Female Agents – Geheimkommando Phoenix

Im Mai 1944 rekrutieren Louise Desfontaines (Sophie Marceau) und ihr Bruder Pierre (Julien Boisselier) im Londoner Exil vier Frauen für einen Geheimauftrag. Zwar sind bis auf Louise alle anderen Frauen militärisch unerfahren, haben aber Jede für sich spezielle Kenntnisse, die bei der Lösung des Auftrags nützlich sein könnten. Die Gruppe soll nämlich in Frankreich SS-Offizier Heindrich (Moritz Bleibtreu) eliminieren, der kurz davor ist, den Geheimplänen der Alliierten für die Landung in der Normandie auf die Schliche zu kommen.

Ein britischer Geologe, der von den Plänen weiß, befindet sich als angeblicher Spion in deutscher Gefangenschaft. Zwar gelingt es der Gruppe, den Geologen zu befreien, doch Heindrich überlebt die Befreiungsaktion. Notgedrungen müssen Louise und die anderen Mitglieder der Widerstandsgruppe in Frankreich bleiben, um den gestellten Auftrag zu erfüllen. Als Pierre, der Kommandeur der Gruppe, den Deutschen in die Hände fällt, sind die Frauen auf sich allein gestellt. Sie machen sich auf nach Paris, um Heindrich endgültig zu töten. Doch auch der hat bereits den Feind ausgemacht und jagt die Frauen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, den Heindrich zu gewinnen scheint, denn die Gruppe um Louise wird nach der Verhaftung von Gaelle (Deborah Francois), der Jüngsten im Team, immer kleiner. Als schließlich auch noch Louise beim Versuch, Heindrich eine Falle zu stellen, festgenommen wird, scheint der Plan endgültig zu scheitern. Aber so schnell geben Jeanne (Julie Depardieu) und Suzy (Marie Gillain) nicht auf…

Louise und Pierre haben den Geologen befreit und verstecken sich vor den Verfolgern.

„Female Agents – Geheimkommando Phoenix“ des französischen Regisseurs Jean-Paul Salomé ist kein reiner Kriegsfilm, der einmal mehr irgendeine beliebige Schlacht des 2. Weltkrieges nacherzählt. Es ist vielmehr ein actiongeladener, spannender und wendungsreicher Spionagefilm um ein Projekt der Alliierten, das so tatsächlich existierte. Auch Louise Desfontaines ist eine reale Person der Zeitgeschichte. Regisseur Salomè verpackte das Ganze in eine fiktive Handlung.

Herausgekommen ist ein bemerkenswertes Abbild der damaligen Zeit. Die meisten Filmaufnahmen entstanden in historischen Gebäuden und an Original-Schauplätzen und weniger in Filmstudios. Um authentisch und möglichst nah an der Realität zu sein ließ sich Salomè während der Folterszenen im Gestapo-Keller von einem Historiker beraten. Und schließlich griff Salomè auch auf vorhandenes Archivmaterial zurück.

„Female Agents“ ist aber auch ein Frauenfilm in bester französischer Tradition. Fünf Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, raufen sich zusammen, wenn es drauf an kommt. Angeführt von einer grandiosen Sophie Marceau versammelte Salomé eine exzellente Darstellerriege um sich. Besonders Marceau und Moritz Bleibtreu liefern sich ein famoses Katz-und-Maus-Spiel.

Moritz Bleibtreu spielt den SS-Offizier Heindrich

Moritz Bleibtreu als Heindrich entspricht so gar nicht dem typischen Klischeebild eines Nazis, das man von ausländischen Produktionen kennt. In „Female Agents“ spielt er mit einer solchen Härte, daß – so die Aussage des Regisseurs im Audiokommentar – sogar seine Filmpartnerin Sophie Marceau erschrocken zurückwich.

Marceau selber war während der Dreharbeiten nicht zimperlich zu sich selbst und nahm auch die eine oder andere Blessur oder Ohrfeige in Kauf. Was jedoch besonders bei Großaufnahmen auffällt sind die gereiften Gesichtszüge einer Frau, die sich längst vom Image der kleinen Vic Berreton aus der „La Boum“-Reihe verabschiedet und sich zu einer gestandenen, mittlerweile gesamteuropäischen, Schauspielerin entwickelt hat.

Gaelle, Louise, Suzy und Jeanne bei ihrer Ankunft in Paris

Mit “Female Agents“ gelang Jean-Paul Salomé ein kleines Meisterwerk, daß sich wohltuend von den blutrünstigen Abschlachtorgien anderer Filme mit WK-II-Thematik unterscheidet. Und er beweist, daß man auch in Europa mit einem vergleichsweise geringen Budget einen ordentlichen Actionfilm drehen kann, der für Spannung beim Zuschauer sorgt. Gutes Kino kommt schon lange nicht mehr nur aus Hollywood!

Marie Gillain spielt Suzy
alle Fotos: © Koch Media

Die 2-Disc-Collector’s Edition bietet neben dem Hauptfilm auch jede Menge Bonusmaterial. So befindet sich auf der Bonus-DVD ein 50-minütiges „Making of“, welches anschaulich und ausführlich von den Dreharbeiten berichtet und auch zeigt, wie Film wirklich funktioniert, wenn es um Spezialeffekte geht.

Die „geschnittenen Szenen“, Trailer und einen Bericht vom Casting Deborah Francois‘ runden die Bonus-Disc ab.

Etwas nervig ist der Audiokommentar des Regisseurs, der bei fast jeder Einstellung die Ausstattung und die Kostümbildner über alle Maßen lobt. Wenigstens erfährt man etwas über den Wahrheitsgehalt der Story und die Zusammenarbeit der Schauspieler untereinander.

Die eigentliche DVD-Box befindet sich in einem Pappschuber, auf dem der Titel-Schriftzug reliefartig hervorgehoben wird.

Film-Daten:
Frankreich, 2008
Originaltitel: Les femmes de l´ombre
Spielzeit: 112 min

Die Rollen und ihre Darsteller

Louise Desfontaines – Sophie Marceau
SS Colonel Heindrich – Moritz Bleibtreu
Jeanne Faussier – Julie Depardieu
Suzy Desprez – Marie Gillain
Gaelle Lemenech – Déborah Francois
Maria Luzzato – Maya Sansa
Pierre Desfontaines – Julien Boisselier
Eddy – Vincent Rottiers
Lieutenant Becker – Volker Bruch

Stab

Regie – Jean-Paul Salomé
Drehbuch – Jean-Paul Salomé, Laurent Vachaud
Kamera – Pascal Ridao
Szenenbild – Francoise Dupertuis
Kostüm – Pierre-Jean Larroque

Schweigeminute

ZDF-Logo

Erstausstrahlung: 31.10.2016

schweigeminuteEin kleines Fischerdorf an der Ostsee, Ende der 50er Jahre. Stella Petersen (Julia Koschitz) kehrt nach 14 Jahren England-Aufenthalt in ihre Heimat zurück. Sie wird mit Beginn des neuen Schuljahres die neue Englisch-Lehrerin am Gymnasium. Der junge Christian Voigt (Jonas Nay), der seinem Vater (Uwe Preuss) bei der Steinfischerei aushilft, ist nach der ersten flüchtigen Begegnung im Hafen fasziniert von der attraktiven, aber älteren Frau. Immer öfter versucht er, einen Blick von ihr zu erhaschen. Bei einem Hafenfest befreit er sie sogar aus einer misslichen Lage, als Ulrik Quedens (Thure Linhardt) Stella belästigt.

Auch Stella ist zunehmend von dem jungen Mann angetan. Zufällig sieht er durchs Fenster, wie sich Stella umzieht. Als er von ihr entdeckt wird, raunt sie ihn an, um sich ein paar Minuten später bei ihm zu entschuldigen.

Stella Petersen (Julia Koschitz) ist eine etwas andere Englischlehrerin.

Stella Petersen (Julia Koschitz) ist eine etwas andere Englischlehrerin.

Gemeinsam fahren sie mit dem Boot aufs Meer hinaus, um Bojen zu postieren. Ein aufziehendes Unwetter zwingt beide, auf der nahe gelegenen Vogelinsel Unterschlupf zu suchen. Christian sieht seine Chance gekommen, allein mit der Frau seiner Träume Zeit zu verbringen, gleichzeitig ist er unsicher, ob er diese Gelegenheit auch wirklich nutzen soll. Stella jedoch nimmt ihm die Entscheidung ab und erwidert seinen flüchtigen Kuss.

Langsam kommen Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz) sich näher.

Langsam kommen Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz) sich näher.

Christian und Stelle lieben sich leidenschaftlich in der Hütte auf der einsamen Insel.. Fortan bewahren beide ein wohlgehütetes Geheimnis. „Wir sehen uns doch wieder?“ fragt Christian nach der Rückkehr aufs Festland. „Ja, morgen in der dritten Stunde.“, antwortet Stella und spürt, dass es wohl nicht dabei bleiben wird.

Stella versucht als Christians Klassenlehrerin, sich ihre Gefühle für ihn nicht anmerken zu lassen und behandelt ihn in der Schule mit Gleichgültigkeit. Gleichzeitig trifft sie sich weiter mit ihm heimlich am Nachmittag. Christian ist irritiert von Stellas Verhalten und stellt sie zur Rede. Stella erklärt Christian, dass sich an ihren Gefühlen für ihn nichts geändert hat, nur die Situation auch für sie neu ist, schließlich ist sie seine Lehrerin.

Mit Stella (Julia Koschitz) als strenger Lehrerin hat Christian (Jonas Nay) nicht gerechnet.

Mit Stella (Julia Koschitz) als strenger Lehrerin hat Christian (Jonas Nay) nicht gerechnet.

Trotz heimlicher Treffen der Beiden werden Freunde, Familienmitglieder und Schulleitung langsam misstrauisch. Christian schmiedet sogar schon Pläne für eine gemeinsame Zukunft.

Bei einem privaten Segeltörn wird Stella bei einem misslungenen Wendemanöver von einem Segelbaum schwer verletzt und über Bord geschleudert. Christian, der wie viele Fischer Zeuge des Unfalls wird, kann Stella zunächst aus dem Wasser retten und begleitet sie ins Krankenhaus.

Wird sie wieder aufwachen? Christian (Jonas Nay, r.) sorgt sich um Stella (Julia Koschitz, l.).

Wird sie wieder aufwachen? Christian (Jonas Nay, r.) sorgt sich um Stella (Julia Koschitz, l.).

Am nächsten Tag besuchen Christian und seine Mitschüler und Lehrer die schwer verletzte Stella im Krankenhaus, nicht ahnend, dass er sie zum letzten Mal sehen wird…

„Schweigeminute“ basiert auf der gleichnamigen Novelle des 2014 verstorbenen Schriftstellers Siegfried Lenz. Ursprünglich wollte Bernd Eichinger den Stoff fürs Kino verfilmen, nun haben ihn die Drehbuchautoren André Georgi, Claudia Kratochvil und Thorsten M. Schmidt fürs ZDF adaptiert. Schmidt führte darüber hinaus auch die Regie.

Herausgekommen ist eine zeitlos schöne Verfilmung. Anders als in der literarischen Vorlage ahnt der Zuschauer schon zu Beginn des Filmes, welch tragische Wendung die Handlung nehmen wird. Im Vordergrund steht jedoch die beginnende verbotene Liebe einer Lehrerin zu ihrem Schüler, misstrauisch beäugt von ihrem Umfeld.

Eine Liebe, die nicht sein darf: Unverhofft kommen sich der 18-jährige Christian (Jonas Nay) und seine neue Englischlehrerin Stella Petersen (Julia Koschitz) heimlich näher und entdecken eine Anziehung zueinander, deren Intensität beide überwältigt.

Eine Liebe, die nicht sein darf: Unverhofft kommen sich der 18-jährige Christian (Jonas Nay) und seine neue Englischlehrerin Stella Petersen (Julia Koschitz) heimlich näher und entdecken eine Anziehung zueinander, deren Intensität beide überwältigt.

Julia Koschitz und Jonas Nay spielen mit einer bewundernswerten Intensität, ohne ihre Rollen zu überzeichnen. Jonas Nay als jungerwachsener Liebhaber, hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen. Nicht der Rebell und nicht der Naivling.

Christian (Jonas Nay).

Christian (Jonas Nay).

Julia Koschitz wirkt manchmal so zerbrechlich, dass es ans Herz geht. Manchmal reicht ein kurzer Blick oder Augenaufschlag – allein dadurch signalisiert sie mal die sanfte Verführerin, die sich ihrer Wirkung auf die Männer bewusst ist, oder die kühl Berechnende, die genau weiß, wie verboten und von der Gesellschaft geächtet Stellas Liebe zu Christian ist.

Stella (Julia Koschitz).

Stella (Julia Koschitz).

Geprägt wird die Handlung auch von den Landschaftsaufnahmen, die Kameramann Hannes Hubach zu verantworten hat. Viele Aufnahmen entstanden auf der dänischen Insel Bornholm. Seien es die dunklen aufziehenden Wolken und hohen Wellen, strahlender Sonnenschein, romantisch gelegene verborgene Strände oder endlose Ferne bis zum Horizont – es sind atmosphärische Bilder, die Hubach da zaubert. Und manchmal vermitteln die Bilder den Look der Filme der 50er-Jahre.

Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz) genießen die Zeit zu zweit. Sie dürfen dabei nur nicht entdeckt werden.

Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz) genießen die Zeit zu zweit. Sie dürfen dabei nur nicht entdeckt werden.

Passend zum Film der Soundtrack: Neben dem eigentlichen Score von Gert Wilden jr. hört man einige Klassiker wie Bobby Darins „Beyond the sea“ oder „Diana“ von Paul Anka. „Scarborough Fair“ von Simon & Garfunkel, ein Lied über ein Liebespaar, das wieder zueinander finden will, gewinnt im Laufe des Filmes sogar eine besondere Bedeutung.

Spektakulär und fast schon rührend das Ende des Filmes. Stella und Christian für eine kurzen Moment wieder vereint – in einer grandiosen Einstellung, gefilmt unter Wasser. Wie eine Meerjungfrau, die sich von ihrem Liebsten verabschiedet, küssen sich ein letztes Mal Stella und Christian, bevor sie ihn für immer verlassen muss…

„Schweigeminute“ ist ein melancholisch-berührender Film, fernab jeglicher Klischees, den Zeitgeist der späten 50er Jahre widerspiegelnd mit zwei wunderbaren, gefühlvoll spielenden Darstellern.

Die Rollen und ihre Darsteller

Christian Voigt – Jonas Nay
Stella Petersen – Julia Koschitz
Wilhelm Voigt – Uwe Preuss
Jürgen Kugler – Johannes Allmayer
Frauke Bruns – Henny Reents
Johann Petersen – Hermann Beyer
Ulrik Quedens – Thure Lindhardt
Jutta Voigt – Nina Petri
Block – Alexander Held

CREW

Produzent: Oliver Berben
Produzentin: Sarah Kirkegaard
Regie: Thorsten Schmidt
Redaktion: Günther van Endert, Stefanie von Heydwolff
Herstellungsleitung: Dieter Salzmann
Kamera: Hannes Hubach
Drehbuch: André Georgi, Claudia Kratochvil, Thorsten Schmidt
Produktionsleitung: Roman Gustke
Ausstattung: Jérôme Latour
Kostümbild: Riccarda Merten-Eicher
Maske: Britta Balcke, Mike Reinecke
Schnitt: Andreas Althoff, Margit Wiltschko
Musik: Gerd Wilden Jr.
Zusätzliche Musik: Olaf Taranczewski
Casting: Mai Seck

Copyright für alle Fotos: ZDF / Hannes Hubach

Tatort: „Der große Schmerz“ / „Fegefeuer“

Das Erste

Erstausstrahlungen 01.01.2016 und 03.01.2016

Was war das für ein mediales Rauschen im Blätterwald, als bekannt wurde, daß Deutschlands Liebling Nr. 1, Helene Fischer, in Til Schweigers neuem Tatort mitspielen soll. Was genau, blieb lange geheim. Bekannt wurde nur, daß sie als Auftragskillerin die Gegenspielerin von Nick Tschiller (Til Schweiger) ist.

Hamburgs LKA-Beamter Nick Tschiller führt immer noch seinen Privatkrieg gegen den Anführer des Astan-Clans. Der soll in die JVA Landshut überstellt werden. Zeitgleich werden Tschillers Tochter Lenny (völlig talentfrei: Luna Schweiger) und seine Ex-Frau Isabell (Stefanie Stappenbeck) gekidnappt. Die Entführer fordern, daß Tschiller Firat Astan (Erdal Yildiz) während der Überführung befreit und anschließend an sie ausliefert.
Natürlich will Tschiller wissen, wer hinter der Aktion steckt. Um das zu erfahren, ist ihm jedes Mittel recht. Bei seinem Rachefeldzug verschont er weder Freund noch Feind: Tschiller trickst das Begleit-MEK aus, lenkt Astans Gefolgsleute ab (die an der Befreiungsaktion teilnehmen sollten), schlägt seinen Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim) K.O, schnappt sich Astan und taucht ab. Sein Vorgesetzter Petretti (Tim Wilde) sowie Staatsanwältin Hanna Lennerz (Edita Malovcic) werden nervös, scheint doch Tschiller so langsam die Kontrolle zu verlieren. Auch der neue Innensenator Revenbrook (Arnd Klawitter) scheint etwas verbergen zu wollen, will er doch unbedingt, daß Tschiller Astan erschießt.

Nick Tschiller (Til Schweiger, li.) und Firat Astan (Erdal Yildiz, re.)
Bild: NDR/Gordon Timpen

Yalcin und Kollegin Ines Kallwey (Britta Hammelstein) ermitteln im Hintergrund weiter und können herausfinden, daß sich Leyla, eine von Astan auf Tschiller angesetzte Killerin (Helene Fischer), auf einem Schiff befindet. Yalcin Gümer entdeckt dort auch Tschillers Frauen. Als Tschiller mit Astan im Schlepptau im Versteck erscheint, eskaliert die Situation. Bei einem Feuergefecht werden Isabell angeschossen und Yalcin erschießt Leyla.

In der Fortsetzung „Fegefeuer“ hat Tschiller immer noch Astan in seiner Gewalt. Terroristen überfallen das „Tagesschau“-Nachrichtenstudio und nehmen Geiseln (u.a. Sprecherin Judith Rakers). Tschiller soll Astan zu einem Übergabeort bringen, dann werden die Geiseln freigelassen.
Inzwischen hat aber Revenbrook alle Polizeibeamte auf Nick Schiller angesetzt. Plötzlich will der Innensenator, daß Astan am Leben bleibt und den Geiselnehmern überstellt wird.
Gümer und Kallwey finden heraus, daß Leyla als junges Mädchen zwangsprostituiert und von Revenbrook zu perversen Sexspielen mißbraucht wurde. Astans Aussage könnte Revenbrook zu Fall bringen, deshalb hat sich Revenbrook mit den Hintermännern der Geiselnahme im Studio eingelassen.
Tschiller und Astan liefern sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Geiselnehmern. Außerdem versucht Astan immer noch zu fliehen, allerdings braucht er vorher noch Tschillers Hilfe, um an gewisse Dokumente zu gelangen.

Was hatte man sich in den 80er Jahren über Ruhrpott-Kommissar Horst Schimanski aufgeregt: zuviele Alleingänge, Missachtung der Dienstvorschriften, Überschreitung der Dienstbefugnisse. Gegen Tschiller war Schimanski ein vorbildlicher Beamter. In seiner ganzen Dienstzeit hatte Schimmi weniger Tote als Tschiller in dieser „Tatort“-Doppelfolge.
Schweigers Tschiller präsentiert sich als Mischung aus John McCaine (Bruce Willis in den „Stirb Langsam“-Filmen) und Jack Bauer (Kiefer Sutherland in „24“), ohne den Beiden auch nur annähernd das Wasser reichen zu können. Auch die Handlung ist völlig unrealistisch. Tschiller wird mit Waterboarding gefoltert, rammt frontal mit seinem Auto einen Lieferwagen, wird fast erdrosselt und bekommt ein Messer in den Rücken gerammt. Von den unzähligen Gegnern mit automatischen Waffen mal abgesehen. Tschiller putzt sich mal schnell das Blut aus dem Gesicht, steht auf und rennt weiter, als wäre nichts geschehen.

Aleksej (Sascha Reimann, re.), Pjotr (Raphael Domanski, 3.v.l.) und Lev (Janos Tiborcz, li.) foltern den immer noch schweigsamen Tschiller (Til Schweiger, 2.v.l.). "Bild: NDR/Gordon Timpen"

Aleksej (Sascha Reimann, re.), Pjotr (Raphael Domanski, 3.v.l.) und Lev (Janos Tiborcz, li.) foltern den immer noch schweigsamen Tschiller (Til Schweiger, 2.v.l.).
Bild: NDR/Gordon Timpen

Eine Spur der Verwüstung zieht sich durch Hamburg und niemand will (oder kann) ihn aufhalten? Und in einer Kommando-Aktion des russischen Inlandsgeheimdienstes kann mal so eben auf einer Straße in Hamburg ein Hubschrauber mit schwer bewaffneten Elitekämpfern landen, ohne daß es jemand mitbekommt?
Tschiller ballert mit allem und auf alles, was ihm vor die Flinte kommt – mal mit Pistole, mal mit MPi, mal mit Panzerfaust. Und bekämpft – mit einer Hand an einen Stuhl gefesselt – drei Ganoven (u.a. Sänger Ferris MC) mit einer Kreissäge.

Tschiller (Til Schweiger) jenseits von Gut und Böse. "Bild: NDR/Gordon Timpen"

Tschiller (Til Schweiger) jenseits von Gut und Böse.
Bild: NDR/Gordon Timpen

Als Actionfilm wäre „Der große Schmerz“ / „Fegefeuer“ durchaus großes Kino, als Tatort-Folgen ist das einfach nur großer Mist.

Und Helene Fischer? Mit dunkler Perücke, grünen Kontaktlinsen, einem starren Blick und ein paar wenigen im russischen Dialekt gesprochen Worten gibt sie eine Leyla ab, die auch jede Filmstudentin im ersten Studienjahr besser hätte spielen können. Daß sie den Filmtod stirbt (leider viel zu spät), ist nur zu gerecht. Und, oh Schreck, die ideale Schwiegertochter nimmt das böse F-Wort in den Mund. Einigen Helene-Fischer-Fans der älteren Jahrgänge dürften spätestens bei dieser Szene die Kinnladen runtergeklappt sein!

ARD/NDR TATORT: DER GROßE SCHMERZ, am Freitag (01.01.16) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Leyla (Helene Fischer) hat noch eine Rechnung mit Firat Astan offen. © NDR/Gordon Timpen, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter NDR-Sendung bei Nennung "Bild: NDR/Gordon Timpen" (S2). NDR Presse und Information/Fotoredaktion, Tel: 040/4156-2306 oder -2305, pressefoto@ndr.de

Leyla (Helene Fischer) hat noch eine Rechnung mit Firat Astan offen.
Bild: NDR/Gordon Timpen

Til Schweiger nuschelt sich durch die Handlung, auch Erdal Yildiz ist nicht immer zu verstehen. Hat man versehentlich während der Dreharbeiten den Tonmann gleich mit erschossen?

Yalcin Gümer (Fahri Yardim) hofft darauf, Lenny und Isabella zu finden. Bild: NDR/Gordon Timpen

Yalcin Gümer (Fahri Yardim) hofft darauf, Lenny und Isabella zu finden.
Bild: NDR/Gordon Timpen

Einziger Lichtblick in diesem – na gut, nennen wir es ruhig Actionkracher – ist Fahri Yardim. Er ist die einzige coole Sau in diesem „Tatort“ und sollte seine eigenen „Tatort“-Folgen bekommen! Nick Tschiller dagegen gehört aus dem Dienst entlassen (oder zumindest in den Innendienst, am Besten zum Akten archivieren, versetzt).
Aber es ist zu befürchten, daß uns dieser Möchtegern-Weltretter weiter belästigt. Wenigstens ist Helene aus dem Spiel….

Helene Fischer ist Leyla Bild: NDR/Gordon Timpen

Helene Fischer ist Leyla
Bild: NDR/Gordon Timpen

 

Von Cottbus in die weite Welt

Mittel und Wege Cover 300hochPremiere in Brasilien für den neuen Film der gebürtigen Cottbuserin Juliane A. Ahrens

Wieder einmal sorgt ein in Cottbus gedrehter Film für Aufmerksamkeit. Die gebürtige Cottbuserin Juliane A. Ahrens drehte im Frühjahr vergangenen Jahres mit anderen Studenten der „Hochschule für Fernsehen und Film München“ ihren Abschlußfilm. „Mittel und Wege“ heißt der 23minütige Kurzfilm, der Anfang November auf dem Mostra Audiovisual de Cambuquira (Cambuquira Short Film Festival)‏ in Brasilien seine Premiere feiern wird.

Gedreht wurde neben München auch in Cottbus-Sachsendorf, in Schmellwitz und auf dem Gelände von Cottbusverkehr. Juliane A. Ahrens, die nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch für den Film schrieb, kehrte dazu in ihre alte Heimat zurück. „In Cottbus zwischen Betonblöcken aufgewachsen, träumte ich in meiner Jugend, wie die meisten anderen auch, davon, diesem Ort eines Tages den Rücken zu kehren. So früh wie nur irgend möglich brach ich auf und entfernte mich, nicht nur geografisch, immer mehr von meiner Heimat. Doch je weiter weg ich mich befand, desto stärker wurde mein Verlangen, diesen Ort wiederzusehen.“, so Ahrens. Als Besucherin kehrte sie nach Cottbus zurück und drehte ihren ersten fiktionalen Kurzfilm.

"Der letzte Tag"

Juliane A. Ahrens (rechts) mit den Darstellerinnen Helen Bergmann und Svenya Cheyenne

Jahre später schrieb sie ein Drehbuch, das sich an alte Plattenbauten, einsame Straßen und auf verwilderten Parkplätzen verortete. „Ich kehrte zurück zu den dem Verfall preisgegebenen Orten meiner Kindheit und Jugend, erfüllt von der Angst, dass sich alles in Luft auflösen würde, sobald niemand mehr hinsieht. Diese Angst habe ich auf die Figuren in meinem Drehbuch übertragen. Eine Angst, wie ein zweischneidiges Schwert. Die existenzielle Furcht zurückzubleiben. Und gleichzeitig, das beklemmende Gefühl, etwas zurückzulassen, daß beim nächsten Besuch vielleicht aufgehört hat zu existieren.“ verrät Juliane A. Ahrens ihre Beweggründe für den Film.

„Mittel und Wege“ erzählt die Geschichte von Luka (gespielt von Helen Bergmann) und Janine (Svenya Cheyenne) – zwei Teenager, die unterschiedlicher nicht sein können: Luka steht vor dem vielleicht wichtigsten Schritt ihres noch jungen Lebens. Sie wechselt auf ein Sportinternat, hat aber Zweifel vor der Endgültigkeit ihrer Entscheidung. Janine dagegen läßt sich durchs Leben treiben und hat dennoch Angst, daß ihr das Leben nichts mehr zu bieten hat. Die schicksalhafte Begegnung der beiden Mädchen läßt sie erkennen, daß es nie zu spät ist, richtige Entscheidungen zu treffen….

Dreharbeiten zu "Der letzte Tag", 15.04.2014Für Helen Bergmann war es die erste Filmarbeit. Bisher sammelte sie nur Theatererfahrung, gründete mit ihrer Schwester und ein paar Freundinnen sogar den „Drama Club“ – einen Theater-Club, in dem die Mädels eigene Stücke inszenierten.
Daß die Filmarbeiten Neuland für die junge Darstellerin waren, merkt man ihr kaum an. Souverän agiert Helen Bergmann vor der Kamera an der Seite von gestandenen Schauspielern wie Christina Papst oder Kai Börner vom Staatstheater Cottbus.

Auch Svenya Cheyenne kann schon auf einige Filme in ihrer Vita verweisen. In „Mittel und Wege“ spielt sie eine junge Frau, die nach außen stark und cool wirkt ( was sich auch in ihren flippigen Klamotten ausdrückt), tief in ihrem Inneren aber einen weichen Kern hat.

„Mittel und Wege“ vermeidet hektische Bilder (Kamera: Karl Kürten) und schnelle Schnitte, setzt vielmehr auf ruhige Kamerafahrten und lange Einstellungen, immer abwechselnd mit Blick auf die beiden Protagonisten des Films und dem Milieu, dem sie entstammen. Die alten Plattenbauten am Cottbuser Stadtrand bilden dafür die perfekte Kulisse.

Wie Juliane A. Ahrens schon während der Dreharbeiten andeutete, soll der Film „Mittel und Wege“ irgendwann auch in Cottbus gezeigt werden. Zuvor erfolgt jedoch erst einmal die Film-Festivalauswertung.

Artikel veröffentlicht:
23.10.2015 nl_aktuell

Everybody’s Famous – Jeder ist ein Star

Everybodys FamousOriginaltitel: Iedereen beroemd!
Frankreich, Belgien, Niederlande 2000
Kinostart Deutschland: 07.02.2002
ca. 97 min

Jean (Josse De Pauw) ist ein einfacher Fabrikarbeiter und arbeitet am Fließband. Sein größter Wunsch ist es, daß seine Tochter Marva (Eva van der Gucht) eine erfolgreiche Sängerin wird. Dabei scheitert diese ständig bei örtlichen Gesangswettbewerben kläglich. Das liegt nicht nur daran, daß Marva etwas pummelig ist, sondern auch, weil ihre Gesangskünste wirklich bescheiden sind. Aber das kann einen Vater wie Jean nicht davon abhalten, einen Song zu komponieren, auch wenn Marva mittlerweile von den Bemühungen ihres Vaters genervt ist.

Als Jean auch noch seinen Job verliert, entführt er in seiner Verzweiflung mit seinem Kumpel Willy (Werner De Smedt) die beliebteste Sängerin des ganzen Landes, Debbie (Thekla Reuten). Als „Lösegeld“ fordert Jean von Debbies Manager, daß der eine Platte mit Marva aufnimmt, natürlich auch mit seinem Lied. Alles läuft prima – zunächst. Denn die Platten der Geisel verkaufen sich plötzlich wie verrückt und bescheren dem Manager somit eine Menge Geld. Also warum soll er Debbie zurücknehmen?

Willy verliebt sich auch noch in Debbie und brennt mit ihr durch. Die ganze Sache scheint Jean aus den Händen zu gleiten, denn die Polizei rückt auch schon an…

Was sich wie die Story eines Thriller anhört, ist eine amüsante Komödie des flämischen Regisseurs . Glücksgriff bei der Wahl der Darsteller war sicherlich die Besetzung der Debbie mit dem niederländischen Filmstar Thekla Reuten, bei uns eher bekannt aus Filmen wie „Rosenstrasse“ oder „Zwillinge„. In „Ledereen Beroemd“ (so der Originaltitel des Films) zeigt Thekla Reuten, daß sie nicht nur gut schaupielern, sondern auch singen kann, denn die beiden Gesangstitel der Debbie wurden von Thekla Reuten eingesungen und erschienen sogar als Single-Auskopplung im Nachbarland. Auch die Titelmelodie „Lucky Manuelo“ wurde im Original von Marva alias Eva van der Gucht interpretiert. Und ganz nebenbei gibt es im Film noch Gastauftrite von Freddy Mercury- und Julio Iglesias-Doubles.

Josse De Pauw spielt den einfachen Mann, den Verlierer, der nicht aufgibt und an seine Träume glaubt, so stark, daß man ihm die Rolle ohne Zweifel abnimmt. Werner De Smedt als Willy dagegen wirkt manchmal etwas zu bemüht, den einfachen Menschen darzustellen.

„Jeder ist ein Star“ ist einerseits eine Milieustudie der Bewohner einer Siedlung, deren einziger Arbeitgeber Pleite macht, und auf der anderen Seite ist der Film Zeugnis über die Machenschaften im Showgeschäft und die Macht der Medien. Das wird besonders dann auffällig, wenn die entführte Debbie die Fernsehnachrichten Ihrer eigenen Entführung kommentiert.

Der Film ist sehr unterhaltsam, auch wenn er nicht der große Abräumer in den Kinos war. Aber gute europäische Filme haben es meistens immer schwerer, das richtige Publikum zu finden. Die den Film gesehen haben, waren beigeistert und vergaben Publikumspreise an diesen Film. 2001 folgte eine Nominierung für den Oscar als bester fremdsprachiger Film.

Filmkritik veröffentlicht:

03.03.2008 Zelluloid klein

Die Zwillinge (Twin Sisters)

TwinSisters_Plakat-D-1Originaltitel: De Tweeling
Niederlande, Luxemburg 2002
Kinostart Deutschland: 07.10.2004

1926: Nach dem Tod ihrer Eltern werden die sechsjährigen Zwillinge Lotte und Anna Bamberg getrennt. Während die an Tuberkulose erkrankte Lotte zu weitläufigen Verwandten in die Niederlande abgeschoben wird, kommt Anna bei Ihrem Onkel Heinrich (Ingo Naujoks) unter. Statt wie alle anderen Mädchen in ihrem Alter die Schulbank zu drücken, muß Anna auf dem Bauernhof ihres Onkels Schwerstarbeit leisten. Sie wünscht sich so sehr, ihre Schwester wieder zu sehen. Auch Lotte, inzwischen genesen, schreibt Briefe an ihre Schwester. Doch Lottes Pflegeeltern schicken die Briefe nicht ab. Und so glaubt jede der Schwestern, daß der andere Zwilling nicht mehr von Einem wissen will. Hinzu kommt, daß sowohl Onkel Heinrich als auch Lottes Pflegeeltern die jeweils andere Partei schlecht reden…

Zehn Jahre sind aus den kleinen Mädchen bildhübsche Teenager geworden. Aber auch die Zeiten haben sich geändert. Anna (Nadja Uhl) schuftet immer noch für ihren Onkel und verliebt sich in Bernd, einem überzeugten Nationalsozialisten. Als Heinrich von der Beziehung erfährt, schlägt er Anna halbtot. Der Dorfpfarrer findet die bewußtlose Anna und rettet sie aus den Klauen ihrer Verwandtschaft. Anna ist endlich frei und lernt auf an einer Haushaltsschule.

Auch Lotte (Thekla Reuten) hat sich verliebt. David ist der Sohn jüdischer Freunde ihrer Familie. Aber noch immer gibt es keinen Kontakt zu ihrer Schwester.

Wieder vergehen Jahre. Anna hat inzwischen eine Anstellung bei einer Gräfin (Barbara Auer) bekommen. Lotte macht Heiratspläne mit ihrem David. Durch Zufall findet sie in einer Schatulle die nie abgeschickten Briefe an ihre Schwester. Sie stellt ihre Pflegeeltern zur Rede und erfährt die Wahrheit. Sofort beschließt Lotte, Kontakt zu Anna aufzunehmen, um sie zu besuchen.

Trotz großer Wiedersehensfreude bleibt Lotte distanziert zu Anna. Sie bietet Anna an, sie mit nach Holland zu nehmen, damit Anna aus dem nationalsozialistisch regierten Deutschland raus kommt. Anna lehnt ab, verspricht aber Lotte, sie sobald wie möglich zu besuchen. Bei der Verabschiedung verletzt sie unbewußt Lottes Gefühle, als sie abfällig über David, Lottes Verlobten, spricht. Lotte bricht erneut den Kontakt zu Anna ab. Sie merkt, daß sie auf Grund ihrer räumlichen Trennung kaum noch Gemeinsamkeiten haben.

Nach der Besetzung Hollands durch die Deutschen wird David ins KZ verschleppt. Davids Familie findet Unterschlupf bei Lottes Pflegeeltern. Anna heiratet den SS-Mann Martin und macht mit ihm bereits Pläne für die Zeit nach dem Krieg, als sie Nachricht vom Tod ihres Mannes erhält. Auch David hat das KZ nicht überlebt.

1947 macht sich Anna auf nach Holland zu Lotte, die inzwischen Davids Bruder geheiratet und von ihm ein Baby bekommen hat. Lotte weigert sich, mit Anna deutsch zu sprechen. Zu groß ist der Haß auf alles Deutsche. Als sie in Annas Tasche auch noch Annas Hochzeitsfoto mit Martin in SS-Uniform entdeckt, schmeißt sie Anna aus dem Haus und bricht vollständig mit ihr.

Ein halbes Jahrhundert vergeht. Zufällig kreuzen sich die Wege der Schwestern in einem Kurhotel in Belgien. Anna (Gudrun Okras) versucht mit allen Mitteln, mit Lotte (Ellen Vogel) wieder ins Gespräch zu kommen, doch diese blockt weiterhin ab und ignoriert sie, weil sie immer noch Anna für Davids Tod verantwortlich macht. Verzweifelt kämpft Anna um die Liebe ihrer Schwester. Sie folgt Lotte in einen Wald und erreicht zumindest, daß Lotte ihr zuhört. Erst als Anna zusammenbricht, besinnt sich Lotte und versöhnt sich wieder mit ihrer Schwester.

TwinSisters_003-1

Nadja Uhl und Thekla Reuten als Schwestern Anna und Lotte

Die Verfilmung des gleichnamigen Bestellers von Tessa de Loo war 2003 der erfolgreichste Film im Nachbarland und wurde zu Recht für den Oscar in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ nominiert.

Der Film „Die Zwillinge“erzählt die Geschichte zweier Menschen über Jahrzehnte hinweg und ist gleichzeitig ein beeindruckendes Sittengemäde der damaligen Zeit. Er zeigt dramatisch auf, wie sich zwei Menschen mit scheinbar gleichen Voraussetzungen durch eine unterschiedliche territoriale und soziale Umgebung entwickeln. Auch wenn die Handlung überwiegend während der NS-Zeit spielt, ist es glücklicherweise nicht der xte Versuch, einen Historienfilm über jene Zeit zu drehen. Trotzdem werden dem Zuschauer Geschehnisse und Zusammenhänge der damaligen Zeit anhand des Schicksals der Zwillingsschwestern begreiflich gemacht.

Zum Gelingen des Filmes trägt in erster Linie die Besetzung bei. Der Regisseur des Film, Ben Sombogaart, legte Wert auf Authentizität. So sollten unbedingt deutsche Rollen von deutschen Schauspielern besetzt werden. In Nadja Uhl fand Sombogaart die ideale „junge“ Anna. Die Rolle der jungen Lotte übernahm Hollands Star Thekla Reuten, die bereits in mehreren Filmen ihre Klasse bewies und mittlerweile gesamteuropäisch als Schauspielerin bekannt ist.

Die Rollen der beiden „alten“ Schwestern übernahmen Gudrun Okras und Ellen Vogel, die beide über jahrzehntelange Schauspiel- Erfahrung verfügen. Beide haben zudem die NS-Zeit selbst er- und überlebt und wußten somit genau, wie sie ihre Rollen anlegen mußten.

Die Szenen im Kurhotel bilden dabei die Rahmenhandlung für die eigentliche Geschichte, dem Auseinanderleben der Zwillinge. Um die zeitliche Distanz auch anschaulich zu machen, werden die Szenen der sechsjährigen Kinder in schwarz-weiß gezeigt. Die Jugendzeit der Zwillinge wird zwar mit etwas mehr Farbe, aber überwiegend in Braun- und Rottönen, dargestellt. Lediglich die Szenen der „alten“ Zwillinge blieben unverändert. Weiterer Pluspunkt sind die Beibehaltung der Originaldialoge. So werden die Gespräche der holländischen Akteure lediglich in deutsch untertitelt.

Mit „Die Zwillinge“ gelang Regisseur Sombogaart ein zu Herzen gehendes filmisches Kunstwerk. Trotz einer Filmlänge von 131 Minuten kommt nie Langeweile auf, weil der Film seine Spannung aus dem Schicksal der getrennten Zwillinge und deren Versuch, wieder zusammenzukommen, bezieht. Ein beeindruckendes Meisterwerk mit einem dramatischen Blick auf die deutsch-holländische Geschichte.

Auszeichnungen:
2003 OSCAR-Nominierung “Bester ausländischer Film”

Alle Bilder: © Kinowelt

Filmkritik veröffentlicht:
20.11.2008 Zelluloid klein

Bornholmer Straße

Das Erste
Erstausstrahlung: 05.11.2014

Die Geschichte ist bekannt: Am 9. November 1989 holt SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski während einer Pressekonferenz einen Zettel aus der Tasche und verkündet beiläufig das Ende der DDR-Grenzkontrollen. Kurze Zeit später steht die halbe DDR an den Grenzübergangstellen und begehrt einen Blick in den goldenen Westen. Zu dumm nur, dass man den dortigen Grenzposten keine Anweisungen erteilt hat, wie sie mit der völlig neuen Situation umzugehen haben. Als der Druck der Massen immer stärker wird, entschließt sich Grenzoffizier Harald Jäger, an seinem Grenzübergang „Bornholmer Straße“ den Schlagbaum zu öffnen, ohne zu ahnen, dass er mit dieser Aktion Weltgeschichte schreibt…

25 Jahre später versuchen UFA Fiction, MDR, ARD Degeto und RBB, dieses historische Ereignis fiktional zu verarbeiten. In der Vergangenheit gab es immer mal Höhen und Tiefen, wenn es um filmische Vergangenheitsbewältigung geht. Den wenigen positiven Ergebnissen wie „12 heißt Ich Liebe Dich“ stehen auch einige weniger gelungene Produktionen wie „Weissensee“ oder der ZDF-Film „Das Wunder von Berlin“ gegenüber, die es mit Logik und Detailtreue nicht so genau nehmen!

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Da staunen die Genossen…
Bild: MDR/UFA FICTION/Nik Konietzny
Quelle: MDR/HA Kommunikation

„Bornholmer Straße“ wurde schon im Vorfeld hochgelobt als „emotionale Fernsehunterhaltung“ mit besonderer Erzählstruktur und einer „neuen Tonalität“ (Zitate laut Presseheft). Ernsthaft und zugleich humorvoll soll der Film sein.
Herausgekommen ist eine Mischung aus Persiflage und Drama. Die echten Grenzsoldaten, die durch ihr besonnenes Handeln mit dazu beitrugen, dass der Mauerfall ohne Blutvergießen in die Geschichte eingeht, werden sich bedanken, denn in vielen Szenen werden sie zu Witzfiguren der Geschichte degradiert, die sich zunächst erst einmal auf die Jagd nach einem vierbeinigen „Grenzverletzer“ machen. Ein kleiner Hund hatte es gewagt, die Grenzanlagen der DDR unerlaubt zu passieren. Parteisekretär Ulli Rotermund (Milan Peschel), ein Paragrafenreiter vor dem Herrn, nimmt sich der Sache an, sieht er doch in dem kleinen Gesellen eine reale Bedrohung für die Republik. Als wäre er damit nicht schon ausgelastet, futtern ihm die anderen Genossen auch noch seine Kekse weg.
Sicherheitsoffizier Burkhard Schönhammer (gespielt von Max Hopp) will die ganze Angelegenheit mit seiner „Lilly“, einem Scharfschützengewehr, beenden, kriegt aber das große Weinen, als die Meute ihm an die Wäsche will. Und Zollrat Michael Krüger (Robert Gallinowski) rettet sich in die Arme seiner Mutter (Margit Bendokat), die am Grenzübergang für die Pausenversorgung der Soldaten zuständig ist.

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Die Menschenmenge rückt immer näher an den Schlagbaum an der Grenzübergangsstelle Bornhomer Straße. Harald Schäfer (Charly Hübner) ahnt schon, dass er bald eine Entscheidung treffen muss.
Bild: MDR/Nik Konietzny
Quelle: MDR/HA Kommunikation

Oberstleutnant Harald Schäfer (Charly Hübner, dessen Protagonist dem wahren Harald Jäger nachempfunden ist) hat mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen und ruft alle paar Minuten bei seinem Vorgesetzten Oberst Kummer (grandios: Ulrich Matthes) an, um zu erfahren, ob es denn mal einen Befehl gibt. Kummer wiederum wartet selber auf eine Anweisung von ganz oben und ist dem Wahnsinn nahe, weil er auch nicht weiß, was er machen soll. Um Schäfer erst mal zu besänftigen, gibt Kummer ihm den Befehl, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen und die größten Schreihälse ausreisen zu lassen, nicht ohne vorher den Personalausweis ungültig zu stempeln, damit die Bürger nicht mehr zurück in die DDR können. Schäfer und seine Genossen freuen wie kleine Kinder und tanzen im Wachlokal, dass sie endlich einen Befehl bekommen haben.Vollends zur Satire wird „Bornholmer Straße“, als der Botschafter aus Mosambik in die DDR einreisen will, von Schusters Magen-Darm-Problemen erfährt und durch Handauflegen Schäfer kuriert.

Und dann ist da noch die obligatorische Liebesgeschichte, ohne die heutzutage wohl keine zeitgeschichtliche Verfilmung mehr auskommt. Oberfeldwebel Axel Hoffmann (Ludwig Trepte) macht seinen Dienst vor dem Schlagbaum, als plötzlich seine Freundin mit dem ach so typisch ostdeutschen Namen Melitta (Jasma Fritzi Bauer) auftaucht. Sie reiht sich in die Menschenmenge ein und fordert wie alle anderen „Macht das Tor auf!“. Als auch Melitta die Möglichkeit hat, auszureisen, weigert sich Axel Hoffmann, die Tür zum Ausreisepunkt zu öffnen – weiß er doch, dass Melitta nicht mehr zurück kommen darf und seine große Liebe für immer im Westen bleiben muss
Sein Glück ist, dass Oberstleutnant Schäfer irgendwann dem Druck der Massen nachgibt und den Schlagbaum öffnet. Der Rest ist Geschichte und wird durch das Abschalten der Monitore im Lagebüro noch einmal deutlich vor Augen geführt.

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Manfred (Thorsten Merten) Monika (Ursula Werner); Ines (Katharina Lorenz) und Melitta (Jasna Fritz Bauer) fordern vor dem Grenzübergang mit vielen anderen die Öffnung des Schlagbaums und warten auf eine Reaktion der Grenzsoldaten.
Bild: MDR/Nik Konietzny
Quelle: MDR/HA Kommunikation

Christian Schwochow führte bei „Bornholmer Straße“ Regie und verfilmte das Drehbuch seiner Eltern Heide und Rainer Schwochow, die 1989 an genau diesem Grenzübergang Zeugen der Ereignisse wurden. Das grandiose Darstellerensemble (in weiteren Rollen sind u.a. Ursula Werner, Frederick Lau, Hermann Beyer und Thorsten Merten zu erleben) rettet den Film. Charly Hübner kommt wie ein tapsiger Bär daher, strahlt dabei Autorität und Verletzlichkeit zugleich aus.
Ulrich Matthes überzeugt als Oberst Kummer, der von seinen Vorgesetzten allein gelassen wird und sich dem Alkohol zuwendet, um sich die aufkommende Krise schön zu trinken.

Ganze Arbeit leisteten die Maskenbilder um Wolfgang Böge. Hilmar Eichhorn als General Werner Geiger war Erich Mielke, dem Vorbild des Filmcharakters, wie aus dem Gesicht geschnitten.

Fazit: „Bornholmer Straße“ hält nicht, was im Vorfeld versprochen wurde, weil sich die Verantwortlichen nicht entscheiden konnten, ob es nun eine Komödie oder eine detailgetreue Verfilmung eines zeitgeschichtlichen Ereignisses werden soll. Die realen Akteure, die im Film eher zu weinerlichen Antihelden gemacht werden, bewiesen 1989 mehr Mut.

Illusion

PlakatAcht Menschen, unzufrieden mit ihrem bisherigen Leben, treffen in einer Bar aufeinander. Claudia (Marina Anna Eich) hat sich ihr Leben mit Theo (Wolfgang Seidenberg), einem Pfarrer, eingerichtet, ohne wirklich glücklich zu sein. Uli (Andreas Pegler) ist arbeitslos und läuft den ganzen Tag im Bayern-Trikot herum. Die Menschen um ihn herum werden für ihn immer mehr zu einer Bedrohung. Wenn seine Frau Maja (Ute Meisenheimer) mit ihm redet, hört Uli nicht mehr zu. Susanne (Carolina Hoffmann) ist jung und Sport-Therapeutin. Nikola (Antje Nikola Mönning) ist Psychologin und erträgt das Leben nur mit etwas Alkohol. Dieter (Thomas Kollhoff) lebt allein und Christian (Christoph Baumann) langweilt sich sogar beim Telefon-Sex. Mit seinem Handy dokumentiert Christian die Geschehnisse in der Bar und kommentiert diese.

Gespannt warten alle darauf, was die geheimnisumvolle Bar an diesem Abend bereit hält. Anfangs fremd zueinander kommen sich die Gäste im Verlaufe des Abends näher. In Gesprächen untereinander lassen sie ihren Sehnsüchten und Wünschen freien Lauf und tauchen ab in eine Welt voller Illusionen und Träume. Dabei kommen nicht nur Ängste und längst vergessene Erfahrungen zum Vorschein, sondern auch sexuelle Phantasien – bis zum überraschenden Ende…Illusion_10

Roland Rebers Filme sind nicht fürs Popcorn-Kino à la Hollywood gemacht. Stattdessen muß sich der Zuschauer auf eine Reise in die Abgründe menschlicher Verhaltensweisen und Sehnsüchte einstellen, mit einer Bildsprache, die ihresgleichen sucht – eigenwillig und provokativ.

Regisseur Roland Reber und sein Filmteam von WTP verzichten konsequent auf Studiobeteiligungen und Filmförderungen. Diese Beharrlichkeit bewirkt eine ungeahnte Kreativität und Experimentierfreudigkeit am Set. Reber bezieht seine Schauspieler in den Entstehungsprozeß seiner Filme ein, läßt sie am Drehbuch mitschreiben und ist auch neuen Ideen aufgeschlossen.

Die Dreharbeiten zu „Illusion“ begannen bereits, als das Drehbuch noch gar nicht zu Ende geschrieben war. In drei Ebenen agieren die Protagonisten des Films: Ebene 1 ist das reale Leben mit seinen realen Unzulänglichkeiten; Ebene 2 ist der Abend mit seinen Gesprächen in der Bar und schließlich die namensgebenden „Illusionen“ auf Ebene 3.

Gerade die Umsetzung der Illusionen sind ein bildgewaltiges Feuerwerk an Effekten und Farben und sollten als Lehrbeispiel an den Filmhochschulen gezeigt werden. Mira Gittner als Kamerafrau und Schnittmeisterin bedient sich aus der großen Kiste der Möglichkeiten: schnelle Schnitte, Wechsel von Schwarz/Weiß- zu Farbaufnahmen innerhalb einer Szene, Überblendungen – wie ein Kaleidoskop wechseln die Bilder im Sekundentakt, ohne zu verwirren. Ein Rausch für die Sinne.Illusion_9

Ebenso im Gedächtnis bleiben scheinbare Kleinigkeiten, die sich durch den ganzen Film ziehen: das Stückchen Käsekuchen, das „Ich geh mit meiner Laterne“-Liedchen oder das immer wieder zu hörende Ticken im Sekundentakt, welches sich in der Illusion der Psychologin Nikola während ihrer Vergewaltigungsorgie zu einem bedrohlichen Wummern aufbauscht.

Satirisch wird es, wenn sich „Illusion“ über den „Facebook“-Wahn lustig macht. Was wäre, wenn Gott eine Facebook-Seite hätte? Und auch Uli im Bayern-Trikot kommt einer gleichnamigen Ikone des bayerischen Fußballvereins optisch recht nahe.

Die Musik zu „Illusion“ stammt größtenteils von Antja Nikola Mönning. Zwar haben die Titel wenig Hit-Potential und sind mehr für Lagerfeuer-Romantik geeignet, dafür unterstützen sie die Bilder und lenken nicht ab. Selbst für das legendäre „Fields of Athenry“, eine Fußball-Hymne mit besonderer Geschichte, findet Roland Reber Platz.

„Der Star ist die Mannschaft!“. Roland Rebers Mannschaft ist das Ensemble, daß sich bereits von den bisherigen Filmen kennt. Carolina Hoffmann ist die Neue im Team. Direkt nach Abschluß ihrer Schauspielausbildung kam sie zu WTP und spielt in „Illusion“ gleich die Hauptrolle als Susanne. Als „junges Küken“ fügt sich sich nahtlos ein ins Team um die gestandenen Darsteller Mönning, Eich oder Seidenberg.Illusion_12

„Illusion“ läßt sich schwer in ein Genre einordnen. Der Film ist Drama und Satire gleichzeitig, ein Ensemblefilm mit viel nackter Haut und Gesellschaftskritik. Er ist überraschend, kurzweilig, spannend. Ein Film, der Fragen stellt. Die Antworten muß jeder Zuschauer für sich selbst finden. Eben ein typischer Roland-Reber-Film.

Die Rollen und ihre Darsteller

SUSANNE BAUER – Carolina Hoffmann
NIKOLA – Antje Nikola Mönning
THEO – Wolfgang Seidenberg
CLAUDIA – Marina Anna Eich
ULI – Andreas Pegler
CHRISTIAN SCHLUGER – Christoph Baumann
MAJA – Ute Meisenheimer
BARDAME – Claire Plaut
DIETER – Thomas Kollhoff

Filmstab

Buch und Regie: Roland Reber
Produzenten: Patricia Koch, Antje Nikola Mönning, Roland Reber
Ausführende Produzentin / Herstellungsleitung: Marina Anna Eich
Musik / Regieassistenz: Antje Nikola Mönning
Bildgestaltung: Mira Gittner, Steffen Neder
Kamera und Schnitt: Mira Gittner
Lichtgestaltung: Steffen Neder
Kameraassistenz / Licht: Maximilian Melerski
Kamerabühne: Lukas Böttcher
Produktionsassistenz: Anton Eder
Bühnen- und Lichtassistenz: Michael Krauss

Produktion / Verleih / Vertrieb: wtp international GmbH

www.illusion-derfilm.com

(c) für alle Fotos: wtp international GmbH

Tamara

TamaraPremiere: 10.02.2007, Berlinale

Als 1978 die „Familie Silly“ gegründet wurde, aus der später Silly wurde, ahnte noch niemand,daß diese Musikformation eines Tages zu den populärsten und zeitgeschichtlich interessantesten Gruppen im deutschsprachigen Raum gehören würde. Frontfrau war Tamara Danz, wohlbehütete Tochter eines Diplomaten. Eine Frau, unangepaßt, provokant und eigensinnig, die auf Grund der Privilegierung ihrer Eltern zunehmend auch eine kritische Sicht auf das Leben in der DDR bekam.

Obwohl Silly immer im Schatten der großen Drei (Puhdys, Karat, City) stand, entwickelte sich die Gruppe schnell zu einer der erfolgreichsten und kreativsten Gruppe in der DDR, Tamara Danz wurde mehrfach als beste Rocksängerin des Landes geehrt. Die Alben „Mont Klamott“ und „Bataillon d’Amour“ gelten als Meilensteine der DDR-Rockmusik. Die Songtexte der Gruppe waren den staatlichen Behörden immer ein Dorn im Auge, Silly wandelte ständig auf einem schmalen Grad Richtung Zensur. Als Tamara Danz 1996 den Kampf gegen den Krebs verlor, starb auch ein Stück DDR-Musik.

Peter Kahane, hier mit Schauspielerin Stephanie Stumpf

Peter Kahane, hier mit Schauspielerin Stephanie Stumpf

In seinem Dokumentarfilm „Tamara“ nähert sich Regisseur Peter Kahane, eher bekannt durch Spielfilme und diverse Krimiserien (u.a. Polizeiruf 110, Stubbe – Von Fall zu Fall), dem Phänomen Tamara Danz. Er widersteht der Versuchung, das Leben dieser ungewöhnlichen Frau einfach nur chronologisch mit Lebensdaten abzuarbeiten, evt. noch unterstützt durch hundertmal gesehenes Archivmaterial. Stattdessen greift Kahane auf Zeitzeugen zurück, die so nah an Tamara Danz dran waren wie keine Anderen. Ritchie Barton und Uwe Hassbecker waren Tamaras Bandkollegen und Liebhaber, gleichzeitig aber auch Rivalen. In Interviews geben beide Musiker Einblicke auf ihre Sicht der Dinge. Die Story um das Leben einer Frau und die Geschichte einer Band wird zur Story einer ungewöhnlichen Liebesbeziehung dreier Menschen und deren Beziehungen zueinander. So erfährt der Zuschauer interessante Details dieser Menage á Trois, ohne das es ins Voyerhafte abgleitet. Daß Tamara Danz ein besonderer Mensch gewesen sein muß, erkennt man an den Reaktionen der Protagonisten. Gesichter sagen mehr als tausend Worte.

Jäcki Reznicek, ebenfalls Mitglied bei Silly, wurde zum neutralen Beobachter. Auch er kommt zu Wort und verrät zum Ende des Filmes, welches Versprechen er der todkranken Sängerin abgeben mußte.

Es ist zweifellos Peter Kahanes Verdienst, daß sich die drei Musiker so sehr öffnen in den Gesprächen. Selbst der Tod Tamaras wird ausgiebig thematisiert und verdeutlicht, daß Silly mehr war als ein Haufen zusammengewüfelter Musiker. Wie im ursprünglichen Bandnamen vorgesehen war es am Ende wieder eine Familie Silly.

Die gut einstündige Dokumentation wird angereichert durch private Filmaufnahmen, gedreht von Tamara Danz und Uwe Hassbecker. So gewinnt der Zuschauer Einblicke in Tamaras Leben, die über das Berufliche hinausgehen. Es gibt Aufnahmen aus dem Probenraum, Urlaubsbilder sowie Konzertmitschnitte. Barton, Hassbecker und Reznicek erzählen Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit mit Tamara, die gleichzeitig einen Einblick in die Kulturpolitik der DDR geben und das Aufständische, daß man seit jeher Silly nachgesagt hat, dokumentieren.

Es hat Jahre gedauert, eher Silly wieder auf die Bühnen des nun gesamtdeutschen Landes zurückgekehrt ist. Es galt, den Verlust einer außergewöhnlichen Persönlichkeit zu verkraften und zu verarbeiten. Peter Kahanes Dokumentation „Tamara“ bringt dem Zuschauer diese Person näher, ohne sie zu glorifizieren.

Für Ostrock-Liebhaber ist diese Doku ein Muß, für alle anderen eine sehenswerte Empfehlung!

Details zur DVD-Box (Veröffentlichung: 18.08.2008)
EINE BAND UND IHRE GESCHICHTE
Eine einzigartige DVD-Edition über die Band SILLY und ihre unvergessene Lead-Sängerin TAMARA DANZ

DVD 1 »Tamara«: Der Berlinale-Film (2007) über Tamara Danz von Peter Kahane
DVD 2 »25 Jahre SILLY«: Die große Band-Dokumentation, Konzert-Highlights, Die besten VIDEO-Clips + Bonusmaterial
DVD 3 »Silly & Gäste«: Das Konzert im Berliner Tempodrom – MIT Stefanie & Thomas (SILBERMOND), Toni Krahl (CITY) u.v.a.
CD EXKLUSIV: Die erste Silly-CD mit Frontfrau Anna Loos. Der Soundtrack zum Kino-Highlight 2008 »DER MOND UND ANDERE LIEBHABER« mit Katharina Thalbach (Kinostart: 24.7.2008)
BUCH »TAMARA DANZ – LEGENDEN« von Alexander Osang (256 Seiten im Hardcover)

Laufzeit: 480 Minuten
Bildformat: 16:9 / 4:3
Tonformat: Dolby Digital 2.0, 5.1
Fernsehformat: PAL
Regionalcode: 2
Produktionsland: Deutschland
Color: Farbe
Sprachen: Deutsch

(Quelle: ICESTORM)

 

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18.05.2009 
19.05.2009 Zelluloid klein

Verrückt nach Emma

Erstausstrahlung: 10. März 2008, 20:15 Uhr

ZDF-Logo

VerrŸückt nach Emma

Anja Kling spielt in „Verrückt nach Emma“ eine ehemalige Gefängnisinsassin, die das Leben ihres Bewährungshelfers Franz Berger komplett durcheinander bringt.
© ZDF/Volker Roloff (Quelle: ZDF)

Franz Berger (Armin Rohde) ist Bewährungshelfer und kümmert sich Tag und Nacht um seine Klienten. Darunter leidet nicht nur sein Schreibtisch, auf dem sich die Akten stapeln, sondern auch seine Familie. Kein Wunder, daß Franz langsam die Kontrolle verliert, zumal sich seine Kundschaft an die Tochter (Jil Funke) ranmacht oder den Deckel in der Stammkneipe nicht mehr bezahlen kann. Und sein Chef (Arnfried Lerche) droht mit der Versetzung in die hinterste Provinz.

Da kommt die frisch aus dem Knast entlassene Emma Schulze (Anja Kling) zum völlig unpassenden Zeitpunkt! Was Franz bis dahin noch gar nicht weiß: Emma ist zwar eine liebenswerte Person, aber eine wandelnde Katastrophe, ein „menschgewordener Tornado“, eine Gefahr für ihre Umwelt. Und entlassen wurde sie nur, weil das Aufsichtspersonal verletzungsbedingt immer weniger und die Schäden im Gefängnis immer größer werden.

Daß Franz mit Emma überfordert ist, merkt er erst, als sie bei ihm einziehen muß – und seine Frau (Anica Dobra) auszieht. Emma gibt sich wirklich Mühe – kann ja mal passieren, daß der Wellensittich im Staubsauger verschwindet…

Es gibt nur eine Lösung für Franz: Emma muß wieder raus aus der Wohnung. Dummerweise plant sie ihren Neuanfang mit einem Banküberfall. Und ehe Franz das Schlimmste verhindern kann, steckt er selber mit drin und ist mit Emma auf der Flucht vor der Polizei. Und damit fangen Franz‘ Probleme erst so richtig an.

Wer meint, das ist erst der Auftakt für eine rasante Komödie, kommt zu spät, denn gleich von Beginn an geht es zur Sache. Mr. Chaos trifft Mrs. Katastrophe. Ein „Zwischenfall“ jagt den nächsten, der Film hat Tempo und vor allem viel Humor, manchmal hart an der Grenze zum Slapstick.

Armin Rohde spielt einen Mann, der kurz vorm Explodieren ist. Ein Mann mit viel Herz, großer Schnauze, viel Hektik und immer kurz vorm Herzinfarkt. Ein spielfreudiger Schauspieler in Höchtform, assistiert von einer gleichwertigen Anja Kling und umgeben von gut aufgelegten Schauspielkollegen. Neben Rohde und Kling spielen Anica Dobra die schöne, aber frustrierte Ehefrau von Franz, Peter Franke (der Sepp Herberger im „Wunder von Bern“) als Polizeichef, der als Einziger den Durchblick behält, und Ingo Naujoks als Emmas Ex, der ungewollt von Franz und Anna ausgetrickst wird und plötzlich der Hauptverdächtige im Banküberfall ist.

Eine kleine aber feine Rolle blieb für Waldemar Kobus übrig, der einen ziemlich trinkfesten Ex-Knacki spielt. Und wer genau hinschaut, entdeckt auch Elena Uhlig („Alles auf Zucker“, „Mit Herz und Handschellen“) in einer Gastrolle.

Das ganze Tohuwabohu wird umrahmt von einem fetzigen Soundtrack mit ein paar lange nicht mehr gehörten Klassikern der Rockgeschichte.

90 unterhaltsame Minuten – mehr kann man vom Montagsfilm des ZDF nicht erwarten.

Die Rollen und ihre Darsteller

Emma Schulze – Anja Klink
Franz Berger – Armin Rhode
Bernd – Ingo Naujoks
Marianne Berger – Anica Dobra
Finn – Max Wächter
Ina – Jil Funke
Gregor Gruber – Peter Franke

Stab

Regie: Ulrich Zrenner
Drehbuch: Christian Schnalke
Kamera: Johannes Kirchlechner
Szenenbild: Pierre Pfundt
Originalmusik: Ludwig Eckmann

Dieser Artikel wurde erstmals am 03.03.2008 auf Zelluloid kleinveröffentlicht.