„Rootstock“-Weltpremiere im Cottbuser Weltspiegel

rootstock_plakatBisher ist Cottbus als Filmstadt eher durch das alljährliche Filmfestival bekannt geworden. Als Herkunftsort anspruchsvoller Filme hat sich Cottbus bisher noch keinen großen Namen gemacht. Das könnte sich aber bald ändern.

Nachdem der junge Cottbuser Filmemacher Erik Schiesko im Frühjahr seinen vielbeachteten Film „Blaue Stunde“ in die städtischen Kinos brachte, feiert nun am 19. Oktober im Filmtheater „Weltspiegel“ eine weitere Produktion aus Cottbus seine Premiere. Der Film „Rootstock“ entstand unter Federführung der „Filmgruppe8“ in Zusammenarbeit mit der „BÜHNE acht“ und befasst sich mit aktuellen Themen wie soziale Kälte, Intoleranz, Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen und Rassismus. Regie führten Mathias Schulze und Mathias Neuber, der auch das Drehbuch schrieb. Die Produktionsleitung lag in den Händen von Holger Bergmann, Erik Schiesko führte diesmal die Kamera. Die Hauptrollen übernahmen Schauspieler der „BÜHNE acht“, viele Gesichter kennt man auch von „Rabota Karoshi“.

„Rootstock“ ist ein privat finanziertes Erziehungs-und Ausbildungslager für straffällig gewordene Mädchen, irgendwo abgelegen in den Brandenburger Wäldern. Um ihnen eine Haftstrafe zu ersparen, bekommen die Mädchen im Camp die Chance, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken und einen Neuanfang zu starten. Sie sollen sich nützlich machen für die Gesellschaft, ihre Stärken zur Geltung bringen. „Mach aus Dir ein Angebot! – Für die Anderen!“ lautet deshalb auch das Motto des Camps.

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Die Insassinnen von “Rootstock”

Unter den Insassinnen ist auch die gewaltbereite Jugendliche Dana Schneider. Immer wieder gerät sie aber in Konflikt mit den Ausbilderinnen und den anderen Mädchen. Nur die Psychologin im Camp, Frau Weinreich, scheint Zugang zu ihr zu finden.

Plötzlich macht die Nachricht von der geplanten Schließung des Lagers die Runde. Gleichzeitig erfährt Dana, mit welchen persönlichen Schicksalen ihre einzige Vertrauensperson zu kämpfen hat. Eine Schließung des Camps würde Weinreichs ohnehin schwierige Situation weiter verschlimmern. Dana beschließt, Weinreich zu helfen. Sie plant eine Aktion mit ihrer alten Clique – mit fatalen Folgen…

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Militärischer Drill und ein strenger Umgangston bestimmen den Alltag

Der Film beruht auf einem authentischen Vorfall aus Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2006. Dort hatten Jugendliche aus dem Dorf Pretzien anlässlich einer Sonnenwendfeier von nazistischer Ideologie getragene Reden gehalten und die amerikanische und israelische Flagge sowie das „Tagebuch der Anne Frank“ verbrannt. Dies löste bundesweit eine Debatte darüber aus, ob kurz zuvor gestrichene Gelder für die Präventionsarbeit unter rechtsgerichteten Jugendlichen erneut bewilligt werden sollten.

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Dana Schneider (Ypsi Ciupack), im Hintergrund die Ausbilderin Frau Sack (Katerina Brandes) – (c) Fotos: Filmgruppe8

Zur Premiere hat sich das gesamte Filmteam angesagt. Gegen 19:30 Uhr werden die Schauspieler und Filmemacher am „Weltspiegel“ eintreffen und ihren kleinen, nicht allzu übertriebenen und dennoch witzigen Auftritt haben.

Nach einem kurzen Sektempfang für die Ehrengäste beginnt mit einem Grußwort von Berndt Weiße (Dezernent für Jugend, Kultur, Soziales) gegen 20:00 Uhr die Filmpremiere.

Artikel erschien auch am 17. Oktober 2011 auf nl_aktuell