Cottbuser Fotograf widmet sich der „Glatze im Film“

(c) Mathias Schulze

Kino-Besuchern des Cottbuser Weltspiegels werden die 12 großformatigen Motive im Rang aufgefallen sein: Unter dem Titel „Die Glatze im Film“ zeigt der Cottbuser Hobby-Fotograf Mathias Schulze seine Interpretation des Themas.

Egal ob Marlon Brando in „Apocalypse Now“, Telly Savalas in „Kojak“ oder Klaus Kinski in „Nosferatu – Phantom der Nacht“ – viele Superstars der Filmszene ließen sich für ihre Rollen den Kopf kahl scheren. Selbst Darstellerinnen wie Sigourney Weaver in „Alien 3“ oder Demi Moore in „Die Akte Jane“ verabschiedeten sich von ihren Haaren. Und bei Bruce Willis konnte man in der „Stirb Langsam“-Reihe sehen, wie die Haare immer kürzer wurden…

Bei all diesen Filmen beeindruckten mich die Standfotos. Ohne Haare sehen wir Menschen klarer. Der Kopf hat keinen natürlichen Rahmen, er ist pur, Stärken und Schwächen werden sichtbarer.“, so Mathias Schulze zu seinen Beweggründen, sich intensiver mit der Thematik zu befassen. Seine Idee: 12 Bilder von 12 verschiedenen Filmfiguren, egal welchen Geschlechts, deren gemeinsames Merkmal die Glatze ist.

Angefangen hat seine Leidenschaft fürs Fotografieren ziemlich spät. An der „BÜHNE acht“ ist Mathias Schulze Leiter der „Filmgruppe acht“, dreht dort regelmäßig Kurzfilme, auch ein Langfilm steht in seiner künstlerischen Vita. Irgendwann nahm Mathias Schulze eine Fotokamera mit ans Set und fotografierte die Dreharbeiten. „Die Beschäftigung mit Filmen und Fotografieren war bei mir stets eng verbunden. Von Kameramännern konnte ich viel lernen.“, so Mathias Schulze.

Aus gelegentlichen dreh-begleitenden Fotoaufnahmen entwickelten sich im Laufe der Zeit erste Fotoshootings in den Räumlichkeiten der „BÜHNE acht“. Hier lernte er auch ein Cottbuser Model kennen, welches keine Haare mehr auf dem Kopf hatte und ihn zu seinem Projekt „Die Glatze im Film“ inspirierte.

Mathias Schulze hatte sein Model gefunden und setzte mit ihr seine Idee um. Zwölfmal schlüpfte sie in eine andere (Film-)Rolle, zwölfmal wurde sie neu maskiert, um dem Originalmotiv so nahe wie möglich zu kommen. Herausgekommen sind zwölf großformatige Aufnahmen unterschiedlicher Charaktere, die man beim stillen Betrachten zweifelsohne bestimmten Filmen zuordnen kann.

Der Aufwand hat sich gelohnt, wie man sich nun in der kleinen Ausstellung überzeugen kann. Noch bis Anfang Dezember zeigt der Cottbuser „Weltspiegel“ Mathias Schulzes „Glatzen im Film“.

Mathias Schulze (rechts im Bild) als Regisseur am Set von „Rootstock“

„Jule“-Nachbau wird zum Filmstar

Wer am Vormittag des Wahlsonntags in der Forster Innenstadt unterwegs war, wunderte sich bestimmt, dass der fahrbare Nachbau der Forster Stadteisenbahn im Stadtgebiet unterwegs war. Normalerweise setzt Familie Herrmann ihr Schmuckstück nur zu besonderen Anlässen in Betrieb. Diesmal wurde der Nachbau der „Schwarzen Jule“ jedoch zum Filmstar.

Im Auftrag des Museumsvereins Forst soll bis zum 125. Geburtstag der Forster Stadteisenbahn 2018 eine filmische Dokumentation zur Geschichte der Bahn erstellt werden. Eine Arbeitsgruppe des Museumsvereins ist für die Vorbereitung und Umsetzung dieses ehrgeizigen Projektes zuständig. „Wir liegen voll im Zeitplan!“, verrät Uwe Zeihser, Leiter der AG. „Dank der Unterstützung der Forster und einiger Auswärtiger bekamen wir viel Material zur Verfügung gestellt, so dass wir nun mit der Produktion der Dokumentation beginnen können.“.

Für die Bewegtbilder ist Frank Junge, bekannt für seine „Forst von Oben“-Videos, zuständig. Nicht nur historisches Bild- und Tonmaterial soll verwendet werden, sondern anhand aktueller Aufnahmen soll der Sprung von Historie und Gegenwart gewagt werden. „Ich habe bereits die Ansichten alter Fotos mit den Ansichten von Heute gegenüber gestellt“, sagt Frank Junge. „In der Dokumentation sollen dann beide Ansichten überblendet werden.“

Da nicht allzu viele Filmaufnahmen der „Schwarzen Jule“ in den Archiven zu finden waren, entwickelten die Mitglieder der Arbeitsgruppe die Idee, mit dem „Jule“-Nachbau neue Szenen zu drehen, die dann später mittels Computertechnik in die vorhandenen Filmaufnahmen eingefügt werden.

Große Unterstützung fand man bei Familie Herrmann. „Es ist ein schöner Anlass und für einen guten Zweck, deshalb helfen wir gerne bei den Aufnahmen.“, sagt Marion Herrmann, die als Beifahrerin und mit ihrem Mann Siegbert am Steuer das grüne Ungetüm durch die Forster Straßen navigierte, teils zum Erstaunen, öfters jedoch zum Schmunzeln der Passanten und Autofahrer in der Innenstadt.

Frank Junge befestigte derweil mehrere Kameras an das Fahrzeug, die die Fahrt aufzeichneten. Zusätzlich wurde aus dem Heck der „Jule“ gefilmt. Weitere Kameras in und auf Begleitfahrzeugen gingen mit der „Jule“ auf die gut zweistündige Fahrt durch Forst.

Aus alten Gleisplänen der Forster Stadteisenbahn wurde ein Rundkurs erarbeitet, der sowohl die noch im Stadtbild existierenden Schienenreste abfährt als auch markante Gebäude in den Fokus rückt. So führte die Tour u.a. zum ehemaligen Schlachthof, in die Alexanderstraße mit der Gleis-Ausweiche, zur ehemaligen Textilfabrik in der Heinrich-Werner-Straße (heute Likörfabrik) und ins heutige Textilmuseum. Natürlich durften auch die Straßen rund um den Stadtbahnhof nicht fehlen.

„Der Stadtbahnhof spielt im Film eine zentrale Rolle. Wir konnten Zeitzeugen interviewen, die früher hier gearbeitet hatten.“, sagt Uwe Zeihser. Das Wissen dieser ehemaligen Mitarbeiter der Stadteisenbahn half der Arbeitsgruppe, bestimmte Betriebsabläufe besser zu verstehen und offene Fragen, die sich aus der Sichtung der Archivalien ergaben, zu beantworten.

Jetzt beginnt für die Filmemacher, die alle ehrenamtlich für das Projekt tätig sind, der schwierigste Teil: die neuen Szenen müssen nun geschnitten und mit den vorhandenen Aufnahmen verknüpft werden, die Tricktechnik muss programmiert und Begleittexte erstellt und eingesprochen werden. Zum Festwochenende anlässlich des Jubiläums der Forster Stadteisenbahn im Mai nächsten Jahres soll die Dokumentation ihre Premiere haben.

Vorgestellt: Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen

Im Sony-Center am Potsdamer Platz in Berlin befindet sich das Filmhaus. Es beherbergt neben der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) auch die Deutsche Kinemathek, die sich dem Sammeln, Bewahren und Präsentieren des audiovisuellen Erbes verpflichtet fühlt. Ein Teil der Bestände werden im Museum für Film und Fernsehen ausgestellt.

Über mehrere Etagen erstreckt sich die ständige Ausstellung zur deutschen Filmgeschichte, die für jeden Filmliebhaber ein Muß sein sollte.

Schon zu Beginn des Ausstellungsrundganges wird der Besucher in eine andere Welt versetzt. Im Eingangsbereich sorgen scheinbar unzählige aufeinander abgestimmte Spiegel für einen ersten „Wow“-Effekt. Der Betrachter sieht sich oberhalb, unterhalb, seitlich – mit jedem Schritt ändert sich der Blick aufs eigene Ich. Die Illusion ist perfekt: man glaubt, in einem riesigen Schacht gefangen zu sein. Vorsichtig nähert man sich der Begrenzung und blickt entweder in einen tiefen Abgrund oder nach oben in ein Wirrwarr aus Verstrebungen.

Ständige Ausstellung, „Spiegelsaal“
Foto: Marian Stefanowski
Quelle: Deutsche Kinemathek

Was folgt, ist ein Ausflug in die deutsche Filmgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Viel Raum wird den Pionieren und ersten Stars des Films gewidmet: Ernst Lubitsch, F.W. Murnau, Asta Nielsen, Emil Jannings. Ein Schwerpunkt ist Fritz Langs Stummfilm-Monumentalwerk „Metropolis“ (1927). Damals bei der Kritik durchgefallen, gehört „Metropolis“ heute zum visuellen Welterbe.

Nach der Stummfilmzeit folgte die Tonfilmzeit. Eine der damaligen Stars: Marlene Dietrich (1901-1992). Ihr sind mehrere Räume in der Ausstellung gewidmet. Zu sehen sind Privataufnahmen, Briefe, persönliche Dinge wie ihr Make-Up-Koffer, aber auch Kostüme der Diva, so u.a. der legendäre GI-Anzug.

Ständige Ausstellung, „Marlene Dietrich“
Foto: Marian Stefanowski,
Quelle: Deutsche Kinemathek

Die Vereinnahmung des Films in der NS-Zeit und die daraus resultierende Flucht ins Exil vieler Filmschaffender wird im folgenden Ausstellungsbereich genauso thematisiert wie die Filmproduktion im geteilten Nachkriegs-Deutschland. Immer wieder entdeckt der Besucher Bekanntes und Neues: Filmausschnitte indizierter Propagandafilme des Dritten Reiches sind ebenso zu sehen wie Ausschnitte aus Leni Riefenstals Olympiafilm (mit Modell des Olympiastadions zur Veranschaulichung der gezeigten Sequenzen), dazu Kleidungsstücke aus „Das Boot“ oder „Lola rennt“, Filmplakate bekannter Filme, Trophäen, Fotos von Schauspielern, an die man sich zurück erinnert.

Ständige Ausstellung, „Von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart (1946–1980)“
Foto: Marian Stefanowski,
Quelle: Deutsche Kinemathek

Im Zeittunnel wird dem Fernsehen gehuldigt. Emotionale Momente der Zeitgeschichte wie die erste Mondlandung oder der Fall der Mauer werden ebenso gezeigt wie Ausschnitte aus Unterhaltungssendungen. In der Programmgalerie kann der Besucher selber auf Entdeckungsreise gehen und nach Sternstunden der Fernsehunterhaltung recherchieren.

Ständige Ausstellung, „Zeittunnel Fernsehen“
Foto: Marian Stefanowski,
Quelle: Deutsche Kinemathek

Im „Spiegelsaal“ werden Bilder verschiedener Epochen des deutschen Fernsehens auf eine Wand projiziert, die mittels Spiegeln und geteilter Szenen zu neuen Bildern verknüpft werden. So entsteht spätestens mit Beginn des Farbfernsehens und des Fernseh-Vollprogramms ein Kaleidoskop aus Informationen und Bildern, die in dieser Vielfalt nur schwer zu verarbeiten sind.

Motiv der Ausstellung „Best Actress – Oscars®. Rollen. Bilder“
Design: Pentagram, Berlin

Neben der Ständigen Ausstellung gibt es im „Museum für Film und Fernsehen“ Sonderausstellungen zu speziellen Filmthemen. Aktuell ist die Ausstellung „Best Actress – Oscars. Rollen. Bilder“ zu sehen. Diese Hommage an die Oscar-Gewinnerinnen in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ würdigt das Schaffen jeder Einzelnen und zeigt gleichzeitig Originalkostüme und Entwürfe aus den jeweiligen Filmen. So ist jenes Kleid zu sehen, welches Vivian Leigh in „Vom Winde verweht“ (1939) getragen hat. Auch einige der pompösen Kleider, die die Gewinnerinnen während der Preisverleihung getragen haben, sind zu sehen, darunter die Kleider von Julia Roberts oder Cher (Foto unten).

Raumfoto: Marian Stefanowski

Raumfoto: Marian Stefanowski

Auch wenn die Raumaufteilung der Ausstellungen gewöhnungsbedürftig ist (die Sonderausstellung ist zweigeteilt, für die ständige Ausstellung wechselt man ständig die Etage), wird man doch mit interessanten und faszinierenden Einblicken in die über 100jährige Geschichte des Films belohnt. Die Exponate werden visuell ansprechend präsentiert, an einigen Stationen wird man sogar zum Ausprobieren und Knöpfchen-Drücken animiert.

Wer alles sehen und lesen will, sollte viel Zeit mitbringen. Die Vielzahl an Exponaten, Schautafeln, Fotos und Filmsequenzen begeistert und macht Lust, der Ausstellung einen weiteren Besuch abzustatten.

Weitere Infos zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und zur Ausstellung: www.deutsche-kinemathek.de

„Auf der Suche“ – Erik Schieskos neuestes Projekt kurz vor der Premiere.

Bei Erik Schiesko, der mit seinem Spielfilm-Debüt „Blaue Stunde“ sowie mit „Holger und Hanna (und der ganze kranke Rest)“ für Furore sorgte und mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Region besitzt, steigt die Anspannung. Nur noch wenige Tage, und sein neuestes Projekt feiert am 22. Januar 2016 im Cottbuser Weltspiegel seine Premiere.

Mit „Auf der Suche“ – so der Name des Filmes – wagt sich Schiesko auf völlig neues Terrain. Zum ersten Mal wird ein Film interaktiv auf die Kinoleinwand gebracht, d.h. es entsteht ein Spielfilm mit Computerspieleinlagen. Oder, je nach Betrachtungsweise, ein Computerspiel mit Filmsequenzen. Gut möglich, dass mit „Auf der Suche“ ein komplett neues Filmgenre geschaffen wird.

„Erstmalig entsteht ein interaktiver Film, dessen Thematik in der Lausitz angesiedelt ist.“ verrät der Filmemacher. „Dabei ist die Handlung nicht nur für Einheimische interessant. Der Spieler bzw. der Zuschauer wird auch vieles über die Lausitz erfahren, was er so vielleicht noch nicht kennt!“

Die Handlung des Filmes ist schnell erzählt: Ein junger Reporter namens Lukas kommt einer Verschwörung auf die Schliche. Er findet in einem Archiv einen Artikel aus den 80er Jahren, welcher seinen Tod beschreibt. Auf der Suche nach der Wahrheit deckt der Held nach und nach die Geschichte einer verflossenen Liebe auf, die für sein eigenes Schicksal verantwortlich scheint.

Der Spieler am PC oder mobilen Endgerät steuert Lukas durch verschiedene Orte und Situationen, lässt ihn Gegenstände einsammeln und versucht durch Geschick und Kombinationsgabe, das Mysterium um die geheimnisvolle Anzeige zu lösen. Das Spielprinzip kennen viele als “Point & Click”-Adventure vom heimischen Computer. Zusätzlich bringen filmische Rückblenden die Geschichte voran und offenbaren wichtige Informationen.

Während der Spielanteil in der Jetztzeit angesiedelt ist, werden die Ereignisse des Jahres 1986 in kurzen Filmszenen dargestellt.

Gerade der Sprung zurück in die Vergangenheit stellte das Filmteam vor größere Herausforderungen. Die jungen Filmemacher kennen die DDR nur aus Erzählungen ihrer Eltern. Kulissen, Requisiten und Handlungen sollten trotzdem so originalgetreu wie möglich sein, selbst an Fahrzeuge und Uniformen wurde gedacht. Geholfen haben oft Bekannte und Freunde mit Leihgaben und Fachwissen.
Auf der Suche nach geeigneten Motiven wurde Erik Schiesko auch in Forst fündig. Die alten Tuch-Fabriken und noch unsanierten Häuser im DDR-Einheitsgrau waren für den Regisseur die perfekte Kulisse für ein Abbild der damaligen Zeit. „Schienenstränge wie die der ehemaligen Forster Stadteisenbahn, die an manchen Abschnitten noch in Kopfsteinpflaster eingefasst sind, sucht man in Cottbus vergebens.“, so Schiesko.
Auch alte DDR-Fahrzeuge mussten organisiert werden. Cottbusverkehr stellte für die Filmaufnahmen eine alte Straßenbahn aus den 80er Jahren bereit. Oldtimersammler Matthias Regina von „Trabi Cottbus“ überließ kurzzeitig einen grünen Wartburg für die Dreharbeiten. Am Lenkrad saß Ronne Noack, in Cottbus besser als Postkutscher bekannt. Matthias Regina selbst spielt als Volkspolizist mit, natürlich stilecht in einem original VP-Funkstreifenwagen.
Für eine Familienszene wurde sogar eine leerstehende Wohnung in Forst mit Möbeln aus Haushaltsauflösungen komplett neu eingerichtet.

Weitere Motive fanden die Filmemacher in Groß Jamno, im Cottbuser Stadtteil Sachsendorf, im Tierpark Cottbus und in Jänschwalde.

Die Dreharbeiten hielten aber noch eine ganz andere Überraschung parat. Vanessa Jordan-Heinrich, die in den Filmpassagen die Rolle der Janette spielt, verrät eine kleine Anekdote: „Leander Linz, der Hauptdarsteller, und ich, wir kennen uns schon aus dem Kindergarten. Nach der Grundschule haben wir uns aus den Augen verloren. Erst hier beim Dreh haben wir uns wieder getroffen.“
Für Erik Schiesko war das Zusammentreffen ebenfalls ein Glücksfall: „Es ist zwar reiner Zufall, dass sich Vanessa und Leander wieder trafen. Aber da die Chemie bei den Beiden stimmt, hat sich das gut auf die gemeinsamen Szenen ausgewirkt.“

Erstes bewegtes Bildmaterial konnten Besucher des 25. Cottbuser Filmfestivals bei einer Art „Making Of“-Präsentation sehen. Aus dem Publikum kam durchweg nur positive Resonanz. Ablehnende Meinungen gab es keine, alle waren überrascht, welche Möglichkeiten sich durch die Kombination von Spielfilm und Computerspiel ergeben. Selbst Fachbesucher des Filmfestivals attestierten Erik Schieskos Projekt Potenzial fürs große Kino.

Die Handlung des Spiels greift neben den Geschichten um Lukas und Janette auch ernste Themen auf. Trotzdem gibt es für den Nutzer immer wieder unterhaltsame Momente. Werden nämlich im Spieleteil Rätsel falsch gelöst, erwarten den Spieler unvorhergesehene Überraschungen.

Die Cottbuser Zuschauer werden viele bekannte Gesichter wiedererkennen. In den Filmszenen agieren neben den beiden Hauptdarstellern Leander Linz und Vanessa Jordan-Heinrich bekannte Cottbuser Schauspieler. Ronne Noack wurde schon erwähnt. In einer anderen Szene spielt Matthias Heine vom Piccolo-Theater zusammen mit Laura Maria Hänsel vom Staatstheater Cottbus. Ihre Rollen sorgten schon während der Dreharbeiten für den einen oder anderen Lacher am Set.AufDerSuchePromo23

Bis der Film allerdings auf der großen Leinwand zu sehen ist, müssen Erik Schiesko und sein Team noch viel Zeit und Arbeit in das Projekt investieren. „Mehrere hundert Gigabyte Daten müssen verarbeitet und Handlungsstränge miteinander verknüpft werden. Zusätzlich sind viele ToDo-Listen noch abzuarbeiten.“, erklärt Erik Schiesko. Programmierer Robert Baruck musste sich dafür extra ein neues Computerprogramm schreiben, um die Interaktion des Filmes darstellen zu können. Erfahrungen, ob und wie es letztendlich funktioniert, gibt es bisher noch nicht.

Erik Schiesko ist verhalten optimistisch. Der Zuspruch und die Vorschläge von Film- und Computerfreaks, den er und seine Mitstreiter bei der Präsentation während des Filmfestivals erhielten, waren Aufmunterung und Aufforderung zugleich. „Wir wollen und wir werden bis zur Premiere am 22. Januar fertig sein!“, verkündet Erik Schiesko und macht sich gleich wieder an die Arbeit.

Bleibt eigentlich nur noch zu hoffen, daß „Auf der Suche“ genauso den Nerv des Publikums trifft wie Erik Schieskos bisherige Projekte. Ab 8. Februar 2016 erfolgt die Freischaltung, dann kann sich Jeder über eine eigens dafür eingerichtete Webseite selber auf die Suche nach des Rätsels Lösung begeben.

(c) für alle Fotos: KonturProjekt

300 kg Haselnüsse für Aschenbrödel

Sollte in den nächsten Wochen der Weltmarkt für Haselnüsse zusammenbrechen, das Schloß Moritzburg ist gewappnet. Insgesamt 300 kg wurde eingelagert, Nachlieferungen sind jederzeit möglich. Aber wofür brauchen die Moritzburger soviele Haselnüsse? Reichen nicht 3 Haselnüsse für Aschenbrödel?

Aschenbrödel-Ausstellung im Schloss Moritzburg

v.l.n.r.: Carina Primpke (Kuratorin), Steffen Retzlaff (Kurator), Aschenbrödel, Dr. Christian Striefler (Geschäftsführer Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH), Margitta Hensel (Kuratorin)

Die Antwort auf diese Frage erhalten Besucher der Winterausstellung auf Schloß Moritzburg. Nach zweijähriger Unterbrechungspause kehrt die beliebte Ausstellung zum Märchenfilm „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ an jenen Ort zurück, wo vor Jahrzehnten Teile der Dreharbeiten stattfanden. Über 600 000 Besucher sahen bereits die vergangenen fünf Ausstellungen.

Völlig neu gestaltet wurde die Ausstellung in diesem Jahr. Das Kuratorenteam Steffen Retzlaff und Carina Primpke forschte in den vergangenen Jahren intensiv nach neuen Details zu einem der schönsten Märchenfilme dieses Planeten. Ergebnisse dieser Forschungen werden auf etwa 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche in 10 Räumen präsentiert. Zusammen mit den Gestaltern der Dresdner Agentur „whitebox“, Daniel Sommer und Christian Frommelt, wurde eine völlig neue Erlebniswelt geschaffen. Eintauchen in die Welt des Films im Allgemeinen und die von Aschenbrödel im Speziellen lautet das Prinzip!

Schon bei Betreten der Ausstellung wird der Besucher in eine andere Welt versetzt: Ein Kinofoyer wurde nachgebaut mit einer Kinokasse. Die Kartenverkäuferin wird als Hologramm zum Leben erweckt. Vom Foyer geht es sprichwörtlich durch die Leinwand in den Film.Aschenbrödel-Ausstellung im Schloss Moritzburg

Überhaupt beruht das Konzept der Ausstellung auf Multimedia und viele audiovisuelle Effekte. Der Besucher darf an Knöpfen drehen und kann sich so Szene für Szene durch die Dreharbeiten führen lassen. An anderer Stelle geben große Touchscreens Hintergrundinfos zu den Darstellern. In einem Raum kann man sich Tonbeispiele anhören. Sogar echte Baumstämme wurden in die Ausstellung integriert.
Natürlich dürfen auch ein paar der Originalrequisiten und -kostüme nicht fehlen. Auch im Außenbereich finden sich ein paar Stationen, die es zu entdecken gibt.Aschenbrödel-Ausstellung im Schloss Moritzburg

Und was hat das nun mit den 300 kg Haselnüssen zu tun? Ganz einfach, der Besucher erhält zu Beginn der Ausstellung eine Haselnuss, die während des Rundgangs mehrfach eine wichtige Rolle spielen wird. „Folge der Haselnuss!“, lautet das Motto.
Um auf den Besucheransturm vorbereitet zu sein, haben die Ausstellungsmacher voraus gedacht und eben jene 300 kg Haselnüsse geordert, damit auch jeder Besucher in die Welt von „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ eintauchen kann. Bis zum 28. Februar 2016 besteht Gelegenheit dazu.

Mehr Infos zu Öffnungszeiten und Eintrittspreise gibt es unter www.schloss-moritzburg.de

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Lausitzer Filmemacher gründen Netzwerk

25-FFCottbus-Marke-long-I_weiss_webWie können regionale Themen filmisch verarbeitet werden? Wie können sich Lausitzer Filmemacher überregional präsentieren? – Zwei von vielen Fragen, die sich Filmemacher aus der Lausitz bei einem informellen Zusammentreffen während des Filmfestivals Cottbus stellten.
Neben Spiel- und Dokumentarfilmern waren auch Initiatoren kleinerer Filmfestivals in der Lausitz und Vertreter öffentlicher Gremien anwesend.

Eingeladen waren auch Vertreter der für die Lausitz zuständigen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und Filmförderanstalten. Aber die Abwesenheit des MDR, des Medienboard Berlin-Brandenburg sowie der Mitteldeutschen Medienförderung zeigten deutlich, welchen Stellenwert der Lausitzer Film bei diesen Gremien genießt. Lediglich der Rundfunk Berlin-Brandenburg war mit Hellmuth Henneberg, Redaktionsleiter im Studio Cottbus, vertreten.
Kritik wird besonders am Medienboard Berlin-Brandenburg geübt. „Während anderen Produktionen das Geld praktisch nachgeworfen wird bzw. ein Großteil in Berlin verbleibt, schaffen es die kleineren, regionalen Filmproduktionen nicht mal bis zur Sekretärin!“, so die etwas überspitzte übereinstimmende Meinung.

Ideen für spannende Filme mit regionalem Bezug gibt es viele. Schnell kristallisierte sich in der Diskussion jedoch heraus, dass den Lausitzer Filmschaffenden eine Lobby fehlt. Viele der anwesenden Filmemacher kritisierten die fehlende Filmförderung bzw. die bürokratischen Hindernisse, um überhaupt gefördert zu werden. So musste Reiner Nagel mit seiner Filmproduktion „ostwärts film“ ein Projekt begraben, weil er trotz prominenter Unterstützung von u.a. der diesjährigen Literaturnobelpreisträgerin Svetlana Alexijewitsch den Film nur zu 50% finanzieren konnte. Dokumentarfilmer Donald Saischowa hat schon seit Jahren keinen Film mehr mit Fördergeldern gedreht.
Auch Clemens Schiesko kommt notgedrungen ohne Filmförderung aus: „Die Energie, die ich aufbringen muss, um mich um Fördermöglichkeiten zu kümmern, wandle ich lieber in Kreativität beim Filmedreh um. Und wenn nur Geld für zwei Schauspieler und einen Scheinwerfer da ist, dann überlege ich eben, wie ich die beiden Schauspieler mit dem einem Scheinwerfer trotzdem ins richtige Licht setzen kann!“

Aber nicht nur die Filmförderung macht den Teilnehmern Sorge. Dr. Grit Lemke, die sowohl beim Dok-Festival in Leipzig als auch beim Cottbuser Filmfestival als Kuratorin aktiv ist, fasst drei Schwerpunkte zusammen: die „Graswurzelgeschichte“, also der Umgang mit der Heimatgeschichte und den hiesigen Traditionen, das überregionale Filmschaffen mit internationalen Vermarktungschancen und das audiovisuelle Erbe mit der Bewahrung und Konservierung vorhandener Filme.

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v.l.n.r. Dr. Grit Lemke, Sabina Siegowa, Clemens Schiesko

Hellmuth Henneberg versucht, die Ängste ein wenig zu nehmen: „Beim RBB gibt es vier Sendeplätze für regionale Themen. Ich bin für jedes interessante Thema oder für gute Filmstoffe dankbar, die mir angeboten werden. Gerne bin ich auch bereit, diese Ideen vor den Entscheidungsträgern beim Sender zu verteidigen!“.
Von der vorgebrachten Idee, eine Trainingsinitiative zu starten, um hiesigen Filmemachern zu zeigen, wie man ein Filmprojekt bei Produzenten oder potentiellen Geldgebern vorstellt, hält er nicht viel. Für diese Trainingsinitiative wären kurzfristig sogar 10.000 Euro verfügbar.

Auch Erik Schiesko, wie sein Bruder Clemens auf Kurz- und Spielfilme spezialisiert, spricht sich dagegen aus: “Von den Leuten, die hier sitzen, braucht niemand eine Weiterbildung, wie man ein gutes Drehbuch schreibt oder wie man einen Film entwickelt. Das Geld, dass man sicherlich den Lektoren und Referenten zahlen müsste, sollte lieber direkt in die Filmarbeit gesteckt werden!“

Dass das nicht so einfach ist, zeigt sich daran, dass solche Gelder oft zweckgebunden sind. Hinzu kommt, dass das Land Sachsen andere Fördermöglichkeiten bietet als Brandenburg. „Lausitziale“-Vorstand Holger Fahrland schlägt deshalb vor, von zwei Seiten aus zu fördern. Als gelungenes Beispiel, wie so etwas funktionieren kann, nennt er den Industriepark Schwarze Pumpe, der genau auf der Ländergrenze zwischen Sachsen und Brandenburg steht und wo Fördergelder beider Länder drin stecken.

Die optimale Lösung für die Probleme der Lausitzer Filmemacher sieht Cosima Stracke-Nawka von der sächsischen Landesmedienanstalt in der Schaffung eines „Filmbüro Cottbus“, das alle Aktivitäten koordinieren könnte. Sie gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass die Umsetzung dieses Projektes ziemlich schwierig sein dürfte, zumal überhaupt nicht klar ist, wie das personell bewerkstelligt werden kann.
Ein Kompromiss könne sein, sich untereinander zu vernetzen und gegenseitig zu helfen und die Kräfte zu bündeln. Grit Lemke schlägt vor, gleich Nägel mit Köpfen zu machen und initiiert unter Zustimmung aller Anwesenden die Gründung des „Filmnetzwerkes Lausitz“. Eine Datenbank soll zunächst aufgebaut werden, in die sich Lausitzer Filmemacher eintragen und auf sich aufmerksam machen können. Bei regelmäßigen Treffen sollen die weiteren Schritte besprochen werden.

Grit Lemke, Ola Staszel vom Neißefilmfestival, Sabina Siegowa von der „Stiftung für das sorbische Volk“ und Cosima Stracke-Nawka wollen sich zunächst darum kümmern, das Netzwerk fester zu knüpfen und damit zum Laufen zu bringen.

Einbringen soll sich aber jeder, dem das Lausitzer Filmschaffen eine Herzensangelegenheit ist. Auch das Filmfestival Cottbus wird mit ins Boot geholt. In der Sektion „Heimat/Domownja“ sollen im nächsten Jahr mehr Filme mit lausitzer und sorbischen Themen vorgestellt werden. Durch die anwesenden Fachbesucher erhofft man sich dadurch auch mehr Aufmerksamkeit für das regionale Filmschaffen. Programmdirektor Bernd Buder sagte spontan seine Unterstützung zu und will mit der Festivalleitung die Ideen und Vorschläge des Abends prüfen.

Bleibt also nur noch zu hoffen und zu wünschen, dass der Film in der Lausitz endlich sein Nischendasein verlässt und den Weg in die weite Filmlandschaft findet. Mit vereinten Kräften aller Filmenthusiasten sollte es dann auch möglich sein, Film-Fördergelder hier in die Region zu holen und den Regisseuren, Kameramännern, Schnitttechnikern und allen anderen an einem Filmprojekt Beteiligten eine angemessene Bezahlung zu ermöglichen. Der Anfang ist zumindest schon mal gemacht….

„Reizvolle“ Eindrücke beim Filmfestival

25-FFCottbus-Marke-long-I_weiss_webReizvolle Filme im wahrsten Sinne des Wortes erlebten die Besucher der beiden Veranstaltungen im Cottbuser Planetarium. Reizvoll deshalb, weil die bisherigen Sehgewohnheiten durch eine Reizüberflutung auf Grund der riesigen Kuppel-Leinwand nicht mehr gelten.
Fulldome-Kino lautet des Zauberwort. Das sind Filme, die speziell für gewölbte Leinwände konzipiert wurden und dem Zuschauer einen 360-Grad-Blick auf die Handlung ermöglichen.

Gezeigt wurde die Festival-Rolle – bereits prämierte Kurzfilme diverser Fulldome-Festivals. Insgesamt 14 Filme wurden dem erwartungsvollen Publikum an diesem Abend gezeigt.

Bereits der erste Film „Raumschwindel“ zeigte deutlich, welche Möglichkeiten sich in dieser Filmsparte ergeben. Kaleidoskopartig wechseln Bilder und Muster ihren Platz im Raum und nehmen den Zuschauer mit auf eine Reise in die Unendlichkeit. Spiralen und Wirbel sorgen zusätzlich dafür, dass die Sinne überfordert werden. Viele Zuschauer waren nach der Vorstellung der Meinung, dass bereits dieser Auftaktfilm eine Herausforderung bei der Wahrnehmung der Bilder war.
Den Blick aus Sicht eines in einem Glas gefangenen Insektes auf seinen Peiniger zeigt „Petty Tyrant“. Nicht nur das Ende dieses Filmes ist überraschend und erheiternd.
Zu einem animierten Stadtrundgang durch Torun lädt der Film „Kaleidoskop von Torun“ ein. Durch enge Straße und über weite Plätze geht es in eine Kirche, wo sich schließlich die Bilder wie ein Mosaik zusammenfügen.
Dass Fulldomefilme nicht nur animiert oder am Computer generiert werden, zeigt „Hit the silk“ – ein Film über das Fallschirmspringen mit realen Menschen. Durch den Rundumblick hat man das Gefühl, Teil der Fallschirmsprunggruppe zu sein.

Mit der Einbeziehung des Planetariums in das Filmfestival gelang den Programmverantwortlichen ein genialer Coup, der sicherlich bei dem einen oder anderen Zuschauer den Wunsch nach Wiederholung auslöste – trotz oder gerade wegen der Reizüberflutung.

6.3 Specials Fulldome PETTY TYRANT

„Petty Tyrant“ – (c) Filmfestival Cottbus

Viel Zuspruch für „Auf der Suche“ beim Cottbuser Filmfestival

25-FFCottbus-Marke-long-I_weiss_webIm Rahmen des 25. Filmfestival Cottbus stellte Filmemacher Erik Schiesko am Dienstagnachmittag sein neuestes Projekt vor. Mit „Auf der Suche“ – so der Name des Filmes – wagt sich Schiesko auf neues Terrain. Zum ersten Mal wird ein Film interaktiv auf die Kinoleinwand gebracht, d.h. es entsteht ein Spielfilm mit Computerspieleinlagen. Oder, je nach Betrachtungsweise, ein Computerspiel mit Filmsequenzen.

Erfahrungen, ob und wie es funktioniert, gibt es bisher noch nicht. Entsprechend tief stapelt Erik Schiesko bei der Vorstellung des „Making Of“ zum Film in der Kammerbühne in Anwesenheit einiger Mitwirkender, darunter Hauptdarstellerin Vanessa Jordan-Heinrich in Vertretung des erkrankten Leander Linz. „Was Sie gleich sehen werden, sind etwa 10% von der Endfassung. Vieles ist noch unbearbeitet oder muss noch programmiert werden. Wir wissen selber nicht, wie es auf der großen Kinoleinwand wirkt und bitten deshalb um Ihre Anregungen!“, entschuldigt sich Erik Schiesko schon mal vorab.

2015-11-03_FFC_Auf der Suche_(c) Thoralf Haß

v.l.n.r.: Robert Baruck (Programmierer), Erik Schiesko (Regie), Olaf Pöschk (Spieldesign), Vanessa Jordan-Heinrich (Hauptdarstellerin)

Die Handlung des Filmes ist schnell erzählt: Ein junger Reporter kommt einer Verschwörung auf die Schliche. Er findet in einem Archiv einen Artikel aus den 80er Jahren, welcher seinen Tod beschreibt. Auf der Suche nach der Wahrheit deckt der Held nach und nach die Geschichte einer verflossenen Liebe auf, die für sein eigenes Schicksal verantwortlich scheint.
Die Filmsequenzen wurden komplett in der Lausitz gedreht, u.a. in Cottbus, Jänschwalde oder Forst.

Zunächst startet „Auf der Suche“ wie ein gewöhnlicher Spielfilm. Ein Sprung ins Jahr 1986 zeigt, wie sich ein junges Paar findet. Dialoge, Filmmusik, Vorspann – alles wie gehabt. Dann der Sprung in die Gegenwart. Plötzlich friert das Bild ein. Nun muss der Zuschauer am Computer durch Lösen verschiedener Aufgaben herausfinden, wie die Handlung fortgesetzt werden kann. Lukas Schuck, Schauspieler an der „BÜHNE acht“, traut sich diesen Part zu. Und während sich Lukas durch die virtuellen Welten klickt, erläutern Erik Schiesko, Spieldesigner Olaf Pöschk und Programmierer Robert Baruck den Zuschauern, was später zu beachten sein wird und wie das Konzept der Interaktivität funktioniert.

„Es war für mich, der nicht so oft am Computer spielt, einfach, die Aufgabenstellung zu verstehen und umzusetzen.“, fasst Lukas Schuck seine Erfahrungen zusammen. Auch aus dem Publikum kommt nur positive Resonanz. Ablehnende Meinungen gibt es keine, alle sind überrascht, welche Möglichkeiten sich durch die Kombination von Spielfilm und Computerspiel ergeben. Selbst Fachbesucher des Filmfestivals attestieren Erik Schieskos Projekt Potenzial fürs Kino. Auch für jemanden, der die Lausitz nicht kennt, ist der Film sehenswert, erfährt er doch durch eingebaute Überraschungen so einiges.

Welch gewaltige Arbeit hinter dem Projekt steht, erläuterte Erik Schiesko anhand einiger Beispiele aus der Produktionsphase. Mehrere hundert Gigabyte Daten müssen verarbeitet werden. Robert Baruck musste sich ein neues Computerprogramm schreiben, um die Interaktion darstellen zu können. Lange ToDo-Listen, die noch abzuarbeiten sind, und Darstellungen logischer Verknüpfungen der im Spiel gesammelten Hinweise zeugen vom enormen Aufwand.

Bis zur Premiere am 22. Januar 2016 im Cottbuser Weltspiegel steht für Erik Schiesko und Robert Baruck noch viel Arbeit an. Den Zuspruch und die Vorschläge von Film- und Computerfreaks, den die Beiden bei der gestrigen Präsentation erhielten, können alle an dem Projekt Beteiligte gut gebrauchen. Gut möglich, dass mit „Auf der Suche“ ein komplett neues Filmgenre geschaffen wird.

Interaktiver Film „Auf der Suche“ kann getestet werden

Auf der Suche Making Of

(c) KonturPROJEKT

Erik Schieskos neuester Streich, der interaktive Spielfilm „Auf der Suche„, befindet sich in der Endphase, was Produktion und Programmierung betrifft.

Im Rahmen des Filmfestivals Cottbus, wo das Projekt in der Sektion „Specials“ an den Start geht, können Interessierte schon mal einen kurzen Ausschnitt aus dem Film sehen und sind anschließend zur Interaktion mit einer B-Version des Filmes eingeladen.

Am 03. November um 17:00 Uhr geben Regisseur Erik Schiesko, Hauptdarsteller Leander Linz, Programmierer Robert Baruck und Spieldesigner Olaf Pöschk in der Kammerbühne Cottbus in einer Art „Making Of“ Einblicke in die Dreharbeiten und erläutern, wie das interaktive Konzept umgesetzt wurde.

„Auf der Suche“ ist ein Spiel-Film oder Film-Spiel. Darin kommt ein junger Reporter einer Verschwörung auf die Schliche. Er findet in einem Archiv einen Artikel aus den 80er Jahren, welcher seinen Tod beschreibt. Auf der Suche nach der Wahrheit deckt der Held nach und nach die Geschichte einer verflossenen Liebe auf, die für sein eigenes Schicksal verantwortlich scheint.

Der Zuschauer bzw. Spieler hilft dabei, den mysteriösen Vorfall aufzuklären. Er muß sich durch die Kulissen klicken, um Hinweise für die Lösung zu erhalten. Neben den interaktiven Sequenzen gibt es auch immer wieder kurze Filmeinspieler, die die Handlung vorantreiben und wichtige Hintergrund-Informationen geben.

Die Filmsequenzen wurden komplett in der Lausitz gedreht. Neben Nachwuchsdarstellern agieren auch gestandene Schauspieler wie Ronne Noack, Mathias Heine oder Laura Maria Hänsel vor der Kamera.

Feierliche Premiere von „Auf der Suche“ wird am 22. Januar 2016 um 20:00 Uhr im WELTSPIEGEL Cottbus sein.

Dreharbeiten zu „Wolfsland“ in Görlitz

Bis Mitte August laufen in Görlitz und Umgebung noch die Dreharbeiten zu einem neuen Krimiformat, welches der MDR und die ARD Degeto in Auftrag gegeben haben. „Wolfsland“, so der Arbeitstitel. Regie führt Andrè Erkau, die Hauptrollen spielen Yvonne Catterfeld („GZSZ“, „Das Mädchen auf dem Meeresgrund“) und Götz Schubert („Der Turm“, „Unsere Mütter, unsere Väter“).

Wolfsland 02Auf einer improvisierten Pressekonferenz am Filmset in Kodersdorf, OT Wiesa gaben Schauspieler, Regisseur und Produzentin einen Ausblick auf den Film, der im Frühjahr 2016 im Ersten zu sehen sein wird.

„Wolfsland“ ist ein genreübergreifender Krimi, wobei der Filmtitel durchaus mehrdeutig ist.

„Butsch“ (Götz Schubert) ist leitender Hauptkommissar bei der Görlitzer Kripo, Kommissarin Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) flieht aus privaten Gründen aus Hamburg und versucht in Görlitz einen Neuanfang.

„Butsch ist ein Görlitzer Urgestein, der mit einer wechselhaften Biografie groß geworden ist“, beschreibt Götz Schubert seine Figur. „Seine Ermittlungsmethoden sind ziemlich unkonventionell. So, wie er ermittelt, weiß man nie, ist er nun dusselig, schlägt er über die Stränge oder hat er einfach nur die richtige Nase für den Fall. Ihm passieren zu viele Fehler. Die Richtung, die er einschlägt, ist aber meistens richtig und er kommt ans Ziel!“

Für Viola Delbrück ist „Butsch“ eine echte Herausforderung. „Sie muß sich von ihm vieles gefallen lassen und versucht ständig, ihre Fassung zu wahren. Aber sie hängt an ihm wie eine Klette und fordert sich so seinen Respekt ein“, fasst Yvonne Catterfeld ihre Rolle zusammen.

In ihrem ersten gemeinsamen Fall bekommen es die beiden Kommissare mit einem jungen deutsch-polnischen Paar zu tun, das auf seiner Flucht Tod, Angst und Zerstörung hinterläßt. Bei der Jagd auf „Marke“ und Jenni werden Butsch und Delbrück selbst zu Gejagten….

„Wolfsland“ wird mysteriös – und mystisch. „Es wird einen echten Wolf geben, und wir spielen mit den Mythen dieser Region“, verspricht Produzentin Jutta Müller. Man wird nie wissen, was ist Realität und was ist vielleicht nur geträumt oder in der Wahrnehmung der Figuren.

Gedreht wird an mehreren Orten in „Görliwood“, das sich durch mehrere oskarprämierte Hollywood-Produktionen einen besonderen Ruf erarbeit hat. Das von Hollywood bevorzugte Jugendstil-Kaufhaus spielt bei „Wolfsland“ keine Rolle. „Wir erzählen Görlitz als Görlitz und verzichten auf die inszenierten Kulissen!“, so Jutta Müller. Deshalb wird auch am Unter- und Obermarkt und in verschiedenen Wohnungen gedreht.

Götz Schubert ergänzt: „Es ist schön, daß es noch solche Ecken wie hier in Görlitz gibt, die als Filmkulisse unverbraucht sind. Man wird von den Menschen freundlich empfangen, es ist angenehm, hier zu drehen!“

Ob und welches Geheimnis die beiden einsamen Wölfe Butsch und Viola haben und welche Rolle der echte Wolf spielt, ließen sich die Macher von „Wolfsland“ nicht entlocken!

Wolfsland 01

v.l.n.r.: Julius Nitschkoff (Marke), Yvonne Catterfeld (Viola Delbrück), Götz Schubert („Butsch“), Emma Drogunova (Jenni)