Ein Mann, ein Fjord

ZDF-Logo

Erstausstrahlung 21.01.2009, 20.15 Uhr

Ein Mann, Ein Fjord!Norbert Krabbe (Jürgen Tarrach) ist arbeitslos und lebt in Wanne-Eickel. Wenn er nicht gerade in seiner Badewanne liegt, nimmt er an Preisausschreiben und Gewinnspielen beim Sender „6 1/2 Live“ teil, wo er regelmäßig Zitruspressen, Toaster und andere unnütze Dinge gewinnt. Seine Frau Birgit (Anneke Kim Sarnau), ebenfalls arbeitslos, ist mittlerweile genervt von Norberts Glückssträhne. Außerdem hat sie ein klitzekleines Alkoholproblem. Nur Ute (Olga von Luckwald), die 17jährige Tochter der Beiden und angehende Kfz-Elektrogesellin, hält die Familie noch einigermaßen zusammen.

Als Norbert bei einem seiner Gewinnspiele den Hauptgewinn, einen eigenen Fjord mit lebenslangem Wohnrecht in einer Blockhütte, gewinnt, kommt es zum Streit. Ute will sofort losfahren, aber Norbert hat erstens kein Geld für die weite Reise und zweitens wird ihm schon in der Straßenbahn übel. Wie soll er da die 33stündige Fahrt nach Vaksvika überleben?

Ein Mann, ein Fjord!

Familie Krabbe Zuhause in Wanne: Norbert Krabbe (Jürgen Tarrach), seine Frau Birgit (Anneke Kim Sarnau) und seine Tochter Ute (Olga von Luckwald)

Die Entscheidung wird ihm abgenommen, als Birgit mal wieder sturzbetrunken und noch dazu an der Seite von Horst Schlämmer nach Hause kommt. Kurzerhand packen Norbert und Ute ihre Sachen und machen sich auf den Weg nach Norwegen. Unterwegs machen sie Bekanntschaft mit Lars, einem in Utes Augen gutaussehenen jungen Mann, der leider nur sehr selten duscht, dafür die Zukunft mit Hilfe eines Hundequartett-Spiels voraussagt. Außerdem ist da noch dieses nervige Ehepaar Schwarz-Ebershagen (Johanna Gastdorf, Matthias Brandt). Und der stellvertretende Chefredakteur vom „Grevenbroicher Tagblatt“, Horst Schlämmer, eigentlich allein reisend, weiß immer ein bißchen mehr als die handelnden Personen und versucht, sein Halbwissen weiterzugeben, was nur für noch mehr Verwicklungen sorgt.

Ein Mann, ein Fjord!

Norbert Krabbe (Jürgen Tarrach) und seine Tochter Ute (Olga von Luckwald) holen im Kaufhaus bei Waltraut Schwarz-Ebershagen (Johanna Gastdorf) ihren Gewinn ab: einen Römertopf ohne Deckel.

Birgit, inzwischen wieder nüchtern, findet den nächsten Gewinn in der Post: 500.000 Euro, abzuholen innerhalb der nächsten 10 Tage. Also macht sich Birgit mit Taxifahrer Kemal (Hilmi Sözer) ebenfalls auf nach Norwegen….

Im weiteren Verlauf wechseln alle Beteiligten nicht nur mehrmals das Verkehrsmittel, sondern auch ihre Identitäten.

Aus Birgit wird abwechselnd Jacqueline, Chantal oder Desiree, Ute bekommt zeitweilig eine neue Mutter und Herr Schwarz-Ebershagen wüßte zu gerne, woher seine Frau Norbert kennt.

Ein Mann, ein Fjord!

Norbert Krabbe (Jürgen Tarrach) und seine Tochter Ute (Olga von Luckwald) in Oslo.

„Ein Mann, ein Fjord!“ basiert auf dem gleichnamigen Hörbuch von Hape Kerkeling, Angelo Colagrossi und Angelina Maccarone. Als die Drei die Idee zur Geschichte den Fernsehsendern anboten, lehnten diese ab. Also entschloß man sich, einen Film als Hörbuch zu machen. Als sich der Erfolg des Hörbuches abzeichnete und die Sender wieder aufmerksam wurden, hatten Kerkeling und Colagrossi den Deal bereits mit dem ZDF perfekt gemacht.

Entstanden ist ein Roadmovie der Extraklasse mit hohem Unterhaltungswert. Wie es sich für eine Komödie gehört, gibt es jede Menge Situationskomik, Running Gags und brüllend komische Dialoge, ohne daß der Film zur Klamotte abgleitet. Manche Pointen sind allerdings hart an der Grenze. Nicht daß die Gags billig wirken, aber viele Pointen sind vorhersehbar und man ist geneigt zu glauben, daß die Macher des Filmes nicht den Mut haben, jeden Witz bis zum Ende auszureizen. Doch, sie haben! Besonders das Ehepaar Schwarz-Ebershagen muß darunter leiden.

Kameramann Martin Kukula zaubert faszinierende Landschaftsaufnahmen ins Bild, die jedem Imagefilm des norwegischen Fremdenverkehrsamtes Konkurrenz machen würden und erst auf der Kino-Leinwand so richtig zur Geltung kommen.

Kerkelings Haus-und Hofkomponist Achim Hagemann, der auch das legendäre „Hurz“ zu verantworten hat, liefert ein paar hitverdächtige Songs ab („Sklavin der Liebe“, „Mittsommerblues“). Das musikalische Hauptthema zieht sich durch den gesamten Film und bleibt lange in den Ohren hängen.

Ein Mann, ein Fjord!

Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) und Norbert Krabbe alias Dr. Reinhold Schwarz-Ebershagen (Jürgen Tarrach) freunden sich an.

Und dann ist da noch die Besetzung. Hape Kerkeling ließ es sich nicht nehmen und spielt gleich drei Rollen. Neben seiner Paraderolle als Horst Schlämmer spielt Kerkeling noch die Moderatorin Gisela und Schlagerstar Uschi Blum. Aber – es ist kein Hape-Kerkeling-Film! Seine Auftritte halten sich in Grenzen und sind eher kleine Höhepunkte in diesem Feuerwerk der guten Laune.

Jürgen Tarrach, eher als Charakterdarsteller bekannt („Wambo“, „Mogadischu“) darf mal wieder sein komisches Talent zeigen. Als Norbert Krabbe ist er die Idealbesetzung.

Anneke Kim Sarnau kann endlich mal richtig die Sau rauslassen. Ihre besten Szenen hat sie als verkaterte Birgit, die vergebens nach ihrem „Nooooooorrrbeeeeeeeeeeerrrrt“ ruft.

Ein Mann, ein Fjord!

Ute Krabbe (Olga von Luckwald) versteht nicht, was für Probleme ihr Vater hat.

Den Namen Olga von Luckwald sollte man sich für die Zukunft gut merken. Die 17jährige Schülerin aus Köln zeigt in ihrer ersten großen Hauptrolle sehr viel von ihrem Potenzial, das sie besitzt. Unaufgeregt und spielfreudig agiert sie vor der Kamera und besteht locker neben den berühmten Schauspielkollegen. Dabei zeigt sie eine Bandbreite von „die-ist-ja-so-süß“ über den pubertierenden Teenager bis zur jungen erwachsenden Frau, die das Heft des Handelns in den Händen hält.

Ein Mann, ein Fjord!

Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) freut sich Birgit Krabbe (Anneke Kim Sarnau) wiederzusehen, die von dem Taxifahrer Kemal (Hilmi Sözer) von Wanne-Eickel nach Bergen in Norwegen gefahren wurde.

Hilmi Sözer spielt mal wieder den Quoten-Türken, darf sich dafür aber deftig über die deutsche Lebensart lustig machen (Stichwort Schwarz-Weiß-Malerei).

Petra Zieser spielt Ulrike Lange, eine verwitwete Frau aus Darmstadt, die sexuell dermaßen ausgehungert ist, daß es ihr am Ende egal ist, wen sie abbekommt.

In weiteren Rollen sind Horst Krause als Günter Reddemann, Wencke Myhre als Rezeptionistin sowie Gaby Decker und Uwe Rohde zu sehen.

„Ein Mann, ein Fjord“ ist allerbeste Fernsehunterhaltung für Jung und Alt mit einer gut aufgelegten Darstellerriege, der man das Spielvergnügen regelrecht ansieht. Bleibt nur zu hoffen und zu wünschen, daß beim nächsten Mal die Fernsehsender nicht wieder abwinken, wenn Hape Kerkeling mit einer neuen Idee ankommt. Der Kerl ist einfach zu gut, um schlecht zu sein. Wer was anderes behauptet, sollte sich unbedingt vorher „Ein Mann, ein Fjord“ anschauen!

Ein Mann, ein Fjord!

Der schöne, aber stark riechende Norweger Lars Högesund (Mads Hjulmand) versucht Birgit Krabbe (Anneke Kim Sarnau) für 1.500 Kronen die Zukunft mit Hilfe eines Hundequartetts zu lesen.

Ein Mann, ein Fjord!

Die Rezeptionistin (Wencke Myhre) verbietet Ute Krabbe (Olga von Luckwald) alleine auf dem Deck herumzulaufen, weil sie vorgegeben hat erst 12 Jahre alt zu sein.

Ein Mann, ein Fjord!

Uschi Blum (Hape Kerkeling) präsentiert ihren neuen Song „Sklavin der Liebe“

Ein Mann, ein Fjord!

Norbert Krabbe (Jürgen Tarrach) und seine Tochter Ute (Olga von Luckwald) auf dem Weg zum Norbert-Krabbe-Fjord.
© ZDF / Hans-Joachim Pfeiffer

Die Rollen und ihre Darsteller

Ute Krabbe – Olga von Luckwald
Norbert Krabbe – Jürgen Tarrach
Birgit Krabbe – Anneke Kim Sarnau
Lars Högesund – Mads Hjulmand
Ulrike Lange – Petra Zieser
Horst Schlämmer – Hape Kerkeling

Filmcrew
Regie – Angelo Colagrossi
Drehbuch – Angelo Colagrossi, Hape Kerkeling, Angelina Maccarone
Kamera – Martin Kukula
Produktion – ZDF

       

Artikel veröffentlicht

17.12.2008 Zelluloid klein