Bornholmer Straße

Das Erste
Erstausstrahlung: 05.11.2014

Die Geschichte ist bekannt: Am 9. November 1989 holt SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski während einer Pressekonferenz einen Zettel aus der Tasche und verkündet beiläufig das Ende der DDR-Grenzkontrollen. Kurze Zeit später steht die halbe DDR an den Grenzübergangstellen und begehrt einen Blick in den goldenen Westen. Zu dumm nur, dass man den dortigen Grenzposten keine Anweisungen erteilt hat, wie sie mit der völlig neuen Situation umzugehen haben. Als der Druck der Massen immer stärker wird, entschließt sich Grenzoffizier Harald Jäger, an seinem Grenzübergang „Bornholmer Straße“ den Schlagbaum zu öffnen, ohne zu ahnen, dass er mit dieser Aktion Weltgeschichte schreibt…

25 Jahre später versuchen UFA Fiction, MDR, ARD Degeto und RBB, dieses historische Ereignis fiktional zu verarbeiten. In der Vergangenheit gab es immer mal Höhen und Tiefen, wenn es um filmische Vergangenheitsbewältigung geht. Den wenigen positiven Ergebnissen wie „12 heißt Ich Liebe Dich“ stehen auch einige weniger gelungene Produktionen wie „Weissensee“ oder der ZDF-Film „Das Wunder von Berlin“ gegenüber, die es mit Logik und Detailtreue nicht so genau nehmen!

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Da staunen die Genossen…
Bild: MDR/UFA FICTION/Nik Konietzny
Quelle: MDR/HA Kommunikation

„Bornholmer Straße“ wurde schon im Vorfeld hochgelobt als „emotionale Fernsehunterhaltung“ mit besonderer Erzählstruktur und einer „neuen Tonalität“ (Zitate laut Presseheft). Ernsthaft und zugleich humorvoll soll der Film sein.
Herausgekommen ist eine Mischung aus Persiflage und Drama. Die echten Grenzsoldaten, die durch ihr besonnenes Handeln mit dazu beitrugen, dass der Mauerfall ohne Blutvergießen in die Geschichte eingeht, werden sich bedanken, denn in vielen Szenen werden sie zu Witzfiguren der Geschichte degradiert, die sich zunächst erst einmal auf die Jagd nach einem vierbeinigen „Grenzverletzer“ machen. Ein kleiner Hund hatte es gewagt, die Grenzanlagen der DDR unerlaubt zu passieren. Parteisekretär Ulli Rotermund (Milan Peschel), ein Paragrafenreiter vor dem Herrn, nimmt sich der Sache an, sieht er doch in dem kleinen Gesellen eine reale Bedrohung für die Republik. Als wäre er damit nicht schon ausgelastet, futtern ihm die anderen Genossen auch noch seine Kekse weg.
Sicherheitsoffizier Burkhard Schönhammer (gespielt von Max Hopp) will die ganze Angelegenheit mit seiner „Lilly“, einem Scharfschützengewehr, beenden, kriegt aber das große Weinen, als die Meute ihm an die Wäsche will. Und Zollrat Michael Krüger (Robert Gallinowski) rettet sich in die Arme seiner Mutter (Margit Bendokat), die am Grenzübergang für die Pausenversorgung der Soldaten zuständig ist.

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Die Menschenmenge rückt immer näher an den Schlagbaum an der Grenzübergangsstelle Bornhomer Straße. Harald Schäfer (Charly Hübner) ahnt schon, dass er bald eine Entscheidung treffen muss.
Bild: MDR/Nik Konietzny
Quelle: MDR/HA Kommunikation

Oberstleutnant Harald Schäfer (Charly Hübner, dessen Protagonist dem wahren Harald Jäger nachempfunden ist) hat mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen und ruft alle paar Minuten bei seinem Vorgesetzten Oberst Kummer (grandios: Ulrich Matthes) an, um zu erfahren, ob es denn mal einen Befehl gibt. Kummer wiederum wartet selber auf eine Anweisung von ganz oben und ist dem Wahnsinn nahe, weil er auch nicht weiß, was er machen soll. Um Schäfer erst mal zu besänftigen, gibt Kummer ihm den Befehl, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen und die größten Schreihälse ausreisen zu lassen, nicht ohne vorher den Personalausweis ungültig zu stempeln, damit die Bürger nicht mehr zurück in die DDR können. Schäfer und seine Genossen freuen wie kleine Kinder und tanzen im Wachlokal, dass sie endlich einen Befehl bekommen haben.Vollends zur Satire wird „Bornholmer Straße“, als der Botschafter aus Mosambik in die DDR einreisen will, von Schusters Magen-Darm-Problemen erfährt und durch Handauflegen Schäfer kuriert.

Und dann ist da noch die obligatorische Liebesgeschichte, ohne die heutzutage wohl keine zeitgeschichtliche Verfilmung mehr auskommt. Oberfeldwebel Axel Hoffmann (Ludwig Trepte) macht seinen Dienst vor dem Schlagbaum, als plötzlich seine Freundin mit dem ach so typisch ostdeutschen Namen Melitta (Jasma Fritzi Bauer) auftaucht. Sie reiht sich in die Menschenmenge ein und fordert wie alle anderen „Macht das Tor auf!“. Als auch Melitta die Möglichkeit hat, auszureisen, weigert sich Axel Hoffmann, die Tür zum Ausreisepunkt zu öffnen – weiß er doch, dass Melitta nicht mehr zurück kommen darf und seine große Liebe für immer im Westen bleiben muss
Sein Glück ist, dass Oberstleutnant Schäfer irgendwann dem Druck der Massen nachgibt und den Schlagbaum öffnet. Der Rest ist Geschichte und wird durch das Abschalten der Monitore im Lagebüro noch einmal deutlich vor Augen geführt.

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Manfred (Thorsten Merten) Monika (Ursula Werner); Ines (Katharina Lorenz) und Melitta (Jasna Fritz Bauer) fordern vor dem Grenzübergang mit vielen anderen die Öffnung des Schlagbaums und warten auf eine Reaktion der Grenzsoldaten.
Bild: MDR/Nik Konietzny
Quelle: MDR/HA Kommunikation

Christian Schwochow führte bei „Bornholmer Straße“ Regie und verfilmte das Drehbuch seiner Eltern Heide und Rainer Schwochow, die 1989 an genau diesem Grenzübergang Zeugen der Ereignisse wurden. Das grandiose Darstellerensemble (in weiteren Rollen sind u.a. Ursula Werner, Frederick Lau, Hermann Beyer und Thorsten Merten zu erleben) rettet den Film. Charly Hübner kommt wie ein tapsiger Bär daher, strahlt dabei Autorität und Verletzlichkeit zugleich aus.
Ulrich Matthes überzeugt als Oberst Kummer, der von seinen Vorgesetzten allein gelassen wird und sich dem Alkohol zuwendet, um sich die aufkommende Krise schön zu trinken.

Ganze Arbeit leisteten die Maskenbilder um Wolfgang Böge. Hilmar Eichhorn als General Werner Geiger war Erich Mielke, dem Vorbild des Filmcharakters, wie aus dem Gesicht geschnitten.

Fazit: „Bornholmer Straße“ hält nicht, was im Vorfeld versprochen wurde, weil sich die Verantwortlichen nicht entscheiden konnten, ob es nun eine Komödie oder eine detailgetreue Verfilmung eines zeitgeschichtlichen Ereignisses werden soll. Die realen Akteure, die im Film eher zu weinerlichen Antihelden gemacht werden, bewiesen 1989 mehr Mut.

Besuch am Set von „Weissensee“

In Berlin und Umgebung laufen derzeit die Dreharbeiten zur dritten Staffel von „Weissensee“, eine der wichtigsten Serien von ARD in Verantwortung des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR).

Pressetermin am Set von "Weissensee", 04.11.2014

Der Hauptcast am Set „Stasi-Zentrale“ zusammen mit Roland Jahn (Leiter Stasi-Behörde, 2.v.l), Produzentin Regina Ziegler (3.v.l. im lila Kostüm ), Regisseur Friedemann Fromm (hintere Reihe, in Schwarz) und Jana Brandt (MDR, ganz rechts)

Die mit zahlreichen Preisen honorierte Serie nimmt nach Aussagen von Regina Ziegler, Produzentin von „Weissensee“, ihren Weg durch die Welt: „Kürzlich liefen wir in New York im Museum of Modern Art, auch Schweden und Russland strahlten die Serie aus. Im italienischen Fernsehen RAI lief ‚Weissensee“ in diesem Sommer mit Höchstquoten.“

Pressetermin am Set von "Weissensee", 04.11.2014

General Hans Kupfer (Uwe Kockisch) mit seiner Frau Marlene (Ruth Reinecke, links) und Dunja Hausmann (Katrin Saß)

Die dritte Staffel beleuchtet den Zeitraum zwischen dem 9. November 1989 (Fall der Mauer) und dem 15. Januar 1990 (Sturm auf die Stasi-Zentrale in Berlin). Für die Film-Familien Kupfer und Hausmann ändert sich Einiges. Was in der zweiten Staffel Brüche bekam, zerfällt in der neuen Staffel endgültig. Gleichzeitig machen sie die Protagonisten bereit für einen neuen Aufbruch.

Für Regina Ziegler, Regisseur Friedemann Fromm und Jana Brandt (ausführende Produzentin MDR) ist es eine große Genugtuung, daß die hochkarätige Besetzung zusammengehalten werden konnte.

Pressetermin am Set von "Weissensee", 04.11.2014

Die Journalistin Katja Wiese (Lisa Wagner) und Marin Kupfer (Florian Lukas)
(C) für alle Fotos: Thori, 2014

Das Schauspielerensemble wurde geringfügig geändert, um die Handlung weiter voran zu treiben. So kämpft Martin Kupfer (gespielt von Florian Lukas) mit Hilfe der westdeutschen Journalistin Katja Wiese (Lisa Wagner) um seine Tochter Anna, die inzwischen in Westberlin lebt. Dunja Hausmann (Katrin Saß) und Vera Kupfer (Anna Loos) schließen sich der Bürgerrechtsbewegung in der DDR an, um das Land demokratisch umzugestalten. Auch Familienoberhaupt General Hans Kupfer (Uwe Kockisch) tritt für Dialog und Verständigung ein, während sein Sohn Falk (Jörg Hartmann) mit anderen Hardlinern die Kontrolle im Land behalten will und bereit ist, dafür alles zu tun.

Geplant ist die Ausstrahlung der dritten Staffel „Weissensee“ im Herbst 2015.

Drehstart für die neuen Berliner Tatort-Kommissare

Pressetermin des RBB mit Meret Becker und Mark Waschke in Berlin, 04.11.2014In der Hauptstadt begannen die Dreharbeiten für den neuen Tatort des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Das Drehbuch schrieb Stefan Kolditz, Regie führt Grimme-Preisträger Stephan Wagner.

Bei einem Pressetermin vor dem „Zoo-Palast“ präsentierten sich am 4. November die beiden neuen Tatort-Kommissare Meret Becker und Mark Waschke den anwesenden Journalisten sowie zahlreichen schaulustigen Passanten.

In ihrem ersten Fall ermitteln die beiden Kommissare Nina Rubin (gespielt von Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) im Milieu obdachloser Jugendlicher. Eine leere Ferienwohnung entpuppt sich als blutiger Tatort, nur von der Leiche fehlt jede Spur. Die Geschwister Jo und Ronny, die untergetaucht sind, könnten die passenden Hinweise zum Tathergang geben. Rubin und Karow machen sich im Wettlauf gegen die Zeit auf die Suche nach den Beiden….

Gedreht wird u.a. am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER), am Bahnhof Zoo, im Plänterwald sowie in Mitte, Kreuzberg und Wilmersdorf.

Geplant ist die Ausstrahlung im Frühjahr 2015.Pressetermin des RBB mit Meret Becker und Mark Waschke in Berlin, 04.11.2014

(c) für alle Fotos: Thori, 2014