Festivalsonntag gehört den Kindern

26-ffcottbus-marke-long-iDer letzte Tag des Filmfestival Cottbus gehört traditionell den Kindern mit einem Fest in der Stadthalle. Neben vielen Mitmach-Angeboten wie Bastelecke, Glücksrad-Drehen oder Spielmöglichkeiten gehört zu diesem Kindertag auch die jährliche Welturaufführung der Märchen-Neuverfilmung vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb).

In diesem Jahr hatte der Film „Das singende, klingende Bäumchen“ Premiere, basierend auf dem legendären DEFA-Film von 1957. Neben den zahlreichen großen und kleinen Märchenfilm-Liebhabern waren auch die Hauptdarstellerin Jytte-Merle Böhrnsen sowie Regisseur Wolfgang Eißler anwesend. Einen besonderen Applaus erhielt Christel Bodenstein, die die Prinzessin in der DEFA-Verfilmung verkörperte und auch im neuen Film eine kleine Rolle spielt.

Die Geschichte handelt von einer hochmütigen Prinzessin (Jytte-Merle Böhrnsen), die alle Freier ablehnt. Als ein junger Prinz (Lucas Prisor) um ihre Hand anhält, verlangt die Prinzessin von ihm, ihr das singende, klingende Bäumchen zu bringen.

Der Prinz macht sich auf die Suche nach dem Bäumchen und findet es bei einem Waldgeist. Um aber das Bäumchen zu bekommen, muss sich der Prinz auf einen Handel mit dem Waldgeist einlassen.

Zurück am Königshof, stellt die Prinzessin fest, dass das Bäumchen weder singt noch klingt. Der Prinz erkennt, dass die hartherzige Prinzessin nicht lieben kann und verlässt das Schloss, um sein Wort beim Waldgeist einzulösen.

Die Prinzessin schickt ihren Vater, den König (Heinz Hoenig), los, ihr das Bäumchen zu beschaffen. Auch er lässt sich auf einen Handel mit dem Waldgeist ein: das erste Lebewesen, dass ihm bei seiner Rückkehr begegnet, gehört dem Waldgeist. Zu dumm nur, dass ausgerechnet die ungeduldige Prinzessin das erste Lebewesen ist, dass der König sieht. Fortan muss sie beim Waldgeist leben, der darüber hinaus die schöne Prinzessin in eine hässliche Frau verwandelt. Als der Prinz, der ebenfalls beim Waldgeist lebt, die Prinzessin trifft, ist er alles andere als begeistert…

Gedreht wurden die Filmszenen im Harz, im Potsdamer Schloss Belvedere sowie im Kloster Chorin.

Für den Cineasten bot der Film noch ein kleines Extra, den sich die Filmemacher als Reminiszenz an die DEFA-Verfilmung haben einfallen lassen: das im Schloss an der Wand hängende Porträtbild der verstorbenen Mutter der Prinzessin ist das Plakatmotiv der DEFA-Verfilmung.

ARD/rbb DAS SINGENDE, KLINGENDE BÄUMCHEN, am Sonntag (25.12.16) um 14:45 Uhr im ERSTEN. Der König (Heinz Hoenig) sitzt auf seinem Thron neben dem Portrait seiner verstorbenen Gemahlin. © rbb/Theo Lustig, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter rbb-Sendung bei Nennung "Bild: rbb/Theo Lustig" (S2+). rbb Presse & Information, Masurenallee 8-14, 14057 Berlin, Tel: 030/97 99 3-12118 oder -12116, pressefoto@rbb-online.de

Der König (Heinz Hoenig) sitzt auf seinem Thron neben dem Portrait seiner verstorbenen Gemahlin.
© rbb/Theo Lustig

Im Anschluss an die Vorführung mussten die beiden Schauspielerinnen und der Regisseur viele Fragen der Kinder beantworten. Die wollten wissen, wie die Prinzessin im Film durch die Luft geschleudert wurde, wie die Zaubertricks des Waldgeistes funktionierten und ob die Verletzungen des Prinzen echt waren. Geduldig gaben die Protagonisten Auskunft und verrieten den einen oder anderen Filmtrick.

Christel Bodenstein zeigte sich im Interview begeistert von der Neuverfilmung, die mit den technischen Möglichkeiten von heute umgesetzt wurde. Als die Anfrage kam, mitzuwirken, zögerte sie nicht lange und sagte zu. Am Set traf sie dann auf ihre „Nachfolgerin“ Jytte-Merle Böhrnsen, die wiederum bereits die Verfilmung von 1957 kannte.

Selbstverständlich standen die beiden Prinzessinnen auch für Autogramm- und Fotowünsche der kleinen Zuschauer zur Verfügung und kamen mit den Gästen ins Gespräch.

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v.l.n.r.: Jytte-Merle Böhrnsen, Christel Bodenstein, Wolfgang Eißler

Ausgestrahlt wird die Neuverfilmung von „Das singende, klingende Bäumchen“ am 25. Dezember 2016 um 14:45 Uhr im ERSTEN.

Schweigeminute

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Erstausstrahlung: 31.10.2016

schweigeminuteEin kleines Fischerdorf an der Ostsee, Ende der 50er Jahre. Stella Petersen (Julia Koschitz) kehrt nach 14 Jahren England-Aufenthalt in ihre Heimat zurück. Sie wird mit Beginn des neuen Schuljahres die neue Englisch-Lehrerin am Gymnasium. Der junge Christian Voigt (Jonas Nay), der seinem Vater (Uwe Preuss) bei der Steinfischerei aushilft, ist nach der ersten flüchtigen Begegnung im Hafen fasziniert von der attraktiven, aber älteren Frau. Immer öfter versucht er, einen Blick von ihr zu erhaschen. Bei einem Hafenfest befreit er sie sogar aus einer misslichen Lage, als Ulrik Quedens (Thure Linhardt) Stella belästigt.

Auch Stella ist zunehmend von dem jungen Mann angetan. Zufällig sieht er durchs Fenster, wie sich Stella umzieht. Als er von ihr entdeckt wird, raunt sie ihn an, um sich ein paar Minuten später bei ihm zu entschuldigen.

Stella Petersen (Julia Koschitz) ist eine etwas andere Englischlehrerin.

Stella Petersen (Julia Koschitz) ist eine etwas andere Englischlehrerin.

Gemeinsam fahren sie mit dem Boot aufs Meer hinaus, um Bojen zu postieren. Ein aufziehendes Unwetter zwingt beide, auf der nahe gelegenen Vogelinsel Unterschlupf zu suchen. Christian sieht seine Chance gekommen, allein mit der Frau seiner Träume Zeit zu verbringen, gleichzeitig ist er unsicher, ob er diese Gelegenheit auch wirklich nutzen soll. Stella jedoch nimmt ihm die Entscheidung ab und erwidert seinen flüchtigen Kuss.

Langsam kommen Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz) sich näher.

Langsam kommen Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz) sich näher.

Christian und Stelle lieben sich leidenschaftlich in der Hütte auf der einsamen Insel.. Fortan bewahren beide ein wohlgehütetes Geheimnis. „Wir sehen uns doch wieder?“ fragt Christian nach der Rückkehr aufs Festland. „Ja, morgen in der dritten Stunde.“, antwortet Stella und spürt, dass es wohl nicht dabei bleiben wird.

Stella versucht als Christians Klassenlehrerin, sich ihre Gefühle für ihn nicht anmerken zu lassen und behandelt ihn in der Schule mit Gleichgültigkeit. Gleichzeitig trifft sie sich weiter mit ihm heimlich am Nachmittag. Christian ist irritiert von Stellas Verhalten und stellt sie zur Rede. Stella erklärt Christian, dass sich an ihren Gefühlen für ihn nichts geändert hat, nur die Situation auch für sie neu ist, schließlich ist sie seine Lehrerin.

Mit Stella (Julia Koschitz) als strenger Lehrerin hat Christian (Jonas Nay) nicht gerechnet.

Mit Stella (Julia Koschitz) als strenger Lehrerin hat Christian (Jonas Nay) nicht gerechnet.

Trotz heimlicher Treffen der Beiden werden Freunde, Familienmitglieder und Schulleitung langsam misstrauisch. Christian schmiedet sogar schon Pläne für eine gemeinsame Zukunft.

Bei einem privaten Segeltörn wird Stella bei einem misslungenen Wendemanöver von einem Segelbaum schwer verletzt und über Bord geschleudert. Christian, der wie viele Fischer Zeuge des Unfalls wird, kann Stella zunächst aus dem Wasser retten und begleitet sie ins Krankenhaus.

Wird sie wieder aufwachen? Christian (Jonas Nay, r.) sorgt sich um Stella (Julia Koschitz, l.).

Wird sie wieder aufwachen? Christian (Jonas Nay, r.) sorgt sich um Stella (Julia Koschitz, l.).

Am nächsten Tag besuchen Christian und seine Mitschüler und Lehrer die schwer verletzte Stella im Krankenhaus, nicht ahnend, dass er sie zum letzten Mal sehen wird…

„Schweigeminute“ basiert auf der gleichnamigen Novelle des 2014 verstorbenen Schriftstellers Siegfried Lenz. Ursprünglich wollte Bernd Eichinger den Stoff fürs Kino verfilmen, nun haben ihn die Drehbuchautoren André Georgi, Claudia Kratochvil und Thorsten M. Schmidt fürs ZDF adaptiert. Schmidt führte darüber hinaus auch die Regie.

Herausgekommen ist eine zeitlos schöne Verfilmung. Anders als in der literarischen Vorlage ahnt der Zuschauer schon zu Beginn des Filmes, welch tragische Wendung die Handlung nehmen wird. Im Vordergrund steht jedoch die beginnende verbotene Liebe einer Lehrerin zu ihrem Schüler, misstrauisch beäugt von ihrem Umfeld.

Eine Liebe, die nicht sein darf: Unverhofft kommen sich der 18-jährige Christian (Jonas Nay) und seine neue Englischlehrerin Stella Petersen (Julia Koschitz) heimlich näher und entdecken eine Anziehung zueinander, deren Intensität beide überwältigt.

Eine Liebe, die nicht sein darf: Unverhofft kommen sich der 18-jährige Christian (Jonas Nay) und seine neue Englischlehrerin Stella Petersen (Julia Koschitz) heimlich näher und entdecken eine Anziehung zueinander, deren Intensität beide überwältigt.

Julia Koschitz und Jonas Nay spielen mit einer bewundernswerten Intensität, ohne ihre Rollen zu überzeichnen. Jonas Nay als jungerwachsener Liebhaber, hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen. Nicht der Rebell und nicht der Naivling.

Christian (Jonas Nay).

Christian (Jonas Nay).

Julia Koschitz wirkt manchmal so zerbrechlich, dass es ans Herz geht. Manchmal reicht ein kurzer Blick oder Augenaufschlag – allein dadurch signalisiert sie mal die sanfte Verführerin, die sich ihrer Wirkung auf die Männer bewusst ist, oder die kühl Berechnende, die genau weiß, wie verboten und von der Gesellschaft geächtet Stellas Liebe zu Christian ist.

Stella (Julia Koschitz).

Stella (Julia Koschitz).

Geprägt wird die Handlung auch von den Landschaftsaufnahmen, die Kameramann Hannes Hubach zu verantworten hat. Viele Aufnahmen entstanden auf der dänischen Insel Bornholm. Seien es die dunklen aufziehenden Wolken und hohen Wellen, strahlender Sonnenschein, romantisch gelegene verborgene Strände oder endlose Ferne bis zum Horizont – es sind atmosphärische Bilder, die Hubach da zaubert. Und manchmal vermitteln die Bilder den Look der Filme der 50er-Jahre.

Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz) genießen die Zeit zu zweit. Sie dürfen dabei nur nicht entdeckt werden.

Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz) genießen die Zeit zu zweit. Sie dürfen dabei nur nicht entdeckt werden.

Passend zum Film der Soundtrack: Neben dem eigentlichen Score von Gert Wilden jr. hört man einige Klassiker wie Bobby Darins „Beyond the sea“ oder „Diana“ von Paul Anka. „Scarborough Fair“ von Simon & Garfunkel, ein Lied über ein Liebespaar, das wieder zueinander finden will, gewinnt im Laufe des Filmes sogar eine besondere Bedeutung.

Spektakulär und fast schon rührend das Ende des Filmes. Stella und Christian für eine kurzen Moment wieder vereint – in einer grandiosen Einstellung, gefilmt unter Wasser. Wie eine Meerjungfrau, die sich von ihrem Liebsten verabschiedet, küssen sich ein letztes Mal Stella und Christian, bevor sie ihn für immer verlassen muss…

„Schweigeminute“ ist ein melancholisch-berührender Film, fernab jeglicher Klischees, den Zeitgeist der späten 50er Jahre widerspiegelnd mit zwei wunderbaren, gefühlvoll spielenden Darstellern.

Die Rollen und ihre Darsteller

Christian Voigt – Jonas Nay
Stella Petersen – Julia Koschitz
Wilhelm Voigt – Uwe Preuss
Jürgen Kugler – Johannes Allmayer
Frauke Bruns – Henny Reents
Johann Petersen – Hermann Beyer
Ulrik Quedens – Thure Lindhardt
Jutta Voigt – Nina Petri
Block – Alexander Held

CREW

Produzent: Oliver Berben
Produzentin: Sarah Kirkegaard
Regie: Thorsten Schmidt
Redaktion: Günther van Endert, Stefanie von Heydwolff
Herstellungsleitung: Dieter Salzmann
Kamera: Hannes Hubach
Drehbuch: André Georgi, Claudia Kratochvil, Thorsten Schmidt
Produktionsleitung: Roman Gustke
Ausstattung: Jérôme Latour
Kostümbild: Riccarda Merten-Eicher
Maske: Britta Balcke, Mike Reinecke
Schnitt: Andreas Althoff, Margit Wiltschko
Musik: Gerd Wilden Jr.
Zusätzliche Musik: Olaf Taranczewski
Casting: Mai Seck

Copyright für alle Fotos: ZDF / Hannes Hubach