Vollidiot

VollidiotOliver Pocher meets Ladykracher

Um es vorweg zu nehmen: der Film „Vollidiot“ mit besagtem Oliver Pocher ist besser als man zunächst vermuten möchte!!!

Doch der Reihe nach. „Vollidiot“ erzählt die Geschichte von Simon Peters, einem mehr oder weniger erfolgreichen Telefon-Verkäufer. Seine Ex hat ihn verlassen, eine neue Frau ist weit und breit nicht in Sicht. Verkupplungsversuche seiner Freunde und seiner Putzfrau blieben erfolglos. Und das Alles kurz vor Simons 30. Geburtstag. Und wäre das noch nicht schlimm genug, macht sein Lieblings-Milch-Cafè Platz für eine amerikanische Kaffeehaus-Kette. Seine Pechsträhne scheint zu Ende, als Simon just in diesem neuen Kaffee-Tempel die Frau seiner Träume, die zukünftige Mutter seiner zukünftigen Kinder entdeckt. Sie ist eine südamerikanische Milchschaumfachkraft mit dem lieblichen Namen Marcia P. Garcia. Simon hat nur noch ein klitzekleines Problem: er muß seine Traumfrau irgendwie ansprechen….

Daß der gleichnamige Bestseller von Tommy Jaud, der auch das Drehbuch schrieb, irgendwann verfilmt werden würde, war klar. Und der Film glänzt mit ein paar hervorragenden Einfällen und einer interessanten Besetzung. Gefördert wurde der Film übrigens neben Anderen auch vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. „Warum?“, mag man sich fragen, angesichts der vielen Marken, die werbewirksam ins Bild gesetzt werden. Nur die Telekom erwies sich als Spielverderber und klagte, um nicht mit dem Film in Verbindung gebracht zu werden. Eine Steilvorlage für die Macher des Filmes, denn wenn man mal auf Details achtet, ist die „Dingeling“-AG des Films die perfekte Telekom-Parodie.

Ein Running-Gag im Film sind die sogenannten „Breaking-News“, die Simons jeweilige Situation im Stile einer Nachrichtensendung dokumentieren. Kleiner Tip: Die Laufbänder am unteren Rand mitlesen!!!

Als weiteres Stilmittel wählt der Regisseur Tobi Baumann („Der Wixxer“) das Mittel, den Hauptdarsteller während der Handlung direkt in die Kamera sprechen zu lassen bzw. im OFF seine Erklärungen abzugeben und so den Zuschauer direkt anzusprechen.

Ein weiterer Pluspunkt ist der Soundtrack, der punktgenau zur Handlung paßt. Hier verstärkt die Musik die Handlung und ist nicht bloßes Beiwerk.

Bliebe noch die Besetzung, die zum Erfolg des Filmes beitragen wird.

OLIVER POCHER merkt man an, daß die Schauspielerei nicht mehr als nur ein Nebenjob ist. Aber er gibt sein Bestes, und es gibt Momente, da vergißt man, daß Pocher für seine großmäuligen Sprüche bekannt geworden ist. Für den Film scheint Pocher jedenfalls die Idealbesetzung. Und die befürchtete Ein-Mann-Show bleibt glücklicherweise aus.

ELLENIE SALVO GONZALEZ als Simons Traumfrau zeigt einmal mehr ihre darstellerische Wandlungsfähigkeit und macht ihrer Filmrolle alle Ehre. Ist sie anfangs die Frau mit dem süßesten Lächeln weltweit nach Julia Roberts, zeigt sie sich Minuten später als arrogantes Miststück, dem man(n) am liebsten den Hals umdrehen möchte. Und ganz nebenbei bricht sie Simon das Herz…

ANKE ENGELKE spielt „die Eule“, Simons Chefin. Man hat immer den Eindruck, diese Rolle bei Engelkes Comedy-Serien schon einmal gesehen zu haben. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, liest man die Namen anderer Mitwirkender. Denn neben Engelke spielten auch JULIA STINSHOFF, MICHAEL LOTT, BETTINA LAMPRECHT und MATTHIAS MATSCHKE bei „Ladykracher“ oder „Ladyland“ mit. Hier ließ wohl Drehbuchautor Jaud seine Beziehungen spielen, denn schließlich war er Chefautor der „Sat.1-Wochenschau“ und bei „Ladykracher“.

HERBERT FEUERSTEIN als Vollstreckungsbeamter parodiert sich selber und erinnert in seiner Rolle an das Rumpelstilzchen aus der Pro-7-Märchenstunde.

Selbst kleinste Rollen sind namhaft besetzt. Henning Krautmacher von den Höhnern spielt genauso mit wie Wolfgang Völz oder Matze Knop, besser bekannt als Super-Richie. Und wer genau hinschaut, erkennt sogar das von Stefan Raab in seiner „TV-Total“-Show entdeckte skurille Rentnerpaar Ingrid und Klaus…

Regisseur Tobi Baumann schafft jedenfalls in 102 Minuten ein vergnügliches Filmwerk ohne höheren Anspruch. Aber um sich gut zu unterhalten, reicht es allemal.

Artikel veröffentlicht:

14.08.2007 Zelluloid klein