. Die jungen Filmemacher kennen die DDR nur aus Erzählungen ihrer Eltern. Kulissen, Requisiten und Handlungen sollten trotzdem so originalgetreu wie möglich sein, selbst an Fahrzeuge und Uniformen wurde gedacht. Geholfen haben oft Bekannte und Freunde mit Leihgaben und Fachwissen.
Auf der Suche nach geeigneten Motiven wurde Erik Schiesko auch in Forst fündig. Die alten Tuch-Fabriken und noch unsanierten Häuser im DDR-Einheitsgrau waren für den Regisseur die perfekte Kulisse für ein Abbild der damaligen Zeit. „Schienenstränge wie die der ehemaligen Forster Stadteisenbahn, die an manchen Abschnitten noch in Kopfsteinpflaster eingefasst sind, sucht man in Cottbus vergebens.“, so Schiesko.
Auch alte DDR-Fahrzeuge mussten organisiert werden. Cottbusverkehr stellte für die Filmaufnahmen eine alte Straßenbahn aus den 80er Jahren bereit. Oldtimersammler Matthias Regina von „Trabi Cottbus“ überließ kurzzeitig einen grünen Wartburg für die Dreharbeiten. Am Lenkrad saß Ronne Noack, in Cottbus besser als Postkutscher bekannt. Matthias Regina selbst spielt als Volkspolizist mit, natürlich stilecht in einem original VP-Funkstreifenwagen.
Für eine Familienszene wurde sogar eine leerstehende Wohnung in Forst mit Möbeln aus Haushaltsauflösungen komplett neu eingerichtet.

Weitere Motive fanden die Filmemacher in Groß Jamno, im Cottbuser Stadtteil Sachsendorf, im Tierpark Cottbus und in Jänschwalde.

Die Dreharbeiten hielten aber noch eine ganz andere Überraschung parat. Vanessa Jordan-Heinrich, die in den Filmpassagen die Rolle der Janette spielt, verrät eine kleine Anekdote: „Leander Linz, der Hauptdarsteller, und ich, wir kennen uns schon aus dem Kindergarten. Nach der Grundschule haben wir uns aus den Augen verloren. Erst hier beim Dreh haben wir uns wieder getroffen.“
Für Erik Schiesko war das Zusammentreffen ebenfalls ein Glücksfall: „Es ist zwar reiner Zufall, dass sich Vanessa und Leander wieder trafen. Aber da die Chemie bei den Beiden stimmt, hat sich das gut auf die gemeinsamen Szenen ausgewirkt.“

Erstes bewegtes Bildmaterial konnten Besucher des 25. Cottbuser Filmfestivals bei einer Art „Making Of“-Präsentation sehen. Aus dem Publikum kam durchweg nur positive Resonanz. Ablehnende Meinungen gab es keine, alle waren überrascht, welche Möglichkeiten sich durch die Kombination von Spielfilm und Computerspiel ergeben. Selbst Fachbesucher des Filmfestivals attestierten Erik Schieskos Projekt Potenzial fürs große Kino.

Die Handlung des Spiels greift neben den Geschichten um Lukas und Janette auch ernste Themen auf. Trotzdem gibt es für den Nutzer immer wieder unterhaltsame Momente. Werden nämlich im Spieleteil Rätsel falsch gelöst, erwarten den Spieler unvorhergesehene Überraschungen.

Die Cottbuser Zuschauer werden viele bekannte Gesichter wiedererkennen. In den Filmszenen agieren neben den beiden Hauptdarstellern Leander Linz und Vanessa Jordan-Heinrich bekannte Cottbuser Schauspieler. Ronne Noack wurde schon erwähnt. In einer anderen Szene spielt Matthias Heine vom Piccolo-Theater zusammen mit Laura Maria Hänsel vom Staatstheater Cottbus. Ihre Rollen sorgten schon während der Dreharbeiten für den einen oder anderen Lacher am Set.AufDerSuchePromo23

Bis der Film allerdings auf der großen Leinwand zu sehen ist, müssen Erik Schiesko und sein Team noch viel Zeit und Arbeit in das Projekt investieren. „Mehrere hundert Gigabyte Daten müssen verarbeitet und Handlungsstränge miteinander verknüpft werden. Zusätzlich sind viele ToDo-Listen noch abzuarbeiten.“, erklärt Erik Schiesko. Programmierer Robert Baruck musste sich dafür extra ein neues Computerprogramm schreiben, um die Interaktion des Filmes darstellen zu können. Erfahrungen, ob und wie es letztendlich funktioniert, gibt es bisher noch nicht.

Erik Schiesko ist verhalten optimistisch. Der Zuspruch und die Vorschläge von Film- und Computerfreaks, den er und seine Mitstreiter bei der Präsentation während des Filmfestivals erhielten, waren Aufmunterung und Aufforderung zugleich. „Wir wollen und wir werden bis zur Premiere am 22. Januar fertig sein!“, verkündet Erik Schiesko und macht sich gleich wieder an die Arbeit.

Bleibt eigentlich nur noch zu hoffen, daß „Auf der Suche“ genauso den Nerv des Publikums trifft wie Erik Schieskos bisherige Projekte. Ab 8. Februar 2016 erfolgt die Freischaltung, dann kann sich Jeder über eine eigens dafür eingerichtete Webseite selber auf die Suche nach des Rätsels Lösung begeben.

(c) für alle Fotos: KonturProjekt