Lausitzer Filmemacher gründen Netzwerk

25-FFCottbus-Marke-long-I_weiss_webWie können regionale Themen filmisch verarbeitet werden? Wie können sich Lausitzer Filmemacher überregional präsentieren? – Zwei von vielen Fragen, die sich Filmemacher aus der Lausitz bei einem informellen Zusammentreffen während des Filmfestivals Cottbus stellten.
Neben Spiel- und Dokumentarfilmern waren auch Initiatoren kleinerer Filmfestivals in der Lausitz und Vertreter öffentlicher Gremien anwesend.

Eingeladen waren auch Vertreter der für die Lausitz zuständigen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und Filmförderanstalten. Aber die Abwesenheit des MDR, des Medienboard Berlin-Brandenburg sowie der Mitteldeutschen Medienförderung zeigten deutlich, welchen Stellenwert der Lausitzer Film bei diesen Gremien genießt. Lediglich der Rundfunk Berlin-Brandenburg war mit Hellmuth Henneberg, Redaktionsleiter im Studio Cottbus, vertreten.
Kritik wird besonders am Medienboard Berlin-Brandenburg geübt. „Während anderen Produktionen das Geld praktisch nachgeworfen wird bzw. ein Großteil in Berlin verbleibt, schaffen es die kleineren, regionalen Filmproduktionen nicht mal bis zur Sekretärin!“, so die etwas überspitzte übereinstimmende Meinung.

Ideen für spannende Filme mit regionalem Bezug gibt es viele. Schnell kristallisierte sich in der Diskussion jedoch heraus, dass den Lausitzer Filmschaffenden eine Lobby fehlt. Viele der anwesenden Filmemacher kritisierten die fehlende Filmförderung bzw. die bürokratischen Hindernisse, um überhaupt gefördert zu werden. So musste Reiner Nagel mit seiner Filmproduktion „ostwärts film“ ein Projekt begraben, weil er trotz prominenter Unterstützung von u.a. der diesjährigen Literaturnobelpreisträgerin Svetlana Alexijewitsch den Film nur zu 50% finanzieren konnte. Dokumentarfilmer Donald Saischowa hat schon seit Jahren keinen Film mehr mit Fördergeldern gedreht.
Auch Clemens Schiesko kommt notgedrungen ohne Filmförderung aus: „Die Energie, die ich aufbringen muss, um mich um Fördermöglichkeiten zu kümmern, wandle ich lieber in Kreativität beim Filmedreh um. Und wenn nur Geld für zwei Schauspieler und einen Scheinwerfer da ist, dann überlege ich eben, wie ich die beiden Schauspieler mit dem einem Scheinwerfer trotzdem ins richtige Licht setzen kann!“

Aber nicht nur die Filmförderung macht den Teilnehmern Sorge. Dr. Grit Lemke, die sowohl beim Dok-Festival in Leipzig als auch beim Cottbuser Filmfestival als Kuratorin aktiv ist, fasst drei Schwerpunkte zusammen: die „Graswurzelgeschichte“, also der Umgang mit der Heimatgeschichte und den hiesigen Traditionen, das überregionale Filmschaffen mit internationalen Vermarktungschancen und das audiovisuelle Erbe mit der Bewahrung und Konservierung vorhandener Filme.

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v.l.n.r. Dr. Grit Lemke, Sabina Siegowa, Clemens Schiesko

Hellmuth Henneberg versucht, die Ängste ein wenig zu nehmen: „Beim RBB gibt es vier Sendeplätze für regionale Themen. Ich bin für jedes interessante Thema oder für gute Filmstoffe dankbar, die mir angeboten werden. Gerne bin ich auch bereit, diese Ideen vor den Entscheidungsträgern beim Sender zu verteidigen!“.
Von der vorgebrachten Idee, eine Trainingsinitiative zu starten, um hiesigen Filmemachern zu zeigen, wie man ein Filmprojekt bei Produzenten oder potentiellen Geldgebern vorstellt, hält er nicht viel. Für diese Trainingsinitiative wären kurzfristig sogar 10.000 Euro verfügbar.

Auch Erik Schiesko, wie sein Bruder Clemens auf Kurz- und Spielfilme spezialisiert, spricht sich dagegen aus: “Von den Leuten, die hier sitzen, braucht niemand eine Weiterbildung, wie man ein gutes Drehbuch schreibt oder wie man einen Film entwickelt. Das Geld, dass man sicherlich den Lektoren und Referenten zahlen müsste, sollte lieber direkt in die Filmarbeit gesteckt werden!“

Dass das nicht so einfach ist, zeigt sich daran, dass solche Gelder oft zweckgebunden sind. Hinzu kommt, dass das Land Sachsen andere Fördermöglichkeiten bietet als Brandenburg. „Lausitziale“-Vorstand Holger Fahrland schlägt deshalb vor, von zwei Seiten aus zu fördern. Als gelungenes Beispiel, wie so etwas funktionieren kann, nennt er den Industriepark Schwarze Pumpe, der genau auf der Ländergrenze zwischen Sachsen und Brandenburg steht und wo Fördergelder beider Länder drin stecken.

Die optimale Lösung für die Probleme der Lausitzer Filmemacher sieht Cosima Stracke-Nawka von der sächsischen Landesmedienanstalt in der Schaffung eines „Filmbüro Cottbus“, das alle Aktivitäten koordinieren könnte. Sie gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass die Umsetzung dieses Projektes ziemlich schwierig sein dürfte, zumal überhaupt nicht klar ist, wie das personell bewerkstelligt werden kann.
Ein Kompromiss könne sein, sich untereinander zu vernetzen und gegenseitig zu helfen und die Kräfte zu bündeln. Grit Lemke schlägt vor, gleich Nägel mit Köpfen zu machen und initiiert unter Zustimmung aller Anwesenden die Gründung des „Filmnetzwerkes Lausitz“. Eine Datenbank soll zunächst aufgebaut werden, in die sich Lausitzer Filmemacher eintragen und auf sich aufmerksam machen können. Bei regelmäßigen Treffen sollen die weiteren Schritte besprochen werden.

Grit Lemke, Ola Staszel vom Neißefilmfestival, Sabina Siegowa von der „Stiftung für das sorbische Volk“ und Cosima Stracke-Nawka wollen sich zunächst darum kümmern, das Netzwerk fester zu knüpfen und damit zum Laufen zu bringen.

Einbringen soll sich aber jeder, dem das Lausitzer Filmschaffen eine Herzensangelegenheit ist. Auch das Filmfestival Cottbus wird mit ins Boot geholt. In der Sektion „Heimat/Domownja“ sollen im nächsten Jahr mehr Filme mit lausitzer und sorbischen Themen vorgestellt werden. Durch die anwesenden Fachbesucher erhofft man sich dadurch auch mehr Aufmerksamkeit für das regionale Filmschaffen. Programmdirektor Bernd Buder sagte spontan seine Unterstützung zu und will mit der Festivalleitung die Ideen und Vorschläge des Abends prüfen.

Bleibt also nur noch zu hoffen und zu wünschen, dass der Film in der Lausitz endlich sein Nischendasein verlässt und den Weg in die weite Filmlandschaft findet. Mit vereinten Kräften aller Filmenthusiasten sollte es dann auch möglich sein, Film-Fördergelder hier in die Region zu holen und den Regisseuren, Kameramännern, Schnitttechnikern und allen anderen an einem Filmprojekt Beteiligten eine angemessene Bezahlung zu ermöglichen. Der Anfang ist zumindest schon mal gemacht….

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