Holger & Hanna (und der ganze kranke Rest)

Holger&Hanna_PlakatHolger, ein 16jähriger Schüler, hat es nicht leicht. Seine Eltern teilten ihm mit, dass sie sich scheiden lassen wollen. Und als wäre das nicht schlimm genug, schleppen sie Holger auch noch zur Familientherapie.

Holger ist genervt von seiner Mutter und muss sich ständig ihre Rechtfertigungen anhören. Die auf einem Esoteriktrip wandelnde Verena „steckt Nadeln in anderer Leute Kopfhäute“ und will ständig irgendwelche Energiemeridiane aktivieren. Holgers Vater Gerhard, ein Zahnarzt, ist schon längst zu Hause ausgezogen. Dabei hat doch Holger genügend eigene Probleme, denn er hat sich hoffnungslos in die drei Jahre ältere Hanna aus seiner Schule verliebt. Für ihn ist es beschlossene Sache, dass beide zusammen gehören.

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Foto: Clemens Schiesko (KonturPROJEKT)

Womit Holger allerdings nicht gerechnet hat: Hanna steht auf ältere Männer und verliebt sich ausgerechnet in Holgers Vater. Für Holger bricht eine Welt zusammen. Als Verena von Gerhards Verhältnis zu Hanna erfährt, flippt sie aus und fliegt nach Bali. Von seinen Eltern allein gelassen, beschließt Holger, um Hannas Liebe zu kämpfen und lässt dabei kein Fettnäpfchen aus.

Das Drehbuch zu „Holger und Hanna (und der ganze kranke Rest)“ entstand nach dem gleichnamigen Theaterstück von Jan Demuth (Schweiz). Der Cottbuser Theaterregisseur Matthias Heine und Dramaturgin Maria Bock wagten sich an die filmische Umsetzung. Für die Hauptrollen konnten die Nachwuchsdarsteller Florian Donath (Holger) und Ruth-Maria Thomas (Hanna) gewonnen werden. Kai Börner vom Cottbuser Staatstheater übernahm die Rolle von Holgers Vater, die Kabarettistin Andrea Kulka spielt Holgers Mutter Verena.

Die Kamera führte Clemens Schiesko, sein Bruder Erik zeichnete für die Produktion verantwortlich.

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Foto: Clemens Schiesko (KonturPROJEKT)

Herausgekommen ist eine wunderbare Komödie, die sich wohltuend von dem sonst üblichen Einheitsbrei deutscher Komödien abhebt. Wortspiele in den Dialogen der Hauptfiguren sind hart an der Grenze zum Kalauer, ohne jedoch aufgesetzt zu wirken. Selbst kleinste Gags wie ein Rülpser haben ein perfektes Timing. Ungewöhnliche Kamerafahrten und Blickwinkel wechseln sich ab mit Schwarz-Weiß- und Tricksequenzen oder kurzen Tanzeinlagen. Die Lichtstimmung und besondere Kameraeffekte wie Geisterbilder überraschen immer wieder den Betrachter. Auch die Idee, eine Szene des Filmes im Stile einer amerikanischen Sitcom (mit den dazugehörigen eingespielten Lachern) fortzuführen, fasziniert.

Gleichzeitig wird der Zuschauer mitgenommen zu einem kleinen Stadtbummel durch Cottbus, wo große Teile des Filmes gedreht wurden. Immer wieder schwenkt die Kamera auf Skulpturen und Brunnen im Stadtzentrum, zeigt die wenigen Schönheiten der Stadt.

Abgerundet wird „Holger und Hanna“ durch einen Klasse Soundtrack, der ein paar potentielle Ohrwürmer beinhaltet. Die Namen der Interpreten sind dabei nur Insidern ein Begriff.

Die Darstellerriege überzeugt durchweg, auch wenn man Kai Börner etwas mehr ansieht, dass er über langjährige Schauspielerfahrung besitzt. Bei Andrea Kulka dagegen sind es die Gestik und Mimik, die besondere Akzente setzen. Ob gewollt oder nicht – manchmal wird man bei ihr an die Yvonne aus den dänischen „Olsenbanden“-Filmen erinnert.

Für Florian Donath und Ruth-Maria Thomas war „Holger und Hanna“ das erste große Filmprojekt. Beide brauchen sich hinter den gestandenen Künstlern Börner und Kulka nicht verstecken. Mit erfrischender Lockerheit agieren beide vor der Kamera und reizen ihre jeweilige Rolle aus.

„Holger und Hanna“ bezeichnet sich gern als Cottbus-Film – von Cottbuser Filmemachern gedreht als kleine Liebeserklärung an ihre Stadt. Hier ist mit wenig Etat eine kleine Filmperle entstanden, die den Vergleich zu großen Studioproduktionen nicht zu scheuen braucht. Vielleicht ist das mit einer der Gründe, warum der Film so unterhaltsam ist.