„Ich will sehen, ob meine Begeisterung für Film wirklich echt ist!“

„Aufbruch“ – so heißt der Debütfilm von Anna Ponge. Die Brasilianerin ist eigentlich Architekturstudentin an der BTU in Cottbus. Wie sie zum Film gekommen ist und wie wichtig es ist, die richtigen Leute zu kennen, verriet sie am Rande der Dreharbeiten in einem kurzen Gespräch.

Dreharbeiten zu "Barbara" (AT), 23.10.2014

Wie kommt es, daß Du plötzlich Filme drehst?

Ich studiere ja eigentlich Architektur, werde das Studium auch beenden. Ich bin rein zufällig durch die „BÜHNE acht“ zum Film gekommen und bin einfach nur begeistert. Meinen Film mache ich, um zu sehen, ob die Begeisterung wirklich echt ist. Beim Film nur zuzugucken ist etwas völlig anderes als einen Film selber zu drehen.

Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Da spielten verschiedene Dinge eine Rolle. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich nach dem Bachelor mache – ob ich einen Masterabschluß dranhänge oder noch einen ganz anderen Bachelor mache. Bei diesem anderen Bachelor wäre dann schon der Gedanke, mich vielleicht bei einer Filmhochschule zu bewerben.

Wie bist Du auf die Idee zu dem Drehbuch gekommen? Gab es eine Vorgeschichte?

Ich nehme jeden Tag die Straßenbahn, um zur Uni zu kommen. Ich habe immer ein paar Ideen im Kopf, worüber man erzählen könnte. Als ich mir dann aber gesagt habe: „Komm setz‘ Dich hing und versuche mal eine Geschichte aufzuschreiben, ob was Gescheites dabei herauskommt!“, da hatte ich sofort diesen Augenblick in der Straßenbahn im Sinn. Selbst nachdem ich die erste Szene geschrieben hatte, wußte ich selber noch gar nicht, worum es ging. Ich habe mir dann diese Szene so oft durchgelesen, bis ich die Figuren kannte und ich entschieden habe, wie die Geschichte weitergehen muß.

Du machst Regie und Kamera gleichzeitig, was ist schwerer?

Wenn ich mich an einer Filmhochschule bewerben sollte, dann will ich mich für Regie bewerben. Ich fotografiere sehr gerne, filme auch sehr gerne, aber Kameraarbeit ist für mich sehr anstrengend. Regie ist zwar auch schwierig, man muß an 1000 Sachen denken, deshalb freue ich mich immer, daß ich ein super Team habe, daß hilft und mitdenkt, vor allem an Sachen denkt, die ich völlig vergessen habe. Aber Beides ist trotzdem auch schön.

Dreharbeiten zu "Barbara" (AT), 18.10.2014

Anna Ponge am Set von „Aufbruch“ mit Hauptdarsteller Matthias Schreve (mitte) und Silvio Berger

Hast du Dir die Regiearbeit angelernt oder hast Du Dich vorher kundig gemacht bei Jemanden?

Ich bin ein großer Filmfreak, ich könnte stundenlang Filme schauen, da entwickelt man so ein bißchen ein Gefühl für Filmsachen. Jetzt mache ich ein Praktikum bei Erik Schiesko („Holger & Hanna“, „Blaue Stunde“) und kümmere mich um den Schnitt für sein aktuelles Projekt „Auf der Suche“. Da bekommt man auch ein neues Gefühl für die Sache. Und dadurch, daß ich schon an vier Filmsets war, u.a bei dem Münchner HFF-Projekt „Der letzte Tag“, bei Ralf Schusters „Kommissar Schlemmer“-Film und bei Eriks „Auf der Suche“, lernt man schon viel allein durch das Zugucken, vorallem wenn bei man bei Leuten zuguckt, die einem was erklären wollen. Das war bei allen Filmsets der Fall. Außerdem lese ich seit meiner ersten Filmerfahrung viel über Regiearbeit und Kurzfilmproduktionen.

Den Schnitt machst Du auch selber?

Ursprünglich wollte ich Regie und Schnitt machen, die Kamera kam dann noch dazu.

Warum hast Du keinen „richtigen“ Kameramann genommen?

Ich hatte einen „richtigen“ Kameramann, aber durch Terminverschiebungen konnte er dann nicht mehr. Das ist super schade.

Wonach hast Du das Filmteam ausgesucht?

Ich bin Mitglied an der „BÜHNE acht“ und kenne von dort die meisten Schauspieler. Sehr wichtig für mein Drehbuch war, daß ich nicht zu junge Leute haben wollte. Die Hauptfigur ist 30 Jahre alt. Die Schauspieler sollten schon so um die Drehe sein oder älter. Dadurch fallen die meisten Mitglieder der „BÜHNE acht“ raus.
Dann habe ich mal von den Figuren aus betrachtet, wer vom Körperlichen her oder von der Ausdrucksweise passen würde, vor allem bei denen, die ich schon spielen gesehen hatte. Alle, die ich hier dabei hatte, habe ich schon mal spielen gesehen. Mit Jan Fuchsmann, der den Ton macht, habe ich schon mal bei einem Filmprojekt zusammengearbeitet. Ich habe ihn gefragt und er hat sehr sehr netterweise gesagt, daß er mitmacht. Mathias Schulze leitet die Filmgruppe an der „BÜHNE acht“. Auch ihn habe ich gefragt, weil wir unbedingt einen Lichttechniker brauchten. Ich habe da überhaupt keine Ahnung. Ich weiß aber, daß Mathias Ahnung hat, wie ich ebenfalls schon mal bei einem gemeinsamen Dreh erfahren konnte. Auch er hatte dankenswerterweise zugesagt.

Erzähle mal etwas über die Handlung des Filmes!

Es geht eigentlich nur um die Hauptfigur. Es ist ein junger Mann aus einer ernsten Familie. Sein Vater hat sich mit seiner Schwester zerstritten. Das ist schon ein Jahr her und die ganze Familie redet nicht mehr mit der Schwester – besser gesagt, sie redet nicht mehr mit der Familie. Worüber die Beiden gestritten haben, ist jetzt egal. Die Sache ist, unsere Hauptfigur vermisst seine Schwester. Während des Filmes kommen verschiedene Situationen zusammen, in denen er an sie denken muß. Ob er am Ende zu ihr geht oder nicht, dafür muß man den Film sehen, um das herauszufinden.

Wenn man zunächst das Drehbuch liest, denkt man erst einmal an eine Liebesgeschichte: Ein Mann wartet an einer Haltestelle auf eine Frau, vermutlich seine Freundin…

… In der ersten Szene wartet er nur auf die Straßenbahn und trifft dabei den Freund der Schwester. Ich wollte das offen lassen und nicht sofort sagen, worum es geht. Ich will, daß man durch die Figur merkt, wie er sich fühlt. Wenn man ein Problem gleich am Anfang des Filmes zu sehr darstellt, versuchen die Zuschauer manchmal zu schnell vorzudenken und verstehen die Figur nicht. Es geht mir wirklich um die Figur; es geht mir nicht um den Streit oder irgendwas Anderes, sondern darum, daß man die Figur versteht. Und ich glaube, Matti (Matthias Schreve) bringt die Figur sehr gut rüber.

Dreharbeiten zu "Barbara" (AT), 23.10.2014

Die Eingangsszene mit Matthias Schreve und Daniel Schauff
(c) für alle Fotos: Thori, 2014

Sind Festival-Einreichungen eingeplant?

Wenn positives Feedback kommt, sicherlich, z.B. bei der Cottbuser Filmschau im Rahmen des Filmfestival..

Was unbedingt noch zu erwähnen wäre: der Film wäre nicht entstanden ohne die Unterstützung von Ralf Schuster, der mir die Technik organisierte, sowie Erik Schiesko, der mir ebenfalls seine Technik zur Verfügung stellte.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg mit Deinem Film!

„Rootstock“ – Das große Wiedersehen

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Zu einer ganz besonderen Filmvorführung lud die „Filmgruppe8“ am Sonnabend in den Theaterkeller der „BÜHNE acht“ ein. Die Filmemacher des Kinofilms „Rootstock“ wollten sich anlässlich der DVD-Veröffentlichung des Filmes noch einmal bei den zahlreichen Unterstützern, Sponsoren, Kleindarstellern und Mitwirkenden bedanken. Groß war deshalb auch die Wiedersehensfreude, denn nach den Dreharbeiten trennten sich für viele die Lebenswege.

Moderiert von Alex Stürmer konnten die anwesenden Gäste einen Blick hinter die Kamera werfen. Gezeigt wurde exklusives Filmmaterial, welches während der Dreharbeiten entstand. So wurden erstmals jene Szenen gezeigt, die aus dramaturgischen Gründen keine Verwendung im eigentlichen Film fanden. Großes Gelächter im Publikum gab es anschließend, als die sogenannten „Outtakes“, also lustige Versprecher und Pannen während des Drehs, gezeigt wurden.

Zwischen den einzelnen Filmausschnitten gab es kurze Interviews mit den Schauspielern und Mitgliedern des Filmstabes. Übereinstimmende Meinungen gab es bei allen Befragten, daß die Dreharbeiten zwar anstrengend, aber auch auch sehr fröhlich waren. Die positive Stimmung am Filmset war mit ein Grund für das Gelingen des Filmprojektes, welches Drehbuchautor und Co-Regisseur Mathias Neuber als das aufwändigste Projekt des „BÜHNE acht“-Ensembles bezeichnete. „Der Sommer 2010, als wir den Film drehten, wird mir immer in Erinnerung bleiben, weil ich diesen Sommer so intensiv erlebt habe.“ sprach Mathias Neuber allen Mitwirkenden, die von Anfang an das Projekt begleiteten, aus dem Herzen.

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Moderator Alex Stürmer (rechts im Bild) im Gespräch mit den Darstellerinnen Ypsi Ciupack, Karo Leder und Maja Schäfer

Hauptdarstellerin Ypsi Ciupack und Nebendarstellerin Maja Schäfer erinnerten sich noch einmal an die Zeit nach den Dreharbeiten, als es auf Promotion-Tour für die Filmpremiere ging. In bester Erinnerung ist dabei noch die Guerilla-Aktion während der „Nacht der kreativen Köpfe“ geblieben. Auch davon konnten sich die Besucher des Filmabends einen Eindruck verschaffen, denn zur Überraschung aller Gäste gab es auch von dieser Aktion bewegte Bilder zu sehen, ebenso wie von der Premierenfeier.

Eines aber konnte man aus allen Gesprächen heraushören. Sollte wieder einmal ein ähnliches Groß-Projekt an der „BÜHNE acht“ starten, würden alle sofort wieder mitmachen wollen. Ein größeres Kompliment können sich die Cottbuser Filmemacher nicht wünschen.

„Begegnungen“ am Pfingstwochenende

Cover BegegnungenAm Pfingstwochenende 2013 fanden in der Cottbuser „Straße der Jugend“ Dreharbeiten für den neuen Film der Filmgruppe8 statt. Für den Kurzfilm „Begegnungen“ agierten Ensemblemitglieder der „BÜHNE acht“ vor der Kamera und sorgten bei Passanten für neugierige Blicke.

Gedreht wurde im „Cigar Malt 46“. Das Ambiente dieses urigen Whisky-Ladens bildete das perfekte Umfeld für die Komödie. Im Film begegnen sich hier skurrile Typen, die mit ihrer Sicht auf die Welt für Verwirrungen und Missverständnisse sorgen: die Frage nach der Uhrzeit versetzt eine junge Frau in Angst und Schrecken; ein freundliches „Guten Tag“ wird zur Belastungsprobe einer Freundschaft; eine Geschäftsfrau fühlt sich durch Blicke provoziert. Nur Ladeninhaber Martin scheint die Nerven zu behalten, scheitert aber selbst an der Frage, ob Elefanten, die man im Fernsehen sieht, echt sind oder nicht…

Martin Mendiburu (links) und Torsten Dubrow

Martin Mendiburu (links) und Torsten Dubrow

Fünf kurze Episoden reihen Drehbuchautor Torsten Dubrow und Regisseur Mathias Schulze aneinander. „Es gibt nur sehr wenige Episodenfilme, die meist auf Spielfilmlänge gebracht werden. Ein Episoden-Kurzfilm ist schon die Ausnahme und eine echte Herausforderung!“ versichert Mathias Schulze.

Dreharbeiten zu “Begegnungen”

Torsten Dubrow schrieb das Drehbuch ursprünglich als Theaterfassung und bediente sich dabei bei Fitzgerald Kusz, einem bayerischen Schriftsteller. Weil aber an der „BÜHNE acht“ niemand für das Stück Regie führen wollte, nahm sich Mathias Schulze des Drehbuches an und schrieb es für die Filmfassung um. Er konnte Dubrow als Co-Regisseur gewinnen und beide wagten das Experiment.

Noch während der Dreharbeiten entstanden weitere neue Ideen, die spontan in die Szenerie eingebaut wurden.

Kameramann Lukas Schuck und Regisseur Mathias Schulze

Kameramann Lukas Schuck und Regisseur Mathias Schulze

Auch der eigentliche Inhaber des Ladens, Thomas Grabitz, hatte seinen Spaß. „Ich finde es spannend, dabei zu sein und helfe gerne mit meinem Geschäft als Filmkulisse aus.“ Rührend kümmerte er sich um die Filmcrew und half, wo er konnte. Und nicht nur das: als für eine Szene kurzfristig ein Statist benötigt wurde, sprang Thomas Grabitz sofort ein und übernahm den Part.

Der Zuschauer wird einige Cottbuser Motive wiedererkennen, trotzdem ist es kein reiner Cottbus-Film. „Der Film könnte überall spielen!“, so Mathias Schulze. Aber „Begegnungen“ wird sicherlich auf andere Art für reichlich Diskussionsstoff sorgen: im Film wird nämlich viel geraucht. „Privat bin ich zwar Nichtraucher, aber als Filmemacher stört es mich, dass heutzutage kaum noch in den Filmen geraucht wird, was völlig unrealistisch ist!“, verteidigt Schulze sein Plädoyer für das Rauchen im Film.

Regisseur Mathias Schulze bespricht die nächste Szene

Regisseur Mathias Schulze bespricht die nächste Szene

Für die meisten Schauspieler ist „Begegnungen“ die erste Filmarbeit gewesen. Übereinstimmend fanden alle, dass sich Theaterrollen von Filmrollen stark unterscheiden. Für Martin Mendiburu, der den Ladeninhaber spielt, war jedoch als Nichtraucher das Rauchen die größte Herausforderung. Glücklicherweise hatte das Filmteam ein Einsehen mit ihm. Hochkonzentriert und gut vorbereitet waren die Darsteller und konnten die Dreharbeiten im geplanten Zeitrahmen absolvieren, was bei Filmdrehs nicht immer selbstverständlich ist. Selbst die beliebten, aber auch gefürchteten Outtakes (Versprecher und Patzer) blieben aus und ersparten es Martin Mendiburu, sich länger als unbedingt  notwendig mit den Zigaretten herum zu quälen.

Das Filmteam von “Begegnungen”

Das Filmteam von “Begegnungen”

Premiere hatte „Begegnungen“ am 29. Juni 2013 in der „BÜHNE acht“. Im Rahmen der „Langen Nacht der kurzen Stücke“ stimmte der Film auf die nachfolgenden Programmpunkte ein. Auch die Theaterfassung war zu sehen. Torsten Dubrow brachte mit dem gleichen Darstellerensemble wie im Film, nur mit veränderten Rollen, seine „Begegnungen“ auf die Bühne.

Bühne achtFilmgruppe8Darsteller
Ariane Knittel, Kati Bellmann, Sarah During, Jenny Kaiser, Martin Mendiburu, Torsten Dubrow

Crew
Drehbuch: Mathias Schulze und Torsten Dubrow (nach einer Vorlage von Fitzgerald Kusz)
Kamera: Lukas Schuck
Ton: Matthias Schreve
Setassistenz: Anja Schröter
Statisten: Ypsi Ciupack, Claudia Ludwig, Matthias Schreve, Thomas Grabitz

„Rootstock“-Weltpremiere im Cottbuser Weltspiegel

rootstock_plakatBisher ist Cottbus als Filmstadt eher durch das alljährliche Filmfestival bekannt geworden. Als Herkunftsort anspruchsvoller Filme hat sich Cottbus bisher noch keinen großen Namen gemacht. Das könnte sich aber bald ändern.

Nachdem der junge Cottbuser Filmemacher Erik Schiesko im Frühjahr seinen vielbeachteten Film „Blaue Stunde“ in die städtischen Kinos brachte, feiert nun am 19. Oktober im Filmtheater „Weltspiegel“ eine weitere Produktion aus Cottbus seine Premiere. Der Film „Rootstock“ entstand unter Federführung der „Filmgruppe8“ in Zusammenarbeit mit der „BÜHNE acht“ und befasst sich mit aktuellen Themen wie soziale Kälte, Intoleranz, Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen und Rassismus. Regie führten Mathias Schulze und Mathias Neuber, der auch das Drehbuch schrieb. Die Produktionsleitung lag in den Händen von Holger Bergmann, Erik Schiesko führte diesmal die Kamera. Die Hauptrollen übernahmen Schauspieler der „BÜHNE acht“, viele Gesichter kennt man auch von „Rabota Karoshi“.

„Rootstock“ ist ein privat finanziertes Erziehungs-und Ausbildungslager für straffällig gewordene Mädchen, irgendwo abgelegen in den Brandenburger Wäldern. Um ihnen eine Haftstrafe zu ersparen, bekommen die Mädchen im Camp die Chance, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken und einen Neuanfang zu starten. Sie sollen sich nützlich machen für die Gesellschaft, ihre Stärken zur Geltung bringen. „Mach aus Dir ein Angebot! – Für die Anderen!“ lautet deshalb auch das Motto des Camps.

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Die Insassinnen von “Rootstock”

Unter den Insassinnen ist auch die gewaltbereite Jugendliche Dana Schneider. Immer wieder gerät sie aber in Konflikt mit den Ausbilderinnen und den anderen Mädchen. Nur die Psychologin im Camp, Frau Weinreich, scheint Zugang zu ihr zu finden.

Plötzlich macht die Nachricht von der geplanten Schließung des Lagers die Runde. Gleichzeitig erfährt Dana, mit welchen persönlichen Schicksalen ihre einzige Vertrauensperson zu kämpfen hat. Eine Schließung des Camps würde Weinreichs ohnehin schwierige Situation weiter verschlimmern. Dana beschließt, Weinreich zu helfen. Sie plant eine Aktion mit ihrer alten Clique – mit fatalen Folgen…

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Militärischer Drill und ein strenger Umgangston bestimmen den Alltag

Der Film beruht auf einem authentischen Vorfall aus Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2006. Dort hatten Jugendliche aus dem Dorf Pretzien anlässlich einer Sonnenwendfeier von nazistischer Ideologie getragene Reden gehalten und die amerikanische und israelische Flagge sowie das „Tagebuch der Anne Frank“ verbrannt. Dies löste bundesweit eine Debatte darüber aus, ob kurz zuvor gestrichene Gelder für die Präventionsarbeit unter rechtsgerichteten Jugendlichen erneut bewilligt werden sollten.

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Dana Schneider (Ypsi Ciupack), im Hintergrund die Ausbilderin Frau Sack (Katerina Brandes) – (c) Fotos: Filmgruppe8

Zur Premiere hat sich das gesamte Filmteam angesagt. Gegen 19:30 Uhr werden die Schauspieler und Filmemacher am „Weltspiegel“ eintreffen und ihren kleinen, nicht allzu übertriebenen und dennoch witzigen Auftritt haben.

Nach einem kurzen Sektempfang für die Ehrengäste beginnt mit einem Grußwort von Berndt Weiße (Dezernent für Jugend, Kultur, Soziales) gegen 20:00 Uhr die Filmpremiere.

Artikel erschien auch am 17. Oktober 2011 auf nl_aktuell

Cottbuser Filmprojekt „Rootstock“ abgedreht

Neben dem ZDF-Krimi „Die Tränen der Fische“ wurde dieser Tage ein weiterer Film in unserer Region abgedreht. Die Cottbuser „Filmgruppe8“ beendete die Dreharbeiten zu ihrem ersten Spielfilm „Rootstock“.

Die Idee und die Motivation zu „Rootstock“ waren aktuelle Themen wie soziale Kälte, Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen, Intoleranz und Rassismus. Mit ihrem ersten Spielfilm wollten sich die Filmemacher mit diesen Themen auseinandersetzen. Zusammen mit Schauspielern des studentischen Theaters „Bühne 8“ wurde Mitte des Jahres das ehrgeizige Projekt in Angriff genommen.

Schiesko und Schulze

Kameramann Erik Schiesko und Regisseur Mathias Schulze besprechen die nächste Einstellung

Gedreht wurde u.a. im Cottbuser Stadtzentrum sowie auf dem Gelände des TIP im Norden der Stadt. Ohne großen Etat, dafür mit viel Optimismus und Improvisationstalent, nahmen alle Beteiligte die große Herausforderung an. Freunde und Bekannte sagten ebenfalls spontan ihre Unterstützung zu, auch einige Lausitzer Firmen brachten sich uneigennützig mit ein und trugen somit ihren Anteil zum Gelingen des Filmes bei. Es gab aber auch Zusagen von Unternehmen und Personen, die später nicht eingehalten wurden, weil man sich nicht mit dem Thema des Filmes identifizieren konnte oder wollte. Die Regisseure Mathias Schulze und Mathias Neuber zeigten sich deshalb zum Abschluß der Dreharbeiten zufrieden und erleichtert zugleich, daß der Drehplan doch noch eingehalten werden konnte.

Danas Gang

Dana trifft ihre alte Clique wieder (Szenenfoto aus “Rootstock”)

Ciupack

Ypsi Ciupack spielt Dana – (c) für alle Fotos: Thori, 2010

Im Film geht es um die 16jährige straffällig gewordene Dana, dargestellt von Ypsi Ciupack, die in das Resozialisierungscamp „Rootstock“ kommt. Täglich ist sie dem harten Drill und militärischem Umgangston der Ausbilderinnen ausgesetzt. Immer wieder gerät Dana in Konflikte mit den Vorgesetzten und den anderen Insassinnen des Camps. Nur die Psychologin Weinreich (Marie-Luise Ette) scheint Zugang zu Dana zu finden. Beide stehen der konservativen Ideologie des Camps ablehnend gegenüber. Als das Camp aus finanziellen Gründen geschlossen werden soll, wird Dana aktiv. Sie flieht aus dem Camp und nimmt wieder Kontakt zu ihrer alten Clique auf. Mit einem inszenierten Zwischenfall auf einem Dorffest will Dana die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erreichen und die dauerhafte Notwendigkeit solcher Camps unter Beweis stellen. Danas Entscheidung wird nicht nur ihr eigenes, sondern auch Weinreichs Leben für immer verändern.

Zur Chronik der Dreharbeiten gehört auch, daß sowohl die ZDF-Produktion als auch das Projekt der Cottbuser fast auf die Stunde genau am gleichen Tag ein Dorffest inszenierten. Und auch wenn man mit der Starbesetzung und dem Etat der ZDF-Filmes nicht mithalten kann, bei „Rootstock“ wurde trotzdem  mit der gleichen Gründlichkeit gearbeitet. Bei den Dreharbeiten für die Dorffest-Szene übertrumpfte „Rootstock“ sogar das ZDF: das Cottbuser „Dorffest“ dauerte zwei Stunden länger, ehe alle geplanten Szenen im Kasten waren.

Ob sich für die „Filmgruppe8“ der ganze Aufwand gelohnt hat, wird man erst in einigen Monaten wissen. Bis dahin müssen der Ton und  die einzelnen Szenen zusammengeschnitten und der Soundtrack zum Film erarbeitet werden. Holger Bergmann von der Filmgruppe8 und Produktionsleiter bei „Rootstock“ denkt schon weiter: „Wenn alles klappt, wollen wir im April oder Mai 2011 im Cottbuser ‚Weltspiegel‘ die Premiere unseres Filmes feiern!“

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09.10.2010 nl_aktuell
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„Rootstock“ entsteht in Cottbus

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit laufen seit Anfang Juni in Cottbus die Dreharbeiten für einen  Spielfilm. Doch nicht die großen Filmstudios drehen im Stadtzentrum, sondern die Filmgruppe8 und Mitglieder der Theatergruppe „Bühne 8“.

Der Film heißt „Rootstock“. Dahinter verbirgt sich ein privat finanziertes sogenanntes Boot-Camp für straffällig gewordene Mädchen. Um ihnen eine Haftstrafe zu ersparen, bekommen die Mädchen im Camp die Chance, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken und einen Neuanfang zu starten.

Grabbe und Dana

Die Camp-Insassinnen Edda Grabbe (Maja Schäfer, links) und Dana Schneider (Ypsi Ciupack)

Zu den Mädchen, die in „Rootstock“ ihre Strafe absitzen, gehört auch die Jugendliche Dana Schneider. Immer wieder gerät sie in Konflikte mit den Ausbilderinnen und weigert sich, deren Aufforderungen zu folgen. Nur die Psychologin im Camp, Frau Weinreich, scheint Zugang zu Dana zu finden.

Als die Nachricht von der geplanten Schließung des Lagers die Runde macht und Dana gleichzeitig von Weinreichs persönlichen Problemen erfährt, wird sie aktiv. Dana flieht aus dem Lager und nimmt wieder Kontakt zu ihrer alten Clique auf. Sie hat eine Idee, wie sie Weinreichs gefährdeten Arbeitsplatz sichern könnte.

Holger Bergmann ist der Leiter der „Rootstock“-Produktion und kümmert sich um alles Organisatorisches. „Im September 2009 kam Mathias Neuber mit der Idee für den Film auf die Filmgruppe zu. Sofort erkannten wir, daß die Idee Potenzial für einen Spielfilm hat. Bisher haben ja  unsere Mitglieder von der Filmgruppe8 nur Kurzfilme gedreht.“ erklärt Bergmann bei einem Termin am Filmset.

Regie

Die Regisseure Mathias Neuber (links) und Mathias Schulze

Man begab sich auf die Suche nach geeigneten Drehorten. „Es waren viele Objekte im Gespräch“, so Bergmann weiter. „Aber einige, wie die ehemalige JVA, waren zu groß für ein Camp. Bei anderen interessanten Objekten wurden bereits gemachte Zusagen nicht eingehalten. Deshalb sind wir der Stadt Cottbus auch sehr dankbar, daß wir auf städtischem Gelände drehen dürfen!“

Auch der Requisiten-  und Kostümfundus des Staatstheaters sowie das THW unterstützen völlig unbürokratisch das ehrgeizige Projekt der Filmemacher.

Trotzdem ist vieles anders als bei großen Studioproduktionen. Die Akteure vor und hinter der Kamera kommen überwiegend aus Cottbus und der näheren Umgebung. Viele Dinge wie Kostüme oder die  Bänder für die Filmaufnahmen werden von den Beteiligten aus eigener Tasche bezahlt. Um die Verpflegung der Schauspieler und der Filmcrew kümmern sich die Eltern der Hauptdarstellerin. Die Regie teilen sich Mathias Neuber, der die Schauspieler auf ihre Szenen vorbereitet, und Mathias Schulze, der für die Bildregie verantwortlich ist. Kameramann ist Erik Schiesko. Gedreht wird nur an den Wochenenden, wochentags sind die meisten durch Studium oder Beruf ausgelastet.

Weinreich

Marie-Luise Ette spielt die Psychologin Weinreich

Für teure Stars hat man kein Geld. „Zum Glück für Rootstock sind auch die Film-Diven derzeit mit anderen Projekten beschäftigt…“ schrieb einer ins Drehtagebuch und meint damit die lockere und entspannte Atmosphäre am Film-Set. Es wird eben viel gelacht, auch wenn so ein Drehtag schon mal 10 Stunden und länger dauert. Auch über die aktuellen Spielstände der gleichzeitig stattfindenden Fußball-WM ist man dank Laptop immer informiert, oder wie am Sonnabend, als man den Torjubel beim Klassiker England gegen Deutschland von der Fanmeile am Amtsteich bis zum Drehort hören konnte.

Einige der Darsteller wie Katerina Brandes oder Marie-Luise Ette sind durch Theateraufführungen an der „Bühne 8“ bekannt, andere wiederum sind durch Zufall oder durch Gespräche im Freundeskreis zur Produktion gekommen. Die Dreharbeiten zu „Rootstock“ sind jedoch für alle beteiligten Schauspieler eine völlig neue Erfahrung. Weil man sich aber schon viele Jahre untereinander kennt und auch Neueinsteiger unvoreingenommen in die Gruppe aufgenommen wurden, funktioniert das gesamte Film-Team als eine Einheit.

Holger Bergmann ist mit dem bisherigen Verlauf der Dreharbeiten zufrieden, man liege im Zeitplan. „Wir drehen jetzt noch bis Mitte Juli und dann noch einmal ein paar Wochenenden im Herbst. Wenn alles klappt, wollen wir im April oder Mai 2011 im Cottbuser ‚Weltspiegel‘ die Premiere unseres Filmes feiern!“ Dann wird sich zeigen, ob sich der Aufwand und das Engagement gelohnt haben  und ob es in naher Zukunft weitere Filme dieser Größenordnung geben wird –  gedreht von ein paar mutigen Cottbusern mit wenig Geld und viel Optimismus…

Produzent

Produktionsleiter Holger Bergmann legt schon mal selber Hand an…