Female Agents – Geheimkommando Phoenix

Im Mai 1944 rekrutieren Louise Desfontaines (Sophie Marceau) und ihr Bruder Pierre (Julien Boisselier) im Londoner Exil vier Frauen für einen Geheimauftrag. Zwar sind bis auf Louise alle anderen Frauen militärisch unerfahren, haben aber Jede für sich spezielle Kenntnisse, die bei der Lösung des Auftrags nützlich sein könnten. Die Gruppe soll nämlich in Frankreich SS-Offizier Heindrich (Moritz Bleibtreu) eliminieren, der kurz davor ist, den Geheimplänen der Alliierten für die Landung in der Normandie auf die Schliche zu kommen.

Ein britischer Geologe, der von den Plänen weiß, befindet sich als angeblicher Spion in deutscher Gefangenschaft. Zwar gelingt es der Gruppe, den Geologen zu befreien, doch Heindrich überlebt die Befreiungsaktion. Notgedrungen müssen Louise und die anderen Mitglieder der Widerstandsgruppe in Frankreich bleiben, um den gestellten Auftrag zu erfüllen. Als Pierre, der Kommandeur der Gruppe, den Deutschen in die Hände fällt, sind die Frauen auf sich allein gestellt. Sie machen sich auf nach Paris, um Heindrich endgültig zu töten. Doch auch der hat bereits den Feind ausgemacht und jagt die Frauen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, den Heindrich zu gewinnen scheint, denn die Gruppe um Louise wird nach der Verhaftung von Gaelle (Deborah Francois), der Jüngsten im Team, immer kleiner. Als schließlich auch noch Louise beim Versuch, Heindrich eine Falle zu stellen, festgenommen wird, scheint der Plan endgültig zu scheitern. Aber so schnell geben Jeanne (Julie Depardieu) und Suzy (Marie Gillain) nicht auf…

Louise und Pierre haben den Geologen befreit und verstecken sich vor den Verfolgern.

„Female Agents – Geheimkommando Phoenix“ des französischen Regisseurs Jean-Paul Salomé ist kein reiner Kriegsfilm, der einmal mehr irgendeine beliebige Schlacht des 2. Weltkrieges nacherzählt. Es ist vielmehr ein actiongeladener, spannender und wendungsreicher Spionagefilm um ein Projekt der Alliierten, das so tatsächlich existierte. Auch Louise Desfontaines ist eine reale Person der Zeitgeschichte. Regisseur Salomè verpackte das Ganze in eine fiktive Handlung.

Herausgekommen ist ein bemerkenswertes Abbild der damaligen Zeit. Die meisten Filmaufnahmen entstanden in historischen Gebäuden und an Original-Schauplätzen und weniger in Filmstudios. Um authentisch und möglichst nah an der Realität zu sein ließ sich Salomè während der Folterszenen im Gestapo-Keller von einem Historiker beraten. Und schließlich griff Salomè auch auf vorhandenes Archivmaterial zurück.

„Female Agents“ ist aber auch ein Frauenfilm in bester französischer Tradition. Fünf Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, raufen sich zusammen, wenn es drauf an kommt. Angeführt von einer grandiosen Sophie Marceau versammelte Salomé eine exzellente Darstellerriege um sich. Besonders Marceau und Moritz Bleibtreu liefern sich ein famoses Katz-und-Maus-Spiel.

Moritz Bleibtreu spielt den SS-Offizier Heindrich

Moritz Bleibtreu als Heindrich entspricht so gar nicht dem typischen Klischeebild eines Nazis, das man von ausländischen Produktionen kennt. In „Female Agents“ spielt er mit einer solchen Härte, daß – so die Aussage des Regisseurs im Audiokommentar – sogar seine Filmpartnerin Sophie Marceau erschrocken zurückwich.

Marceau selber war während der Dreharbeiten nicht zimperlich zu sich selbst und nahm auch die eine oder andere Blessur oder Ohrfeige in Kauf. Was jedoch besonders bei Großaufnahmen auffällt sind die gereiften Gesichtszüge einer Frau, die sich längst vom Image der kleinen Vic Berreton aus der „La Boum“-Reihe verabschiedet und sich zu einer gestandenen, mittlerweile gesamteuropäischen, Schauspielerin entwickelt hat.

Gaelle, Louise, Suzy und Jeanne bei ihrer Ankunft in Paris

Mit “Female Agents“ gelang Jean-Paul Salomé ein kleines Meisterwerk, daß sich wohltuend von den blutrünstigen Abschlachtorgien anderer Filme mit WK-II-Thematik unterscheidet. Und er beweist, daß man auch in Europa mit einem vergleichsweise geringen Budget einen ordentlichen Actionfilm drehen kann, der für Spannung beim Zuschauer sorgt. Gutes Kino kommt schon lange nicht mehr nur aus Hollywood!

Marie Gillain spielt Suzy
alle Fotos: © Koch Media

Die 2-Disc-Collector’s Edition bietet neben dem Hauptfilm auch jede Menge Bonusmaterial. So befindet sich auf der Bonus-DVD ein 50-minütiges „Making of“, welches anschaulich und ausführlich von den Dreharbeiten berichtet und auch zeigt, wie Film wirklich funktioniert, wenn es um Spezialeffekte geht.

Die „geschnittenen Szenen“, Trailer und einen Bericht vom Casting Deborah Francois‘ runden die Bonus-Disc ab.

Etwas nervig ist der Audiokommentar des Regisseurs, der bei fast jeder Einstellung die Ausstattung und die Kostümbildner über alle Maßen lobt. Wenigstens erfährt man etwas über den Wahrheitsgehalt der Story und die Zusammenarbeit der Schauspieler untereinander.

Die eigentliche DVD-Box befindet sich in einem Pappschuber, auf dem der Titel-Schriftzug reliefartig hervorgehoben wird.

Film-Daten:
Frankreich, 2008
Originaltitel: Les femmes de l´ombre
Spielzeit: 112 min

Die Rollen und ihre Darsteller

Louise Desfontaines – Sophie Marceau
SS Colonel Heindrich – Moritz Bleibtreu
Jeanne Faussier – Julie Depardieu
Suzy Desprez – Marie Gillain
Gaelle Lemenech – Déborah Francois
Maria Luzzato – Maya Sansa
Pierre Desfontaines – Julien Boisselier
Eddy – Vincent Rottiers
Lieutenant Becker – Volker Bruch

Stab

Regie – Jean-Paul Salomé
Drehbuch – Jean-Paul Salomé, Laurent Vachaud
Kamera – Pascal Ridao
Szenenbild – Francoise Dupertuis
Kostüm – Pierre-Jean Larroque

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