Festivalsonntag gehört den Kindern

26-ffcottbus-marke-long-iDer letzte Tag des Filmfestival Cottbus gehört traditionell den Kindern mit einem Fest in der Stadthalle. Neben vielen Mitmach-Angeboten wie Bastelecke, Glücksrad-Drehen oder Spielmöglichkeiten gehört zu diesem Kindertag auch die jährliche Welturaufführung der Märchen-Neuverfilmung vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb).

In diesem Jahr hatte der Film „Das singende, klingende Bäumchen“ Premiere, basierend auf dem legendären DEFA-Film von 1957. Neben den zahlreichen großen und kleinen Märchenfilm-Liebhabern waren auch die Hauptdarstellerin Jytte-Merle Böhrnsen sowie Regisseur Wolfgang Eißler anwesend. Einen besonderen Applaus erhielt Christel Bodenstein, die die Prinzessin in der DEFA-Verfilmung verkörperte und auch im neuen Film eine kleine Rolle spielt.

Die Geschichte handelt von einer hochmütigen Prinzessin (Jytte-Merle Böhrnsen), die alle Freier ablehnt. Als ein junger Prinz (Lucas Prisor) um ihre Hand anhält, verlangt die Prinzessin von ihm, ihr das singende, klingende Bäumchen zu bringen.

Der Prinz macht sich auf die Suche nach dem Bäumchen und findet es bei einem Waldgeist. Um aber das Bäumchen zu bekommen, muss sich der Prinz auf einen Handel mit dem Waldgeist einlassen.

Zurück am Königshof, stellt die Prinzessin fest, dass das Bäumchen weder singt noch klingt. Der Prinz erkennt, dass die hartherzige Prinzessin nicht lieben kann und verlässt das Schloss, um sein Wort beim Waldgeist einzulösen.

Die Prinzessin schickt ihren Vater, den König (Heinz Hoenig), los, ihr das Bäumchen zu beschaffen. Auch er lässt sich auf einen Handel mit dem Waldgeist ein: das erste Lebewesen, dass ihm bei seiner Rückkehr begegnet, gehört dem Waldgeist. Zu dumm nur, dass ausgerechnet die ungeduldige Prinzessin das erste Lebewesen ist, dass der König sieht. Fortan muss sie beim Waldgeist leben, der darüber hinaus die schöne Prinzessin in eine hässliche Frau verwandelt. Als der Prinz, der ebenfalls beim Waldgeist lebt, die Prinzessin trifft, ist er alles andere als begeistert…

Gedreht wurden die Filmszenen im Harz, im Potsdamer Schloss Belvedere sowie im Kloster Chorin.

Für den Cineasten bot der Film noch ein kleines Extra, den sich die Filmemacher als Reminiszenz an die DEFA-Verfilmung haben einfallen lassen: das im Schloss an der Wand hängende Porträtbild der verstorbenen Mutter der Prinzessin ist das Plakatmotiv der DEFA-Verfilmung.

ARD/rbb DAS SINGENDE, KLINGENDE BÄUMCHEN, am Sonntag (25.12.16) um 14:45 Uhr im ERSTEN. Der König (Heinz Hoenig) sitzt auf seinem Thron neben dem Portrait seiner verstorbenen Gemahlin. © rbb/Theo Lustig, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter rbb-Sendung bei Nennung "Bild: rbb/Theo Lustig" (S2+). rbb Presse & Information, Masurenallee 8-14, 14057 Berlin, Tel: 030/97 99 3-12118 oder -12116, pressefoto@rbb-online.de

Der König (Heinz Hoenig) sitzt auf seinem Thron neben dem Portrait seiner verstorbenen Gemahlin.
© rbb/Theo Lustig

Im Anschluss an die Vorführung mussten die beiden Schauspielerinnen und der Regisseur viele Fragen der Kinder beantworten. Die wollten wissen, wie die Prinzessin im Film durch die Luft geschleudert wurde, wie die Zaubertricks des Waldgeistes funktionierten und ob die Verletzungen des Prinzen echt waren. Geduldig gaben die Protagonisten Auskunft und verrieten den einen oder anderen Filmtrick.

Christel Bodenstein zeigte sich im Interview begeistert von der Neuverfilmung, die mit den technischen Möglichkeiten von heute umgesetzt wurde. Als die Anfrage kam, mitzuwirken, zögerte sie nicht lange und sagte zu. Am Set traf sie dann auf ihre „Nachfolgerin“ Jytte-Merle Böhrnsen, die wiederum bereits die Verfilmung von 1957 kannte.

Selbstverständlich standen die beiden Prinzessinnen auch für Autogramm- und Fotowünsche der kleinen Zuschauer zur Verfügung und kamen mit den Gästen ins Gespräch.

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v.l.n.r.: Jytte-Merle Böhrnsen, Christel Bodenstein, Wolfgang Eißler

Ausgestrahlt wird die Neuverfilmung von „Das singende, klingende Bäumchen“ am 25. Dezember 2016 um 14:45 Uhr im ERSTEN.

DEFA-Regisseur Günter Reisch verstorben

2010-09-25 DR-Treffen Potsdam - 029Der DEFA-Regisseur Günter Reisch ist am 24. Februar 2014 im Alter von 86 Jahren in Berlin verstorben. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören „Nelken in Aspik“ (1976), „Anton der Zauber“ (1978) und der von der Kritik hochgelobte Film „Die Verlobte“ (1980), welcher mehrere Filmpreise, darunter den Grand Prix beim Filmfestival in Karlovy Vary, gewann.

Günter Reisch war gern gesehender Gast bei den jährlichen Treffen der Dean Reed-Freunde in Potsdam. Dort berichtete Reisch auch von einem Filmprojekt, das nie realisiert wurde. Mit dem amerikanischen Schauspieler Dean Reed schrieb Günter Reisch das Drehbuch zu „Bloody Heart“ (AT „Wounded Knee“). Beide wollten auch gemeinsam Regie führen. „Bloody Heart“ wäre Dean Reeds Reputation als Filmemacher und gleichzeitig der vermutlich teuerste DEFA-Film aller Zeiten geworden. Drei Jahre Vorbereitungszeit, unzählige Drehbuchänderungen, aussichtslos scheinende Verhandlungen mit sowjetischen Behörden, Finanzierungsprobleme – Günter Reisch hat viel Herzblut in dieses Projekt fließen lassen. Reeds damaliger plötzlicher Tod und nun auch Günter Reischs Ableben sorgen dafür, daß dieses Projekt wahrscheinlich für immer unvollendet bleibt, auch weil sich die Zeiten geändert haben.

Drehbuch 1Ich habe Günter Reisch bei besagten Treffen als einen weltgewandten, offenen Menschen kennengelernt. Er bedauerte sehr, daß „Bloody Heart“ nie in Angriff genommen wurde und daß sich heutige Filmemacher nicht für das Projekt interessieren würden. Reisch sah in dem Film großes Potential mit einer interessanten Geschichte.

Viele kleine Anekdoten aus seiner langen Karriere als Filmemacher bei der DEFA gaben mir einen interessanten Einblick hinter die Kulissen der bekannten deutschen Traumfabrik: mal erzählte er von lustigen Situationen bei den Dreharbeiten; mal von den Grenzen, die ihm von den Kulturfunktionären aufgezeigt wurden.
Günter Reisch war ein aufgeschlossener, interessanter Erzähler und Gesprächspartner – trotz seiner schweren Erkrankung, die das Sprechen für ihn zu einer Herausforderung machte.

Gerne hätte ich noch mehr seiner Erinnerungen gehört.Drehbuch 2

Zum Teufel mit Harbolla

Premiere: 24.02.1989

Wir schreiben das Jahr 1956, der Rock’n‘ Roll erreicht gerade die noch junge DDR, auseinandertanzen ist noch unmoralisch und die Nationale Volksarmee schickt die ersten Absolventen der Offiziershochschule ins wirkliche Leben.

Der junge Leutnant Gottfried Engelhardt (Tom Pauls) tritt seinen Dienst in seiner neuen Einheit an und bekommt als Erstes den Auftrag, einen gewissen Harry Harbolla (Michael Lucke) aus dem Militärknast in Oranienburg abzuholen und in die Dienststelle zurückzubringen. Der ehemalige Zugführer hat sich nämlich unerlaubt aus dem Staub gemacht, als er erfuhr, daß sein Nachfolger ein „Studierter“ sein wird. Und so tanzt er in der „Linde“ im Unterhemd und ohne gültige Papiere Rock’n -Roll.

Und plötzlich treffen zwei Charaktere aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können: der schmächtige, dienstbeflissene und etwas naive Engelhardt und Harbolla – stark, Rauhbein und Frauenschwarm, immer hungrig, aber mit einem großen Herzen. Was Harbolla nicht weiß: Engelhardt ist sein neuer Zugführer. Und eigentlich hat er es gar auch nicht so eilig, wegzukommen. Denn da wartet Heidelore (Andrea Solter), die Köchin der „Linde“ und Harbollas Freundin.

Und Engelhardt verliebt sich in Anita (Annett Kruschke), die er auf dem Bahnhof kennenlernte und der er unfreiwillig beim Zigarettenschmuggeln half. Als Anitas Partner (Gert Gütschow) Engelhardt reinlegt und ihn in der Öffentlichkeit verspottet, sieht Engelhardt Rot und beginnt eine Prügelei in der „Linde“. Harbolla rettet ihn und beide erkennen langsam, daß der jeweils andere eigentlich ein ganz feiner Kerl ist – ein Mensch eben. Und „Menschsein ist ein Dienstgrad“, wie Harbolla feststellt.

Als Leutnant Engelhardt nach einer wilden Nacht mit Anita von ihr erfährt, daß ihre Liebe nur käuflich ist, packt Engelhardt seine Sachen, nicht ohne Harbolla zu sagen, wer er ist. Es kommt zum Streit zwischen den Beiden. Engelhardt hält Harbolla für einen Feigling, der ständig davonläuft, wenn zwischenmenschliche Probleme auftreten. Und Harbolla kontert, daß Engelhardt weltfremd ist und fühlt sich plötzlich ausgegrenzt. Als Heidelore ihm die Freundschaft kündigt und ihn aus der Wohnung schmeißt, muß sich Harbolla entscheiden….

Sicherlich war es nicht beabsichtigt, aber die Figuren erinnern in ihren Charakteren an Asterix und Obelix. Sogar einen Idefix-Ersatz gibt es im Film.

Bodo Fürneisen drehte mit diesem Film einen der letzten Filme der DDR. Später arbeitete er vor allem fürs Fernsehen (u.a. Polizeiruf 110, Kommissar Rex, Stubbe – Von Fall zu Fall). Er zeichnete mit „Zum Teufel mit Harbolla“ hervorragend ein Sittenbild der damaligen Zeit, gemischt mit einer originellen Story, etwas Romantik sowie einem gut aufgelegten Darstellerensemble. Es ist weder ein Lobgesang auf die NVA noch macht sich Fürneisen über die NVA lustig. Der Film hat Charme, selbst Dialoge mit den den damals üblichen Propaganda-Parolen über den „Sieg des Sozialismus“ werden nicht als Solche empfunden. Und trotz aller Komik gleitet der Film nicht zur Militärklamotte ab.

Hervorragend auch die Musikauswahl mit wenig bekannten, aber gut tanzbaren Titeln der 50er Jahre. Von Rock’n‘ Roll-Titel bis Schlager, von Elvis bis Herbert Roth – die Musik unterstützt die Bilder und drängt sich nicht auf. Als Krönung gibt es im Film noch den Auftritt eines skurillen schmalzig-schnulzigen Gesangspaares in Gestalt von Walter Plathe und Katrin Saß.

Tom Pauls dürfte vielen Zuschauern eher als Ilse Bähnert oder Teil des Dresdner Zwinger-Trios bekannt sein, zeigt aber als Leutnant Engelhardt auch schauspielerische Qualitäten. Sicherlich die Idealbesetzung für die Figur des Engelhardt, denn keiner kann so unschuldig gucken wie er.

Michael Lucke (sieht im Film aus wie der große Bruder von Jan Ulrich) spielt seinen Harbolla so leicht und locker, daß man ständig überlegen muß, welchem der beiden Filmhelden nun mehr Sympathien gehören und auf welche Seite man sich schlägt.
Annett Kruschke war zur Drehzeit noch am Beginn ihrer Karriere und hat sich inzwischen einen festen Platz in der deutschen Filmlandschaft gesichert. Ihre Wandlungsfähigkeit deutete sie schon in „Zum Teufel mit Harbolla“ an.

Katrin Saß und Walter Plathe sind die perfekte Parodie auf Gesangspaare der damaligen Zeit. Und welch großes Vergnügen die Beiden mit ihrem Auftritt hatten, kann man nur erahnen, wenn man mal in ihre Gesichter schaut.

Insgesamt betrachtet ist „Zum Teufel mit Harbolla“ einer der besseren Filme der DEFA mit damals noch weitgehend unbekannten Darstellern. Der Verzicht auf die damals üblichen Stars tut dem Film sehr gut. Schade, daß es die DEFA nicht mehr gibt, man hätte sich mehr solcher Filme gewünscht.

Die Rollen und ihre Darsteller

Leutnant Gottfried Engelhardt – Tom Pauls
Harry Harbolla – Michael Lucke
Oberleutnant Strohbach – Joachim Nimtz
Heidelore – Andrea Solter
Anita – Annett Kruschke
Uhrmacher – Gert Gütschow
Unteroffizier – Florian Martens
Sängerin – Katrin Saß
Sänger – Walter Plathe
Harbollas Tanzpartnerin – Andrea Kathrin Loewig

 Stab

Buch: Walter Flegel, Manfred Freitag, Jochen Nestler
Regie: Bodo Fürneisen
Kamera: Erich Gusko
Schnitt: Ilona Thiel
Kostüme: Elke Hersmann
Musik: Karl-Ernst Sasse
Produziert von: DEFA

Dieser Artikel wurde erstmals am 20.02.2008 auf Zelluloid kleinveröffentlicht.

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ auf Schloß Moritzburg

PosterEs ist ein Ritual geworden: Jedes Jahr freut man sich auf Weihnachten, auf die dazu passenden Geschenke sowie auf die Fernsehausstrahlung von „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“. Die Co-Produktion von DEFA und den tschechischen Barrandov-Filmstudios avancierte seit ihrer Erstaufführung 1974 und den jährlichen Wiederholungen im Weihnachtsfernsehprogramm zum generationenübergreifenden Klassiker. Viele halten den Film für den schönsten Märchenfilm aller Zeiten, die Filmmelodien umschmeicheln noch immer die Gehörgänge. Hauptdarstellerin Libuśe Śafránková wurde zur bekanntesten Schauspielerin des Nachbarlandes.

Auch das Schloß Moritzburg, in dem Teile der Dreharbeiten stattfanden, wurde zum Wallfahrtsort für Aschenbrödel-Fans. An Originalschauplätzen wollen die Besucher sehen, wo das Aschenbrödel auf der Schloßtreppe seinen Schuh verlor. 2009 zeigte eine erste Sonderausstellung im Schloß Geschichte und Gegenwart des Kultfilms. Doch die Nachfrage war so groß und der Besucherandrang damals so enorm, dass eine Fortsetzung der Ausstellung gewünscht wurde.

Das Flehen der Fans wurde erhört. Am 5. November 2011 öffneten sich die Tore für die neue Ausstellung. Statt der vormaligen rund 450 m² Ausstellungsfläche wurde nun das Schloß Moritzburg komplett einbezogen. Auf über 2000 m² präsentiert das „Schlösserland Sachsen“ eine Schau, die in Zusammenarbeit mit den Barrandov-Studios, der DEFA-Stiftung und der riesigen Fangemeinde entstand.

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Dr. Christian Striefler, Direktor der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen, lobte deshalb auch vorab die gute Zusammenarbeit, insbesondere mit den tschechischen Partnern. „Es ist eine deutsch-tschechische Ausstellung, die die Herzen in dieser kalten Zeit wärmt!“ Sein Dank richtet sich auch an die Hochschule für Bildende Künste Dresden, die mit der Gestaltung großer Wandfresken an der Ausstellung mitgewirkt hat.

Kuratorin Margitta Hensel ergänzt: „Es ist eine Gemeinschaftsaktion von Fans, Filmleuten und den Fachleuten der Studios Babelsberg und Barrandov.“ Ein halbes Jahr dauerten die Vorbereitungsarbeiten, innerhalb eines Monats erfolgte der Umbau der bisherigen Dauerausstellung über August den Starken zur Winterausstellung über den „Aschenbrödel“-Film. Geht es nach den Organisatoren, soll dieser halbjährliche Ausstellungswechsel auch in den kommenden Jahren stattfinden.

Jan Hlubek, Marketing Direktor der Barrandov-Studios, betont, daß es keine lange Diskussion auf tschechischer Seite gab, als die Anfrage einer Zusammenarbeit für die Ausstellung kam. Sorgen mache man sich nur wegen der ausgestellten Originalkostüme, die in der Tschechischen Republik zum nationalen Kulturerbe gehören und wie ein Schatz gehütet werden. Aber man sei sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, damit die Kostüme nach fast 40 Jahren wieder am Originaldrehort gezeigt werden können. Und so gehören das Ballkleid Aschenbrödels und das Jägerkostüm des Prinzen zu den Hauptattraktionen der Ausstellung, gut gesichert hinter Vitrinenglas. „Der materielle Wert der Ausstellung läßt sich nur schwer beziffern, er reicht sicherlich an den ideellen Wert heran, und der ist enorm.“, so Dr. Striefler auf Nachfrage.

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v.l.n.r. Jan Hlubek, Dr. Christian Striefler, Margitta Hansel

Auf vier Schlossetagen wird der Geschichte des Films und den Hauptdarstellern viel Platz eingeräumt. Jeder Akteur bekommt „seinen“ Bereich in der Ausstellung. Detailgetreue Nachbildungen nicht mehr vorhandener Kostüme sind ebenso zu bewundern wie die rund 40 Originalkostüme aus dem Prager Fundus. Viele Filmkulissen wie der Laubengang, der Dachstuhl oder die Gute Stube wurden originalgetreu nachgebaut. Wachsfiguren verleihen den Szenen etwas Lebendiges. Lebensgroße Figuren von Aschenbrödel und Prinz bitten zum Tanz.

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Der Laubengang

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Der Dachboden

Großflächige Schautafeln erklären Details zum Film und zu den Darstellern. Die jeweiligen Ausstellungsräume sind winterlich dekoriert, das gesamte Gebäude wird zum Märchenschloß.

Auch Hintergrundinformationen werden geboten. So zeigt eine Trickkamera die Verwandlung der Haselnuss in Aschenbrödels Hochzeitskleid, in zwei Kinos werden Filmsequenzen und exklusive Interviews gezeigt. Selbst Regisseur Vaclav Vorlicek entdeckte bei seinem Ausstellungs-Rundgang viele Dokumente, die ihm bisher unbekannt waren.

Natürlich endet der Rundgang durch die Ausstellung, für die man mindestens 2 Stunden einplanen sollte, an jener Treppe, auf der Aschenbrödel seinen berühmten Schuh verlor. Wer genau hinschaut, entdeckt ihn vielleicht…

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Der Originalschuh

Auch an die jüngsten Besucher wurde gedacht. So gibt es in den Ausstellungsräumen viele Mitmach-Stationen, die den Kindern Spaß bereiten werden. An den Wochenenden gibt es im Schloß Kindertheater zu erleben, Puppenspiele und Singe-Nachmittage sind geplant.

Im Aschenbrödel-Shop können sich die Besucher mit den typischen Fanartikeln eindecken. Neben DVD, Bastelbögen für die Kinder und viel Literatur gibt es auch die Eule „Rosalie“ als Plüschfigur.

Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 26. Februar 2012, jeweils Dienstag bis Sonntag von 10-17 Uhr (letzter Einlass). Tickets gibt es an der Tageskasse sowie im Vorverkauf. Wer ein sogenanntes Zeitfenster-Ticket erwirbt, kann sich die Wartezeiten am Einlaß ersparen und direkt in die Ausstellung gehen.

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Blick von der Empore in den Speisesaal mit den Kostümen

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Aschenbrödels Arbeitskleidung

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Der “Eulenhut” der Stiefmutter

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(c) für alle Fotos: Thori, 2011

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06.11.2011 nl_aktuell

Die schönste Indianerin

Zum 65. Geburtstag von Renate Blume

Es gibt nicht wenige Kunst- und Kulturschaffende, die im Verlaufe ihrer langen künstlerischen Karriere alles versucht haben, um sich unsterblich zu machen. Mit etwas Talent, Glück und Verstand reicht es für manche Gesangsinterpreten, einen einzigen Hit zu landen, um für den Rest des Lebens ausgesorgt zu haben. Bei Film- und Theaterschaffenden ist das schon etwas schwieriger, da man ständig präsent ist, sei es durch Wiederholungen im TV, DVD-Veröffentlichungen oder aktuelle Arbeiten im Kino oder auf der Bühne. Hinzu kommt, daß ständig Werke zu Beginn einer Karriere mit Produktionen der heutigen Zeit verglichen werden können, Tops und Flops genau registriert werden.

Und dann gibt es noch die Kategorie jener Künstler, die ohne groß Einfluß nehmen zu können auf einmal zu einer ungewöhnlichen Berühmtheit kommen. Nehmen wir nur mal die Indianerfilme der DEFA. Sofort assoziiert man damit den Schauspieler Gojko Mitic, weil er in fast allen DEFA-Indianerfilmen die Hauptrolle spielte. Gojko Mitic und Indianerfilm gehören einfach zusammen. Aber gleichzeitig fallen in diesem Zusammenhang immer wieder zwei weitere Namen: Rolf Hoppe und Renate Blume.

Hoppe ist wahrscheinlich der schlimmste Film-Bösewicht der DEFA-Geschichte. Diesem Image verdankt er der Tatsache, daß es ihm vorbehalten war, den Helden einer ganzen Generation – Gojko Mitic eben – im Film umzubringen. Eine ganze Republik hasste ihn dafür.

Aber wo Schatten ist, muß irgendwo auch ein Licht sein. Dieses Licht strahlt Renate Blume aus. Sie war und ist im Gedächtnis vieler Menschen die Frau an Häuptling Mitics Seite. Fragte man in der DDR nach Gojkos Filmpartnerin, lautet – selbst heutzutage noch – die Antwort immer: Renate Blume. Weder Barbara Brylska noch Annekathrin Bürger erreichten jemals den Status einer Renate Blume, obwohl beide öfters in den Indianerfilmen mitspielten. In der öffentlichen Wahrnehmung der DDR gehörten Renate Blume und Gojko Mitic zusammen wie Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann, wie Gary Cooper und Grace Kelly. Und da es in der DDR keine Klatschpresse gab, wurde diese Verbindung auch nicht künstlich hochgeputscht, wie es bei den Brangelinas der heutigen Zeit der Fall ist. Die DDR hatte ihr Traumpaar, und das bestand aus Renate Blume und Gojko Mitic!

Umso überraschter ist der Zuschauer und DEFA-Filmfan, wenn er erfährt, daß Renate Blume nur in „Ulzana“ die Frau des gleichnamigen Apachen-Häuptlings spielte und damit gleichzeitig die Filmpartnerin von Gojko Mitic war. Eine kleine Nebenrolle in „Apachen“, dem Vorläufer von „Ulzana“, ist nicht erwähnenswert, weil nicht im Gedächtnis geblieben.

Nur eine einzige Rolle, die als Ulzanas Ehefrau Leona, katapultierte Renate Blume so sehr ins öffentliche Bewußtsein eines ganzen Landes und darüber hinaus, wie es sonst nur den ganz Großen der Filmbranche vorbehalten ist. Und niemand fragt, warum. Keiner weiß eine Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet dieses Filmpaar eine fast schon legendäre Berühmtheit erlangte – es ist eben so, als sei es ein Naturgesetz….

UlzanaJene Szene, wo Häuptling Ulzana schützend die Hand um Leona legt, wird zum Hauptmotiv auf den offiziellen Begleitmaterialien wie Filmprogramm und -Plakat. Dieses Bild, das eine unendlich große Liebe vermittelt, prägt sich beim Betrachter ein, so daß er sich noch Jahre später daran erinnert. Es wird zum Symbol, das länger als einen (Kino-)Sommer Bedeutung hat: Die schöne Indianerin und der stolze Häuptling – der Filmheld der Nation beschützt die Frau an seiner Seite.

Und es gibt dieses Foto, wo Ulzana und Leona auf Pferden durch die Prärie reiten, losgelöst von allen dramaturgischen Vorgaben, einfach drauf los.

Zwei Bilder, die Emotionen erzeugen, die den Wiedererkennungswert steigern. Bilder, die Schuld tragen, die auch mithalfen, jenen Mythos aufzubauen, der dieses Paar immer noch im realen Leben umgibt und der wahrscheinlich nie enden wird.

Fast schon entschuldigend rechtfertigt sich Renate Blume Jahre später in der „Riverboat“-Talkshow am 6. März 2009, daß sie doch nur in EINEM einzigen Indianerfilm die Hauptrolle spielte und überhaupt nicht nachvollziehen kann, wie es dadurch zu diesem Mythos kommen konnte.

Auslöser für diese Beinahe-Entschuldigung ist ein Kompliment des ehemaligen ARD-Programmdirektors und „Riverboat“-Moderators Dr. Günter Struve an Renate Blume gerichtet: „Sie sind die schönste Indianerin gewesen, die ich kenne“. Und jeder, der „Ulzana“ gesehen hat, stimmt Struve in diesem Moment vorbehaltlos zu. Die Mischung aus künstlerischer Klasse und Ausstrahlung verschaffte Renate Blume nachträglich ein Kompliment, was durchaus als Wertschätzung ihrer damaligen Arbeit gedeutet werden kann. Eine Wertschätzung, die wahrscheinlich mehr bedeutet als alle Filmauszeichnungen dieser Welt zusammen!

„Ulzana“ bleibt nicht der einzige Höhepunkt in Renate Blumes Karriere. In der beliebten Serie „Archiv des Todes“ des Fernsehens der DDR ist sie zunächst nur in einer kleineren Rolle besetzt. Als Spielball im Machtpoker des von Ulrich Voß dargestellten Obersturmbahnführer Flint und Alfred Struwes Standartenführer Hauk muß Renate Blume gegen zwei nationale Filmgrößen antreten, die allein schon durch ihre Statur und Körpersprache Präsenz zeigen. Wieviele Schauspielkollegen haben gegen solche Kaliber schon den Kürzeren gezogen. Renate Blume hält dagegen und agiert, zwar größenmäßig unterlegen, dennoch auf Augenhöhe mit den Beiden.

Ebenfalls Mitwirkender in der Serie: Gojko Mitic. Und wieder ist er ihr Beschützer. Nur kommen der Partisan und die Widerstandskämpferin diesmal in „Archiv des Todes“ nicht zusammen! Aber das Publikum registriert wieder diese besondere Beziehung der beiden Schauspieler, nimmt wieder wahr und erinnert sich an das, was schon einmal gewesen ist. Der Zauber der Beiden, das Besondere, Unverwechselbare, funktioniert noch immer!

In der Folgezeit wird Renate Blume eine der vielbeschäftigsten und beliebtesten Schauspielerinnen der DDR. Ob eher kleine Rollen wie in „Benno macht Geschichten“ oder tragende Rollen wie in der Fernsehserie „Barfuß ins Bett“, Renate Blume bleibt ständig präsent.

Und dann war da noch Dean Reed. Den in der DDR lebenden Amerikaner lernte Renate Blume bei den Dreharbeiten zum DEFA-Abenteuerfilm „Kit & Co.“ kennen und später lieben. Zwar gab es noch einmal eine gemeinsame Moderation des „Kessel Buntes“ mit Gojko Mitic im Juni 1980, aber die Hochzeit von Dean Reed und Renate Blume im September 1981 beendete schlagartig die Hoffnung der Fans auf eine Fortlebigkeit des Traumpaares Mitic/Blume. Nicht wenige Menschen waren sauer auf Dean Reed, weil er den hübschen Fernsehliebling bekam und nicht Gojko Mitic. Zu tief hatte sich inzwischen die Beziehung zwischen Gojko Mitic und Renate Blume, die mit „Ulzana“ begann und schon lange beendet war, ins Gedächtnis eingebrannt.

Das neue Traumpaar der DDR hieß nun Blume/Reed und wurde von der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt und später mit Wohlwollen begleitet, als man merkte, daß es funktioniert. Und trotzdem blieben die Fan-Lager gespalten. Entweder Mitic oder Reed – beides zusammen ging nicht. Das schienen auch die beiden Männer zu wissen. Renate Blume wurde schließlich zum versöhnenden Schnittpunkt beider Lager. Man gönnte ihr den Amerikaner, selbst wenn man ihn nicht mochte.

Der Karriere Renate Blumes tat die Ehe mit Dean Reed keinen Abbruch. Längst war sie in die erste Reihe der Film-und Fernsehstars der DDR getreten. Und als nach der Wende die Angebote ausblieben, kehrte sie kurzerhand zu ihren Wurzeln zurück und spielt Theater.

„Die schönste Indianerin“ ist älter geworden. Sie ist würdevoll gealtert und dennoch jung geblieben. Noch immer steht Renate Blume vor der Kamera oder auf der Theaterbühne. Daß sie jetzt offiziell in Rente geht, nimmt sie eher gelassen, fast schon amüsiert, hin. Sie sei nun eigentlich nicht mehr auf Rollenangebote angewiesen, um ihren Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Trotzdem oder gerade deswegen kündigte sie an, weiterarbeiten zu wollen, solange es ihr noch Spaß bereitet.

Wäre die schönste Indianerin nicht den Filmtod gestorben, würden ihr heute wahrscheinlich alle Indianerstämme zu Füße liegen. So bleibt es ihren Fans, Freunden, Wegbegleitern und Schauspielkollegen vorbehalten, sich zu erheben und tief zu verbeugen vor einer Künstlerin, die für viele Menschen inzwischen Teil der eigenen Biografie geworden ist, weil sie auf der persönlichen „Mag-ich“-Liste ganz weit oben steht. Wir verneigen uns vor einer Frau, die mit einer einzigen Rolle schon zu Lebzeiten legendär geworden ist und die ein Lächeln in die Herzen der Menschen zaubert, daß Jahrzehnte überdauert und noch immer anhält. Und wir verneigen uns vor einer Künstlerin, die durch ihre Ausstrahlung, ihre Natürlichkeit, ihre gesamte Erscheinung und nicht zuletzt durch ihr künstlerisches Schaffen über Jahrzehnte hinweg selber Teil eines Traumes wurde und dadurch anderen Menschen Träume erfüllt und glückliche Momente verschafft hat!

Herzlichen Glückwunsch zum 65. Geburtstag und Alles Gute, Renate Blume!

Ein Lied für Susan

1981

Während der „Sommerfilmtage“ in der DDR strömen Zehntausende in die Kinos der Republik. Doch diesmal lockt nicht der sonst übliche neueste DEFA-Indianerfilm mit Publikumsliebling Gojko Mitic die Besucher. Und auch der zwölfte Versuch der „Olsenbande“, einen „Franz Jäger, Berlin“- Tresor zu knacken, interessiert kaum jemanden.

Das Publikum ist neugierig auf die groß angekündigte Westernparodie „Sing, Cowboy, Sing“ mit dem in der DDR lebenden US-Amerikaner Dean Reed und Schlagerstar Vaclav Neckar aus der CSSR in den Hauptrollen. Beide haben, jeder für sich, mehr oder weniger große Erfolge zu verzeichnen und treten nun erstmals gemeinsam vor die Kamera. Auch der beliebte Blues-Musiker Stefan Distelmann gehört zu den Mitwirkenden, ebenso wie die rumänischen Superstars Violeta Andrei und Jurie Darie. Ein Jahr später durchbricht der Film die magische Grenze von 1 Millionen Zuschauern.

Dean Reed persönlich interpretiert den Titelsong des Filmes. „Susan“ entwickelt sich schnell zum Ohrwurm und wird im Radio und im Fernsehen rauf- und runtergedudelt. Im Film ist Susan ein kleines Mädchen, das von zu Hause ausbüxt und das Leben der beiden Filmhelden mächtig durcheinander bringt. Eine bis dahin unbekannte Berliner Schülerin namens Kerstin Beyer erobert als Susan nicht nur das Herz ihres „Papa Joe“ (Dean Reed), sondern auch die Herzen der Zuschauer.

Dean Reed beschert der Titel einen weiteren Popularitätsschub. Eine englische Fassung des Liedes erscheint auf LP bei Amiga. Susan und ihr „Papa Joe“ treten gemeinsam im Schlagerstudio und bei öffentlichen Veranstaltungen auf. Und bald kann jeder den Refrain mitsingen: „Susan, Susan“…

September 2008

In einem kleinen Club irgendwo in Berlin-Mitte treffen sich Freunde, Kollegen, ehemalige Nachbarn, vor allem aber viele Fans von Dean Reed, und feiern seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar allerdings fehlt. Dean Reed starb 1986 unter tragischen Umständen. Jeder der Anwesenden hat seine eigene Erinnerung an ihn und verehrt Dean Reed auf seine Weise. Man tauscht sich aus, zeigt Fotos und hört seine Lieder.

Und plötzlich ist sie da. Sie wurde eingeladen, aber niemand wußte, ob sie auch wirklich kommen würde. Aber sie kam. Wie sang „Papa Joe“ damals? „Heut kam ich zu euch und bleibe da, Susan…“

Aus der kleinen Susan von damals ist längst eine erwachsene Frau geworden. Ihre Fröhlichkeit und ihr Lachen haben sich nicht verändert. Wer sie so sieht, erkennt sofort jene Susan wieder. Da der Film „Sing, Cowboy, Sing“ mittlerweile auf DVD erschienen ist, muß man sich nicht mal 25 Jahre zurückerinnern.

Sofort ist „Susan“, bürgerlich Kerstin, umringt und beantwortet geduldig die Fragen der Anwesenden zu den Dreharbeiten, zu ihrem Verhältnis zu Dean Reed und wie es damals mit der Schule funktionierte. Kein „Ich-war-mal-berühmt“-Gehabe, keine Berührungsängste, aber auch kein mitleidsuchendes Bedauern, daß es mit der ganz großen Film-Karriere nicht geklappt hat.

Das mit dem Ruhm war ohnehin nur von kurzer Dauer, lediglich eine weitere Rolle in der beliebten Fernseh-Serie „Das unsichtbare Visier“ folgte noch. So blieb dem Duo Reed/Beyer auch erspart, als ostdeutsche Roy-Black-und-Anita-Version in den Medien verheizt zu werden.

Die Film-„Susan“ gerät ins Schwärmen, als sie von den Dreharbeiten berichtet. Sie zeigt stolz Fotoalben herum mit seltenen Aufnahmen, entstanden hinter den Kulissen und während der Drehpausen. Auch ein Original-Drehbuch erweckt die Aufmerksamkeit der Leute, die da gespannt lauschen. Dean Reed war nicht nur Schauspiel-Kollege, sondern Ihr Ersatz-Papa während der Dreharbeiten. Und so verwundert es auch nicht, daß Susan ihren „Papa Joe“ als den Menschen bezeichnet, der sie nach ihren Eltern am meisten geprägt hat.

Ein Handy klingelt. Nein, es klingelt nicht, es furzt nicht, keine besoffenen Elche, keine dumme Sprüche. Stattdessen eine vertraute Stimme. „Tomorrow I shall come to you and stay, Susan…“ singt Dean aus dem Handy. Echte Fans haben eben besondere Einfälle, ihrem Idol zu huldigen. Und so bekommt der Abend ganz plötzlich etwas Mystisches. Die Original-Susan aus dem Film und der dazugehörende Song, beide wieder vereint. „Mein absolutes Lieblingslied!“ erklärt Susan, nachdem sich die erste Überraschung gelegt hat. Sofort macht sich bei ihr Begeisterung breit. „Das muß ich unbedingt auch haben!“ Schnell ist man sich einig und klärt die technischen Details des Datenaustausches…

Es gibt unzählige Lieder auf dieser Welt, es gibt wenige Lieder, die man einem Menschen zuordnet. Elton Johns „Candle in the Wind“ und Prinzessin Diana gehören zusammen, „Time to say goodbye“ wird immer mit Henry Maske in Verbindung gebracht werden. Und es gibt Lieder, die gehören einem Menschen ganz alleine! Egal, wieviele Menschen dieses Lied auch hören, nur für diese eine Person, die dieses eine Lied „besitzt“, hat ein Musikstück den gleichen unbezahlbaren Wert wie Gold und Diamanten oder teure Gemälde für Andere.

Susan darf sich glücklich schätzen, so ein Lied zu besitzen.

Nur um sicher zu gehen hat der Verfasser dieser Zeilen ein paar Tage nach dem Treffen noch einmal bei Susan nachgefragt. „Es bedeutet mir doch sehr viel, das habe ich am Samstag gemerkt. Das Lied wurde erst komponiert, als Dean mich schon kannte und daher würde ich schon sagen, es ist nur für mich entstanden.“ bestätigt Susan. Ob Komponist Karel Svoboda und Interpret Dean Reed damals wußten, welche Langzeitwirkung so ein Lied auf ein kleines elfjähriges Mädchen haben könnte?

Es wird Nacht in Berlin, die Feier neigt sich ihrem Ende entgegen. Susan verabschiedet sich, nicht ohne sich noch einmal für die Einladung zu bedanken. Als sie in die Nacht heraus tritt, wird aus Susan wieder Kerstin mit einem bürgerlichen Leben, mit eigener Familie. Susan bleibt als Erinnerung in der Vergangenheit zurück.
Drinnen im Club lauscht man den Hits von Dean Reed, macht Pläne fürs nächste Treffen.

Wer weiß, vielleicht gibt es ein Wiedersehen mit Susan. Wie heißt es doch im Lied?
„…Träum davon, was man erleben kann, Susan.
Morgen fangen wir schon damit an, Susan.
Uns soll nie ein Spaß entgehen, alles wollen wir sehn…“

ICESTORM veröffentlichte eine DVD-Box mit 4 Filmen, in denen Dean Reed mitspielt. Der Film “Sing, Cowboy, Sing” befindet sich auf der vierten DVD dieser Box.

Der Artikel erschien in der Onlinezeitung „American Rebel“ am 11. Oktober 2008.