Vorgestellt: Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen

Im Sony-Center am Potsdamer Platz in Berlin befindet sich das Filmhaus. Es beherbergt neben der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) auch die Deutsche Kinemathek, die sich dem Sammeln, Bewahren und Präsentieren des audiovisuellen Erbes verpflichtet fühlt. Ein Teil der Bestände werden im Museum für Film und Fernsehen ausgestellt.

Über mehrere Etagen erstreckt sich die ständige Ausstellung zur deutschen Filmgeschichte, die für jeden Filmliebhaber ein Muß sein sollte.

Schon zu Beginn des Ausstellungsrundganges wird der Besucher in eine andere Welt versetzt. Im Eingangsbereich sorgen scheinbar unzählige aufeinander abgestimmte Spiegel für einen ersten „Wow“-Effekt. Der Betrachter sieht sich oberhalb, unterhalb, seitlich – mit jedem Schritt ändert sich der Blick aufs eigene Ich. Die Illusion ist perfekt: man glaubt, in einem riesigen Schacht gefangen zu sein. Vorsichtig nähert man sich der Begrenzung und blickt entweder in einen tiefen Abgrund oder nach oben in ein Wirrwarr aus Verstrebungen.

Ständige Ausstellung, „Spiegelsaal“
Foto: Marian Stefanowski
Quelle: Deutsche Kinemathek

Was folgt, ist ein Ausflug in die deutsche Filmgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Viel Raum wird den Pionieren und ersten Stars des Films gewidmet: Ernst Lubitsch, F.W. Murnau, Asta Nielsen, Emil Jannings. Ein Schwerpunkt ist Fritz Langs Stummfilm-Monumentalwerk „Metropolis“ (1927). Damals bei der Kritik durchgefallen, gehört „Metropolis“ heute zum visuellen Welterbe.

Nach der Stummfilmzeit folgte die Tonfilmzeit. Eine der damaligen Stars: Marlene Dietrich (1901-1992). Ihr sind mehrere Räume in der Ausstellung gewidmet. Zu sehen sind Privataufnahmen, Briefe, persönliche Dinge wie ihr Make-Up-Koffer, aber auch Kostüme der Diva, so u.a. der legendäre GI-Anzug.

Ständige Ausstellung, „Marlene Dietrich“
Foto: Marian Stefanowski,
Quelle: Deutsche Kinemathek

Die Vereinnahmung des Films in der NS-Zeit und die daraus resultierende Flucht ins Exil vieler Filmschaffender wird im folgenden Ausstellungsbereich genauso thematisiert wie die Filmproduktion im geteilten Nachkriegs-Deutschland. Immer wieder entdeckt der Besucher Bekanntes und Neues: Filmausschnitte indizierter Propagandafilme des Dritten Reiches sind ebenso zu sehen wie Ausschnitte aus Leni Riefenstals Olympiafilm (mit Modell des Olympiastadions zur Veranschaulichung der gezeigten Sequenzen), dazu Kleidungsstücke aus „Das Boot“ oder „Lola rennt“, Filmplakate bekannter Filme, Trophäen, Fotos von Schauspielern, an die man sich zurück erinnert.

Ständige Ausstellung, „Von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart (1946–1980)“
Foto: Marian Stefanowski,
Quelle: Deutsche Kinemathek

Im Zeittunnel wird dem Fernsehen gehuldigt. Emotionale Momente der Zeitgeschichte wie die erste Mondlandung oder der Fall der Mauer werden ebenso gezeigt wie Ausschnitte aus Unterhaltungssendungen. In der Programmgalerie kann der Besucher selber auf Entdeckungsreise gehen und nach Sternstunden der Fernsehunterhaltung recherchieren.

Ständige Ausstellung, „Zeittunnel Fernsehen“
Foto: Marian Stefanowski,
Quelle: Deutsche Kinemathek

Im „Spiegelsaal“ werden Bilder verschiedener Epochen des deutschen Fernsehens auf eine Wand projiziert, die mittels Spiegeln und geteilter Szenen zu neuen Bildern verknüpft werden. So entsteht spätestens mit Beginn des Farbfernsehens und des Fernseh-Vollprogramms ein Kaleidoskop aus Informationen und Bildern, die in dieser Vielfalt nur schwer zu verarbeiten sind.

Motiv der Ausstellung „Best Actress – Oscars®. Rollen. Bilder“
Design: Pentagram, Berlin

Neben der Ständigen Ausstellung gibt es im „Museum für Film und Fernsehen“ Sonderausstellungen zu speziellen Filmthemen. Aktuell ist die Ausstellung „Best Actress – Oscars. Rollen. Bilder“ zu sehen. Diese Hommage an die Oscar-Gewinnerinnen in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ würdigt das Schaffen jeder Einzelnen und zeigt gleichzeitig Originalkostüme und Entwürfe aus den jeweiligen Filmen. So ist jenes Kleid zu sehen, welches Vivian Leigh in „Vom Winde verweht“ (1939) getragen hat. Auch einige der pompösen Kleider, die die Gewinnerinnen während der Preisverleihung getragen haben, sind zu sehen, darunter die Kleider von Julia Roberts oder Cher (Foto unten).

Raumfoto: Marian Stefanowski

Raumfoto: Marian Stefanowski

Auch wenn die Raumaufteilung der Ausstellungen gewöhnungsbedürftig ist (die Sonderausstellung ist zweigeteilt, für die ständige Ausstellung wechselt man ständig die Etage), wird man doch mit interessanten und faszinierenden Einblicken in die über 100jährige Geschichte des Films belohnt. Die Exponate werden visuell ansprechend präsentiert, an einigen Stationen wird man sogar zum Ausprobieren und Knöpfchen-Drücken animiert.

Wer alles sehen und lesen will, sollte viel Zeit mitbringen. Die Vielzahl an Exponaten, Schautafeln, Fotos und Filmsequenzen begeistert und macht Lust, der Ausstellung einen weiteren Besuch abzustatten.

Weitere Infos zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und zur Ausstellung: www.deutsche-kinemathek.de

„Auf der Suche“ – die etwas andere Filmpremiere

PLAKAT (WEB) Auf Der Suche 2016Ein ungewöhnliches Kinoerlebnis hatten im Cottbuser Weltspiegel die gut 350 Besucher der Weltpremiere von „Auf der Suche“, dem ersten interaktiven Film. In Anwesenheit fast des gesamtes Filmteams verriet Moderator Olaf Pöschk dann auch gleich zur Eröffnung der Veranstaltung, was den Zuschauer erwartet: „Ich darf live im ‚Weltspiegel‘ zocken und Sie dürfen mir dabei zusehen!“, freute er sich.

„Auf der Suche“ ist ein Mix aus Spielfilm und Computerspiel. Erdacht hat sich das Konzept Erik Schiesko, bekannt für seine Filme „Blaue Stunde“ oder „Holger und Hanna (und der ganze kranke Rest)“. Doch Schiesko wollte etwas Besonderes schaffen: ein (Film)Spiel mit Lausitzer Motiven und realen Lausitzer Darstellern. Unterstützung für sein Projekt fand er bei der LAUSITZER RUNDSCHAU, die Erik Schiesko und seinem Team u.a. Zugang zum LR-Archiv und zu den Redaktionsräumen ermöglichte. Chefredakteur Johannes M. Fischer würdigte dann auch in seinem kurzen Grußwort das Ergebnis: „Was hier geschaffen wurde, ist einzigartig und beweist einmal mehr, daß Cottbus so einiges zu bieten hat!“.

Erik Schiesko beim Sektempfang vor der Premiere

Erik Schiesko beim Sektempfang vor der Premiere

Doch wie soll man sich einen interaktiven Film im Kino vorstellen? Genau das war das Experiment, daß Erik Schiesko, Programmierer Robert Baruck und Spieldesigner Olaf Pöschk an diesem Abend wagten. Das Bildmaterial wurde vom Laptop auf die große Leinwand übertragen. Neben fiktionalen Filmsequenzen, die die Handlung vorantreiben, gilt es immer auch wieder, bestimmte Aufgaben zu lösen. Während Olaf Pöschk auf seinem Sofa auf der Bühne dem Zuschauer erklärte, wie das Spiel abläuft, durfte Georg Martin in die Rolle des Spielers schlüpfen und verschiedene Rätsel lösen. Bei richtiger Antwort läuft das Spiel weiter, bei falscher Antwort folgen witzige Einspieler, die im Publikum für viel Gelächter sorgten. So wird bei einem Bewerbungsgespräch schon mal die Bewerbungsmappe zerrissen oder die Sekretärin platzt ins Gespräch und verkündet den Weltuntergang.

Gezeigt wurden knapp zwei Stunden Film- und Spielmaterial, viele Level wurden auf Zeitgründen übersprungen. Die effektive Spielzeit hat Olaf Pöschk mit 4-5 Stunden angegeben, und das auch nur, wenn man alle Rätsel beim ersten Versuch löst. Aber dann verpaßt man eben auch die vielen kleinen lustigen Überraschungen, die überall in das Spielkonzept eingebaut sind.

Letztendlich gelang das Experiment, wie der Applaus des Publikums verdeutlichte. Erik Schiesko versammelte noch einmal alle am Film Beteiligte auf der Bühne um sich herum und lud dann zu einem kleinen Bufett (passend zum Filmthema mit DDR-Gerichten) und zur großen Aftershow-Party ein. „Ich habe in den vergangenen Wochen soviel Zeit in die Fertigstellung des Films investiert, daß ich jetzt einfach nur noch feiern will!“, so Schiesko zum Abschluß.

Und wie kam das Projekt beim Publikum an? Viele waren überrascht von der professionellen Umsetzung und vom Produktionsaufwand. Aber sie waren auch neugierig, das Spiel selber einmal auszuprobieren. Ab Ende Februar besteht dazu auf einer speziell eingerichteten Webseite unter www.spielfilm.click die Möglichkeit.

Die beiden Hauptdarsteller Vanessa Jordan-Heinrich und Leander Linz

Die beiden Hauptdarsteller Vanessa Jordan-Heinrich und Leander Linz

„Auf der Suche“ – Erik Schieskos neuestes Projekt kurz vor der Premiere.

Bei Erik Schiesko, der mit seinem Spielfilm-Debüt „Blaue Stunde“ sowie mit „Holger und Hanna (und der ganze kranke Rest)“ für Furore sorgte und mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Region besitzt, steigt die Anspannung. Nur noch wenige Tage, und sein neuestes Projekt feiert am 22. Januar 2016 im Cottbuser Weltspiegel seine Premiere.

Mit „Auf der Suche“ – so der Name des Filmes – wagt sich Schiesko auf völlig neues Terrain. Zum ersten Mal wird ein Film interaktiv auf die Kinoleinwand gebracht, d.h. es entsteht ein Spielfilm mit Computerspieleinlagen. Oder, je nach Betrachtungsweise, ein Computerspiel mit Filmsequenzen. Gut möglich, dass mit „Auf der Suche“ ein komplett neues Filmgenre geschaffen wird.

„Erstmalig entsteht ein interaktiver Film, dessen Thematik in der Lausitz angesiedelt ist.“ verrät der Filmemacher. „Dabei ist die Handlung nicht nur für Einheimische interessant. Der Spieler bzw. der Zuschauer wird auch vieles über die Lausitz erfahren, was er so vielleicht noch nicht kennt!“

Die Handlung des Filmes ist schnell erzählt: Ein junger Reporter namens Lukas kommt einer Verschwörung auf die Schliche. Er findet in einem Archiv einen Artikel aus den 80er Jahren, welcher seinen Tod beschreibt. Auf der Suche nach der Wahrheit deckt der Held nach und nach die Geschichte einer verflossenen Liebe auf, die für sein eigenes Schicksal verantwortlich scheint.

Der Spieler am PC oder mobilen Endgerät steuert Lukas durch verschiedene Orte und Situationen, lässt ihn Gegenstände einsammeln und versucht durch Geschick und Kombinationsgabe, das Mysterium um die geheimnisvolle Anzeige zu lösen. Das Spielprinzip kennen viele als “Point & Click”-Adventure vom heimischen Computer. Zusätzlich bringen filmische Rückblenden die Geschichte voran und offenbaren wichtige Informationen.

Während der Spielanteil in der Jetztzeit angesiedelt ist, werden die Ereignisse des Jahres 1986 in kurzen Filmszenen dargestellt.

Gerade der Sprung zurück in die Vergangenheit stellte das Filmteam vor größere Herausforderungen. Die jungen Filmemacher kennen die DDR nur aus Erzählungen ihrer Eltern. Kulissen, Requisiten und Handlungen sollten trotzdem so originalgetreu wie möglich sein, selbst an Fahrzeuge und Uniformen wurde gedacht. Geholfen haben oft Bekannte und Freunde mit Leihgaben und Fachwissen.
Auf der Suche nach geeigneten Motiven wurde Erik Schiesko auch in Forst fündig. Die alten Tuch-Fabriken und noch unsanierten Häuser im DDR-Einheitsgrau waren für den Regisseur die perfekte Kulisse für ein Abbild der damaligen Zeit. „Schienenstränge wie die der ehemaligen Forster Stadteisenbahn, die an manchen Abschnitten noch in Kopfsteinpflaster eingefasst sind, sucht man in Cottbus vergebens.“, so Schiesko.
Auch alte DDR-Fahrzeuge mussten organisiert werden. Cottbusverkehr stellte für die Filmaufnahmen eine alte Straßenbahn aus den 80er Jahren bereit. Oldtimersammler Matthias Regina von „Trabi Cottbus“ überließ kurzzeitig einen grünen Wartburg für die Dreharbeiten. Am Lenkrad saß Ronne Noack, in Cottbus besser als Postkutscher bekannt. Matthias Regina selbst spielt als Volkspolizist mit, natürlich stilecht in einem original VP-Funkstreifenwagen.
Für eine Familienszene wurde sogar eine leerstehende Wohnung in Forst mit Möbeln aus Haushaltsauflösungen komplett neu eingerichtet.

Weitere Motive fanden die Filmemacher in Groß Jamno, im Cottbuser Stadtteil Sachsendorf, im Tierpark Cottbus und in Jänschwalde.

Die Dreharbeiten hielten aber noch eine ganz andere Überraschung parat. Vanessa Jordan-Heinrich, die in den Filmpassagen die Rolle der Janette spielt, verrät eine kleine Anekdote: „Leander Linz, der Hauptdarsteller, und ich, wir kennen uns schon aus dem Kindergarten. Nach der Grundschule haben wir uns aus den Augen verloren. Erst hier beim Dreh haben wir uns wieder getroffen.“
Für Erik Schiesko war das Zusammentreffen ebenfalls ein Glücksfall: „Es ist zwar reiner Zufall, dass sich Vanessa und Leander wieder trafen. Aber da die Chemie bei den Beiden stimmt, hat sich das gut auf die gemeinsamen Szenen ausgewirkt.“

Erstes bewegtes Bildmaterial konnten Besucher des 25. Cottbuser Filmfestivals bei einer Art „Making Of“-Präsentation sehen. Aus dem Publikum kam durchweg nur positive Resonanz. Ablehnende Meinungen gab es keine, alle waren überrascht, welche Möglichkeiten sich durch die Kombination von Spielfilm und Computerspiel ergeben. Selbst Fachbesucher des Filmfestivals attestierten Erik Schieskos Projekt Potenzial fürs große Kino.

Die Handlung des Spiels greift neben den Geschichten um Lukas und Janette auch ernste Themen auf. Trotzdem gibt es für den Nutzer immer wieder unterhaltsame Momente. Werden nämlich im Spieleteil Rätsel falsch gelöst, erwarten den Spieler unvorhergesehene Überraschungen.

Die Cottbuser Zuschauer werden viele bekannte Gesichter wiedererkennen. In den Filmszenen agieren neben den beiden Hauptdarstellern Leander Linz und Vanessa Jordan-Heinrich bekannte Cottbuser Schauspieler. Ronne Noack wurde schon erwähnt. In einer anderen Szene spielt Matthias Heine vom Piccolo-Theater zusammen mit Laura Maria Hänsel vom Staatstheater Cottbus. Ihre Rollen sorgten schon während der Dreharbeiten für den einen oder anderen Lacher am Set.AufDerSuchePromo23

Bis der Film allerdings auf der großen Leinwand zu sehen ist, müssen Erik Schiesko und sein Team noch viel Zeit und Arbeit in das Projekt investieren. „Mehrere hundert Gigabyte Daten müssen verarbeitet und Handlungsstränge miteinander verknüpft werden. Zusätzlich sind viele ToDo-Listen noch abzuarbeiten.“, erklärt Erik Schiesko. Programmierer Robert Baruck musste sich dafür extra ein neues Computerprogramm schreiben, um die Interaktion des Filmes darstellen zu können. Erfahrungen, ob und wie es letztendlich funktioniert, gibt es bisher noch nicht.

Erik Schiesko ist verhalten optimistisch. Der Zuspruch und die Vorschläge von Film- und Computerfreaks, den er und seine Mitstreiter bei der Präsentation während des Filmfestivals erhielten, waren Aufmunterung und Aufforderung zugleich. „Wir wollen und wir werden bis zur Premiere am 22. Januar fertig sein!“, verkündet Erik Schiesko und macht sich gleich wieder an die Arbeit.

Bleibt eigentlich nur noch zu hoffen, daß „Auf der Suche“ genauso den Nerv des Publikums trifft wie Erik Schieskos bisherige Projekte. Ab 8. Februar 2016 erfolgt die Freischaltung, dann kann sich Jeder über eine eigens dafür eingerichtete Webseite selber auf die Suche nach des Rätsels Lösung begeben.

(c) für alle Fotos: KonturProjekt

Tatort: „Der große Schmerz“ / „Fegefeuer“

Das Erste

Erstausstrahlungen 01.01.2016 und 03.01.2016

Was war das für ein mediales Rauschen im Blätterwald, als bekannt wurde, daß Deutschlands Liebling Nr. 1, Helene Fischer, in Til Schweigers neuem Tatort mitspielen soll. Was genau, blieb lange geheim. Bekannt wurde nur, daß sie als Auftragskillerin die Gegenspielerin von Nick Tschiller (Til Schweiger) ist.

Hamburgs LKA-Beamter Nick Tschiller führt immer noch seinen Privatkrieg gegen den Anführer des Astan-Clans. Der soll in die JVA Landshut überstellt werden. Zeitgleich werden Tschillers Tochter Lenny (völlig talentfrei: Luna Schweiger) und seine Ex-Frau Isabell (Stefanie Stappenbeck) gekidnappt. Die Entführer fordern, daß Tschiller Firat Astan (Erdal Yildiz) während der Überführung befreit und anschließend an sie ausliefert.
Natürlich will Tschiller wissen, wer hinter der Aktion steckt. Um das zu erfahren, ist ihm jedes Mittel recht. Bei seinem Rachefeldzug verschont er weder Freund noch Feind: Tschiller trickst das Begleit-MEK aus, lenkt Astans Gefolgsleute ab (die an der Befreiungsaktion teilnehmen sollten), schlägt seinen Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim) K.O, schnappt sich Astan und taucht ab. Sein Vorgesetzter Petretti (Tim Wilde) sowie Staatsanwältin Hanna Lennerz (Edita Malovcic) werden nervös, scheint doch Tschiller so langsam die Kontrolle zu verlieren. Auch der neue Innensenator Revenbrook (Arnd Klawitter) scheint etwas verbergen zu wollen, will er doch unbedingt, daß Tschiller Astan erschießt.

Nick Tschiller (Til Schweiger, li.) und Firat Astan (Erdal Yildiz, re.)
Bild: NDR/Gordon Timpen

Yalcin und Kollegin Ines Kallwey (Britta Hammelstein) ermitteln im Hintergrund weiter und können herausfinden, daß sich Leyla, eine von Astan auf Tschiller angesetzte Killerin (Helene Fischer), auf einem Schiff befindet. Yalcin Gümer entdeckt dort auch Tschillers Frauen. Als Tschiller mit Astan im Schlepptau im Versteck erscheint, eskaliert die Situation. Bei einem Feuergefecht werden Isabell angeschossen und Yalcin erschießt Leyla.

In der Fortsetzung „Fegefeuer“ hat Tschiller immer noch Astan in seiner Gewalt. Terroristen überfallen das „Tagesschau“-Nachrichtenstudio und nehmen Geiseln (u.a. Sprecherin Judith Rakers). Tschiller soll Astan zu einem Übergabeort bringen, dann werden die Geiseln freigelassen.
Inzwischen hat aber Revenbrook alle Polizeibeamte auf Nick Schiller angesetzt. Plötzlich will der Innensenator, daß Astan am Leben bleibt und den Geiselnehmern überstellt wird.
Gümer und Kallwey finden heraus, daß Leyla als junges Mädchen zwangsprostituiert und von Revenbrook zu perversen Sexspielen mißbraucht wurde. Astans Aussage könnte Revenbrook zu Fall bringen, deshalb hat sich Revenbrook mit den Hintermännern der Geiselnahme im Studio eingelassen.
Tschiller und Astan liefern sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Geiselnehmern. Außerdem versucht Astan immer noch zu fliehen, allerdings braucht er vorher noch Tschillers Hilfe, um an gewisse Dokumente zu gelangen.

Was hatte man sich in den 80er Jahren über Ruhrpott-Kommissar Horst Schimanski aufgeregt: zuviele Alleingänge, Missachtung der Dienstvorschriften, Überschreitung der Dienstbefugnisse. Gegen Tschiller war Schimanski ein vorbildlicher Beamter. In seiner ganzen Dienstzeit hatte Schimmi weniger Tote als Tschiller in dieser „Tatort“-Doppelfolge.
Schweigers Tschiller präsentiert sich als Mischung aus John McCaine (Bruce Willis in den „Stirb Langsam“-Filmen) und Jack Bauer (Kiefer Sutherland in „24“), ohne den Beiden auch nur annähernd das Wasser reichen zu können. Auch die Handlung ist völlig unrealistisch. Tschiller wird mit Waterboarding gefoltert, rammt frontal mit seinem Auto einen Lieferwagen, wird fast erdrosselt und bekommt ein Messer in den Rücken gerammt. Von den unzähligen Gegnern mit automatischen Waffen mal abgesehen. Tschiller putzt sich mal schnell das Blut aus dem Gesicht, steht auf und rennt weiter, als wäre nichts geschehen.

Aleksej (Sascha Reimann, re.), Pjotr (Raphael Domanski, 3.v.l.) und Lev (Janos Tiborcz, li.) foltern den immer noch schweigsamen Tschiller (Til Schweiger, 2.v.l.). "Bild: NDR/Gordon Timpen"

Aleksej (Sascha Reimann, re.), Pjotr (Raphael Domanski, 3.v.l.) und Lev (Janos Tiborcz, li.) foltern den immer noch schweigsamen Tschiller (Til Schweiger, 2.v.l.).
Bild: NDR/Gordon Timpen

Eine Spur der Verwüstung zieht sich durch Hamburg und niemand will (oder kann) ihn aufhalten? Und in einer Kommando-Aktion des russischen Inlandsgeheimdienstes kann mal so eben auf einer Straße in Hamburg ein Hubschrauber mit schwer bewaffneten Elitekämpfern landen, ohne daß es jemand mitbekommt?
Tschiller ballert mit allem und auf alles, was ihm vor die Flinte kommt – mal mit Pistole, mal mit MPi, mal mit Panzerfaust. Und bekämpft – mit einer Hand an einen Stuhl gefesselt – drei Ganoven (u.a. Sänger Ferris MC) mit einer Kreissäge.

Tschiller (Til Schweiger) jenseits von Gut und Böse. "Bild: NDR/Gordon Timpen"

Tschiller (Til Schweiger) jenseits von Gut und Böse.
Bild: NDR/Gordon Timpen

Als Actionfilm wäre „Der große Schmerz“ / „Fegefeuer“ durchaus großes Kino, als Tatort-Folgen ist das einfach nur großer Mist.

Und Helene Fischer? Mit dunkler Perücke, grünen Kontaktlinsen, einem starren Blick und ein paar wenigen im russischen Dialekt gesprochen Worten gibt sie eine Leyla ab, die auch jede Filmstudentin im ersten Studienjahr besser hätte spielen können. Daß sie den Filmtod stirbt (leider viel zu spät), ist nur zu gerecht. Und, oh Schreck, die ideale Schwiegertochter nimmt das böse F-Wort in den Mund. Einigen Helene-Fischer-Fans der älteren Jahrgänge dürften spätestens bei dieser Szene die Kinnladen runtergeklappt sein!

ARD/NDR TATORT: DER GROßE SCHMERZ, am Freitag (01.01.16) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Leyla (Helene Fischer) hat noch eine Rechnung mit Firat Astan offen. © NDR/Gordon Timpen, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter NDR-Sendung bei Nennung "Bild: NDR/Gordon Timpen" (S2). NDR Presse und Information/Fotoredaktion, Tel: 040/4156-2306 oder -2305, pressefoto@ndr.de

Leyla (Helene Fischer) hat noch eine Rechnung mit Firat Astan offen.
Bild: NDR/Gordon Timpen

Til Schweiger nuschelt sich durch die Handlung, auch Erdal Yildiz ist nicht immer zu verstehen. Hat man versehentlich während der Dreharbeiten den Tonmann gleich mit erschossen?

Yalcin Gümer (Fahri Yardim) hofft darauf, Lenny und Isabella zu finden. Bild: NDR/Gordon Timpen

Yalcin Gümer (Fahri Yardim) hofft darauf, Lenny und Isabella zu finden.
Bild: NDR/Gordon Timpen

Einziger Lichtblick in diesem – na gut, nennen wir es ruhig Actionkracher – ist Fahri Yardim. Er ist die einzige coole Sau in diesem „Tatort“ und sollte seine eigenen „Tatort“-Folgen bekommen! Nick Tschiller dagegen gehört aus dem Dienst entlassen (oder zumindest in den Innendienst, am Besten zum Akten archivieren, versetzt).
Aber es ist zu befürchten, daß uns dieser Möchtegern-Weltretter weiter belästigt. Wenigstens ist Helene aus dem Spiel….

Helene Fischer ist Leyla Bild: NDR/Gordon Timpen

Helene Fischer ist Leyla
Bild: NDR/Gordon Timpen

 

300 kg Haselnüsse für Aschenbrödel

Sollte in den nächsten Wochen der Weltmarkt für Haselnüsse zusammenbrechen, das Schloß Moritzburg ist gewappnet. Insgesamt 300 kg wurde eingelagert, Nachlieferungen sind jederzeit möglich. Aber wofür brauchen die Moritzburger soviele Haselnüsse? Reichen nicht 3 Haselnüsse für Aschenbrödel?

Aschenbrödel-Ausstellung im Schloss Moritzburg

v.l.n.r.: Carina Primpke (Kuratorin), Steffen Retzlaff (Kurator), Aschenbrödel, Dr. Christian Striefler (Geschäftsführer Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH), Margitta Hensel (Kuratorin)

Die Antwort auf diese Frage erhalten Besucher der Winterausstellung auf Schloß Moritzburg. Nach zweijähriger Unterbrechungspause kehrt die beliebte Ausstellung zum Märchenfilm „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ an jenen Ort zurück, wo vor Jahrzehnten Teile der Dreharbeiten stattfanden. Über 600 000 Besucher sahen bereits die vergangenen fünf Ausstellungen.

Völlig neu gestaltet wurde die Ausstellung in diesem Jahr. Das Kuratorenteam Steffen Retzlaff und Carina Primpke forschte in den vergangenen Jahren intensiv nach neuen Details zu einem der schönsten Märchenfilme dieses Planeten. Ergebnisse dieser Forschungen werden auf etwa 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche in 10 Räumen präsentiert. Zusammen mit den Gestaltern der Dresdner Agentur „whitebox“, Daniel Sommer und Christian Frommelt, wurde eine völlig neue Erlebniswelt geschaffen. Eintauchen in die Welt des Films im Allgemeinen und die von Aschenbrödel im Speziellen lautet das Prinzip!

Schon bei Betreten der Ausstellung wird der Besucher in eine andere Welt versetzt: Ein Kinofoyer wurde nachgebaut mit einer Kinokasse. Die Kartenverkäuferin wird als Hologramm zum Leben erweckt. Vom Foyer geht es sprichwörtlich durch die Leinwand in den Film.Aschenbrödel-Ausstellung im Schloss Moritzburg

Überhaupt beruht das Konzept der Ausstellung auf Multimedia und viele audiovisuelle Effekte. Der Besucher darf an Knöpfen drehen und kann sich so Szene für Szene durch die Dreharbeiten führen lassen. An anderer Stelle geben große Touchscreens Hintergrundinfos zu den Darstellern. In einem Raum kann man sich Tonbeispiele anhören. Sogar echte Baumstämme wurden in die Ausstellung integriert.
Natürlich dürfen auch ein paar der Originalrequisiten und -kostüme nicht fehlen. Auch im Außenbereich finden sich ein paar Stationen, die es zu entdecken gibt.Aschenbrödel-Ausstellung im Schloss Moritzburg

Und was hat das nun mit den 300 kg Haselnüssen zu tun? Ganz einfach, der Besucher erhält zu Beginn der Ausstellung eine Haselnuss, die während des Rundgangs mehrfach eine wichtige Rolle spielen wird. „Folge der Haselnuss!“, lautet das Motto.
Um auf den Besucheransturm vorbereitet zu sein, haben die Ausstellungsmacher voraus gedacht und eben jene 300 kg Haselnüsse geordert, damit auch jeder Besucher in die Welt von „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ eintauchen kann. Bis zum 28. Februar 2016 besteht Gelegenheit dazu.

Mehr Infos zu Öffnungszeiten und Eintrittspreise gibt es unter www.schloss-moritzburg.de

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Lausitzer Filmemacher gründen Netzwerk

25-FFCottbus-Marke-long-I_weiss_webWie können regionale Themen filmisch verarbeitet werden? Wie können sich Lausitzer Filmemacher überregional präsentieren? – Zwei von vielen Fragen, die sich Filmemacher aus der Lausitz bei einem informellen Zusammentreffen während des Filmfestivals Cottbus stellten.
Neben Spiel- und Dokumentarfilmern waren auch Initiatoren kleinerer Filmfestivals in der Lausitz und Vertreter öffentlicher Gremien anwesend.

Eingeladen waren auch Vertreter der für die Lausitz zuständigen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und Filmförderanstalten. Aber die Abwesenheit des MDR, des Medienboard Berlin-Brandenburg sowie der Mitteldeutschen Medienförderung zeigten deutlich, welchen Stellenwert der Lausitzer Film bei diesen Gremien genießt. Lediglich der Rundfunk Berlin-Brandenburg war mit Hellmuth Henneberg, Redaktionsleiter im Studio Cottbus, vertreten.
Kritik wird besonders am Medienboard Berlin-Brandenburg geübt. „Während anderen Produktionen das Geld praktisch nachgeworfen wird bzw. ein Großteil in Berlin verbleibt, schaffen es die kleineren, regionalen Filmproduktionen nicht mal bis zur Sekretärin!“, so die etwas überspitzte übereinstimmende Meinung.

Ideen für spannende Filme mit regionalem Bezug gibt es viele. Schnell kristallisierte sich in der Diskussion jedoch heraus, dass den Lausitzer Filmschaffenden eine Lobby fehlt. Viele der anwesenden Filmemacher kritisierten die fehlende Filmförderung bzw. die bürokratischen Hindernisse, um überhaupt gefördert zu werden. So musste Reiner Nagel mit seiner Filmproduktion „ostwärts film“ ein Projekt begraben, weil er trotz prominenter Unterstützung von u.a. der diesjährigen Literaturnobelpreisträgerin Svetlana Alexijewitsch den Film nur zu 50% finanzieren konnte. Dokumentarfilmer Donald Saischowa hat schon seit Jahren keinen Film mehr mit Fördergeldern gedreht.
Auch Clemens Schiesko kommt notgedrungen ohne Filmförderung aus: „Die Energie, die ich aufbringen muss, um mich um Fördermöglichkeiten zu kümmern, wandle ich lieber in Kreativität beim Filmedreh um. Und wenn nur Geld für zwei Schauspieler und einen Scheinwerfer da ist, dann überlege ich eben, wie ich die beiden Schauspieler mit dem einem Scheinwerfer trotzdem ins richtige Licht setzen kann!“

Aber nicht nur die Filmförderung macht den Teilnehmern Sorge. Dr. Grit Lemke, die sowohl beim Dok-Festival in Leipzig als auch beim Cottbuser Filmfestival als Kuratorin aktiv ist, fasst drei Schwerpunkte zusammen: die „Graswurzelgeschichte“, also der Umgang mit der Heimatgeschichte und den hiesigen Traditionen, das überregionale Filmschaffen mit internationalen Vermarktungschancen und das audiovisuelle Erbe mit der Bewahrung und Konservierung vorhandener Filme.

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v.l.n.r. Dr. Grit Lemke, Sabina Siegowa, Clemens Schiesko

Hellmuth Henneberg versucht, die Ängste ein wenig zu nehmen: „Beim RBB gibt es vier Sendeplätze für regionale Themen. Ich bin für jedes interessante Thema oder für gute Filmstoffe dankbar, die mir angeboten werden. Gerne bin ich auch bereit, diese Ideen vor den Entscheidungsträgern beim Sender zu verteidigen!“.
Von der vorgebrachten Idee, eine Trainingsinitiative zu starten, um hiesigen Filmemachern zu zeigen, wie man ein Filmprojekt bei Produzenten oder potentiellen Geldgebern vorstellt, hält er nicht viel. Für diese Trainingsinitiative wären kurzfristig sogar 10.000 Euro verfügbar.

Auch Erik Schiesko, wie sein Bruder Clemens auf Kurz- und Spielfilme spezialisiert, spricht sich dagegen aus: “Von den Leuten, die hier sitzen, braucht niemand eine Weiterbildung, wie man ein gutes Drehbuch schreibt oder wie man einen Film entwickelt. Das Geld, dass man sicherlich den Lektoren und Referenten zahlen müsste, sollte lieber direkt in die Filmarbeit gesteckt werden!“

Dass das nicht so einfach ist, zeigt sich daran, dass solche Gelder oft zweckgebunden sind. Hinzu kommt, dass das Land Sachsen andere Fördermöglichkeiten bietet als Brandenburg. „Lausitziale“-Vorstand Holger Fahrland schlägt deshalb vor, von zwei Seiten aus zu fördern. Als gelungenes Beispiel, wie so etwas funktionieren kann, nennt er den Industriepark Schwarze Pumpe, der genau auf der Ländergrenze zwischen Sachsen und Brandenburg steht und wo Fördergelder beider Länder drin stecken.

Die optimale Lösung für die Probleme der Lausitzer Filmemacher sieht Cosima Stracke-Nawka von der sächsischen Landesmedienanstalt in der Schaffung eines „Filmbüro Cottbus“, das alle Aktivitäten koordinieren könnte. Sie gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass die Umsetzung dieses Projektes ziemlich schwierig sein dürfte, zumal überhaupt nicht klar ist, wie das personell bewerkstelligt werden kann.
Ein Kompromiss könne sein, sich untereinander zu vernetzen und gegenseitig zu helfen und die Kräfte zu bündeln. Grit Lemke schlägt vor, gleich Nägel mit Köpfen zu machen und initiiert unter Zustimmung aller Anwesenden die Gründung des „Filmnetzwerkes Lausitz“. Eine Datenbank soll zunächst aufgebaut werden, in die sich Lausitzer Filmemacher eintragen und auf sich aufmerksam machen können. Bei regelmäßigen Treffen sollen die weiteren Schritte besprochen werden.

Grit Lemke, Ola Staszel vom Neißefilmfestival, Sabina Siegowa von der „Stiftung für das sorbische Volk“ und Cosima Stracke-Nawka wollen sich zunächst darum kümmern, das Netzwerk fester zu knüpfen und damit zum Laufen zu bringen.

Einbringen soll sich aber jeder, dem das Lausitzer Filmschaffen eine Herzensangelegenheit ist. Auch das Filmfestival Cottbus wird mit ins Boot geholt. In der Sektion „Heimat/Domownja“ sollen im nächsten Jahr mehr Filme mit lausitzer und sorbischen Themen vorgestellt werden. Durch die anwesenden Fachbesucher erhofft man sich dadurch auch mehr Aufmerksamkeit für das regionale Filmschaffen. Programmdirektor Bernd Buder sagte spontan seine Unterstützung zu und will mit der Festivalleitung die Ideen und Vorschläge des Abends prüfen.

Bleibt also nur noch zu hoffen und zu wünschen, dass der Film in der Lausitz endlich sein Nischendasein verlässt und den Weg in die weite Filmlandschaft findet. Mit vereinten Kräften aller Filmenthusiasten sollte es dann auch möglich sein, Film-Fördergelder hier in die Region zu holen und den Regisseuren, Kameramännern, Schnitttechnikern und allen anderen an einem Filmprojekt Beteiligten eine angemessene Bezahlung zu ermöglichen. Der Anfang ist zumindest schon mal gemacht….

„Reizvolle“ Eindrücke beim Filmfestival

25-FFCottbus-Marke-long-I_weiss_webReizvolle Filme im wahrsten Sinne des Wortes erlebten die Besucher der beiden Veranstaltungen im Cottbuser Planetarium. Reizvoll deshalb, weil die bisherigen Sehgewohnheiten durch eine Reizüberflutung auf Grund der riesigen Kuppel-Leinwand nicht mehr gelten.
Fulldome-Kino lautet des Zauberwort. Das sind Filme, die speziell für gewölbte Leinwände konzipiert wurden und dem Zuschauer einen 360-Grad-Blick auf die Handlung ermöglichen.

Gezeigt wurde die Festival-Rolle – bereits prämierte Kurzfilme diverser Fulldome-Festivals. Insgesamt 14 Filme wurden dem erwartungsvollen Publikum an diesem Abend gezeigt.

Bereits der erste Film „Raumschwindel“ zeigte deutlich, welche Möglichkeiten sich in dieser Filmsparte ergeben. Kaleidoskopartig wechseln Bilder und Muster ihren Platz im Raum und nehmen den Zuschauer mit auf eine Reise in die Unendlichkeit. Spiralen und Wirbel sorgen zusätzlich dafür, dass die Sinne überfordert werden. Viele Zuschauer waren nach der Vorstellung der Meinung, dass bereits dieser Auftaktfilm eine Herausforderung bei der Wahrnehmung der Bilder war.
Den Blick aus Sicht eines in einem Glas gefangenen Insektes auf seinen Peiniger zeigt „Petty Tyrant“. Nicht nur das Ende dieses Filmes ist überraschend und erheiternd.
Zu einem animierten Stadtrundgang durch Torun lädt der Film „Kaleidoskop von Torun“ ein. Durch enge Straße und über weite Plätze geht es in eine Kirche, wo sich schließlich die Bilder wie ein Mosaik zusammenfügen.
Dass Fulldomefilme nicht nur animiert oder am Computer generiert werden, zeigt „Hit the silk“ – ein Film über das Fallschirmspringen mit realen Menschen. Durch den Rundumblick hat man das Gefühl, Teil der Fallschirmsprunggruppe zu sein.

Mit der Einbeziehung des Planetariums in das Filmfestival gelang den Programmverantwortlichen ein genialer Coup, der sicherlich bei dem einen oder anderen Zuschauer den Wunsch nach Wiederholung auslöste – trotz oder gerade wegen der Reizüberflutung.

6.3 Specials Fulldome PETTY TYRANT

„Petty Tyrant“ – (c) Filmfestival Cottbus

Viel Zuspruch für „Auf der Suche“ beim Cottbuser Filmfestival

25-FFCottbus-Marke-long-I_weiss_webIm Rahmen des 25. Filmfestival Cottbus stellte Filmemacher Erik Schiesko am Dienstagnachmittag sein neuestes Projekt vor. Mit „Auf der Suche“ – so der Name des Filmes – wagt sich Schiesko auf neues Terrain. Zum ersten Mal wird ein Film interaktiv auf die Kinoleinwand gebracht, d.h. es entsteht ein Spielfilm mit Computerspieleinlagen. Oder, je nach Betrachtungsweise, ein Computerspiel mit Filmsequenzen.

Erfahrungen, ob und wie es funktioniert, gibt es bisher noch nicht. Entsprechend tief stapelt Erik Schiesko bei der Vorstellung des „Making Of“ zum Film in der Kammerbühne in Anwesenheit einiger Mitwirkender, darunter Hauptdarstellerin Vanessa Jordan-Heinrich in Vertretung des erkrankten Leander Linz. „Was Sie gleich sehen werden, sind etwa 10% von der Endfassung. Vieles ist noch unbearbeitet oder muss noch programmiert werden. Wir wissen selber nicht, wie es auf der großen Kinoleinwand wirkt und bitten deshalb um Ihre Anregungen!“, entschuldigt sich Erik Schiesko schon mal vorab.

2015-11-03_FFC_Auf der Suche_(c) Thoralf Haß

v.l.n.r.: Robert Baruck (Programmierer), Erik Schiesko (Regie), Olaf Pöschk (Spieldesign), Vanessa Jordan-Heinrich (Hauptdarstellerin)

Die Handlung des Filmes ist schnell erzählt: Ein junger Reporter kommt einer Verschwörung auf die Schliche. Er findet in einem Archiv einen Artikel aus den 80er Jahren, welcher seinen Tod beschreibt. Auf der Suche nach der Wahrheit deckt der Held nach und nach die Geschichte einer verflossenen Liebe auf, die für sein eigenes Schicksal verantwortlich scheint.
Die Filmsequenzen wurden komplett in der Lausitz gedreht, u.a. in Cottbus, Jänschwalde oder Forst.

Zunächst startet „Auf der Suche“ wie ein gewöhnlicher Spielfilm. Ein Sprung ins Jahr 1986 zeigt, wie sich ein junges Paar findet. Dialoge, Filmmusik, Vorspann – alles wie gehabt. Dann der Sprung in die Gegenwart. Plötzlich friert das Bild ein. Nun muss der Zuschauer am Computer durch Lösen verschiedener Aufgaben herausfinden, wie die Handlung fortgesetzt werden kann. Lukas Schuck, Schauspieler an der „BÜHNE acht“, traut sich diesen Part zu. Und während sich Lukas durch die virtuellen Welten klickt, erläutern Erik Schiesko, Spieldesigner Olaf Pöschk und Programmierer Robert Baruck den Zuschauern, was später zu beachten sein wird und wie das Konzept der Interaktivität funktioniert.

„Es war für mich, der nicht so oft am Computer spielt, einfach, die Aufgabenstellung zu verstehen und umzusetzen.“, fasst Lukas Schuck seine Erfahrungen zusammen. Auch aus dem Publikum kommt nur positive Resonanz. Ablehnende Meinungen gibt es keine, alle sind überrascht, welche Möglichkeiten sich durch die Kombination von Spielfilm und Computerspiel ergeben. Selbst Fachbesucher des Filmfestivals attestieren Erik Schieskos Projekt Potenzial fürs Kino. Auch für jemanden, der die Lausitz nicht kennt, ist der Film sehenswert, erfährt er doch durch eingebaute Überraschungen so einiges.

Welch gewaltige Arbeit hinter dem Projekt steht, erläuterte Erik Schiesko anhand einiger Beispiele aus der Produktionsphase. Mehrere hundert Gigabyte Daten müssen verarbeitet werden. Robert Baruck musste sich ein neues Computerprogramm schreiben, um die Interaktion darstellen zu können. Lange ToDo-Listen, die noch abzuarbeiten sind, und Darstellungen logischer Verknüpfungen der im Spiel gesammelten Hinweise zeugen vom enormen Aufwand.

Bis zur Premiere am 22. Januar 2016 im Cottbuser Weltspiegel steht für Erik Schiesko und Robert Baruck noch viel Arbeit an. Den Zuspruch und die Vorschläge von Film- und Computerfreaks, den die Beiden bei der gestrigen Präsentation erhielten, können alle an dem Projekt Beteiligte gut gebrauchen. Gut möglich, dass mit „Auf der Suche“ ein komplett neues Filmgenre geschaffen wird.

Interaktiver Film „Auf der Suche“ kann getestet werden

Auf der Suche Making Of

(c) KonturPROJEKT

Erik Schieskos neuester Streich, der interaktive Spielfilm „Auf der Suche„, befindet sich in der Endphase, was Produktion und Programmierung betrifft.

Im Rahmen des Filmfestivals Cottbus, wo das Projekt in der Sektion „Specials“ an den Start geht, können Interessierte schon mal einen kurzen Ausschnitt aus dem Film sehen und sind anschließend zur Interaktion mit einer B-Version des Filmes eingeladen.

Am 03. November um 17:00 Uhr geben Regisseur Erik Schiesko, Hauptdarsteller Leander Linz, Programmierer Robert Baruck und Spieldesigner Olaf Pöschk in der Kammerbühne Cottbus in einer Art „Making Of“ Einblicke in die Dreharbeiten und erläutern, wie das interaktive Konzept umgesetzt wurde.

„Auf der Suche“ ist ein Spiel-Film oder Film-Spiel. Darin kommt ein junger Reporter einer Verschwörung auf die Schliche. Er findet in einem Archiv einen Artikel aus den 80er Jahren, welcher seinen Tod beschreibt. Auf der Suche nach der Wahrheit deckt der Held nach und nach die Geschichte einer verflossenen Liebe auf, die für sein eigenes Schicksal verantwortlich scheint.

Der Zuschauer bzw. Spieler hilft dabei, den mysteriösen Vorfall aufzuklären. Er muß sich durch die Kulissen klicken, um Hinweise für die Lösung zu erhalten. Neben den interaktiven Sequenzen gibt es auch immer wieder kurze Filmeinspieler, die die Handlung vorantreiben und wichtige Hintergrund-Informationen geben.

Die Filmsequenzen wurden komplett in der Lausitz gedreht. Neben Nachwuchsdarstellern agieren auch gestandene Schauspieler wie Ronne Noack, Mathias Heine oder Laura Maria Hänsel vor der Kamera.

Feierliche Premiere von „Auf der Suche“ wird am 22. Januar 2016 um 20:00 Uhr im WELTSPIEGEL Cottbus sein.

Von Cottbus in die weite Welt

Mittel und Wege Cover 300hochPremiere in Brasilien für den neuen Film der gebürtigen Cottbuserin Juliane A. Ahrens

Wieder einmal sorgt ein in Cottbus gedrehter Film für Aufmerksamkeit. Die gebürtige Cottbuserin Juliane A. Ahrens drehte im Frühjahr vergangenen Jahres mit anderen Studenten der „Hochschule für Fernsehen und Film München“ ihren Abschlußfilm. „Mittel und Wege“ heißt der 23minütige Kurzfilm, der Anfang November auf dem Mostra Audiovisual de Cambuquira (Cambuquira Short Film Festival)‏ in Brasilien seine Premiere feiern wird.

Gedreht wurde neben München auch in Cottbus-Sachsendorf, in Schmellwitz und auf dem Gelände von Cottbusverkehr. Juliane A. Ahrens, die nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch für den Film schrieb, kehrte dazu in ihre alte Heimat zurück. „In Cottbus zwischen Betonblöcken aufgewachsen, träumte ich in meiner Jugend, wie die meisten anderen auch, davon, diesem Ort eines Tages den Rücken zu kehren. So früh wie nur irgend möglich brach ich auf und entfernte mich, nicht nur geografisch, immer mehr von meiner Heimat. Doch je weiter weg ich mich befand, desto stärker wurde mein Verlangen, diesen Ort wiederzusehen.“, so Ahrens. Als Besucherin kehrte sie nach Cottbus zurück und drehte ihren ersten fiktionalen Kurzfilm.

"Der letzte Tag"

Juliane A. Ahrens (rechts) mit den Darstellerinnen Helen Bergmann und Svenya Cheyenne

Jahre später schrieb sie ein Drehbuch, das sich an alte Plattenbauten, einsame Straßen und auf verwilderten Parkplätzen verortete. „Ich kehrte zurück zu den dem Verfall preisgegebenen Orten meiner Kindheit und Jugend, erfüllt von der Angst, dass sich alles in Luft auflösen würde, sobald niemand mehr hinsieht. Diese Angst habe ich auf die Figuren in meinem Drehbuch übertragen. Eine Angst, wie ein zweischneidiges Schwert. Die existenzielle Furcht zurückzubleiben. Und gleichzeitig, das beklemmende Gefühl, etwas zurückzulassen, daß beim nächsten Besuch vielleicht aufgehört hat zu existieren.“ verrät Juliane A. Ahrens ihre Beweggründe für den Film.

„Mittel und Wege“ erzählt die Geschichte von Luka (gespielt von Helen Bergmann) und Janine (Svenya Cheyenne) – zwei Teenager, die unterschiedlicher nicht sein können: Luka steht vor dem vielleicht wichtigsten Schritt ihres noch jungen Lebens. Sie wechselt auf ein Sportinternat, hat aber Zweifel vor der Endgültigkeit ihrer Entscheidung. Janine dagegen läßt sich durchs Leben treiben und hat dennoch Angst, daß ihr das Leben nichts mehr zu bieten hat. Die schicksalhafte Begegnung der beiden Mädchen läßt sie erkennen, daß es nie zu spät ist, richtige Entscheidungen zu treffen….

Dreharbeiten zu "Der letzte Tag", 15.04.2014Für Helen Bergmann war es die erste Filmarbeit. Bisher sammelte sie nur Theatererfahrung, gründete mit ihrer Schwester und ein paar Freundinnen sogar den „Drama Club“ – einen Theater-Club, in dem die Mädels eigene Stücke inszenierten.
Daß die Filmarbeiten Neuland für die junge Darstellerin waren, merkt man ihr kaum an. Souverän agiert Helen Bergmann vor der Kamera an der Seite von gestandenen Schauspielern wie Christina Papst oder Kai Börner vom Staatstheater Cottbus.

Auch Svenya Cheyenne kann schon auf einige Filme in ihrer Vita verweisen. In „Mittel und Wege“ spielt sie eine junge Frau, die nach außen stark und cool wirkt ( was sich auch in ihren flippigen Klamotten ausdrückt), tief in ihrem Inneren aber einen weichen Kern hat.

„Mittel und Wege“ vermeidet hektische Bilder (Kamera: Karl Kürten) und schnelle Schnitte, setzt vielmehr auf ruhige Kamerafahrten und lange Einstellungen, immer abwechselnd mit Blick auf die beiden Protagonisten des Films und dem Milieu, dem sie entstammen. Die alten Plattenbauten am Cottbuser Stadtrand bilden dafür die perfekte Kulisse.

Wie Juliane A. Ahrens schon während der Dreharbeiten andeutete, soll der Film „Mittel und Wege“ irgendwann auch in Cottbus gezeigt werden. Zuvor erfolgt jedoch erst einmal die Film-Festivalauswertung.

Artikel veröffentlicht:
23.10.2015 nl_aktuell