300 kg Haselnüsse für Aschenbrödel

Sollte in den nächsten Wochen der Weltmarkt für Haselnüsse zusammenbrechen, das Schloß Moritzburg ist gewappnet. Insgesamt 300 kg wurde eingelagert, Nachlieferungen sind jederzeit möglich. Aber wofür brauchen die Moritzburger soviele Haselnüsse? Reichen nicht 3 Haselnüsse für Aschenbrödel?

Aschenbrödel-Ausstellung im Schloss Moritzburg

v.l.n.r.: Carina Primpke (Kuratorin), Steffen Retzlaff (Kurator), Aschenbrödel, Dr. Christian Striefler (Geschäftsführer Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH), Margitta Hensel (Kuratorin)

Die Antwort auf diese Frage erhalten Besucher der Winterausstellung auf Schloß Moritzburg. Nach zweijähriger Unterbrechungspause kehrt die beliebte Ausstellung zum Märchenfilm „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ an jenen Ort zurück, wo vor Jahrzehnten Teile der Dreharbeiten stattfanden. Über 600 000 Besucher sahen bereits die vergangenen fünf Ausstellungen.

Völlig neu gestaltet wurde die Ausstellung in diesem Jahr. Das Kuratorenteam Steffen Retzlaff und Carina Primpke forschte in den vergangenen Jahren intensiv nach neuen Details zu einem der schönsten Märchenfilme dieses Planeten. Ergebnisse dieser Forschungen werden auf etwa 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche in 10 Räumen präsentiert. Zusammen mit den Gestaltern der Dresdner Agentur „whitebox“, Daniel Sommer und Christian Frommelt, wurde eine völlig neue Erlebniswelt geschaffen. Eintauchen in die Welt des Films im Allgemeinen und die von Aschenbrödel im Speziellen lautet das Prinzip!

Schon bei Betreten der Ausstellung wird der Besucher in eine andere Welt versetzt: Ein Kinofoyer wurde nachgebaut mit einer Kinokasse. Die Kartenverkäuferin wird als Hologramm zum Leben erweckt. Vom Foyer geht es sprichwörtlich durch die Leinwand in den Film.Aschenbrödel-Ausstellung im Schloss Moritzburg

Überhaupt beruht das Konzept der Ausstellung auf Multimedia und viele audiovisuelle Effekte. Der Besucher darf an Knöpfen drehen und kann sich so Szene für Szene durch die Dreharbeiten führen lassen. An anderer Stelle geben große Touchscreens Hintergrundinfos zu den Darstellern. In einem Raum kann man sich Tonbeispiele anhören. Sogar echte Baumstämme wurden in die Ausstellung integriert.
Natürlich dürfen auch ein paar der Originalrequisiten und -kostüme nicht fehlen. Auch im Außenbereich finden sich ein paar Stationen, die es zu entdecken gibt.Aschenbrödel-Ausstellung im Schloss Moritzburg

Und was hat das nun mit den 300 kg Haselnüssen zu tun? Ganz einfach, der Besucher erhält zu Beginn der Ausstellung eine Haselnuss, die während des Rundgangs mehrfach eine wichtige Rolle spielen wird. „Folge der Haselnuss!“, lautet das Motto.
Um auf den Besucheransturm vorbereitet zu sein, haben die Ausstellungsmacher voraus gedacht und eben jene 300 kg Haselnüsse geordert, damit auch jeder Besucher in die Welt von „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ eintauchen kann. Bis zum 28. Februar 2016 besteht Gelegenheit dazu.

Mehr Infos zu Öffnungszeiten und Eintrittspreise gibt es unter www.schloss-moritzburg.de

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Lausitzer Filmemacher gründen Netzwerk

25-FFCottbus-Marke-long-I_weiss_webWie können regionale Themen filmisch verarbeitet werden? Wie können sich Lausitzer Filmemacher überregional präsentieren? – Zwei von vielen Fragen, die sich Filmemacher aus der Lausitz bei einem informellen Zusammentreffen während des Filmfestivals Cottbus stellten.
Neben Spiel- und Dokumentarfilmern waren auch Initiatoren kleinerer Filmfestivals in der Lausitz und Vertreter öffentlicher Gremien anwesend.

Eingeladen waren auch Vertreter der für die Lausitz zuständigen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und Filmförderanstalten. Aber die Abwesenheit des MDR, des Medienboard Berlin-Brandenburg sowie der Mitteldeutschen Medienförderung zeigten deutlich, welchen Stellenwert der Lausitzer Film bei diesen Gremien genießt. Lediglich der Rundfunk Berlin-Brandenburg war mit Hellmuth Henneberg, Redaktionsleiter im Studio Cottbus, vertreten.
Kritik wird besonders am Medienboard Berlin-Brandenburg geübt. „Während anderen Produktionen das Geld praktisch nachgeworfen wird bzw. ein Großteil in Berlin verbleibt, schaffen es die kleineren, regionalen Filmproduktionen nicht mal bis zur Sekretärin!“, so die etwas überspitzte übereinstimmende Meinung.

Ideen für spannende Filme mit regionalem Bezug gibt es viele. Schnell kristallisierte sich in der Diskussion jedoch heraus, dass den Lausitzer Filmschaffenden eine Lobby fehlt. Viele der anwesenden Filmemacher kritisierten die fehlende Filmförderung bzw. die bürokratischen Hindernisse, um überhaupt gefördert zu werden. So musste Reiner Nagel mit seiner Filmproduktion „ostwärts film“ ein Projekt begraben, weil er trotz prominenter Unterstützung von u.a. der diesjährigen Literaturnobelpreisträgerin Svetlana Alexijewitsch den Film nur zu 50% finanzieren konnte. Dokumentarfilmer Donald Saischowa hat schon seit Jahren keinen Film mehr mit Fördergeldern gedreht.
Auch Clemens Schiesko kommt notgedrungen ohne Filmförderung aus: „Die Energie, die ich aufbringen muss, um mich um Fördermöglichkeiten zu kümmern, wandle ich lieber in Kreativität beim Filmedreh um. Und wenn nur Geld für zwei Schauspieler und einen Scheinwerfer da ist, dann überlege ich eben, wie ich die beiden Schauspieler mit dem einem Scheinwerfer trotzdem ins richtige Licht setzen kann!“

Aber nicht nur die Filmförderung macht den Teilnehmern Sorge. Dr. Grit Lemke, die sowohl beim Dok-Festival in Leipzig als auch beim Cottbuser Filmfestival als Kuratorin aktiv ist, fasst drei Schwerpunkte zusammen: die „Graswurzelgeschichte“, also der Umgang mit der Heimatgeschichte und den hiesigen Traditionen, das überregionale Filmschaffen mit internationalen Vermarktungschancen und das audiovisuelle Erbe mit der Bewahrung und Konservierung vorhandener Filme.

2015-11-06_FFC_Netzwerktreffen_(c) Thori

v.l.n.r. Dr. Grit Lemke, Sabina Siegowa, Clemens Schiesko

Hellmuth Henneberg versucht, die Ängste ein wenig zu nehmen: „Beim RBB gibt es vier Sendeplätze für regionale Themen. Ich bin für jedes interessante Thema oder für gute Filmstoffe dankbar, die mir angeboten werden. Gerne bin ich auch bereit, diese Ideen vor den Entscheidungsträgern beim Sender zu verteidigen!“.
Von der vorgebrachten Idee, eine Trainingsinitiative zu starten, um hiesigen Filmemachern zu zeigen, wie man ein Filmprojekt bei Produzenten oder potentiellen Geldgebern vorstellt, hält er nicht viel. Für diese Trainingsinitiative wären kurzfristig sogar 10.000 Euro verfügbar.

Auch Erik Schiesko, wie sein Bruder Clemens auf Kurz- und Spielfilme spezialisiert, spricht sich dagegen aus: “Von den Leuten, die hier sitzen, braucht niemand eine Weiterbildung, wie man ein gutes Drehbuch schreibt oder wie man einen Film entwickelt. Das Geld, dass man sicherlich den Lektoren und Referenten zahlen müsste, sollte lieber direkt in die Filmarbeit gesteckt werden!“

Dass das nicht so einfach ist, zeigt sich daran, dass solche Gelder oft zweckgebunden sind. Hinzu kommt, dass das Land Sachsen andere Fördermöglichkeiten bietet als Brandenburg. „Lausitziale“-Vorstand Holger Fahrland schlägt deshalb vor, von zwei Seiten aus zu fördern. Als gelungenes Beispiel, wie so etwas funktionieren kann, nennt er den Industriepark Schwarze Pumpe, der genau auf der Ländergrenze zwischen Sachsen und Brandenburg steht und wo Fördergelder beider Länder drin stecken.

Die optimale Lösung für die Probleme der Lausitzer Filmemacher sieht Cosima Stracke-Nawka von der sächsischen Landesmedienanstalt in der Schaffung eines „Filmbüro Cottbus“, das alle Aktivitäten koordinieren könnte. Sie gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass die Umsetzung dieses Projektes ziemlich schwierig sein dürfte, zumal überhaupt nicht klar ist, wie das personell bewerkstelligt werden kann.
Ein Kompromiss könne sein, sich untereinander zu vernetzen und gegenseitig zu helfen und die Kräfte zu bündeln. Grit Lemke schlägt vor, gleich Nägel mit Köpfen zu machen und initiiert unter Zustimmung aller Anwesenden die Gründung des „Filmnetzwerkes Lausitz“. Eine Datenbank soll zunächst aufgebaut werden, in die sich Lausitzer Filmemacher eintragen und auf sich aufmerksam machen können. Bei regelmäßigen Treffen sollen die weiteren Schritte besprochen werden.

Grit Lemke, Ola Staszel vom Neißefilmfestival, Sabina Siegowa von der „Stiftung für das sorbische Volk“ und Cosima Stracke-Nawka wollen sich zunächst darum kümmern, das Netzwerk fester zu knüpfen und damit zum Laufen zu bringen.

Einbringen soll sich aber jeder, dem das Lausitzer Filmschaffen eine Herzensangelegenheit ist. Auch das Filmfestival Cottbus wird mit ins Boot geholt. In der Sektion „Heimat/Domownja“ sollen im nächsten Jahr mehr Filme mit lausitzer und sorbischen Themen vorgestellt werden. Durch die anwesenden Fachbesucher erhofft man sich dadurch auch mehr Aufmerksamkeit für das regionale Filmschaffen. Programmdirektor Bernd Buder sagte spontan seine Unterstützung zu und will mit der Festivalleitung die Ideen und Vorschläge des Abends prüfen.

Bleibt also nur noch zu hoffen und zu wünschen, dass der Film in der Lausitz endlich sein Nischendasein verlässt und den Weg in die weite Filmlandschaft findet. Mit vereinten Kräften aller Filmenthusiasten sollte es dann auch möglich sein, Film-Fördergelder hier in die Region zu holen und den Regisseuren, Kameramännern, Schnitttechnikern und allen anderen an einem Filmprojekt Beteiligten eine angemessene Bezahlung zu ermöglichen. Der Anfang ist zumindest schon mal gemacht….

„Reizvolle“ Eindrücke beim Filmfestival

25-FFCottbus-Marke-long-I_weiss_webReizvolle Filme im wahrsten Sinne des Wortes erlebten die Besucher der beiden Veranstaltungen im Cottbuser Planetarium. Reizvoll deshalb, weil die bisherigen Sehgewohnheiten durch eine Reizüberflutung auf Grund der riesigen Kuppel-Leinwand nicht mehr gelten.
Fulldome-Kino lautet des Zauberwort. Das sind Filme, die speziell für gewölbte Leinwände konzipiert wurden und dem Zuschauer einen 360-Grad-Blick auf die Handlung ermöglichen.

Gezeigt wurde die Festival-Rolle – bereits prämierte Kurzfilme diverser Fulldome-Festivals. Insgesamt 14 Filme wurden dem erwartungsvollen Publikum an diesem Abend gezeigt.

Bereits der erste Film „Raumschwindel“ zeigte deutlich, welche Möglichkeiten sich in dieser Filmsparte ergeben. Kaleidoskopartig wechseln Bilder und Muster ihren Platz im Raum und nehmen den Zuschauer mit auf eine Reise in die Unendlichkeit. Spiralen und Wirbel sorgen zusätzlich dafür, dass die Sinne überfordert werden. Viele Zuschauer waren nach der Vorstellung der Meinung, dass bereits dieser Auftaktfilm eine Herausforderung bei der Wahrnehmung der Bilder war.
Den Blick aus Sicht eines in einem Glas gefangenen Insektes auf seinen Peiniger zeigt „Petty Tyrant“. Nicht nur das Ende dieses Filmes ist überraschend und erheiternd.
Zu einem animierten Stadtrundgang durch Torun lädt der Film „Kaleidoskop von Torun“ ein. Durch enge Straße und über weite Plätze geht es in eine Kirche, wo sich schließlich die Bilder wie ein Mosaik zusammenfügen.
Dass Fulldomefilme nicht nur animiert oder am Computer generiert werden, zeigt „Hit the silk“ – ein Film über das Fallschirmspringen mit realen Menschen. Durch den Rundumblick hat man das Gefühl, Teil der Fallschirmsprunggruppe zu sein.

Mit der Einbeziehung des Planetariums in das Filmfestival gelang den Programmverantwortlichen ein genialer Coup, der sicherlich bei dem einen oder anderen Zuschauer den Wunsch nach Wiederholung auslöste – trotz oder gerade wegen der Reizüberflutung.

6.3 Specials Fulldome PETTY TYRANT

„Petty Tyrant“ – (c) Filmfestival Cottbus

Viel Zuspruch für „Auf der Suche“ beim Cottbuser Filmfestival

25-FFCottbus-Marke-long-I_weiss_webIm Rahmen des 25. Filmfestival Cottbus stellte Filmemacher Erik Schiesko am Dienstagnachmittag sein neuestes Projekt vor. Mit „Auf der Suche“ – so der Name des Filmes – wagt sich Schiesko auf neues Terrain. Zum ersten Mal wird ein Film interaktiv auf die Kinoleinwand gebracht, d.h. es entsteht ein Spielfilm mit Computerspieleinlagen. Oder, je nach Betrachtungsweise, ein Computerspiel mit Filmsequenzen.

Erfahrungen, ob und wie es funktioniert, gibt es bisher noch nicht. Entsprechend tief stapelt Erik Schiesko bei der Vorstellung des „Making Of“ zum Film in der Kammerbühne in Anwesenheit einiger Mitwirkender, darunter Hauptdarstellerin Vanessa Jordan-Heinrich in Vertretung des erkrankten Leander Linz. „Was Sie gleich sehen werden, sind etwa 10% von der Endfassung. Vieles ist noch unbearbeitet oder muss noch programmiert werden. Wir wissen selber nicht, wie es auf der großen Kinoleinwand wirkt und bitten deshalb um Ihre Anregungen!“, entschuldigt sich Erik Schiesko schon mal vorab.

2015-11-03_FFC_Auf der Suche_(c) Thoralf Haß

v.l.n.r.: Robert Baruck (Programmierer), Erik Schiesko (Regie), Olaf Pöschk (Spieldesign), Vanessa Jordan-Heinrich (Hauptdarstellerin)

Die Handlung des Filmes ist schnell erzählt: Ein junger Reporter kommt einer Verschwörung auf die Schliche. Er findet in einem Archiv einen Artikel aus den 80er Jahren, welcher seinen Tod beschreibt. Auf der Suche nach der Wahrheit deckt der Held nach und nach die Geschichte einer verflossenen Liebe auf, die für sein eigenes Schicksal verantwortlich scheint.
Die Filmsequenzen wurden komplett in der Lausitz gedreht, u.a. in Cottbus, Jänschwalde oder Forst.

Zunächst startet „Auf der Suche“ wie ein gewöhnlicher Spielfilm. Ein Sprung ins Jahr 1986 zeigt, wie sich ein junges Paar findet. Dialoge, Filmmusik, Vorspann – alles wie gehabt. Dann der Sprung in die Gegenwart. Plötzlich friert das Bild ein. Nun muss der Zuschauer am Computer durch Lösen verschiedener Aufgaben herausfinden, wie die Handlung fortgesetzt werden kann. Lukas Schuck, Schauspieler an der „BÜHNE acht“, traut sich diesen Part zu. Und während sich Lukas durch die virtuellen Welten klickt, erläutern Erik Schiesko, Spieldesigner Olaf Pöschk und Programmierer Robert Baruck den Zuschauern, was später zu beachten sein wird und wie das Konzept der Interaktivität funktioniert.

„Es war für mich, der nicht so oft am Computer spielt, einfach, die Aufgabenstellung zu verstehen und umzusetzen.“, fasst Lukas Schuck seine Erfahrungen zusammen. Auch aus dem Publikum kommt nur positive Resonanz. Ablehnende Meinungen gibt es keine, alle sind überrascht, welche Möglichkeiten sich durch die Kombination von Spielfilm und Computerspiel ergeben. Selbst Fachbesucher des Filmfestivals attestieren Erik Schieskos Projekt Potenzial fürs Kino. Auch für jemanden, der die Lausitz nicht kennt, ist der Film sehenswert, erfährt er doch durch eingebaute Überraschungen so einiges.

Welch gewaltige Arbeit hinter dem Projekt steht, erläuterte Erik Schiesko anhand einiger Beispiele aus der Produktionsphase. Mehrere hundert Gigabyte Daten müssen verarbeitet werden. Robert Baruck musste sich ein neues Computerprogramm schreiben, um die Interaktion darstellen zu können. Lange ToDo-Listen, die noch abzuarbeiten sind, und Darstellungen logischer Verknüpfungen der im Spiel gesammelten Hinweise zeugen vom enormen Aufwand.

Bis zur Premiere am 22. Januar 2016 im Cottbuser Weltspiegel steht für Erik Schiesko und Robert Baruck noch viel Arbeit an. Den Zuspruch und die Vorschläge von Film- und Computerfreaks, den die Beiden bei der gestrigen Präsentation erhielten, können alle an dem Projekt Beteiligte gut gebrauchen. Gut möglich, dass mit „Auf der Suche“ ein komplett neues Filmgenre geschaffen wird.