Entführ‘ mich, Liebling

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Erstausstrahlung: 28.11.2006

Dumm gelaufen. Die beiden Kleinganoven Max (Max Tidof) und Felix (David Rott) wollen die Bank von Thomas von Ernst (Ralph Herforth) überfallen. Leider kommen ihnen Charlotte von Ernst (Simone Thomalla), die Frau des Bankers, und Sophie (Lisa Maria Potthof) in die Quere. Bei so viel Hektik wird natürlich auch der Beutel mit den 2 Millionen Euro mit Sophies Einkaufsbeutel vertauscht. Max und Felix nehmen notgedrungen die beiden Frauen als Geiseln und verschwinden.

Entführ' mich, Liebling

Nach dem gescheiterten Raubüberfall nehmen Max (Max Tidof, 2.v.l.) und Felix (David Rott, r.) die Ehefrau (Simone Thomalla, l.) und die Geliebte (Lisa Maria Potthoff, 2.v.r.) des Bankdirektors als Geiseln…
© Hardy Spitz/Sat.1

Als sie die Taschen ihrer beiden Geiseln untersuchen, machen sie eine merkwürdige Entdeckung: Beide Frauen haben das gleiche Foto von Thomas dabei. Schnell wird allen Beteiligten klar, daß Sophie die Geliebte von Thomas ist, was Charlotte erst recht auf die Palme bringt. Aber es kommt für Charlotte noch schlimmer: Sophie ist von Thomas schwanger. Fortan liefern sich die beiden Frauen einen verbalen Zickenkrieg. Nur in einem Punkt sind sie sich einig: ihre Entführer sind komplett unfähig. Charlotte läßt das die beiden Männer spüren, wogegen Sophie mit guten Worten versucht, Max und Felix zur Aufgabe ihres Planes zu bewegen. Max will nämlich die beiden Frauen gegen die verlorene Beute austauschen.

Thomas von Ernst denkt überhaupt nicht daran, das schöne Geld herzugeben. Da nur die Entführer wissen, daß er das Geld hat, läßt er den Übergabetermin sausen, verzichtet auf Frau und Geliebte und will ein neues Leben mit seiner hübschen Sekretärin (Sonja Kerskes) beginnen. Max und Felix müssen einsehen, daß ihr Plan nun endgültig gescheitert.

Während sich die Männer betrinken, gelingt Charlotte und Sophie die Flucht. Als sie aber in Charlottes Wohnung Thomas und seine Sekretärin in flagranti erwischen, schmieden sie eine Racheplan. Gemeinsam mit Max und Felix wollen sie nun endgültig die 2 Millionen aus Thomas‘ Tresor stehlen. Fast scheint der Plan aufzugehen…

Die Konstellation ist klar: 2 männliche Entführer und 2 weibliche Geiseln in einer Komödie – da ahnt der geübte Zuschauer, daß sich zwei neue Paare finden werden. Aber bis es wirklich soweit ist, darf sich der Zuschauer bestens amüsieren. Eine bestens aufgelegte Darstellerriege tobt sich vor der Kamera so richtig aus. Besonders Simone Thomalla als arrogante Schnepfe ist ein Hochgenuß. Wenn sie in ihrer Rolle mal so richtig Dampf abläßt und sich dabei herrliche Wortgefechte mit Max und Sophie liefert, ist es eine Freude, ihr dabei zuzusehen! Als krasser Gegensatz dazu die ängstliche und etwas naive Sophie, die eher vermitteln will und in Felix einen Befürworter ihrer Strategie findet.

Max Tidof und David Rott spielen zwei im Grunde ihres Herzens gutmütige Ganoven, deren Plan durch nicht vorhersehbare Umstände zum Scheitern verurteilt. Die Olsenbande läßt grüßen! Eigentlich haben sie nur Mitleid verdient, denn der ganze Spott und die beiden plappernden Geiseln sind Höchststrafe genug!

Nach gut einer Stunde allerbester Unterhaltung flaut die Stimmung etwas ab. Die vermeintlich unvermeidbare Liebesaffäre zwischen Charlotte und Max nimmt das Tempo aus dem Film. Die Macher konzentrieren sich fortan nur noch auf die Beiden und degradieren das Paar Felix/Sophie zu Nebendarstellern. Leider wurde bei der Romanze etwas zu dick aufgetragen. Zwar baut die Handlung noch einmal Spannung auf, als es darum geht, die Beute endgültig zu sichern, aber an das Niveau der ersten Filmhälfte kommt das vorhersehbare Finale nicht mehr heran.

Es gibt solche und solche Komödien im deutschen Fernsehen. „Entführ‘ mich, Liebling“ gehört zweifellos in die Kategorie Gute Unterhaltung. Keine Versuche, krampfhaft lustig zu sein – aber auch kein Feuerwerk an Gags, die dann vielleicht nicht zünden würden. Dafür gutgelaunte Darsteller, die sichtlich Spaß an der Arbeit hatten. Zumindest dieser Plan der Filmemacher ging letztendlich auf!