„Rootstock“ entsteht in Cottbus

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit laufen seit Anfang Juni in Cottbus die Dreharbeiten für einen  Spielfilm. Doch nicht die großen Filmstudios drehen im Stadtzentrum, sondern die Filmgruppe8 und Mitglieder der Theatergruppe „Bühne 8“.

Der Film heißt „Rootstock“. Dahinter verbirgt sich ein privat finanziertes sogenanntes Boot-Camp für straffällig gewordene Mädchen. Um ihnen eine Haftstrafe zu ersparen, bekommen die Mädchen im Camp die Chance, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken und einen Neuanfang zu starten.

Grabbe und Dana

Die Camp-Insassinnen Edda Grabbe (Maja Schäfer, links) und Dana Schneider (Ypsi Ciupack)

Zu den Mädchen, die in „Rootstock“ ihre Strafe absitzen, gehört auch die Jugendliche Dana Schneider. Immer wieder gerät sie in Konflikte mit den Ausbilderinnen und weigert sich, deren Aufforderungen zu folgen. Nur die Psychologin im Camp, Frau Weinreich, scheint Zugang zu Dana zu finden.

Als die Nachricht von der geplanten Schließung des Lagers die Runde macht und Dana gleichzeitig von Weinreichs persönlichen Problemen erfährt, wird sie aktiv. Dana flieht aus dem Lager und nimmt wieder Kontakt zu ihrer alten Clique auf. Sie hat eine Idee, wie sie Weinreichs gefährdeten Arbeitsplatz sichern könnte.

Holger Bergmann ist der Leiter der „Rootstock“-Produktion und kümmert sich um alles Organisatorisches. „Im September 2009 kam Mathias Neuber mit der Idee für den Film auf die Filmgruppe zu. Sofort erkannten wir, daß die Idee Potenzial für einen Spielfilm hat. Bisher haben ja  unsere Mitglieder von der Filmgruppe8 nur Kurzfilme gedreht.“ erklärt Bergmann bei einem Termin am Filmset.

Regie

Die Regisseure Mathias Neuber (links) und Mathias Schulze

Man begab sich auf die Suche nach geeigneten Drehorten. „Es waren viele Objekte im Gespräch“, so Bergmann weiter. „Aber einige, wie die ehemalige JVA, waren zu groß für ein Camp. Bei anderen interessanten Objekten wurden bereits gemachte Zusagen nicht eingehalten. Deshalb sind wir der Stadt Cottbus auch sehr dankbar, daß wir auf städtischem Gelände drehen dürfen!“

Auch der Requisiten-  und Kostümfundus des Staatstheaters sowie das THW unterstützen völlig unbürokratisch das ehrgeizige Projekt der Filmemacher.

Trotzdem ist vieles anders als bei großen Studioproduktionen. Die Akteure vor und hinter der Kamera kommen überwiegend aus Cottbus und der näheren Umgebung. Viele Dinge wie Kostüme oder die  Bänder für die Filmaufnahmen werden von den Beteiligten aus eigener Tasche bezahlt. Um die Verpflegung der Schauspieler und der Filmcrew kümmern sich die Eltern der Hauptdarstellerin. Die Regie teilen sich Mathias Neuber, der die Schauspieler auf ihre Szenen vorbereitet, und Mathias Schulze, der für die Bildregie verantwortlich ist. Kameramann ist Erik Schiesko. Gedreht wird nur an den Wochenenden, wochentags sind die meisten durch Studium oder Beruf ausgelastet.

Weinreich

Marie-Luise Ette spielt die Psychologin Weinreich

Für teure Stars hat man kein Geld. „Zum Glück für Rootstock sind auch die Film-Diven derzeit mit anderen Projekten beschäftigt…“ schrieb einer ins Drehtagebuch und meint damit die lockere und entspannte Atmosphäre am Film-Set. Es wird eben viel gelacht, auch wenn so ein Drehtag schon mal 10 Stunden und länger dauert. Auch über die aktuellen Spielstände der gleichzeitig stattfindenden Fußball-WM ist man dank Laptop immer informiert, oder wie am Sonnabend, als man den Torjubel beim Klassiker England gegen Deutschland von der Fanmeile am Amtsteich bis zum Drehort hören konnte.

Einige der Darsteller wie Katerina Brandes oder Marie-Luise Ette sind durch Theateraufführungen an der „Bühne 8“ bekannt, andere wiederum sind durch Zufall oder durch Gespräche im Freundeskreis zur Produktion gekommen. Die Dreharbeiten zu „Rootstock“ sind jedoch für alle beteiligten Schauspieler eine völlig neue Erfahrung. Weil man sich aber schon viele Jahre untereinander kennt und auch Neueinsteiger unvoreingenommen in die Gruppe aufgenommen wurden, funktioniert das gesamte Film-Team als eine Einheit.

Holger Bergmann ist mit dem bisherigen Verlauf der Dreharbeiten zufrieden, man liege im Zeitplan. „Wir drehen jetzt noch bis Mitte Juli und dann noch einmal ein paar Wochenenden im Herbst. Wenn alles klappt, wollen wir im April oder Mai 2011 im Cottbuser ‚Weltspiegel‘ die Premiere unseres Filmes feiern!“ Dann wird sich zeigen, ob sich der Aufwand und das Engagement gelohnt haben  und ob es in naher Zukunft weitere Filme dieser Größenordnung geben wird –  gedreht von ein paar mutigen Cottbusern mit wenig Geld und viel Optimismus…

Produzent

Produktionsleiter Holger Bergmann legt schon mal selber Hand an…