„Diplomat war er nie!“ – Kontroverse Diskussionen beim 8. Dean-Reed-Treffen

Auch 2014 trafen sich wieder Freunde, Kollegen und Fans des 1986 verstorbenen amerikanischen Schauspielers, Sängers und Friedensaktivisten Dean Reed anlässlich seines 76. Geburtstages.DR-Treffen 2014War in den vergangenen Jahren der Hanns-Eisler-Klub des Breitband e.V. in Potsdam-Rehbrücke Domizil der Treffen, wagten die Organisatoren in diesem Jahr wieder den Versuch, durch einen anderen, zentraler gelegenen Veranstaltungsort neue interessierte Gäste zum Besuch des Treffens zu animieren. Mit der REGENBOGENFABRIK in Berlin-Kreuzberg, einem sozialen Nachbarschaftsprojekt (mit Café, Hostel, Kino und Kita), fand man einen geeigneten Ort. Erfreulicherweise führte der unerwartete Besucherandrang schnell dazu, dass im kleinen Veranstaltungsraum die Plätze knapp wurden. Neben den Stammgästen des Treffens fanden sich auch ein paar Wenige ein, die zum ersten Mal am Dean-Reed-Treffen teilnahmen. Sie hatten erst kurz zuvor auf der Webseite von dem Treffen erfahren und wurden neugierig, wer oder was sich dahinter verbirgt.

Reinhold Andert

Reinhold Andert

Der Publizist F.-B. Habel führte als Moderator durch den Nachmittag und entlockte den anwesenden prominenten Gästen einige kleine Anekdoten aus ihrer Zusammenarbeit mit Dean Reed. So berichtete der Sänger Reinhold Andert, wie er 1972 Dean Reed kennengelernt hatte. Andert gehörte damals zum Vorbereitungsteam der X. Weltfestspiele in Berlin. Bei einem Empfang des damaligen Ersten Sekretärs des Zentralrates der FDJ, Günther Jahn, waren auch Reinhold Andert und Dean Reed geladen. Als Dean Reed das reichlich gedeckte Buffet sah und gleichzeitig die Reden der Funktionäre über den Hunger in der dritten Welt hörte, verließ Reed den Empfang, nicht ohne den Funktionären noch ein paar belehrende Worte mit auf den Weg zu geben. „Diplomat war er nie!“ sagte Reinhold Andert über Dean Reed und wie er selber damals diese pikante Situation erlebte. Zustimmung bei allen im Raum, die Reed persönlich kannten.

Kontrovers ging es bei der sich anschließenden Diskussion weiter, denn die Gesprächsrunde wurde kurzzeitig zu einem Polit-Talk über die Rolle der USA. Auslöser des Ganzen war eine US-Flagge, die im Veranstaltungsraum eigentlich der Dekoration dienen sollte (denn Dean Reed war Amerikaner und die Flagge sollte daran erinnern). Norbert Diener, Initiator der Dean-Reed-Webseite, war der Meinung, diese Fahne gehöre nicht zum Treffen, denn es sei die Fahne jenes Landes, welches weltweit Tod und Verderben bringt. Das wäre nie und nimmer im Sinne Dean Reeds gewesen!

Victor Grossman

Victor Grossman – (c) für alle Fotos: Thori, 2014

Der konsequenten Ablehnung der US-Fahne widersprach Victor Grossman, enger Freund und Vertrauter Reeds und selbst Amerikaner: „Man muss nicht die US-Politik lieben, aber man muss jene Amis lieben, die täglich ihren Kampf für Gerechtigkeit und Frieden führen und die auch die USA-Fahne tragen! Jedes Land hat nun mal seine ‚Schweine‘, gerade deswegen muss man differenzieren!“

In seiner kürzlich auf deutsch erschienenen Autobiografie „Crossing the River – Vom Broadway zur Karl-Marx-Allee“ setzt sich Grossman auch mit seinem Verhältnis zur USA auseinander.

Nicht weniger diskussionswürdig war an diesem Nachmittag das Dauerthema „Reeds ungeklärter Tod“. In der öffentlichen Diskussion, aber auch in den Einzelgesprächen der Gäste der Veranstaltung, zeigte sich schnell, dass jeder der Anwesenden so seine eigene Vermutung zum Tathergang hat. Allerdings, und das zeugt von Realitätsnähe, hat sich Keiner hingestellt und irgendwelche neuen Behauptungen oder Mythen aufgestellt. Das Thema bewegt immer noch, aber man akzeptiert, dass es wohl keine hundertprozentige Aufklärung geben wird.

Eigentlich erstaunlich – schon das achte Treffen, viele davon mit den gleichen Gästen, und man erfährt trotzdem immer wieder Neues. So auch von Mariana, die mit Dean Reed und dem damaligen Frauenschwarm Gojko Mitic in „Blutsbrüder“ vor der Kamera stand. Auf das „Verhältnis“ der Beiden angesprochen, sagte Mariana, dass sie sich eigentlich kollegial verhielten. (Nur zur Erinnerung: Reed und Mitic liebten die gleiche Frau!). Aber etwas fiel Mariana dann doch auf: Reed kam mit den Frauen und Kindern am Set gleich gut aus und war sehr beliebt. Bei Gojko Mitic hingegen hatte Mariana den Eindruck, dass er sich nur um die Frauen kümmerte bzw. sich die Frauen um Gojko bemühten. Da war scheinbar kein Platz für ein kleines Mädchen wie Mariana…

Kleine Anekdoten wie die von Mariana oder Reinhold Andert machen den Reiz der jährlichen Dean-Reed-Treffen aus. Die Besucher treffen Gleichgesinnte und interessante Gesprächspartner und erfahren aus den unterschiedlichsten Motiven heraus etwas über den Menschen Dean Reed, den die meisten von ihnen nie persönlich kennengelernt haben. Da darf man ruhig auch mal über Sinn oder Unsinn einer USA-Flagge als Dekoration nachdenken, denn die gehört eben auch zum Menschen Dean Reed!

Mehr Infos zu Dean Reed gibt es hier.

American Rebel Titel

Dieser Artikel wurde am 22.09.2014 in der Onlinezeitung “American Rebel” veröffentlicht.