Cottbuser Fotograf widmet sich der „Glatze im Film“

(c) Mathias Schulze

Kino-Besuchern des Cottbuser Weltspiegels werden die 12 großformatigen Motive im Rang aufgefallen sein: Unter dem Titel „Die Glatze im Film“ zeigt der Cottbuser Hobby-Fotograf Mathias Schulze seine Interpretation des Themas.

Egal ob Marlon Brando in „Apocalypse Now“, Telly Savalas in „Kojak“ oder Klaus Kinski in „Nosferatu – Phantom der Nacht“ – viele Superstars der Filmszene ließen sich für ihre Rollen den Kopf kahl scheren. Selbst Darstellerinnen wie Sigourney Weaver in „Alien 3“ oder Demi Moore in „Die Akte Jane“ verabschiedeten sich von ihren Haaren. Und bei Bruce Willis konnte man in der „Stirb Langsam“-Reihe sehen, wie die Haare immer kürzer wurden…

Bei all diesen Filmen beeindruckten mich die Standfotos. Ohne Haare sehen wir Menschen klarer. Der Kopf hat keinen natürlichen Rahmen, er ist pur, Stärken und Schwächen werden sichtbarer.“, so Mathias Schulze zu seinen Beweggründen, sich intensiver mit der Thematik zu befassen. Seine Idee: 12 Bilder von 12 verschiedenen Filmfiguren, egal welchen Geschlechts, deren gemeinsames Merkmal die Glatze ist.

Angefangen hat seine Leidenschaft fürs Fotografieren ziemlich spät. An der „BÜHNE acht“ ist Mathias Schulze Leiter der „Filmgruppe acht“, dreht dort regelmäßig Kurzfilme, auch ein Langfilm steht in seiner künstlerischen Vita. Irgendwann nahm Mathias Schulze eine Fotokamera mit ans Set und fotografierte die Dreharbeiten. „Die Beschäftigung mit Filmen und Fotografieren war bei mir stets eng verbunden. Von Kameramännern konnte ich viel lernen.“, so Mathias Schulze.

Aus gelegentlichen dreh-begleitenden Fotoaufnahmen entwickelten sich im Laufe der Zeit erste Fotoshootings in den Räumlichkeiten der „BÜHNE acht“. Hier lernte er auch ein Cottbuser Model kennen, welches keine Haare mehr auf dem Kopf hatte und ihn zu seinem Projekt „Die Glatze im Film“ inspirierte.

Mathias Schulze hatte sein Model gefunden und setzte mit ihr seine Idee um. Zwölfmal schlüpfte sie in eine andere (Film-)Rolle, zwölfmal wurde sie neu maskiert, um dem Originalmotiv so nahe wie möglich zu kommen. Herausgekommen sind zwölf großformatige Aufnahmen unterschiedlicher Charaktere, die man beim stillen Betrachten zweifelsohne bestimmten Filmen zuordnen kann.

Der Aufwand hat sich gelohnt, wie man sich nun in der kleinen Ausstellung überzeugen kann. Noch bis Anfang Dezember zeigt der Cottbuser „Weltspiegel“ Mathias Schulzes „Glatzen im Film“.

Mathias Schulze (rechts im Bild) als Regisseur am Set von „Rootstock“

Mach’s gut, Schimi!

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Götz George als „Schimanski“ in der Folge „Asyl“
Foto: (c) Uwe Stratmann
Quelle: Agentur Nicolai

„Fang du jetzt bloß nicht an zu weinen
Du spielst doch sonst den harten Mann“

Treffender hätte ihn Klaus Lage nicht beschreiben können. Deutschland hat einen seiner besten Schauspieler verloren. Götz George verstarb am 19. Juni 2016 nach kurzer Krankheit. Der in Berlin geborene Sohn des Schauspieler-Ehepaares Berta Drews und Heinrich George wurde 77 Jahre.

Sein Filmdebüt gab Götz George 1953 an der Seite von Romy Schneider in „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“. Es folgten eher unbedeutende Filmrollen sowie ein paar Western („Der Schatz im Silbersee“, „Unter Geiern“).

Zum Idol einer ganzen Fernsehgeneration wurde George ab 1981, als er erstmals den charmant-rauhbeinigen „Tatort“-Kommissar Horst Schimanski verkörperte. 48mal schlüpfte er in diese Rolle, machte das Wort „Scheiße“ salonfähig und eine ausgediente Militärjacke zum Kultobjekt. Ähnlich wie James Bond hatte Schimanski in jeder Folge eine neue schöne Frau an seiner Seite. Seine unorthodoxen Ermittlungsmethoden sorgten für Beschwerden innerhalb der Polizei, die Action in den „Tatort“-Filmen war für die damalige Zeit etwas völlig Ungewohntes.

Götz George ließ sich aber nicht nur auf die Rolle als Schimanski reduzieren. Immer öfter war er jetzt auch wieder in Kinofilmen präsent („Abwärts“, „Die Katze“). Noch vor der politischen Wende in der DDR spielte George zusammen mit Otto Sander und Rolf Hoppe in der deutsch-deutschen Co-Produktion „Der Bruch“. Im urkomischen Mehrteiler „Schulz & Schulz“ verkörperte er ein Zwillingspärchen, das getrennt in Ost und West lebt und während der Wendezeiten die Rollen tauscht und neue Ideen ins jeweils andere Deutschland bringt.

Nach seinem Abschied als Schimanski spielte Götz George in einigen der bemerkenswertesten Filmen der deutschen Filmgeschichte. Er brillierte in den Komödien „Schtonk“ und „Rossini“ und verschreckte in „Der Sandmann“ und „Der Totmacher“. Eine seiner größten künstlerischen Herausforderungen hatte Götz George 2013: im Fernsehfilm „George“ verkörperte er seinen eigenen Vater Heinrich George.

Götz George war immer direkt und sagte, wenn ihm etwas nicht passte. Legendär sein Auftritt in „Wetten, daß?“, als er Moderator Thomas Gottschalk in die Parade fuhr und ihn aufforderte, endlich mit dem Labern aufzuhören und zum Thema zu kommen und Georges damaligen neuesten Film zu promoten.

Längst war Götz George als Charakterdarsteller einer der gefragtesten Schauspieler des Landes. Nach Hollywood zog es ihn jedoch nie. Hier hatte er sein Publikum, außerdem wollte er nicht auf englisch drehen. George war sich auch nicht zu fein, in seichten Fernsehfilmchen („Alpenglühen“, „Schokolade für den Chef“) mitzuspielen. Auf die Frage, warum er sich das antut, wo er doch ganz andere Rollen annehmen könne, antwortete George: „Beim Fernsehen erreiche ich 6 Millionen Zuschauer, im Kino vielleicht nur eine Million. Als Künstler will ich aber soviel Menschen erreichen wie möglich!“

Auch solche Äußerungen machten Götz George unverwechselbar. Oft wirkte er unnahbar und arrogant. Schaut man sich jedoch „Making of“-Sequenzen seiner Filme an, kommt man zu dem Schluß, daß da ein akribischer Schauspieler am Werk ist, dem es in erster Linie um ein gutes Produkt geht. Und der jüngere oder unerfahrene Kollegen nicht kritisierte, sondern ihnen half, sich genauso gut ins Projekt einzufügen.

Götz George wusste um seine Position in der Filmlandschaft. Skandale, Klatsch und Tratsch gab es bei ihm nicht. Auch auf dem roten Teppich sah man ihn nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ und er einen Preis zugesprochen bekam.

Es gab und gibt nicht viele deutsche Schauspieler von der Klasse eines Götz George. Die Lücke, die er nun hinterläßt, dürfte für zukünftige Schauspieler-Generationen schwer zu füllen sein. „Scheiße!“ würde Schimanski dazu sagen.

Deshalb: Mach’s gut, Schimi!

Thekla Reuten

Thekla Reuten ist eine niederländische Schauspielerin.

Sie wurde am 16. September 1975 in Bussum / Niederlande geboren. Direkt nach dem Schauspielstudium in Amsterdam begann ihr Aufstieg zu einer der erfolgreichsten Schauspielerinnen Europas. So spielte sie in den Oscar-nominierten Filmen “Jeder ist ein Star” und “Die Zwillinge” mit. Für den Film “Brügge sehen und sterben” stand sie sogar hochschwanger vor der Kamera. Auf der Berlinale 2004 wurde Thekla Reuten als “Shooting Star” ausgezeichnet.

Thekla Reuten spricht neben Holländisch auch Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch. Für den Kurzfilm “Das kurze Leben der Anne Frank” wurde Thekla Reuten als Sprecherin gewonnen, sie spricht dabei auch die ausländischen Sprachfassungen.

„Ich will sehen, ob meine Begeisterung für Film wirklich echt ist!“

„Aufbruch“ – so heißt der Debütfilm von Anna Ponge. Die Brasilianerin ist eigentlich Architekturstudentin an der BTU in Cottbus. Wie sie zum Film gekommen ist und wie wichtig es ist, die richtigen Leute zu kennen, verriet sie am Rande der Dreharbeiten in einem kurzen Gespräch.

Dreharbeiten zu "Barbara" (AT), 23.10.2014

Wie kommt es, daß Du plötzlich Filme drehst?

Ich studiere ja eigentlich Architektur, werde das Studium auch beenden. Ich bin rein zufällig durch die „BÜHNE acht“ zum Film gekommen und bin einfach nur begeistert. Meinen Film mache ich, um zu sehen, ob die Begeisterung wirklich echt ist. Beim Film nur zuzugucken ist etwas völlig anderes als einen Film selber zu drehen.

Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Da spielten verschiedene Dinge eine Rolle. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich nach dem Bachelor mache – ob ich einen Masterabschluß dranhänge oder noch einen ganz anderen Bachelor mache. Bei diesem anderen Bachelor wäre dann schon der Gedanke, mich vielleicht bei einer Filmhochschule zu bewerben.

Wie bist Du auf die Idee zu dem Drehbuch gekommen? Gab es eine Vorgeschichte?

Ich nehme jeden Tag die Straßenbahn, um zur Uni zu kommen. Ich habe immer ein paar Ideen im Kopf, worüber man erzählen könnte. Als ich mir dann aber gesagt habe: „Komm setz‘ Dich hing und versuche mal eine Geschichte aufzuschreiben, ob was Gescheites dabei herauskommt!“, da hatte ich sofort diesen Augenblick in der Straßenbahn im Sinn. Selbst nachdem ich die erste Szene geschrieben hatte, wußte ich selber noch gar nicht, worum es ging. Ich habe mir dann diese Szene so oft durchgelesen, bis ich die Figuren kannte und ich entschieden habe, wie die Geschichte weitergehen muß.

Du machst Regie und Kamera gleichzeitig, was ist schwerer?

Wenn ich mich an einer Filmhochschule bewerben sollte, dann will ich mich für Regie bewerben. Ich fotografiere sehr gerne, filme auch sehr gerne, aber Kameraarbeit ist für mich sehr anstrengend. Regie ist zwar auch schwierig, man muß an 1000 Sachen denken, deshalb freue ich mich immer, daß ich ein super Team habe, daß hilft und mitdenkt, vor allem an Sachen denkt, die ich völlig vergessen habe. Aber Beides ist trotzdem auch schön.

Dreharbeiten zu "Barbara" (AT), 18.10.2014

Anna Ponge am Set von „Aufbruch“ mit Hauptdarsteller Matthias Schreve (mitte) und Silvio Berger

Hast du Dir die Regiearbeit angelernt oder hast Du Dich vorher kundig gemacht bei Jemanden?

Ich bin ein großer Filmfreak, ich könnte stundenlang Filme schauen, da entwickelt man so ein bißchen ein Gefühl für Filmsachen. Jetzt mache ich ein Praktikum bei Erik Schiesko („Holger & Hanna“, „Blaue Stunde“) und kümmere mich um den Schnitt für sein aktuelles Projekt „Auf der Suche“. Da bekommt man auch ein neues Gefühl für die Sache. Und dadurch, daß ich schon an vier Filmsets war, u.a bei dem Münchner HFF-Projekt „Der letzte Tag“, bei Ralf Schusters „Kommissar Schlemmer“-Film und bei Eriks „Auf der Suche“, lernt man schon viel allein durch das Zugucken, vorallem wenn bei man bei Leuten zuguckt, die einem was erklären wollen. Das war bei allen Filmsets der Fall. Außerdem lese ich seit meiner ersten Filmerfahrung viel über Regiearbeit und Kurzfilmproduktionen.

Den Schnitt machst Du auch selber?

Ursprünglich wollte ich Regie und Schnitt machen, die Kamera kam dann noch dazu.

Warum hast Du keinen „richtigen“ Kameramann genommen?

Ich hatte einen „richtigen“ Kameramann, aber durch Terminverschiebungen konnte er dann nicht mehr. Das ist super schade.

Wonach hast Du das Filmteam ausgesucht?

Ich bin Mitglied an der „BÜHNE acht“ und kenne von dort die meisten Schauspieler. Sehr wichtig für mein Drehbuch war, daß ich nicht zu junge Leute haben wollte. Die Hauptfigur ist 30 Jahre alt. Die Schauspieler sollten schon so um die Drehe sein oder älter. Dadurch fallen die meisten Mitglieder der „BÜHNE acht“ raus.
Dann habe ich mal von den Figuren aus betrachtet, wer vom Körperlichen her oder von der Ausdrucksweise passen würde, vor allem bei denen, die ich schon spielen gesehen hatte. Alle, die ich hier dabei hatte, habe ich schon mal spielen gesehen. Mit Jan Fuchsmann, der den Ton macht, habe ich schon mal bei einem Filmprojekt zusammengearbeitet. Ich habe ihn gefragt und er hat sehr sehr netterweise gesagt, daß er mitmacht. Mathias Schulze leitet die Filmgruppe an der „BÜHNE acht“. Auch ihn habe ich gefragt, weil wir unbedingt einen Lichttechniker brauchten. Ich habe da überhaupt keine Ahnung. Ich weiß aber, daß Mathias Ahnung hat, wie ich ebenfalls schon mal bei einem gemeinsamen Dreh erfahren konnte. Auch er hatte dankenswerterweise zugesagt.

Erzähle mal etwas über die Handlung des Filmes!

Es geht eigentlich nur um die Hauptfigur. Es ist ein junger Mann aus einer ernsten Familie. Sein Vater hat sich mit seiner Schwester zerstritten. Das ist schon ein Jahr her und die ganze Familie redet nicht mehr mit der Schwester – besser gesagt, sie redet nicht mehr mit der Familie. Worüber die Beiden gestritten haben, ist jetzt egal. Die Sache ist, unsere Hauptfigur vermisst seine Schwester. Während des Filmes kommen verschiedene Situationen zusammen, in denen er an sie denken muß. Ob er am Ende zu ihr geht oder nicht, dafür muß man den Film sehen, um das herauszufinden.

Wenn man zunächst das Drehbuch liest, denkt man erst einmal an eine Liebesgeschichte: Ein Mann wartet an einer Haltestelle auf eine Frau, vermutlich seine Freundin…

… In der ersten Szene wartet er nur auf die Straßenbahn und trifft dabei den Freund der Schwester. Ich wollte das offen lassen und nicht sofort sagen, worum es geht. Ich will, daß man durch die Figur merkt, wie er sich fühlt. Wenn man ein Problem gleich am Anfang des Filmes zu sehr darstellt, versuchen die Zuschauer manchmal zu schnell vorzudenken und verstehen die Figur nicht. Es geht mir wirklich um die Figur; es geht mir nicht um den Streit oder irgendwas Anderes, sondern darum, daß man die Figur versteht. Und ich glaube, Matti (Matthias Schreve) bringt die Figur sehr gut rüber.

Dreharbeiten zu "Barbara" (AT), 23.10.2014

Die Eingangsszene mit Matthias Schreve und Daniel Schauff
(c) für alle Fotos: Thori, 2014

Sind Festival-Einreichungen eingeplant?

Wenn positives Feedback kommt, sicherlich, z.B. bei der Cottbuser Filmschau im Rahmen des Filmfestival..

Was unbedingt noch zu erwähnen wäre: der Film wäre nicht entstanden ohne die Unterstützung von Ralf Schuster, der mir die Technik organisierte, sowie Erik Schiesko, der mir ebenfalls seine Technik zur Verfügung stellte.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg mit Deinem Film!

Vanessa – Ein Juwel, das nicht geschliffen werden möchte

Auf der Suche“ ist der Name eines interaktiven Films, der derzeit in der Lausitz gedreht wird. Auf die Suche muss sich auch der Filmfreund machen, will er gut gemachtes Kino jenseits vom Einheitsbrei der großen Filmstudios und Fernsehsender sehen. Die Schauspielerin und Produzentin Marina Anna Eich nennt solche 0815-Filme mit austauschbarer Handlung und Darstellern einfach nur Fließband-Produkte.
Manchmal wird der Filmfreund aber auch fündig und es kommen richtige Perlen zum Vorschein – Filme kleinerer und unabhängiger Produktionsfirmen, die vor Kreativität nur so strotzen.

Und manchmal trifft man dabei auf Menschen, die etwas Besonderes haben. Vanessa Jordan-Heinrich ist so ein Mensch.
Die 17jährige aus Raddusch im Spreewald geht noch auf das Gymnasium. Sie versuchte im Frühjahr 2014 in Cottbus bei einem Casting für den Film „Auf der Suche“ ihr Glück. Einige Wochen später steht ihr Name auf dem Filmposter und in den Credits. Vanessa wurde von Regisseur und Produzent Erik Schiesko für die Hauptrolle ausgewählt. „Auf der Suche“ wird ihre erste große Filmrolle. Zuvor spielte Vanessa nur im Schultheater und wirkte als Komparsin im ZDF-Spreewaldkrimi „Die Tränen der Fische“ mit. Und nun die Rolle der Janette, die nachdenklich ist und ihren Platz im Leben sucht. Hinzu kommt, dass Janette ausgerechnet jetzt ihrer ersten großen Liebe begegnet…

Es sind nur ein paar wenige Drehtage, die Vanessa zu absolvieren hat. Der interaktive Film besteht aus Sequenzen eines „Point & Click“-Computerspiels und filmisch umgesetzte Rückblenden, die die einzelnen Spielteile verbinden und Informationen zur Handlung liefern. Geschätzt wird der Anteil an Filmszenen auf etwa 30 Minuten, also durchaus eine anständige Kurzfilmlänge.

Dem neutralen Beobachter und besagtem Filmfreund, der aus den verschiedensten Gründen am Filmset von „Auf der Suche“ tätig ist und die hübsche Blondine während der Dreharbeiten sieht, fällt sofort Eines auf: Da hat aber mal Jemand soviel Talent, das reicht für mehrere „Daily-Soap“- und Möchtegern-Schauspieler zusammen!
Am ersten Drehtag hält man das noch für eine Eintagsfliege, am zweiten Drehtag – na, ja, kann passieren, dass man mal einen guten Tag hat. Doch die guten Tage werden immer mehr und der Gesamteindruck wird nicht schlechter!

Dreharbeiten zu "Auf der Suche", 24.06.2014

Szenenfoto aus „Auf der Suche“ mit Vanessa Jordan-Heinrich und Leander Linz

Vanessa ist zwar das „Küken“ am Filmset, lässt sich das aber nicht anmerken. Sie spielt sich nicht in den Vordergrund, verbreitet stattdessen ständig gute Laune, flirtet regelrecht mit den Kameras, egal ob Film-, Making-Of oder Setfoto-Kamera. Sie kommt mit den anderen Darstellern genauso gut klar wie mit den Leuten vom Filmteam. Sie erscheint top vorbereitet am Set. Wo andere Schauspieler, auch Profis, noch mal kurz einen Blick ins Drehbuch riskieren, um zu prüfen, ob der Text sitzt, kommt Vanessa ohne Spickzettel aus. Vorgaben des Regisseurs werden anstandslos umgesetzt, gewünschte Emotionen wie Traurigkeit oder Wut sind spätestens beim dritten Versuch abrufbereit. Vanessa hat mehr als einen Gesichtsausdruck auf Lager, Gestik und Mimik passen zur Rolle. Fast scheint es, als habe sie diese verinnerlicht.

Und dann macht sie ihr Meisterstück. In einer Szene soll sie mit einem Nervenzusammenbruch aus lauter Verzweiflung und voller Wut ihr Zimmer verwüsten. Die Ansage des Regisseurs war, erst mal alles bewegliches Mobiliar auf links drehen. Sollte etwas übersehen werden, ruft er hinein. Zum Schluss war geplant, eine Vase an die Wand zu schleudern.
Doch es kommt anders. Nach dem „Und bitte!“ des Regisseurs fängt Vanessa mit ihrem Zusammenbruch an. Erstes Opfer: die Vase. Der Wurf an die Wand kommt so plötzlich, spontan und so heftig mit voller Wucht, dass alle hinter der Kamera zusammenzucken. Vanessa tobt sich aus, ein Reinrufen ist gar nicht notwendig. Ohne Rücksicht auf die im Zimmer liegenden Scherben von der Vase tut die barfüßige Vanessa das, was laut Drehbuch verlangt wird: Voller Spielfreude ein Zimmer verwüsten.

2014-07-04 Dreharbeiten zu ''Auf der Suche'', Janettes Zimmer 027

Nach dem Nervenzusammenbruch

Man kann solche Szenen in mehreren Einstellungen drehen, choreografieren oder mit Double drehen. Oder man vertraut seiner Hauptdarstellerin, lässt sie einfach spielen und hofft, dass es gut geht.
Bei Vanessa geht alles gut – keine Verletzungen, aufatmende Betreuer, ein zufriedener Regisseur, eine schwierige Szene mit Leichtigkeit gemeistert, perfekte Bilder im Kasten.

Als Schauspielerin kann man so eine Szene leicht verhauen. Oder man hat etwas, das man nur bedingt als „Talent“ bezeichnen kann. Vanessa ist scheinbar ein Rohdiamant, ein Glücksfall für jeden Filmemacher. Ein ungeschliffenes Juwel, das nur einen Haken hat: „Ich will keine Schauspielerin werden, sondern lieber etwas Bodenständiges machen. Ich will Lehrerin werden!“, sagt Vanessa. Schauspielern will sie nur nebenbei, aus Spaß an der Freude, ohne ernsthafte Ambitionen und doch schon mit einer gewissen Selbstkritik: „Vieles würde ich gerne noch besser hinbekommen und oft ärgere ich mich auch über mich selbst.“

Was für ein Tiefschlag für den Filmfreund. Da ist endlich mal Jemand, der sich positiv von der breiten Masse mehr oder weniger talentierter Schauspieler abhebt und die deutsche Filmlandschaft auf seine ganz spezielle Art und Weise bereichern könnte, und dann wird nichts draus. Weil dieser Jemand so unendlich normal ist und lieber auf Nummer sicher geht! Das ist fast schon ein Zeichen von Größe.

So groß wie auch ihre Einstellung zu den Filmdrehs. In einigen Szenen musste Vanessa nur mit dem Nötigsten bekleidet vor der Kamera herumlaufen. Von einer 17jährigen erwartet man nicht unbedingt große Worte und Taten in solchen Situationen. Zurückhaltung, Schüchternheit mit einem Hang zur Verklemmtheit, Angst – das ist es wohl, was man von Gelegenheits-Schauspielerinnen in Vanessas Alter erwartet. Auf die Frage des Filmfreundes, wieviel Überwindung solche Szenen kosten, meint sie nur: „Das gehört zum Schauspielern dazu. Man muss sich die ganze Zeit überwinden. Das ist eben die Herausforderung dabei. Und je mehr man sich in die Rolle einfühlt, desto weniger hat man auch ein Problem damit, immer einen Schritt weiter zugehen!“
Unfassbar – ein Neuling ohne Erfahrung, talentiert bis zum Gehtnichtmehr und abgebrüht wie ein alter Hase. Und so etwas wird vermutlich einem breiten Publikum verborgen bleiben!

Einen Schritt weiter, nämlich wieder auf die Suche muss auch der Filmfreund gehen. Menschen wie Vanessa Jordan-Heinrich begegnen ihm nicht alle Tage. Umso schöner, wenn es solche Tage gibt: Ein Juwel entdeckt, das nicht geschliffen werden möchte. Schade eigentlich – oder glücklicherweise!

Wie beruhigend bei aller Euphorie über Vanessa Talent – ein kleines Manko hat der Filmfreund dann doch noch entdeckt: Als es darum ging, für eine Szene einen bestimmten Lidstrich aufzutragen, kam doch wieder der ganz gewöhnliche aufmüpfige Teenager durch, der bei der Auswahl der richtigen Schminke unbedingt ein Wörtchen mitreden möchte!

Wie kann man nur so herrlich normal sein…

Auf-Der-Suche 500hoch

Mehr Infos zum Projekt:

Beiträge auf LR-Online
„Auf der Suche“ auf Facebook

„Entweder bin ich eine Zicke oder ein ganz liebes Mädchen!“

Schauspielerin Svenya Cheyenne im Gespräch über starke Mädchen, taffe Rollen und Harmonie am Film-SetPorträt Svenya 2

Svenya Cheyenne spielt in dem Kurzfilm „Der letzte Tag“ die Rolle der Janine. Die Zwanzigjährige steht seit ihrem 11. Lebensjahr vor der Kamera. Am Set von „Der letzte Tag“, der gleichzeitig Abschlußfilm der Filmstudentin Juliane A. Ahrens ist, stand Svenya Cheyenne für ein kurzes Gespräch zur Verfügung.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Regisseurin Juliane A. Ahrens?

Das war ganz spontan, weil ich ja in Berlin wohne. Ich habe von dem Castingaufruf gehört und bin nach München gefahren. Allerdings war ich beim ersten Mal noch nicht so in der Rolle drin, weil ich mit meinen Gedanken noch komplett in Berlin war. Ich habe dann vorgesprochen, mich auch mit meinem Spielpartner gut verstanden, der jetzt zufällig auch im Film den Marco spielt.
Es hieß dann, sie würden sich zwei Wochen später melden, aber bereits nach kurzer Zeit kam eine Mail mit der Nachricht, daß es eine zweite Castingrunde gibt und ob ich nicht Lust hätte, noch einmal zu kommen. Ich bin dann wieder nach München gefahren.
Beim zweiten Casting war die Stimmung irgendwie anders. Es war nicht mehr so streng, es machte total viel Spaß, beim Casting zu spielen. Eine Woche später kam der Anruf, daß ich für die Rolle ausgewählt wurde.

Wie würdest Du Deinen Filmcharakter beschreiben?

Janine weiß genau, was sie will. Sie ist ein sehr starker Charakter, allerdings mehr nach Außen. Ich glaube, nach Innen zeigt sie das nicht so. Sie ist sehr taff, aber in einer krassen Umgebung aufgewachsen und hat schon viel durchlebt in ihrem Leben. Janine hat insgesamt einen weichen Kern. Das ist auch der Grund, warum sie Luca irgendwann aus dem Keller befreit, weil sie sich sagt: “Ich kann das nicht mehr mit mir vereinbaren.”
Ich freue mich total, die Rolle der Janine zu spielen. Für mich ist es das erste Mal, daß ich so eine taffe Rolle spiele. Entweder bin ich so eine Zicke oder ein ganz ganz liebes Mädchen.

Hast Du Dich speziell vorbereitet auf diese Rolle?

Ich weiß gar nicht, ob man sagen darf, aber in dem Film “Fack you Göthe” gibt es ja diese Chantal. Daran haben wir uns ein wenig orientiert und auch in den Proben ein bißchen in diese Richtung geguckt.
In letzter Zeit höre ich öfters, daß Jella Haase, die die Chantal spielt, und ich ein bisschen Ähnlichkeit haben sollen. Ich finde den Vergleich cool, denke aber, das liegt in diesem Fall auch viel an unseren Outfits.

Wieviel von Janine steckt in Dir und welche Eigenschaften hast Du Janine mitgegeben?

Ich bin manchmal sehr stur und ich glaube, das kann Janine auch sein. Wenn ich etwas mache, dann mache ich das ganz oder gar nicht. Ich denke, daß Janine auch genauso ihren Weg findet. Die hat ihren eigenen Kopf, ist ein starkes Mädchen. Man läßt ja als Schauspielerin immer etwas von seinem Charakter in die Rolle einfliessen.

Was waren vor oder während der Dreharbeiten die größten Herausforderungen?

Das ist schwierig zu beantworten, denn wir sind ja noch mitten im Dreh. Ich glaube, das ganze Projekt ist eine Herausforderung. Ich kann nicht sagen, dieser eine Tag oder dieser eine Take ist eine Herausforderung. Es ist das Zusammenspiel. Wir wollen alle etwas Schönes aus dem Film machen und ich glaube, wir sind auch auf einem guten Weg. Man will, daß alles gut wird, und das sorgt für einen gewissen Druck im Hinterkopf. Aber wir harmonieren alle ganz gut und es macht Riesenspaß.

Wie kommst Du mit Helen klar, die die Luca spielt?

Helen ist super, ich mag Helen megagerne. Wir haben uns beim Casting ganz kurz gesehen, ich hatte aber mit einem anderen Mädchen gespielt. Wir hatten uns ganz kurz unterhalten. Es war cool, als wir uns bei der Probe dann wieder getroffen hatten. Helen ist ein ganz liebes Mädchen. Für sie es ja der erste richtige Film. Sie ist am Set sehr diszipliniert.

Dreharbeiten zu "Der letzte Tag", 15.04.2014

Janine (Svenya Cheyenne, rechts) fährt die verletzte Luca (Helen Bergmann) ins Krankenhaus. (Szenenfoto aus „Der letzte Tag“)

Du bist vermutlich die Erfahrenste von den Darstellern. Welche Tipps konntest Du den anderen mitgeben?

Helen und ich, wir haben viel miteinander geredet – bei den Proben, beim Mittagessen. Ich glaube, durch die Gespräche konnte ich ihr auch ein wenig die Angst nehmen. Juliane, die Regisseurin, hat aber auch ihren Anteil daran. Sie weiß, daß es der erste Film für Helen ist und geht entsprechend mit ihr um. Wir harmonieren einfach gut miteinander.

Welche Erwartungen hast Du an den Film?

Ehrlich gesagt noch gar keine. Wir sind gerade mitten im Dreh, mein Kopf ist voll. Ich muß auch ehrlich sagen, wenn ich drehe, dann sage ich nicht”jetzt kommt die Szene und jetzt kommt der Take”, sondern ich sehe das als Gesamtprojekt, als Einheit. Wir kommen immer weiter und irgendwann sind wir fertig. Ich sehe das als ein großes Ding. Die Erwartung ist vielleicht, daß es ganz toll wird und daß sich die Mühe gelohnt hat und wir hoffentlich noch ganz viele Filme zusammen machen können.

Gibt es denn schon Nachfolge-Projekte?

Ich habe schon ein, zwei Castings, wo ich auch schon weiß, daß ich weiter bin. Ansonsten läuft das über meine Agentur.

Du studierst Schauspiel?

Noch nicht. Das ist ein wenig kompliziert bei mir. Ich habe ganz viel hinter der Kamera gemacht, weil ich mir dachte, ich muß das auch mal ausprobieren – auch weil Viele sagen: “Schauspiel ist schwer”. Irgendwann kam der Punkt – so wie ein Schalter, der umgelegt wurde – , wo ich mir sagte: “Ok, entweder ganz oder gar nicht!” Ich habe vor, im Herbst an der Staatlichen Schauspielschule vorzusprechen. Mal sehen, wenn alles funktioniert, dann klappt es hoffentlich mit dem Studium. Auf jeden Fall will ich mit Schauspiel weitermachen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Deine weitere künstlerische Arbeit!

Dreharbeiten zu "Der letzte Tag", 15.04.2014

Svenya Cheyenne in einer Drehpause zusammen mit Darsteller Kai Börner vom Staatstheater Cottbus und der zweiten Hauptdarstellerin Helen Bergmann
(c) für alle Fotos: Thori, 2014

Interview mit Carolina Hoffmann anläßlich der Filmpremiere von „Illusion“ in Großenhain

Filmpremiere "Illusion" in Großenhain, 13.03.2014Seit 2013 gehört Carolina Hoffmann zum Filmteam bei WTP international. Die Filmemachergruppe um Regisseur Roland Reber ist für ihre eigenwillige Arbeitsweise bekannt.

Anläßlich der Sachsen-Premiere des neuen Reber-Films „Illusion“ stand Carolina Hoffmann, der im Film eine Hauptrolle übertragen wurde, für ein kurzes Interview zur Verfügung.

Wie sind Sie zu WTP gekommen?

Das ist eine ganz lustige Geschichte. Ich hatte gerade meine Schauspielausbildung abgeschlossen im Sommer 2012. Meine Zahnärztin meinte, daß sie Filmleute kenne. Ich fragte sie, ob sie mir die Nummer geben könnte. Vielleicht kann ich ja mal ein Praktikum machen oder irgendwie reinschnuppern, weil ich noch nichts Professionelles außerhalb der Schauspielschule gemacht habe. Dann haben wir uns mit den Leuten von WTP getroffen und es hat irgendwie gut funktioniert.

Kannten Sie vorher die Firma WTP?

Nein. Ich habe mir dann die Webseite angeschaut. Nach dem ersten Treffen haben sie mir einige der vorherigen Filme mitgegeben und sagten, „Schau Dir die mal an und dann reden wir nochmal ob du dann immer noch mitmachen möchtest!“
Die Filme habe ich mir angeschaut und gesagt, ja das gefällt mir. Von der Art, wie WTP arbeitet, fand ich es sehr spannend, das wollte ich auch machen.

Gab es Berührungsängste?

Eine der ersten Fragen war, „Wie stehst Du zum Thema.Nacktheit?“ Ich habe gesagt: „Hm, nackt? Ich weiß nicht, ob ich so selbstbewußt bin!“
Aber dadurch, daß wir als Schauspieler sehr viele Freiheiten beim Drehen hatten und ich auch viel von meiner eigenen künstlerischen Kreativität mit einbringen konnte, habe ich festgestellt, daß ich überhaupt kein Problem mit Nacktheit habe, das es das Natürlichste auf der Welt ist. Das war auch für mich eine tolle Erfahrung, daß ich damit keine Problem habe.

Und Angst, den Erwartungen nicht gerecht zu werden, hatten Sie keine?

Nein. Am Anfang hieß es, „Je nachdem wie Du Dich anstellst, so groß wird Deine Rolle!“. Zum Anfang war das Drehbuch noch nicht fertig. Wir haben uns zum Brainstorming zusammengesetzt und Jeder hat erzählt, was er sich für seine Rolle vorstellt oder was er immer schon mal gerne spielen wollte. Dann wurde das erste Drittel des Drehbuchs geschrieben, also die Alltagsszenen, dann wurde es abgedreht, dann haben wir uns wieder zusammengesetzt und so ist auch meine Rolle gewachsen.

Es stand also nicht vorher fest, daß Sie jetzt die Rolle spielen, die Sie letztendlich auch gespielt haben?

Es war so ein Entstehungsprozeß, würde ich sagen.

Wie wurden Sie denn vom „Stammpersonal“ (Eich, Reber, Mönning) aufgenommen?

Sehr gut. Das ist mir gleich am Anfang aufgefallen, daß da eine sehr schöne Stimmung am Set ist, sehr familiär auch unter Denen. Was mir total gut gefallen hat, weil man dann auch selber so locker ist, daß man sich einbringen und einfinden konnte. Für mich war das ganz toll, so daß ich gesagt habe: „Ich würde gerne auch fest mit dabei sein, wenn ihr mich wollt!“

Ich habe gelesen, Sie wohnen jetzt auch zusammen…

…genau, ich wohne auch dort, weil es nicht nur beruflich die Menschen sind, mit denen ich zusammen arbeiten möchte, sondern weil es auch privat und persönlich paßt, wo ich sagen kann, das ist meine Familie, das ist einfach toll.

Werden Sie zukünftig nur noch für WTP arbeiten oder sind Sie offen für andere Projekte?

Ich habe für mich beschlossen, daß ich die Arbeitsweise bei WTP so toll finde, daß ich überhaupt nichts anderes mehr machen möchte.

Und wenn jetzt ein Sender oder ein Studio anrufen würde…

…dann sage ich nein. Ich hätte mir während meiner Schauspielausbildung nie träumen lassen, daß ich gleich danach so ein tolles Projekt oder Engagement finden würde.

Ist schon einen Nachfolgefilm in Planung?

Ideen sind auf jeden Fall schon da, welche dann umgesetzt wird, werden wir sehen. Jetzt ist ja erstmal die Kinotour und der DVD-Start wichtig. Vielleicht im nächsten Jahr oder Ende diesen Jahres. Ich bin auf jeden Fall wieder dabei.

DEFA-Regisseur Günter Reisch verstorben

2010-09-25 DR-Treffen Potsdam - 029Der DEFA-Regisseur Günter Reisch ist am 24. Februar 2014 im Alter von 86 Jahren in Berlin verstorben. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören „Nelken in Aspik“ (1976), „Anton der Zauber“ (1978) und der von der Kritik hochgelobte Film „Die Verlobte“ (1980), welcher mehrere Filmpreise, darunter den Grand Prix beim Filmfestival in Karlovy Vary, gewann.

Günter Reisch war gern gesehender Gast bei den jährlichen Treffen der Dean Reed-Freunde in Potsdam. Dort berichtete Reisch auch von einem Filmprojekt, das nie realisiert wurde. Mit dem amerikanischen Schauspieler Dean Reed schrieb Günter Reisch das Drehbuch zu „Bloody Heart“ (AT „Wounded Knee“). Beide wollten auch gemeinsam Regie führen. „Bloody Heart“ wäre Dean Reeds Reputation als Filmemacher und gleichzeitig der vermutlich teuerste DEFA-Film aller Zeiten geworden. Drei Jahre Vorbereitungszeit, unzählige Drehbuchänderungen, aussichtslos scheinende Verhandlungen mit sowjetischen Behörden, Finanzierungsprobleme – Günter Reisch hat viel Herzblut in dieses Projekt fließen lassen. Reeds damaliger plötzlicher Tod und nun auch Günter Reischs Ableben sorgen dafür, daß dieses Projekt wahrscheinlich für immer unvollendet bleibt, auch weil sich die Zeiten geändert haben.

Drehbuch 1Ich habe Günter Reisch bei besagten Treffen als einen weltgewandten, offenen Menschen kennengelernt. Er bedauerte sehr, daß „Bloody Heart“ nie in Angriff genommen wurde und daß sich heutige Filmemacher nicht für das Projekt interessieren würden. Reisch sah in dem Film großes Potential mit einer interessanten Geschichte.

Viele kleine Anekdoten aus seiner langen Karriere als Filmemacher bei der DEFA gaben mir einen interessanten Einblick hinter die Kulissen der bekannten deutschen Traumfabrik: mal erzählte er von lustigen Situationen bei den Dreharbeiten; mal von den Grenzen, die ihm von den Kulturfunktionären aufgezeigt wurden.
Günter Reisch war ein aufgeschlossener, interessanter Erzähler und Gesprächspartner – trotz seiner schweren Erkrankung, die das Sprechen für ihn zu einer Herausforderung machte.

Gerne hätte ich noch mehr seiner Erinnerungen gehört.Drehbuch 2

Die schönste Indianerin

Zum 65. Geburtstag von Renate Blume

Es gibt nicht wenige Kunst- und Kulturschaffende, die im Verlaufe ihrer langen künstlerischen Karriere alles versucht haben, um sich unsterblich zu machen. Mit etwas Talent, Glück und Verstand reicht es für manche Gesangsinterpreten, einen einzigen Hit zu landen, um für den Rest des Lebens ausgesorgt zu haben. Bei Film- und Theaterschaffenden ist das schon etwas schwieriger, da man ständig präsent ist, sei es durch Wiederholungen im TV, DVD-Veröffentlichungen oder aktuelle Arbeiten im Kino oder auf der Bühne. Hinzu kommt, daß ständig Werke zu Beginn einer Karriere mit Produktionen der heutigen Zeit verglichen werden können, Tops und Flops genau registriert werden.

Und dann gibt es noch die Kategorie jener Künstler, die ohne groß Einfluß nehmen zu können auf einmal zu einer ungewöhnlichen Berühmtheit kommen. Nehmen wir nur mal die Indianerfilme der DEFA. Sofort assoziiert man damit den Schauspieler Gojko Mitic, weil er in fast allen DEFA-Indianerfilmen die Hauptrolle spielte. Gojko Mitic und Indianerfilm gehören einfach zusammen. Aber gleichzeitig fallen in diesem Zusammenhang immer wieder zwei weitere Namen: Rolf Hoppe und Renate Blume.

Hoppe ist wahrscheinlich der schlimmste Film-Bösewicht der DEFA-Geschichte. Diesem Image verdankt er der Tatsache, daß es ihm vorbehalten war, den Helden einer ganzen Generation – Gojko Mitic eben – im Film umzubringen. Eine ganze Republik hasste ihn dafür.

Aber wo Schatten ist, muß irgendwo auch ein Licht sein. Dieses Licht strahlt Renate Blume aus. Sie war und ist im Gedächtnis vieler Menschen die Frau an Häuptling Mitics Seite. Fragte man in der DDR nach Gojkos Filmpartnerin, lautet – selbst heutzutage noch – die Antwort immer: Renate Blume. Weder Barbara Brylska noch Annekathrin Bürger erreichten jemals den Status einer Renate Blume, obwohl beide öfters in den Indianerfilmen mitspielten. In der öffentlichen Wahrnehmung der DDR gehörten Renate Blume und Gojko Mitic zusammen wie Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann, wie Gary Cooper und Grace Kelly. Und da es in der DDR keine Klatschpresse gab, wurde diese Verbindung auch nicht künstlich hochgeputscht, wie es bei den Brangelinas der heutigen Zeit der Fall ist. Die DDR hatte ihr Traumpaar, und das bestand aus Renate Blume und Gojko Mitic!

Umso überraschter ist der Zuschauer und DEFA-Filmfan, wenn er erfährt, daß Renate Blume nur in „Ulzana“ die Frau des gleichnamigen Apachen-Häuptlings spielte und damit gleichzeitig die Filmpartnerin von Gojko Mitic war. Eine kleine Nebenrolle in „Apachen“, dem Vorläufer von „Ulzana“, ist nicht erwähnenswert, weil nicht im Gedächtnis geblieben.

Nur eine einzige Rolle, die als Ulzanas Ehefrau Leona, katapultierte Renate Blume so sehr ins öffentliche Bewußtsein eines ganzen Landes und darüber hinaus, wie es sonst nur den ganz Großen der Filmbranche vorbehalten ist. Und niemand fragt, warum. Keiner weiß eine Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet dieses Filmpaar eine fast schon legendäre Berühmtheit erlangte – es ist eben so, als sei es ein Naturgesetz….

UlzanaJene Szene, wo Häuptling Ulzana schützend die Hand um Leona legt, wird zum Hauptmotiv auf den offiziellen Begleitmaterialien wie Filmprogramm und -Plakat. Dieses Bild, das eine unendlich große Liebe vermittelt, prägt sich beim Betrachter ein, so daß er sich noch Jahre später daran erinnert. Es wird zum Symbol, das länger als einen (Kino-)Sommer Bedeutung hat: Die schöne Indianerin und der stolze Häuptling – der Filmheld der Nation beschützt die Frau an seiner Seite.

Und es gibt dieses Foto, wo Ulzana und Leona auf Pferden durch die Prärie reiten, losgelöst von allen dramaturgischen Vorgaben, einfach drauf los.

Zwei Bilder, die Emotionen erzeugen, die den Wiedererkennungswert steigern. Bilder, die Schuld tragen, die auch mithalfen, jenen Mythos aufzubauen, der dieses Paar immer noch im realen Leben umgibt und der wahrscheinlich nie enden wird.

Fast schon entschuldigend rechtfertigt sich Renate Blume Jahre später in der „Riverboat“-Talkshow am 6. März 2009, daß sie doch nur in EINEM einzigen Indianerfilm die Hauptrolle spielte und überhaupt nicht nachvollziehen kann, wie es dadurch zu diesem Mythos kommen konnte.

Auslöser für diese Beinahe-Entschuldigung ist ein Kompliment des ehemaligen ARD-Programmdirektors und „Riverboat“-Moderators Dr. Günter Struve an Renate Blume gerichtet: „Sie sind die schönste Indianerin gewesen, die ich kenne“. Und jeder, der „Ulzana“ gesehen hat, stimmt Struve in diesem Moment vorbehaltlos zu. Die Mischung aus künstlerischer Klasse und Ausstrahlung verschaffte Renate Blume nachträglich ein Kompliment, was durchaus als Wertschätzung ihrer damaligen Arbeit gedeutet werden kann. Eine Wertschätzung, die wahrscheinlich mehr bedeutet als alle Filmauszeichnungen dieser Welt zusammen!

„Ulzana“ bleibt nicht der einzige Höhepunkt in Renate Blumes Karriere. In der beliebten Serie „Archiv des Todes“ des Fernsehens der DDR ist sie zunächst nur in einer kleineren Rolle besetzt. Als Spielball im Machtpoker des von Ulrich Voß dargestellten Obersturmbahnführer Flint und Alfred Struwes Standartenführer Hauk muß Renate Blume gegen zwei nationale Filmgrößen antreten, die allein schon durch ihre Statur und Körpersprache Präsenz zeigen. Wieviele Schauspielkollegen haben gegen solche Kaliber schon den Kürzeren gezogen. Renate Blume hält dagegen und agiert, zwar größenmäßig unterlegen, dennoch auf Augenhöhe mit den Beiden.

Ebenfalls Mitwirkender in der Serie: Gojko Mitic. Und wieder ist er ihr Beschützer. Nur kommen der Partisan und die Widerstandskämpferin diesmal in „Archiv des Todes“ nicht zusammen! Aber das Publikum registriert wieder diese besondere Beziehung der beiden Schauspieler, nimmt wieder wahr und erinnert sich an das, was schon einmal gewesen ist. Der Zauber der Beiden, das Besondere, Unverwechselbare, funktioniert noch immer!

In der Folgezeit wird Renate Blume eine der vielbeschäftigsten und beliebtesten Schauspielerinnen der DDR. Ob eher kleine Rollen wie in „Benno macht Geschichten“ oder tragende Rollen wie in der Fernsehserie „Barfuß ins Bett“, Renate Blume bleibt ständig präsent.

Und dann war da noch Dean Reed. Den in der DDR lebenden Amerikaner lernte Renate Blume bei den Dreharbeiten zum DEFA-Abenteuerfilm „Kit & Co.“ kennen und später lieben. Zwar gab es noch einmal eine gemeinsame Moderation des „Kessel Buntes“ mit Gojko Mitic im Juni 1980, aber die Hochzeit von Dean Reed und Renate Blume im September 1981 beendete schlagartig die Hoffnung der Fans auf eine Fortlebigkeit des Traumpaares Mitic/Blume. Nicht wenige Menschen waren sauer auf Dean Reed, weil er den hübschen Fernsehliebling bekam und nicht Gojko Mitic. Zu tief hatte sich inzwischen die Beziehung zwischen Gojko Mitic und Renate Blume, die mit „Ulzana“ begann und schon lange beendet war, ins Gedächtnis eingebrannt.

Das neue Traumpaar der DDR hieß nun Blume/Reed und wurde von der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt und später mit Wohlwollen begleitet, als man merkte, daß es funktioniert. Und trotzdem blieben die Fan-Lager gespalten. Entweder Mitic oder Reed – beides zusammen ging nicht. Das schienen auch die beiden Männer zu wissen. Renate Blume wurde schließlich zum versöhnenden Schnittpunkt beider Lager. Man gönnte ihr den Amerikaner, selbst wenn man ihn nicht mochte.

Der Karriere Renate Blumes tat die Ehe mit Dean Reed keinen Abbruch. Längst war sie in die erste Reihe der Film-und Fernsehstars der DDR getreten. Und als nach der Wende die Angebote ausblieben, kehrte sie kurzerhand zu ihren Wurzeln zurück und spielt Theater.

„Die schönste Indianerin“ ist älter geworden. Sie ist würdevoll gealtert und dennoch jung geblieben. Noch immer steht Renate Blume vor der Kamera oder auf der Theaterbühne. Daß sie jetzt offiziell in Rente geht, nimmt sie eher gelassen, fast schon amüsiert, hin. Sie sei nun eigentlich nicht mehr auf Rollenangebote angewiesen, um ihren Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Trotzdem oder gerade deswegen kündigte sie an, weiterarbeiten zu wollen, solange es ihr noch Spaß bereitet.

Wäre die schönste Indianerin nicht den Filmtod gestorben, würden ihr heute wahrscheinlich alle Indianerstämme zu Füße liegen. So bleibt es ihren Fans, Freunden, Wegbegleitern und Schauspielkollegen vorbehalten, sich zu erheben und tief zu verbeugen vor einer Künstlerin, die für viele Menschen inzwischen Teil der eigenen Biografie geworden ist, weil sie auf der persönlichen „Mag-ich“-Liste ganz weit oben steht. Wir verneigen uns vor einer Frau, die mit einer einzigen Rolle schon zu Lebzeiten legendär geworden ist und die ein Lächeln in die Herzen der Menschen zaubert, daß Jahrzehnte überdauert und noch immer anhält. Und wir verneigen uns vor einer Künstlerin, die durch ihre Ausstrahlung, ihre Natürlichkeit, ihre gesamte Erscheinung und nicht zuletzt durch ihr künstlerisches Schaffen über Jahrzehnte hinweg selber Teil eines Traumes wurde und dadurch anderen Menschen Träume erfüllt und glückliche Momente verschafft hat!

Herzlichen Glückwunsch zum 65. Geburtstag und Alles Gute, Renate Blume!