DEFA-Regisseur Günter Reisch verstorben

2010-09-25 DR-Treffen Potsdam - 029Der DEFA-Regisseur Günter Reisch ist am 24. Februar 2014 im Alter von 86 Jahren in Berlin verstorben. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören „Nelken in Aspik“ (1976), „Anton der Zauber“ (1978) und der von der Kritik hochgelobte Film „Die Verlobte“ (1980), welcher mehrere Filmpreise, darunter den Grand Prix beim Filmfestival in Karlovy Vary, gewann.

Günter Reisch war gern gesehender Gast bei den jährlichen Treffen der Dean Reed-Freunde in Potsdam. Dort berichtete Reisch auch von einem Filmprojekt, das nie realisiert wurde. Mit dem amerikanischen Schauspieler Dean Reed schrieb Günter Reisch das Drehbuch zu „Bloody Heart“ (AT „Wounded Knee“). Beide wollten auch gemeinsam Regie führen. „Bloody Heart“ wäre Dean Reeds Reputation als Filmemacher und gleichzeitig der vermutlich teuerste DEFA-Film aller Zeiten geworden. Drei Jahre Vorbereitungszeit, unzählige Drehbuchänderungen, aussichtslos scheinende Verhandlungen mit sowjetischen Behörden, Finanzierungsprobleme – Günter Reisch hat viel Herzblut in dieses Projekt fließen lassen. Reeds damaliger plötzlicher Tod und nun auch Günter Reischs Ableben sorgen dafür, daß dieses Projekt wahrscheinlich für immer unvollendet bleibt, auch weil sich die Zeiten geändert haben.

Drehbuch 1Ich habe Günter Reisch bei besagten Treffen als einen weltgewandten, offenen Menschen kennengelernt. Er bedauerte sehr, daß „Bloody Heart“ nie in Angriff genommen wurde und daß sich heutige Filmemacher nicht für das Projekt interessieren würden. Reisch sah in dem Film großes Potential mit einer interessanten Geschichte.

Viele kleine Anekdoten aus seiner langen Karriere als Filmemacher bei der DEFA gaben mir einen interessanten Einblick hinter die Kulissen der bekannten deutschen Traumfabrik: mal erzählte er von lustigen Situationen bei den Dreharbeiten; mal von den Grenzen, die ihm von den Kulturfunktionären aufgezeigt wurden.
Günter Reisch war ein aufgeschlossener, interessanter Erzähler und Gesprächspartner – trotz seiner schweren Erkrankung, die das Sprechen für ihn zu einer Herausforderung machte.

Gerne hätte ich noch mehr seiner Erinnerungen gehört.Drehbuch 2

„Rootstock“ – Das große Wiedersehen

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Zu einer ganz besonderen Filmvorführung lud die „Filmgruppe8“ am Sonnabend in den Theaterkeller der „BÜHNE acht“ ein. Die Filmemacher des Kinofilms „Rootstock“ wollten sich anlässlich der DVD-Veröffentlichung des Filmes noch einmal bei den zahlreichen Unterstützern, Sponsoren, Kleindarstellern und Mitwirkenden bedanken. Groß war deshalb auch die Wiedersehensfreude, denn nach den Dreharbeiten trennten sich für viele die Lebenswege.

Moderiert von Alex Stürmer konnten die anwesenden Gäste einen Blick hinter die Kamera werfen. Gezeigt wurde exklusives Filmmaterial, welches während der Dreharbeiten entstand. So wurden erstmals jene Szenen gezeigt, die aus dramaturgischen Gründen keine Verwendung im eigentlichen Film fanden. Großes Gelächter im Publikum gab es anschließend, als die sogenannten „Outtakes“, also lustige Versprecher und Pannen während des Drehs, gezeigt wurden.

Zwischen den einzelnen Filmausschnitten gab es kurze Interviews mit den Schauspielern und Mitgliedern des Filmstabes. Übereinstimmende Meinungen gab es bei allen Befragten, daß die Dreharbeiten zwar anstrengend, aber auch auch sehr fröhlich waren. Die positive Stimmung am Filmset war mit ein Grund für das Gelingen des Filmprojektes, welches Drehbuchautor und Co-Regisseur Mathias Neuber als das aufwändigste Projekt des „BÜHNE acht“-Ensembles bezeichnete. „Der Sommer 2010, als wir den Film drehten, wird mir immer in Erinnerung bleiben, weil ich diesen Sommer so intensiv erlebt habe.“ sprach Mathias Neuber allen Mitwirkenden, die von Anfang an das Projekt begleiteten, aus dem Herzen.

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Moderator Alex Stürmer (rechts im Bild) im Gespräch mit den Darstellerinnen Ypsi Ciupack, Karo Leder und Maja Schäfer

Hauptdarstellerin Ypsi Ciupack und Nebendarstellerin Maja Schäfer erinnerten sich noch einmal an die Zeit nach den Dreharbeiten, als es auf Promotion-Tour für die Filmpremiere ging. In bester Erinnerung ist dabei noch die Guerilla-Aktion während der „Nacht der kreativen Köpfe“ geblieben. Auch davon konnten sich die Besucher des Filmabends einen Eindruck verschaffen, denn zur Überraschung aller Gäste gab es auch von dieser Aktion bewegte Bilder zu sehen, ebenso wie von der Premierenfeier.

Eines aber konnte man aus allen Gesprächen heraushören. Sollte wieder einmal ein ähnliches Groß-Projekt an der „BÜHNE acht“ starten, würden alle sofort wieder mitmachen wollen. Ein größeres Kompliment können sich die Cottbuser Filmemacher nicht wünschen.