Dean Reed und ein überraschendes Wiedersehen

Dean Reed Poster 2012 KopieDass die jährlichen Treffen keine reinen Dean-Reed-“Fanclub“-Treffen sind, beweisen die immer wieder neu hinzukommenden Gäste. So konnte F.-B. Habel in diesem Jahr u.a den US- Amerikaner Robert W. Rynerson begrüßen, der im US-Bundesstaat Colorado lebt und einige sehr interessante Fotos aus seiner (und Reeds) Heimat zeigte.

Unter den Gästen der Veranstaltung waren auch Celia Paz Fajardo-Poser mit ihrer Mutter Maria Antonia Gonzalez-Cabezas und ihrem „Exil-Onkel“ Luis Alfonso Gonzalez. 1973, im Alter von 5 Jahren, verließ Celia mit Maria auf der Flucht vor Pinochet die Heimat in Chile. Beide fanden ebenso wie Luis Exil in der DDR. Noch heute leben die drei in Berlin bzw. Potsdam und haben hier eine neue Heimat gefunden.

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Luis und Celia aus Chile

Unter der Regie von Hauptdarsteller Dean Reed spielten Celia, Maria und Luis in dem 1977 produzierten und von der Kritik gelobten Film „El Cantor“ in kleineren Rollen mit. Reed widmete „El Cantor“ dem chilenischen Volkssänger Victor Jara und dem kämpfenden Volk Chiles gegen das Pinochet-Regime.

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Celia und ihre Mutter Maria

Maria und Celia erzählten von den Dreharbeiten und wie sie Dean Reed erlebten. Für Celia war Reed während der Dreharbeiten so etwas wie ein Vaterersatz. In einer Filmszene, in der sie zusammen mit anderen Kindern nackt baden sollte, benötigte Reed viel Überzeugungskraft und Verhandlungsgeschick, bevor die Kinder ihre Scham überwanden und sich die Kleider auszogen. Für Celia ist das heute eine lustige Anekdote, während der Dreharbeiten war ihr alles andere als zum Lachen zumute, wie sie schmunzelnd im Gespräch zugab.

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Eddi Raatz

Viel zu erzählen hatte auch Eddi Raatz. Der Kleindarsteller an der Komischen Oper erhielt eines Tages einen Anruf von der Produktionsfirma des Filmes „Sing, Cowboy, sing“. Gesucht würden 4-5 Personen für eine Schlägerei-Szene im Saloon. Eddi sagte zu und erhielt eine kleine Rolle in dieser Westernkomödie.

Der Dreh der Szene in den damaligen DEFA-Studios in Babelsberg fand völlig ohne Proben und einstudierte Choreografien statt, wie Eddie Raatz berichtete. Dean Reed, Regisseur des Films, ließ seinen Schauspielern, Komparsen und Stuntleuten freie Hand, sie sollten sich einfach nur so realitätsnah wie möglich prügeln. Reed selber verletzte sich in dieser Szene, als er an einem hervorstehenden Nagel eines Kulissenteils hängen blieb. Er ließ sich nichts anmerken und spielte einfach weiter.

Eddi Raatz genoss den Dreh. Denn zu seiner Freude spielte auch sein damaliger Chef eine kleine Rolle in der Szene. Eddi, ein Schelm, nutzte die Gelegenheit und schleuderte unerkannt einen Stuhl in Richtung seines Vorgesetzten, der daraufhin los schimpfte, aber den Verursacher nicht ausfindig machen konnte.

Den Triumph von damals kostet Eddi heute noch aus! Er ist noch immer als Darsteller kleinerer Rollen aktiv. So war er in „Schloss Einstein“, „Verliebt in Berlin“ oder in „Ein starkes Team“ zu sehen.
Celia spielte nach „El Cantor“ u.a. in der beliebten DDR-Fernsehserie „Zur See“ und in dem DEFA-Film „Isabel auf der Treppe“ mit, hat sich aber schnell aus der Filmbranche zurückgezogen und übt nun einen „normalen“ Beruf aus.

Die Einladung zum Treffen der Dean-Reed-Freunde bescherte ihr jedoch ein unerwartetes Wiedersehen. Jürgen Knape, Hausherr an diesem Nachmittag, lüftete das Geheimnis: “Celia und ich gingen gemeinsam zur Schule. Wir waren Freunde und sind nachmittags immer um die Häuser gezogen!“ Nachdem sich beide nach der gemeinsamen Schulzeit aus den Augen verloren hatten, war die Wiedersehens-Freude so viele Jahre später natürlich umso größer. Schließlich erwartete keiner der Beiden, den jeweils anderen ausgerechnet an diesem Ort und zu diesem Anlass zu treffen. Klar, dass sich Celia und Jürgen viel zu erzählen hatten.

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F.-B. Habel im Gespräch mit Ingeborg Stiehler (Journalistin und langjährige Betreuerin von Dean Reed)

Die Treffen Freunde, Fans und Wegbegleiter Dean Reeds halten immer wieder Überraschungen bereit. 2013 gehen die Treffen ins („verflixte“) siebente Jahr. Vermutlich wird auch bei dieser Gelegenheit wieder Ungewöhnliches, Interessantes oder Einzigartiges passieren. Denn die schönsten Geschichten schreibt eben immer noch das Leben selbst…

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