„Reizvolle“ Eindrücke beim Filmfestival

25-FFCottbus-Marke-long-I_weiss_webReizvolle Filme im wahrsten Sinne des Wortes erlebten die Besucher der beiden Veranstaltungen im Cottbuser Planetarium. Reizvoll deshalb, weil die bisherigen Sehgewohnheiten durch eine Reizüberflutung auf Grund der riesigen Kuppel-Leinwand nicht mehr gelten.
Fulldome-Kino lautet des Zauberwort. Das sind Filme, die speziell für gewölbte Leinwände konzipiert wurden und dem Zuschauer einen 360-Grad-Blick auf die Handlung ermöglichen.

Gezeigt wurde die Festival-Rolle – bereits prämierte Kurzfilme diverser Fulldome-Festivals. Insgesamt 14 Filme wurden dem erwartungsvollen Publikum an diesem Abend gezeigt.

Bereits der erste Film „Raumschwindel“ zeigte deutlich, welche Möglichkeiten sich in dieser Filmsparte ergeben. Kaleidoskopartig wechseln Bilder und Muster ihren Platz im Raum und nehmen den Zuschauer mit auf eine Reise in die Unendlichkeit. Spiralen und Wirbel sorgen zusätzlich dafür, dass die Sinne überfordert werden. Viele Zuschauer waren nach der Vorstellung der Meinung, dass bereits dieser Auftaktfilm eine Herausforderung bei der Wahrnehmung der Bilder war.
Den Blick aus Sicht eines in einem Glas gefangenen Insektes auf seinen Peiniger zeigt „Petty Tyrant“. Nicht nur das Ende dieses Filmes ist überraschend und erheiternd.
Zu einem animierten Stadtrundgang durch Torun lädt der Film „Kaleidoskop von Torun“ ein. Durch enge Straße und über weite Plätze geht es in eine Kirche, wo sich schließlich die Bilder wie ein Mosaik zusammenfügen.
Dass Fulldomefilme nicht nur animiert oder am Computer generiert werden, zeigt „Hit the silk“ – ein Film über das Fallschirmspringen mit realen Menschen. Durch den Rundumblick hat man das Gefühl, Teil der Fallschirmsprunggruppe zu sein.

Mit der Einbeziehung des Planetariums in das Filmfestival gelang den Programmverantwortlichen ein genialer Coup, der sicherlich bei dem einen oder anderen Zuschauer den Wunsch nach Wiederholung auslöste – trotz oder gerade wegen der Reizüberflutung.

6.3 Specials Fulldome PETTY TYRANT

„Petty Tyrant“ – (c) Filmfestival Cottbus

Von Cottbus in die weite Welt

Mittel und Wege Cover 300hochPremiere in Brasilien für den neuen Film der gebürtigen Cottbuserin Juliane A. Ahrens

Wieder einmal sorgt ein in Cottbus gedrehter Film für Aufmerksamkeit. Die gebürtige Cottbuserin Juliane A. Ahrens drehte im Frühjahr vergangenen Jahres mit anderen Studenten der „Hochschule für Fernsehen und Film München“ ihren Abschlußfilm. „Mittel und Wege“ heißt der 23minütige Kurzfilm, der Anfang November auf dem Mostra Audiovisual de Cambuquira (Cambuquira Short Film Festival)‏ in Brasilien seine Premiere feiern wird.

Gedreht wurde neben München auch in Cottbus-Sachsendorf, in Schmellwitz und auf dem Gelände von Cottbusverkehr. Juliane A. Ahrens, die nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch für den Film schrieb, kehrte dazu in ihre alte Heimat zurück. „In Cottbus zwischen Betonblöcken aufgewachsen, träumte ich in meiner Jugend, wie die meisten anderen auch, davon, diesem Ort eines Tages den Rücken zu kehren. So früh wie nur irgend möglich brach ich auf und entfernte mich, nicht nur geografisch, immer mehr von meiner Heimat. Doch je weiter weg ich mich befand, desto stärker wurde mein Verlangen, diesen Ort wiederzusehen.“, so Ahrens. Als Besucherin kehrte sie nach Cottbus zurück und drehte ihren ersten fiktionalen Kurzfilm.

"Der letzte Tag"

Juliane A. Ahrens (rechts) mit den Darstellerinnen Helen Bergmann und Svenya Cheyenne

Jahre später schrieb sie ein Drehbuch, das sich an alte Plattenbauten, einsame Straßen und auf verwilderten Parkplätzen verortete. „Ich kehrte zurück zu den dem Verfall preisgegebenen Orten meiner Kindheit und Jugend, erfüllt von der Angst, dass sich alles in Luft auflösen würde, sobald niemand mehr hinsieht. Diese Angst habe ich auf die Figuren in meinem Drehbuch übertragen. Eine Angst, wie ein zweischneidiges Schwert. Die existenzielle Furcht zurückzubleiben. Und gleichzeitig, das beklemmende Gefühl, etwas zurückzulassen, daß beim nächsten Besuch vielleicht aufgehört hat zu existieren.“ verrät Juliane A. Ahrens ihre Beweggründe für den Film.

„Mittel und Wege“ erzählt die Geschichte von Luka (gespielt von Helen Bergmann) und Janine (Svenya Cheyenne) – zwei Teenager, die unterschiedlicher nicht sein können: Luka steht vor dem vielleicht wichtigsten Schritt ihres noch jungen Lebens. Sie wechselt auf ein Sportinternat, hat aber Zweifel vor der Endgültigkeit ihrer Entscheidung. Janine dagegen läßt sich durchs Leben treiben und hat dennoch Angst, daß ihr das Leben nichts mehr zu bieten hat. Die schicksalhafte Begegnung der beiden Mädchen läßt sie erkennen, daß es nie zu spät ist, richtige Entscheidungen zu treffen….

Dreharbeiten zu "Der letzte Tag", 15.04.2014Für Helen Bergmann war es die erste Filmarbeit. Bisher sammelte sie nur Theatererfahrung, gründete mit ihrer Schwester und ein paar Freundinnen sogar den „Drama Club“ – einen Theater-Club, in dem die Mädels eigene Stücke inszenierten.
Daß die Filmarbeiten Neuland für die junge Darstellerin waren, merkt man ihr kaum an. Souverän agiert Helen Bergmann vor der Kamera an der Seite von gestandenen Schauspielern wie Christina Papst oder Kai Börner vom Staatstheater Cottbus.

Auch Svenya Cheyenne kann schon auf einige Filme in ihrer Vita verweisen. In „Mittel und Wege“ spielt sie eine junge Frau, die nach außen stark und cool wirkt ( was sich auch in ihren flippigen Klamotten ausdrückt), tief in ihrem Inneren aber einen weichen Kern hat.

„Mittel und Wege“ vermeidet hektische Bilder (Kamera: Karl Kürten) und schnelle Schnitte, setzt vielmehr auf ruhige Kamerafahrten und lange Einstellungen, immer abwechselnd mit Blick auf die beiden Protagonisten des Films und dem Milieu, dem sie entstammen. Die alten Plattenbauten am Cottbuser Stadtrand bilden dafür die perfekte Kulisse.

Wie Juliane A. Ahrens schon während der Dreharbeiten andeutete, soll der Film „Mittel und Wege“ irgendwann auch in Cottbus gezeigt werden. Zuvor erfolgt jedoch erst einmal die Film-Festivalauswertung.

Artikel veröffentlicht:
23.10.2015 nl_aktuell

„Ich will sehen, ob meine Begeisterung für Film wirklich echt ist!“

„Aufbruch“ – so heißt der Debütfilm von Anna Ponge. Die Brasilianerin ist eigentlich Architekturstudentin an der BTU in Cottbus. Wie sie zum Film gekommen ist und wie wichtig es ist, die richtigen Leute zu kennen, verriet sie am Rande der Dreharbeiten in einem kurzen Gespräch.

Dreharbeiten zu "Barbara" (AT), 23.10.2014

Wie kommt es, daß Du plötzlich Filme drehst?

Ich studiere ja eigentlich Architektur, werde das Studium auch beenden. Ich bin rein zufällig durch die „BÜHNE acht“ zum Film gekommen und bin einfach nur begeistert. Meinen Film mache ich, um zu sehen, ob die Begeisterung wirklich echt ist. Beim Film nur zuzugucken ist etwas völlig anderes als einen Film selber zu drehen.

Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Da spielten verschiedene Dinge eine Rolle. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich nach dem Bachelor mache – ob ich einen Masterabschluß dranhänge oder noch einen ganz anderen Bachelor mache. Bei diesem anderen Bachelor wäre dann schon der Gedanke, mich vielleicht bei einer Filmhochschule zu bewerben.

Wie bist Du auf die Idee zu dem Drehbuch gekommen? Gab es eine Vorgeschichte?

Ich nehme jeden Tag die Straßenbahn, um zur Uni zu kommen. Ich habe immer ein paar Ideen im Kopf, worüber man erzählen könnte. Als ich mir dann aber gesagt habe: „Komm setz‘ Dich hing und versuche mal eine Geschichte aufzuschreiben, ob was Gescheites dabei herauskommt!“, da hatte ich sofort diesen Augenblick in der Straßenbahn im Sinn. Selbst nachdem ich die erste Szene geschrieben hatte, wußte ich selber noch gar nicht, worum es ging. Ich habe mir dann diese Szene so oft durchgelesen, bis ich die Figuren kannte und ich entschieden habe, wie die Geschichte weitergehen muß.

Du machst Regie und Kamera gleichzeitig, was ist schwerer?

Wenn ich mich an einer Filmhochschule bewerben sollte, dann will ich mich für Regie bewerben. Ich fotografiere sehr gerne, filme auch sehr gerne, aber Kameraarbeit ist für mich sehr anstrengend. Regie ist zwar auch schwierig, man muß an 1000 Sachen denken, deshalb freue ich mich immer, daß ich ein super Team habe, daß hilft und mitdenkt, vor allem an Sachen denkt, die ich völlig vergessen habe. Aber Beides ist trotzdem auch schön.

Dreharbeiten zu "Barbara" (AT), 18.10.2014

Anna Ponge am Set von „Aufbruch“ mit Hauptdarsteller Matthias Schreve (mitte) und Silvio Berger

Hast du Dir die Regiearbeit angelernt oder hast Du Dich vorher kundig gemacht bei Jemanden?

Ich bin ein großer Filmfreak, ich könnte stundenlang Filme schauen, da entwickelt man so ein bißchen ein Gefühl für Filmsachen. Jetzt mache ich ein Praktikum bei Erik Schiesko („Holger & Hanna“, „Blaue Stunde“) und kümmere mich um den Schnitt für sein aktuelles Projekt „Auf der Suche“. Da bekommt man auch ein neues Gefühl für die Sache. Und dadurch, daß ich schon an vier Filmsets war, u.a bei dem Münchner HFF-Projekt „Der letzte Tag“, bei Ralf Schusters „Kommissar Schlemmer“-Film und bei Eriks „Auf der Suche“, lernt man schon viel allein durch das Zugucken, vorallem wenn bei man bei Leuten zuguckt, die einem was erklären wollen. Das war bei allen Filmsets der Fall. Außerdem lese ich seit meiner ersten Filmerfahrung viel über Regiearbeit und Kurzfilmproduktionen.

Den Schnitt machst Du auch selber?

Ursprünglich wollte ich Regie und Schnitt machen, die Kamera kam dann noch dazu.

Warum hast Du keinen „richtigen“ Kameramann genommen?

Ich hatte einen „richtigen“ Kameramann, aber durch Terminverschiebungen konnte er dann nicht mehr. Das ist super schade.

Wonach hast Du das Filmteam ausgesucht?

Ich bin Mitglied an der „BÜHNE acht“ und kenne von dort die meisten Schauspieler. Sehr wichtig für mein Drehbuch war, daß ich nicht zu junge Leute haben wollte. Die Hauptfigur ist 30 Jahre alt. Die Schauspieler sollten schon so um die Drehe sein oder älter. Dadurch fallen die meisten Mitglieder der „BÜHNE acht“ raus.
Dann habe ich mal von den Figuren aus betrachtet, wer vom Körperlichen her oder von der Ausdrucksweise passen würde, vor allem bei denen, die ich schon spielen gesehen hatte. Alle, die ich hier dabei hatte, habe ich schon mal spielen gesehen. Mit Jan Fuchsmann, der den Ton macht, habe ich schon mal bei einem Filmprojekt zusammengearbeitet. Ich habe ihn gefragt und er hat sehr sehr netterweise gesagt, daß er mitmacht. Mathias Schulze leitet die Filmgruppe an der „BÜHNE acht“. Auch ihn habe ich gefragt, weil wir unbedingt einen Lichttechniker brauchten. Ich habe da überhaupt keine Ahnung. Ich weiß aber, daß Mathias Ahnung hat, wie ich ebenfalls schon mal bei einem gemeinsamen Dreh erfahren konnte. Auch er hatte dankenswerterweise zugesagt.

Erzähle mal etwas über die Handlung des Filmes!

Es geht eigentlich nur um die Hauptfigur. Es ist ein junger Mann aus einer ernsten Familie. Sein Vater hat sich mit seiner Schwester zerstritten. Das ist schon ein Jahr her und die ganze Familie redet nicht mehr mit der Schwester – besser gesagt, sie redet nicht mehr mit der Familie. Worüber die Beiden gestritten haben, ist jetzt egal. Die Sache ist, unsere Hauptfigur vermisst seine Schwester. Während des Filmes kommen verschiedene Situationen zusammen, in denen er an sie denken muß. Ob er am Ende zu ihr geht oder nicht, dafür muß man den Film sehen, um das herauszufinden.

Wenn man zunächst das Drehbuch liest, denkt man erst einmal an eine Liebesgeschichte: Ein Mann wartet an einer Haltestelle auf eine Frau, vermutlich seine Freundin…

… In der ersten Szene wartet er nur auf die Straßenbahn und trifft dabei den Freund der Schwester. Ich wollte das offen lassen und nicht sofort sagen, worum es geht. Ich will, daß man durch die Figur merkt, wie er sich fühlt. Wenn man ein Problem gleich am Anfang des Filmes zu sehr darstellt, versuchen die Zuschauer manchmal zu schnell vorzudenken und verstehen die Figur nicht. Es geht mir wirklich um die Figur; es geht mir nicht um den Streit oder irgendwas Anderes, sondern darum, daß man die Figur versteht. Und ich glaube, Matti (Matthias Schreve) bringt die Figur sehr gut rüber.

Dreharbeiten zu "Barbara" (AT), 23.10.2014

Die Eingangsszene mit Matthias Schreve und Daniel Schauff
(c) für alle Fotos: Thori, 2014

Sind Festival-Einreichungen eingeplant?

Wenn positives Feedback kommt, sicherlich, z.B. bei der Cottbuser Filmschau im Rahmen des Filmfestival..

Was unbedingt noch zu erwähnen wäre: der Film wäre nicht entstanden ohne die Unterstützung von Ralf Schuster, der mir die Technik organisierte, sowie Erik Schiesko, der mir ebenfalls seine Technik zur Verfügung stellte.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg mit Deinem Film!

„Entweder bin ich eine Zicke oder ein ganz liebes Mädchen!“

Schauspielerin Svenya Cheyenne im Gespräch über starke Mädchen, taffe Rollen und Harmonie am Film-SetPorträt Svenya 2

Svenya Cheyenne spielt in dem Kurzfilm „Der letzte Tag“ die Rolle der Janine. Die Zwanzigjährige steht seit ihrem 11. Lebensjahr vor der Kamera. Am Set von „Der letzte Tag“, der gleichzeitig Abschlußfilm der Filmstudentin Juliane A. Ahrens ist, stand Svenya Cheyenne für ein kurzes Gespräch zur Verfügung.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Regisseurin Juliane A. Ahrens?

Das war ganz spontan, weil ich ja in Berlin wohne. Ich habe von dem Castingaufruf gehört und bin nach München gefahren. Allerdings war ich beim ersten Mal noch nicht so in der Rolle drin, weil ich mit meinen Gedanken noch komplett in Berlin war. Ich habe dann vorgesprochen, mich auch mit meinem Spielpartner gut verstanden, der jetzt zufällig auch im Film den Marco spielt.
Es hieß dann, sie würden sich zwei Wochen später melden, aber bereits nach kurzer Zeit kam eine Mail mit der Nachricht, daß es eine zweite Castingrunde gibt und ob ich nicht Lust hätte, noch einmal zu kommen. Ich bin dann wieder nach München gefahren.
Beim zweiten Casting war die Stimmung irgendwie anders. Es war nicht mehr so streng, es machte total viel Spaß, beim Casting zu spielen. Eine Woche später kam der Anruf, daß ich für die Rolle ausgewählt wurde.

Wie würdest Du Deinen Filmcharakter beschreiben?

Janine weiß genau, was sie will. Sie ist ein sehr starker Charakter, allerdings mehr nach Außen. Ich glaube, nach Innen zeigt sie das nicht so. Sie ist sehr taff, aber in einer krassen Umgebung aufgewachsen und hat schon viel durchlebt in ihrem Leben. Janine hat insgesamt einen weichen Kern. Das ist auch der Grund, warum sie Luca irgendwann aus dem Keller befreit, weil sie sich sagt: “Ich kann das nicht mehr mit mir vereinbaren.”
Ich freue mich total, die Rolle der Janine zu spielen. Für mich ist es das erste Mal, daß ich so eine taffe Rolle spiele. Entweder bin ich so eine Zicke oder ein ganz ganz liebes Mädchen.

Hast Du Dich speziell vorbereitet auf diese Rolle?

Ich weiß gar nicht, ob man sagen darf, aber in dem Film “Fack you Göthe” gibt es ja diese Chantal. Daran haben wir uns ein wenig orientiert und auch in den Proben ein bißchen in diese Richtung geguckt.
In letzter Zeit höre ich öfters, daß Jella Haase, die die Chantal spielt, und ich ein bisschen Ähnlichkeit haben sollen. Ich finde den Vergleich cool, denke aber, das liegt in diesem Fall auch viel an unseren Outfits.

Wieviel von Janine steckt in Dir und welche Eigenschaften hast Du Janine mitgegeben?

Ich bin manchmal sehr stur und ich glaube, das kann Janine auch sein. Wenn ich etwas mache, dann mache ich das ganz oder gar nicht. Ich denke, daß Janine auch genauso ihren Weg findet. Die hat ihren eigenen Kopf, ist ein starkes Mädchen. Man läßt ja als Schauspielerin immer etwas von seinem Charakter in die Rolle einfliessen.

Was waren vor oder während der Dreharbeiten die größten Herausforderungen?

Das ist schwierig zu beantworten, denn wir sind ja noch mitten im Dreh. Ich glaube, das ganze Projekt ist eine Herausforderung. Ich kann nicht sagen, dieser eine Tag oder dieser eine Take ist eine Herausforderung. Es ist das Zusammenspiel. Wir wollen alle etwas Schönes aus dem Film machen und ich glaube, wir sind auch auf einem guten Weg. Man will, daß alles gut wird, und das sorgt für einen gewissen Druck im Hinterkopf. Aber wir harmonieren alle ganz gut und es macht Riesenspaß.

Wie kommst Du mit Helen klar, die die Luca spielt?

Helen ist super, ich mag Helen megagerne. Wir haben uns beim Casting ganz kurz gesehen, ich hatte aber mit einem anderen Mädchen gespielt. Wir hatten uns ganz kurz unterhalten. Es war cool, als wir uns bei der Probe dann wieder getroffen hatten. Helen ist ein ganz liebes Mädchen. Für sie es ja der erste richtige Film. Sie ist am Set sehr diszipliniert.

Dreharbeiten zu "Der letzte Tag", 15.04.2014

Janine (Svenya Cheyenne, rechts) fährt die verletzte Luca (Helen Bergmann) ins Krankenhaus. (Szenenfoto aus „Der letzte Tag“)

Du bist vermutlich die Erfahrenste von den Darstellern. Welche Tipps konntest Du den anderen mitgeben?

Helen und ich, wir haben viel miteinander geredet – bei den Proben, beim Mittagessen. Ich glaube, durch die Gespräche konnte ich ihr auch ein wenig die Angst nehmen. Juliane, die Regisseurin, hat aber auch ihren Anteil daran. Sie weiß, daß es der erste Film für Helen ist und geht entsprechend mit ihr um. Wir harmonieren einfach gut miteinander.

Welche Erwartungen hast Du an den Film?

Ehrlich gesagt noch gar keine. Wir sind gerade mitten im Dreh, mein Kopf ist voll. Ich muß auch ehrlich sagen, wenn ich drehe, dann sage ich nicht”jetzt kommt die Szene und jetzt kommt der Take”, sondern ich sehe das als Gesamtprojekt, als Einheit. Wir kommen immer weiter und irgendwann sind wir fertig. Ich sehe das als ein großes Ding. Die Erwartung ist vielleicht, daß es ganz toll wird und daß sich die Mühe gelohnt hat und wir hoffentlich noch ganz viele Filme zusammen machen können.

Gibt es denn schon Nachfolge-Projekte?

Ich habe schon ein, zwei Castings, wo ich auch schon weiß, daß ich weiter bin. Ansonsten läuft das über meine Agentur.

Du studierst Schauspiel?

Noch nicht. Das ist ein wenig kompliziert bei mir. Ich habe ganz viel hinter der Kamera gemacht, weil ich mir dachte, ich muß das auch mal ausprobieren – auch weil Viele sagen: “Schauspiel ist schwer”. Irgendwann kam der Punkt – so wie ein Schalter, der umgelegt wurde – , wo ich mir sagte: “Ok, entweder ganz oder gar nicht!” Ich habe vor, im Herbst an der Staatlichen Schauspielschule vorzusprechen. Mal sehen, wenn alles funktioniert, dann klappt es hoffentlich mit dem Studium. Auf jeden Fall will ich mit Schauspiel weitermachen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Deine weitere künstlerische Arbeit!

Dreharbeiten zu "Der letzte Tag", 15.04.2014

Svenya Cheyenne in einer Drehpause zusammen mit Darsteller Kai Börner vom Staatstheater Cottbus und der zweiten Hauptdarstellerin Helen Bergmann
(c) für alle Fotos: Thori, 2014

Münchener Filmteam dreht in Cottbus

Wieder einmal ist Cottbus Drehort für eine Filmproduktion. Gegenwärtig finden in den Cottbuser Stadtteilen Sachsendorf und Schmellwitz Dreharbeiten für einen 25-minütigen Kurzfilm der „Hochschule für Fernsehen und Film München“ statt. "Der letzte Tag"

„Der letzte Tag“, so der Titel des Films, wird der Abschlußfilm der Cottbuserin Juliane Ahrens, die an der Münchener Filmhochschule studiert. Bereits ihren ersten fiktionalen Film drehte sie in Cottbus, mit „Der letzte Tag“ schließt sich nun der Kreis. Aber Juliane Ahrens nennt noch einen weiteren Grund, warum ausgerechnet in Cottbus gedreht wird: „Wir fanden hier während der Motivsuche eine einzigartige Kulisse mit den alten Plattenbauten am Stadtrand. So etwas ist in München oder im Westen überhaupt nicht zu finden!“
Auch für die meisten anderen Mitglieder des internationalen Filmteams (die aus Deutschland, Österreich und Brasilien kommen) ist Cottbus eine neue Erfahrung.

"Der letzte Tag"

Juliane Ahrens (rechts im Bild) bespricht mit Helen Bergmann und Svenya Cheyenne die nächste Einstellung

„Der letzte Tag“ erzählt die Geschichte von Luka (gespielt von Helen Bergmann) und Janine (Svenya Cheyenne) – zwei Teenager, die unterschiedlicher nicht sein können: Luka steht vor dem vielleicht wichtigsten Schritt ihres noch jungen Lebens. Sie wechselt auf ein Sportinternat, hat aber Zweifel vor der Endgültigkeit ihrer Entscheidung. Janine dagegen läßt sich durchs Leben treiben und hat dennoch Angst, daß ihr das Leben nichts mehr zu bieten hat. Die schicksalhafte Begegnung der beiden Mädchen läßt sie erkennen, daß es nie zu spät ist, richtige Entscheidungen zu treffen….

Neben Juliane Ahrens genießt auch Anna Ponge einen gewissen „Heimvorteil“. Die Brasilianierin wohnt in Cottbus und studiert an der BTU Architektur. Das Ensemblemitglied des Cottbuser Studententheaters „BÜHNE acht“ stieß durch Zufall zum Filmteam. Als die Anfrage der Filmproduktion an die „BÜHNE acht“ zwecks Mithilfe kam, zeigte sich Anna interessiert und sagte spontan zu. Als Set-Runnerin hilft sie nun am Film-Set hinter der Kamera aus, damit die Dreharbeiten ohne Verzögerungen fortgesetzt werden können und sich das Filmteam am Set wohlfühlt. Von den erfahrenen Filmemachern und Schauspielern wird Anna Ponge als Neuling voll akzeptiert. „Es ist schön, mal mit anderen Menschen zu tun zu haben, die ähnliche Interessen haben. “, fasst Anna Ponge ihre ersten Filmerfahrungen zusammen und bedauert gleichzeitig, daß in Cottbus zu wenige Filme gedreht werden. Das bestätigen auch die Anderen, denen Cottbus bisher als Filmort unbekannt ist.
Das könnte sich aber ändern, zumal sich das Produktionsbüro von „Der letzte Tag“ ausgerechnet im Büro von „KonturPROJEKT“ des Cottbuser Filmemachers Erik Schiesko eingerichtet hat. Schiesko versucht seit einiger Zeit, Cottbus als Film-Metropole bekannt zu machen. Vielleicht klappt es ja mit Unterstützung der Münchener Studenten. Das Umfeld dazu ist auf jeden Fall vorhanden.

Noch bis Dienstag wird in Cottbus gedreht, dann zieht der Tross nach München weiter, wo noch einige Innenaufnahmen stattfinden werden. Vermutlich Ende des Jahres wird „Der letzte Tag“ fertiggestellt sein.

Flamenco Surealisto

flamencologoFilme in Spielfilm-Länge haben manchmal den Nachteil, daß zuviele Nebenhandlungen die eigentliche Story künstlich aufblähen und daß man sich im schlimmsten Falle, nämlich wenn der Film nicht gefällt, bis zum vorhersehbaren Happy-End langweilt. Oder man schaltet einfach ab und widmet sich anderen Dingen.

Bei Kurzfilmen dagegen wird auf alles Überflüssige verzichtet, man konzentriert sich auf das Wesentliche und spart vielleicht sogar bei den Dialogen. Der Film ist schneller zu Ende und man hat Zeit gewonnen.

Der Kurzfilm „Flamenco Surealisto“ entstand durch Studenten im Rahmen ihres Vordiploms. Später gründete sich daraus die Produktionsfirma RATTENSchaf. Als Hauptdarsteller konnten die „Profis“ Ellenie Salvo González und Klaus Nierhoff sowie Peer Augustinski als Erzähler gewonnen werden.

Regie führten Katja Klüting und Kai Stänicke. Ihr Erstlings-Werk hat aber schon einen Nachteil: der Film ist zu kurz! Man kann einfach nicht genug bekommen von dieser schrillen Komödie. Für einen 13-Minüter hat dieser Film nämlich erstaunlich viel Handlung. Aber wie schreibt man nun eine Kritik über einen Kurzfilm, ohne zuviel zu verraten?

Bei Hubert Blum, gespielt von Klaus Nierhoff, wird Diabetes festgestellt. Seine spanische Pflegekraft mit dem lieblichen Namen Concepciòn Anita Maria Jimenez Sanchez Perez de la Cruz (Ellenie Salvo González) sieht verteufelt gut aus. Klar, daß sich Hubert sofort in sie verliebt. Concepciòn hat nur einen Nachteil: sie ist lesbisch und liebt ihre russische Freundin Natalia Pawlowa (Annika Blendl). Hubert gibt aber nicht auf, verkleidet sich als Frau und versucht als Lizzy, Concepciòns Herz zu erobern. Fortan verfolgt er seine Auserwählte überall hin und bringt ihr Leben durcheinander. Nach einem Auftritt als Flamenco-Tänzerin flüchtet Concepciòn wieder mal vor Lizzy, bis sie beschließt, ihn/sie zur Rede zu stellen. Es kommt zum Show-Down mit überraschendem Ausgang…

Leicht und locker verwirklichten die „RATTENSchafe“ ihren ersten Film. Durch überraschende Wendungen in der Handlung und unter Zuhilfenahme von Trickelementen entstand ein richtig kleines Kunstwerk, daß sich mit einem nichtalltäglichen Thema auseinandersetzt: Was passiert eigentlich, wenn sich eine Hetero in eine Lesbe verliebt.

Störendes Beiwerk gibt es in diesem Film nicht, von Anfang an wird mit Tempo auf das unerwartete Finale hingearbeitet. Die Dialoge sind kurz und knapp gehalten, dafür wird meist wird gekreischt, was das Zeug hält – nämlich immer dann, wenn Lizzy bei Concepciòn auftaucht. Allerdings nervt dieses Kreischen nicht wie in manchen Horrorschinken, sondern unterstützt humorvoll die jeweilige Szene.

Die ungekrönte Kurzfilm-Königin Ellenie Salvo González („Flamenco Surealisto“ ist schon ihr 10. Kurzfilm in ihrer noch kurzen Karriere) zeigt einmal mehr ihre Wandlungsfähigkeit. Als Halb-Chilenin ist sie ohnehin die Idealbesetzung der feurigen Spanierin Concepciòn. Wieviel Temperament und Leidenschaft in ihr steckt, zeigt sie in der Szene, als sie Hubert zur Rede stellt und ihn dabei auf spanisch beschimpft (die deutsche Übersetzung läuft übrigens als Laufband unten durchs Bild und es ist ein Vergnügen, diesen nicht ganz jugendfreien Wortlauf mitzuverfolgen!).

Klaus Nierhoff ist die Freude, mal eine Frau zu spielen, sichtbar anzusehen – keine „Mrs. Doubtfire“, sondern eine richtig schrille Tunte, überspitzt dargestellt und trotzdem auch irgendwie liebenswürdig.

Umrahmt wird die Story von heißen Flamenco-Rhythmen. Michèle Lama, Profi-Flamenco-Tänzerin, doubelt Ellenie Salvo González in ihren Tanz-Szenen, Francisco Lama spielt dazu die Gitarre.

Man kann den RATTENSchafen nur wünschen, daß sie mit ihrem Konzept Erfolg haben und noch viele Ideen filmisch umsetzen. Man darf vorallem auf den ersten Film in Spielfilm-Länge gespannt sein. Ihn anzuschauen, wird sicherlich im Vergleich zum Hollywood-Einheitsbrei gut und sinnvoll genutzte Zeit….

„Begegnungen“ am Pfingstwochenende

Cover BegegnungenAm Pfingstwochenende 2013 fanden in der Cottbuser „Straße der Jugend“ Dreharbeiten für den neuen Film der Filmgruppe8 statt. Für den Kurzfilm „Begegnungen“ agierten Ensemblemitglieder der „BÜHNE acht“ vor der Kamera und sorgten bei Passanten für neugierige Blicke.

Gedreht wurde im „Cigar Malt 46“. Das Ambiente dieses urigen Whisky-Ladens bildete das perfekte Umfeld für die Komödie. Im Film begegnen sich hier skurrile Typen, die mit ihrer Sicht auf die Welt für Verwirrungen und Missverständnisse sorgen: die Frage nach der Uhrzeit versetzt eine junge Frau in Angst und Schrecken; ein freundliches „Guten Tag“ wird zur Belastungsprobe einer Freundschaft; eine Geschäftsfrau fühlt sich durch Blicke provoziert. Nur Ladeninhaber Martin scheint die Nerven zu behalten, scheitert aber selbst an der Frage, ob Elefanten, die man im Fernsehen sieht, echt sind oder nicht…

Martin Mendiburu (links) und Torsten Dubrow

Martin Mendiburu (links) und Torsten Dubrow

Fünf kurze Episoden reihen Drehbuchautor Torsten Dubrow und Regisseur Mathias Schulze aneinander. „Es gibt nur sehr wenige Episodenfilme, die meist auf Spielfilmlänge gebracht werden. Ein Episoden-Kurzfilm ist schon die Ausnahme und eine echte Herausforderung!“ versichert Mathias Schulze.

Dreharbeiten zu “Begegnungen”

Torsten Dubrow schrieb das Drehbuch ursprünglich als Theaterfassung und bediente sich dabei bei Fitzgerald Kusz, einem bayerischen Schriftsteller. Weil aber an der „BÜHNE acht“ niemand für das Stück Regie führen wollte, nahm sich Mathias Schulze des Drehbuches an und schrieb es für die Filmfassung um. Er konnte Dubrow als Co-Regisseur gewinnen und beide wagten das Experiment.

Noch während der Dreharbeiten entstanden weitere neue Ideen, die spontan in die Szenerie eingebaut wurden.

Kameramann Lukas Schuck und Regisseur Mathias Schulze

Kameramann Lukas Schuck und Regisseur Mathias Schulze

Auch der eigentliche Inhaber des Ladens, Thomas Grabitz, hatte seinen Spaß. „Ich finde es spannend, dabei zu sein und helfe gerne mit meinem Geschäft als Filmkulisse aus.“ Rührend kümmerte er sich um die Filmcrew und half, wo er konnte. Und nicht nur das: als für eine Szene kurzfristig ein Statist benötigt wurde, sprang Thomas Grabitz sofort ein und übernahm den Part.

Der Zuschauer wird einige Cottbuser Motive wiedererkennen, trotzdem ist es kein reiner Cottbus-Film. „Der Film könnte überall spielen!“, so Mathias Schulze. Aber „Begegnungen“ wird sicherlich auf andere Art für reichlich Diskussionsstoff sorgen: im Film wird nämlich viel geraucht. „Privat bin ich zwar Nichtraucher, aber als Filmemacher stört es mich, dass heutzutage kaum noch in den Filmen geraucht wird, was völlig unrealistisch ist!“, verteidigt Schulze sein Plädoyer für das Rauchen im Film.

Regisseur Mathias Schulze bespricht die nächste Szene

Regisseur Mathias Schulze bespricht die nächste Szene

Für die meisten Schauspieler ist „Begegnungen“ die erste Filmarbeit gewesen. Übereinstimmend fanden alle, dass sich Theaterrollen von Filmrollen stark unterscheiden. Für Martin Mendiburu, der den Ladeninhaber spielt, war jedoch als Nichtraucher das Rauchen die größte Herausforderung. Glücklicherweise hatte das Filmteam ein Einsehen mit ihm. Hochkonzentriert und gut vorbereitet waren die Darsteller und konnten die Dreharbeiten im geplanten Zeitrahmen absolvieren, was bei Filmdrehs nicht immer selbstverständlich ist. Selbst die beliebten, aber auch gefürchteten Outtakes (Versprecher und Patzer) blieben aus und ersparten es Martin Mendiburu, sich länger als unbedingt  notwendig mit den Zigaretten herum zu quälen.

Das Filmteam von “Begegnungen”

Das Filmteam von “Begegnungen”

Premiere hatte „Begegnungen“ am 29. Juni 2013 in der „BÜHNE acht“. Im Rahmen der „Langen Nacht der kurzen Stücke“ stimmte der Film auf die nachfolgenden Programmpunkte ein. Auch die Theaterfassung war zu sehen. Torsten Dubrow brachte mit dem gleichen Darstellerensemble wie im Film, nur mit veränderten Rollen, seine „Begegnungen“ auf die Bühne.

Bühne achtFilmgruppe8Darsteller
Ariane Knittel, Kati Bellmann, Sarah During, Jenny Kaiser, Martin Mendiburu, Torsten Dubrow

Crew
Drehbuch: Mathias Schulze und Torsten Dubrow (nach einer Vorlage von Fitzgerald Kusz)
Kamera: Lukas Schuck
Ton: Matthias Schreve
Setassistenz: Anja Schröter
Statisten: Ypsi Ciupack, Claudia Ludwig, Matthias Schreve, Thomas Grabitz