Vorgestellt: Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen

Im Sony-Center am Potsdamer Platz in Berlin befindet sich das Filmhaus. Es beherbergt neben der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) auch die Deutsche Kinemathek, die sich dem Sammeln, Bewahren und Präsentieren des audiovisuellen Erbes verpflichtet fühlt. Ein Teil der Bestände werden im Museum für Film und Fernsehen ausgestellt.

Über mehrere Etagen erstreckt sich die ständige Ausstellung zur deutschen Filmgeschichte, die für jeden Filmliebhaber ein Muß sein sollte.

Schon zu Beginn des Ausstellungsrundganges wird der Besucher in eine andere Welt versetzt. Im Eingangsbereich sorgen scheinbar unzählige aufeinander abgestimmte Spiegel für einen ersten „Wow“-Effekt. Der Betrachter sieht sich oberhalb, unterhalb, seitlich – mit jedem Schritt ändert sich der Blick aufs eigene Ich. Die Illusion ist perfekt: man glaubt, in einem riesigen Schacht gefangen zu sein. Vorsichtig nähert man sich der Begrenzung und blickt entweder in einen tiefen Abgrund oder nach oben in ein Wirrwarr aus Verstrebungen.

Ständige Ausstellung, „Spiegelsaal“
Foto: Marian Stefanowski
Quelle: Deutsche Kinemathek

Was folgt, ist ein Ausflug in die deutsche Filmgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Viel Raum wird den Pionieren und ersten Stars des Films gewidmet: Ernst Lubitsch, F.W. Murnau, Asta Nielsen, Emil Jannings. Ein Schwerpunkt ist Fritz Langs Stummfilm-Monumentalwerk „Metropolis“ (1927). Damals bei der Kritik durchgefallen, gehört „Metropolis“ heute zum visuellen Welterbe.

Nach der Stummfilmzeit folgte die Tonfilmzeit. Eine der damaligen Stars: Marlene Dietrich (1901-1992). Ihr sind mehrere Räume in der Ausstellung gewidmet. Zu sehen sind Privataufnahmen, Briefe, persönliche Dinge wie ihr Make-Up-Koffer, aber auch Kostüme der Diva, so u.a. der legendäre GI-Anzug.

Ständige Ausstellung, „Marlene Dietrich“
Foto: Marian Stefanowski,
Quelle: Deutsche Kinemathek

Die Vereinnahmung des Films in der NS-Zeit und die daraus resultierende Flucht ins Exil vieler Filmschaffender wird im folgenden Ausstellungsbereich genauso thematisiert wie die Filmproduktion im geteilten Nachkriegs-Deutschland. Immer wieder entdeckt der Besucher Bekanntes und Neues: Filmausschnitte indizierter Propagandafilme des Dritten Reiches sind ebenso zu sehen wie Ausschnitte aus Leni Riefenstals Olympiafilm (mit Modell des Olympiastadions zur Veranschaulichung der gezeigten Sequenzen), dazu Kleidungsstücke aus „Das Boot“ oder „Lola rennt“, Filmplakate bekannter Filme, Trophäen, Fotos von Schauspielern, an die man sich zurück erinnert.

Ständige Ausstellung, „Von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart (1946–1980)“
Foto: Marian Stefanowski,
Quelle: Deutsche Kinemathek

Im Zeittunnel wird dem Fernsehen gehuldigt. Emotionale Momente der Zeitgeschichte wie die erste Mondlandung oder der Fall der Mauer werden ebenso gezeigt wie Ausschnitte aus Unterhaltungssendungen. In der Programmgalerie kann der Besucher selber auf Entdeckungsreise gehen und nach Sternstunden der Fernsehunterhaltung recherchieren.

Ständige Ausstellung, „Zeittunnel Fernsehen“
Foto: Marian Stefanowski,
Quelle: Deutsche Kinemathek

Im „Spiegelsaal“ werden Bilder verschiedener Epochen des deutschen Fernsehens auf eine Wand projiziert, die mittels Spiegeln und geteilter Szenen zu neuen Bildern verknüpft werden. So entsteht spätestens mit Beginn des Farbfernsehens und des Fernseh-Vollprogramms ein Kaleidoskop aus Informationen und Bildern, die in dieser Vielfalt nur schwer zu verarbeiten sind.

Motiv der Ausstellung „Best Actress – Oscars®. Rollen. Bilder“
Design: Pentagram, Berlin

Neben der Ständigen Ausstellung gibt es im „Museum für Film und Fernsehen“ Sonderausstellungen zu speziellen Filmthemen. Aktuell ist die Ausstellung „Best Actress – Oscars. Rollen. Bilder“ zu sehen. Diese Hommage an die Oscar-Gewinnerinnen in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ würdigt das Schaffen jeder Einzelnen und zeigt gleichzeitig Originalkostüme und Entwürfe aus den jeweiligen Filmen. So ist jenes Kleid zu sehen, welches Vivian Leigh in „Vom Winde verweht“ (1939) getragen hat. Auch einige der pompösen Kleider, die die Gewinnerinnen während der Preisverleihung getragen haben, sind zu sehen, darunter die Kleider von Julia Roberts oder Cher (Foto unten).

Raumfoto: Marian Stefanowski

Raumfoto: Marian Stefanowski

Auch wenn die Raumaufteilung der Ausstellungen gewöhnungsbedürftig ist (die Sonderausstellung ist zweigeteilt, für die ständige Ausstellung wechselt man ständig die Etage), wird man doch mit interessanten und faszinierenden Einblicken in die über 100jährige Geschichte des Films belohnt. Die Exponate werden visuell ansprechend präsentiert, an einigen Stationen wird man sogar zum Ausprobieren und Knöpfchen-Drücken animiert.

Wer alles sehen und lesen will, sollte viel Zeit mitbringen. Die Vielzahl an Exponaten, Schautafeln, Fotos und Filmsequenzen begeistert und macht Lust, der Ausstellung einen weiteren Besuch abzustatten.

Weitere Infos zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und zur Ausstellung: www.deutsche-kinemathek.de

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