Thekla Reuten

Thekla Reuten ist eine niederländische Schauspielerin.

Sie wurde am 16. September 1975 in Bussum / Niederlande geboren. Direkt nach dem Schauspielstudium in Amsterdam begann ihr Aufstieg zu einer der erfolgreichsten Schauspielerinnen Europas. So spielte sie in den Oscar-nominierten Filmen “Jeder ist ein Star” und “Die Zwillinge” mit. Für den Film “Brügge sehen und sterben” stand sie sogar hochschwanger vor der Kamera. Auf der Berlinale 2004 wurde Thekla Reuten als “Shooting Star” ausgezeichnet.

Thekla Reuten spricht neben Holländisch auch Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch. Für den Kurzfilm “Das kurze Leben der Anne Frank” wurde Thekla Reuten als Sprecherin gewonnen, sie spricht dabei auch die ausländischen Sprachfassungen.

Everybody’s Famous – Jeder ist ein Star

Everybodys FamousOriginaltitel: Iedereen beroemd!
Frankreich, Belgien, Niederlande 2000
Kinostart Deutschland: 07.02.2002
ca. 97 min

Jean (Josse De Pauw) ist ein einfacher Fabrikarbeiter und arbeitet am Fließband. Sein größter Wunsch ist es, daß seine Tochter Marva (Eva van der Gucht) eine erfolgreiche Sängerin wird. Dabei scheitert diese ständig bei örtlichen Gesangswettbewerben kläglich. Das liegt nicht nur daran, daß Marva etwas pummelig ist, sondern auch, weil ihre Gesangskünste wirklich bescheiden sind. Aber das kann einen Vater wie Jean nicht davon abhalten, einen Song zu komponieren, auch wenn Marva mittlerweile von den Bemühungen ihres Vaters genervt ist.

Als Jean auch noch seinen Job verliert, entführt er in seiner Verzweiflung mit seinem Kumpel Willy (Werner De Smedt) die beliebteste Sängerin des ganzen Landes, Debbie (Thekla Reuten). Als „Lösegeld“ fordert Jean von Debbies Manager, daß der eine Platte mit Marva aufnimmt, natürlich auch mit seinem Lied. Alles läuft prima – zunächst. Denn die Platten der Geisel verkaufen sich plötzlich wie verrückt und bescheren dem Manager somit eine Menge Geld. Also warum soll er Debbie zurücknehmen?

Willy verliebt sich auch noch in Debbie und brennt mit ihr durch. Die ganze Sache scheint Jean aus den Händen zu gleiten, denn die Polizei rückt auch schon an…

Was sich wie die Story eines Thriller anhört, ist eine amüsante Komödie des flämischen Regisseurs . Glücksgriff bei der Wahl der Darsteller war sicherlich die Besetzung der Debbie mit dem niederländischen Filmstar Thekla Reuten, bei uns eher bekannt aus Filmen wie „Rosenstrasse“ oder „Zwillinge„. In „Ledereen Beroemd“ (so der Originaltitel des Films) zeigt Thekla Reuten, daß sie nicht nur gut schaupielern, sondern auch singen kann, denn die beiden Gesangstitel der Debbie wurden von Thekla Reuten eingesungen und erschienen sogar als Single-Auskopplung im Nachbarland. Auch die Titelmelodie „Lucky Manuelo“ wurde im Original von Marva alias Eva van der Gucht interpretiert. Und ganz nebenbei gibt es im Film noch Gastauftrite von Freddy Mercury- und Julio Iglesias-Doubles.

Josse De Pauw spielt den einfachen Mann, den Verlierer, der nicht aufgibt und an seine Träume glaubt, so stark, daß man ihm die Rolle ohne Zweifel abnimmt. Werner De Smedt als Willy dagegen wirkt manchmal etwas zu bemüht, den einfachen Menschen darzustellen.

„Jeder ist ein Star“ ist einerseits eine Milieustudie der Bewohner einer Siedlung, deren einziger Arbeitgeber Pleite macht, und auf der anderen Seite ist der Film Zeugnis über die Machenschaften im Showgeschäft und die Macht der Medien. Das wird besonders dann auffällig, wenn die entführte Debbie die Fernsehnachrichten Ihrer eigenen Entführung kommentiert.

Der Film ist sehr unterhaltsam, auch wenn er nicht der große Abräumer in den Kinos war. Aber gute europäische Filme haben es meistens immer schwerer, das richtige Publikum zu finden. Die den Film gesehen haben, waren beigeistert und vergaben Publikumspreise an diesen Film. 2001 folgte eine Nominierung für den Oscar als bester fremdsprachiger Film.

Filmkritik veröffentlicht:

03.03.2008 Zelluloid klein

Die Zwillinge (Twin Sisters)

TwinSisters_Plakat-D-1Originaltitel: De Tweeling
Niederlande, Luxemburg 2002
Kinostart Deutschland: 07.10.2004

1926: Nach dem Tod ihrer Eltern werden die sechsjährigen Zwillinge Lotte und Anna Bamberg getrennt. Während die an Tuberkulose erkrankte Lotte zu weitläufigen Verwandten in die Niederlande abgeschoben wird, kommt Anna bei Ihrem Onkel Heinrich (Ingo Naujoks) unter. Statt wie alle anderen Mädchen in ihrem Alter die Schulbank zu drücken, muß Anna auf dem Bauernhof ihres Onkels Schwerstarbeit leisten. Sie wünscht sich so sehr, ihre Schwester wieder zu sehen. Auch Lotte, inzwischen genesen, schreibt Briefe an ihre Schwester. Doch Lottes Pflegeeltern schicken die Briefe nicht ab. Und so glaubt jede der Schwestern, daß der andere Zwilling nicht mehr von Einem wissen will. Hinzu kommt, daß sowohl Onkel Heinrich als auch Lottes Pflegeeltern die jeweils andere Partei schlecht reden…

Zehn Jahre sind aus den kleinen Mädchen bildhübsche Teenager geworden. Aber auch die Zeiten haben sich geändert. Anna (Nadja Uhl) schuftet immer noch für ihren Onkel und verliebt sich in Bernd, einem überzeugten Nationalsozialisten. Als Heinrich von der Beziehung erfährt, schlägt er Anna halbtot. Der Dorfpfarrer findet die bewußtlose Anna und rettet sie aus den Klauen ihrer Verwandtschaft. Anna ist endlich frei und lernt auf an einer Haushaltsschule.

Auch Lotte (Thekla Reuten) hat sich verliebt. David ist der Sohn jüdischer Freunde ihrer Familie. Aber noch immer gibt es keinen Kontakt zu ihrer Schwester.

Wieder vergehen Jahre. Anna hat inzwischen eine Anstellung bei einer Gräfin (Barbara Auer) bekommen. Lotte macht Heiratspläne mit ihrem David. Durch Zufall findet sie in einer Schatulle die nie abgeschickten Briefe an ihre Schwester. Sie stellt ihre Pflegeeltern zur Rede und erfährt die Wahrheit. Sofort beschließt Lotte, Kontakt zu Anna aufzunehmen, um sie zu besuchen.

Trotz großer Wiedersehensfreude bleibt Lotte distanziert zu Anna. Sie bietet Anna an, sie mit nach Holland zu nehmen, damit Anna aus dem nationalsozialistisch regierten Deutschland raus kommt. Anna lehnt ab, verspricht aber Lotte, sie sobald wie möglich zu besuchen. Bei der Verabschiedung verletzt sie unbewußt Lottes Gefühle, als sie abfällig über David, Lottes Verlobten, spricht. Lotte bricht erneut den Kontakt zu Anna ab. Sie merkt, daß sie auf Grund ihrer räumlichen Trennung kaum noch Gemeinsamkeiten haben.

Nach der Besetzung Hollands durch die Deutschen wird David ins KZ verschleppt. Davids Familie findet Unterschlupf bei Lottes Pflegeeltern. Anna heiratet den SS-Mann Martin und macht mit ihm bereits Pläne für die Zeit nach dem Krieg, als sie Nachricht vom Tod ihres Mannes erhält. Auch David hat das KZ nicht überlebt.

1947 macht sich Anna auf nach Holland zu Lotte, die inzwischen Davids Bruder geheiratet und von ihm ein Baby bekommen hat. Lotte weigert sich, mit Anna deutsch zu sprechen. Zu groß ist der Haß auf alles Deutsche. Als sie in Annas Tasche auch noch Annas Hochzeitsfoto mit Martin in SS-Uniform entdeckt, schmeißt sie Anna aus dem Haus und bricht vollständig mit ihr.

Ein halbes Jahrhundert vergeht. Zufällig kreuzen sich die Wege der Schwestern in einem Kurhotel in Belgien. Anna (Gudrun Okras) versucht mit allen Mitteln, mit Lotte (Ellen Vogel) wieder ins Gespräch zu kommen, doch diese blockt weiterhin ab und ignoriert sie, weil sie immer noch Anna für Davids Tod verantwortlich macht. Verzweifelt kämpft Anna um die Liebe ihrer Schwester. Sie folgt Lotte in einen Wald und erreicht zumindest, daß Lotte ihr zuhört. Erst als Anna zusammenbricht, besinnt sich Lotte und versöhnt sich wieder mit ihrer Schwester.

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Nadja Uhl und Thekla Reuten als Schwestern Anna und Lotte

Die Verfilmung des gleichnamigen Bestellers von Tessa de Loo war 2003 der erfolgreichste Film im Nachbarland und wurde zu Recht für den Oscar in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ nominiert.

Der Film „Die Zwillinge“erzählt die Geschichte zweier Menschen über Jahrzehnte hinweg und ist gleichzeitig ein beeindruckendes Sittengemäde der damaligen Zeit. Er zeigt dramatisch auf, wie sich zwei Menschen mit scheinbar gleichen Voraussetzungen durch eine unterschiedliche territoriale und soziale Umgebung entwickeln. Auch wenn die Handlung überwiegend während der NS-Zeit spielt, ist es glücklicherweise nicht der xte Versuch, einen Historienfilm über jene Zeit zu drehen. Trotzdem werden dem Zuschauer Geschehnisse und Zusammenhänge der damaligen Zeit anhand des Schicksals der Zwillingsschwestern begreiflich gemacht.

Zum Gelingen des Filmes trägt in erster Linie die Besetzung bei. Der Regisseur des Film, Ben Sombogaart, legte Wert auf Authentizität. So sollten unbedingt deutsche Rollen von deutschen Schauspielern besetzt werden. In Nadja Uhl fand Sombogaart die ideale „junge“ Anna. Die Rolle der jungen Lotte übernahm Hollands Star Thekla Reuten, die bereits in mehreren Filmen ihre Klasse bewies und mittlerweile gesamteuropäisch als Schauspielerin bekannt ist.

Die Rollen der beiden „alten“ Schwestern übernahmen Gudrun Okras und Ellen Vogel, die beide über jahrzehntelange Schauspiel- Erfahrung verfügen. Beide haben zudem die NS-Zeit selbst er- und überlebt und wußten somit genau, wie sie ihre Rollen anlegen mußten.

Die Szenen im Kurhotel bilden dabei die Rahmenhandlung für die eigentliche Geschichte, dem Auseinanderleben der Zwillinge. Um die zeitliche Distanz auch anschaulich zu machen, werden die Szenen der sechsjährigen Kinder in schwarz-weiß gezeigt. Die Jugendzeit der Zwillinge wird zwar mit etwas mehr Farbe, aber überwiegend in Braun- und Rottönen, dargestellt. Lediglich die Szenen der „alten“ Zwillinge blieben unverändert. Weiterer Pluspunkt sind die Beibehaltung der Originaldialoge. So werden die Gespräche der holländischen Akteure lediglich in deutsch untertitelt.

Mit „Die Zwillinge“ gelang Regisseur Sombogaart ein zu Herzen gehendes filmisches Kunstwerk. Trotz einer Filmlänge von 131 Minuten kommt nie Langeweile auf, weil der Film seine Spannung aus dem Schicksal der getrennten Zwillinge und deren Versuch, wieder zusammenzukommen, bezieht. Ein beeindruckendes Meisterwerk mit einem dramatischen Blick auf die deutsch-holländische Geschichte.

Auszeichnungen:
2003 OSCAR-Nominierung “Bester ausländischer Film”

Alle Bilder: © Kinowelt

Filmkritik veröffentlicht:
20.11.2008 Zelluloid klein