Cottbuser Fotograf widmet sich der „Glatze im Film“

(c) Mathias Schulze

Kino-Besuchern des Cottbuser Weltspiegels werden die 12 großformatigen Motive im Rang aufgefallen sein: Unter dem Titel „Die Glatze im Film“ zeigt der Cottbuser Hobby-Fotograf Mathias Schulze seine Interpretation des Themas.

Egal ob Marlon Brando in „Apocalypse Now“, Telly Savalas in „Kojak“ oder Klaus Kinski in „Nosferatu – Phantom der Nacht“ – viele Superstars der Filmszene ließen sich für ihre Rollen den Kopf kahl scheren. Selbst Darstellerinnen wie Sigourney Weaver in „Alien 3“ oder Demi Moore in „Die Akte Jane“ verabschiedeten sich von ihren Haaren. Und bei Bruce Willis konnte man in der „Stirb Langsam“-Reihe sehen, wie die Haare immer kürzer wurden…

Bei all diesen Filmen beeindruckten mich die Standfotos. Ohne Haare sehen wir Menschen klarer. Der Kopf hat keinen natürlichen Rahmen, er ist pur, Stärken und Schwächen werden sichtbarer.“, so Mathias Schulze zu seinen Beweggründen, sich intensiver mit der Thematik zu befassen. Seine Idee: 12 Bilder von 12 verschiedenen Filmfiguren, egal welchen Geschlechts, deren gemeinsames Merkmal die Glatze ist.

Angefangen hat seine Leidenschaft fürs Fotografieren ziemlich spät. An der „BÜHNE acht“ ist Mathias Schulze Leiter der „Filmgruppe acht“, dreht dort regelmäßig Kurzfilme, auch ein Langfilm steht in seiner künstlerischen Vita. Irgendwann nahm Mathias Schulze eine Fotokamera mit ans Set und fotografierte die Dreharbeiten. „Die Beschäftigung mit Filmen und Fotografieren war bei mir stets eng verbunden. Von Kameramännern konnte ich viel lernen.“, so Mathias Schulze.

Aus gelegentlichen dreh-begleitenden Fotoaufnahmen entwickelten sich im Laufe der Zeit erste Fotoshootings in den Räumlichkeiten der „BÜHNE acht“. Hier lernte er auch ein Cottbuser Model kennen, welches keine Haare mehr auf dem Kopf hatte und ihn zu seinem Projekt „Die Glatze im Film“ inspirierte.

Mathias Schulze hatte sein Model gefunden und setzte mit ihr seine Idee um. Zwölfmal schlüpfte sie in eine andere (Film-)Rolle, zwölfmal wurde sie neu maskiert, um dem Originalmotiv so nahe wie möglich zu kommen. Herausgekommen sind zwölf großformatige Aufnahmen unterschiedlicher Charaktere, die man beim stillen Betrachten zweifelsohne bestimmten Filmen zuordnen kann.

Der Aufwand hat sich gelohnt, wie man sich nun in der kleinen Ausstellung überzeugen kann. Noch bis Anfang Dezember zeigt der Cottbuser „Weltspiegel“ Mathias Schulzes „Glatzen im Film“.

Mathias Schulze (rechts im Bild) als Regisseur am Set von „Rootstock“

„Begegnungen“ am Pfingstwochenende

Cover BegegnungenAm Pfingstwochenende 2013 fanden in der Cottbuser „Straße der Jugend“ Dreharbeiten für den neuen Film der Filmgruppe8 statt. Für den Kurzfilm „Begegnungen“ agierten Ensemblemitglieder der „BÜHNE acht“ vor der Kamera und sorgten bei Passanten für neugierige Blicke.

Gedreht wurde im „Cigar Malt 46“. Das Ambiente dieses urigen Whisky-Ladens bildete das perfekte Umfeld für die Komödie. Im Film begegnen sich hier skurrile Typen, die mit ihrer Sicht auf die Welt für Verwirrungen und Missverständnisse sorgen: die Frage nach der Uhrzeit versetzt eine junge Frau in Angst und Schrecken; ein freundliches „Guten Tag“ wird zur Belastungsprobe einer Freundschaft; eine Geschäftsfrau fühlt sich durch Blicke provoziert. Nur Ladeninhaber Martin scheint die Nerven zu behalten, scheitert aber selbst an der Frage, ob Elefanten, die man im Fernsehen sieht, echt sind oder nicht…

Martin Mendiburu (links) und Torsten Dubrow

Martin Mendiburu (links) und Torsten Dubrow

Fünf kurze Episoden reihen Drehbuchautor Torsten Dubrow und Regisseur Mathias Schulze aneinander. „Es gibt nur sehr wenige Episodenfilme, die meist auf Spielfilmlänge gebracht werden. Ein Episoden-Kurzfilm ist schon die Ausnahme und eine echte Herausforderung!“ versichert Mathias Schulze.

Dreharbeiten zu “Begegnungen”

Torsten Dubrow schrieb das Drehbuch ursprünglich als Theaterfassung und bediente sich dabei bei Fitzgerald Kusz, einem bayerischen Schriftsteller. Weil aber an der „BÜHNE acht“ niemand für das Stück Regie führen wollte, nahm sich Mathias Schulze des Drehbuches an und schrieb es für die Filmfassung um. Er konnte Dubrow als Co-Regisseur gewinnen und beide wagten das Experiment.

Noch während der Dreharbeiten entstanden weitere neue Ideen, die spontan in die Szenerie eingebaut wurden.

Kameramann Lukas Schuck und Regisseur Mathias Schulze

Kameramann Lukas Schuck und Regisseur Mathias Schulze

Auch der eigentliche Inhaber des Ladens, Thomas Grabitz, hatte seinen Spaß. „Ich finde es spannend, dabei zu sein und helfe gerne mit meinem Geschäft als Filmkulisse aus.“ Rührend kümmerte er sich um die Filmcrew und half, wo er konnte. Und nicht nur das: als für eine Szene kurzfristig ein Statist benötigt wurde, sprang Thomas Grabitz sofort ein und übernahm den Part.

Der Zuschauer wird einige Cottbuser Motive wiedererkennen, trotzdem ist es kein reiner Cottbus-Film. „Der Film könnte überall spielen!“, so Mathias Schulze. Aber „Begegnungen“ wird sicherlich auf andere Art für reichlich Diskussionsstoff sorgen: im Film wird nämlich viel geraucht. „Privat bin ich zwar Nichtraucher, aber als Filmemacher stört es mich, dass heutzutage kaum noch in den Filmen geraucht wird, was völlig unrealistisch ist!“, verteidigt Schulze sein Plädoyer für das Rauchen im Film.

Regisseur Mathias Schulze bespricht die nächste Szene

Regisseur Mathias Schulze bespricht die nächste Szene

Für die meisten Schauspieler ist „Begegnungen“ die erste Filmarbeit gewesen. Übereinstimmend fanden alle, dass sich Theaterrollen von Filmrollen stark unterscheiden. Für Martin Mendiburu, der den Ladeninhaber spielt, war jedoch als Nichtraucher das Rauchen die größte Herausforderung. Glücklicherweise hatte das Filmteam ein Einsehen mit ihm. Hochkonzentriert und gut vorbereitet waren die Darsteller und konnten die Dreharbeiten im geplanten Zeitrahmen absolvieren, was bei Filmdrehs nicht immer selbstverständlich ist. Selbst die beliebten, aber auch gefürchteten Outtakes (Versprecher und Patzer) blieben aus und ersparten es Martin Mendiburu, sich länger als unbedingt  notwendig mit den Zigaretten herum zu quälen.

Das Filmteam von “Begegnungen”

Das Filmteam von “Begegnungen”

Premiere hatte „Begegnungen“ am 29. Juni 2013 in der „BÜHNE acht“. Im Rahmen der „Langen Nacht der kurzen Stücke“ stimmte der Film auf die nachfolgenden Programmpunkte ein. Auch die Theaterfassung war zu sehen. Torsten Dubrow brachte mit dem gleichen Darstellerensemble wie im Film, nur mit veränderten Rollen, seine „Begegnungen“ auf die Bühne.

Bühne achtFilmgruppe8Darsteller
Ariane Knittel, Kati Bellmann, Sarah During, Jenny Kaiser, Martin Mendiburu, Torsten Dubrow

Crew
Drehbuch: Mathias Schulze und Torsten Dubrow (nach einer Vorlage von Fitzgerald Kusz)
Kamera: Lukas Schuck
Ton: Matthias Schreve
Setassistenz: Anja Schröter
Statisten: Ypsi Ciupack, Claudia Ludwig, Matthias Schreve, Thomas Grabitz

Cottbuser Filmprojekt „Rootstock“ abgedreht

Neben dem ZDF-Krimi „Die Tränen der Fische“ wurde dieser Tage ein weiterer Film in unserer Region abgedreht. Die Cottbuser „Filmgruppe8“ beendete die Dreharbeiten zu ihrem ersten Spielfilm „Rootstock“.

Die Idee und die Motivation zu „Rootstock“ waren aktuelle Themen wie soziale Kälte, Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen, Intoleranz und Rassismus. Mit ihrem ersten Spielfilm wollten sich die Filmemacher mit diesen Themen auseinandersetzen. Zusammen mit Schauspielern des studentischen Theaters „Bühne 8“ wurde Mitte des Jahres das ehrgeizige Projekt in Angriff genommen.

Schiesko und Schulze

Kameramann Erik Schiesko und Regisseur Mathias Schulze besprechen die nächste Einstellung

Gedreht wurde u.a. im Cottbuser Stadtzentrum sowie auf dem Gelände des TIP im Norden der Stadt. Ohne großen Etat, dafür mit viel Optimismus und Improvisationstalent, nahmen alle Beteiligte die große Herausforderung an. Freunde und Bekannte sagten ebenfalls spontan ihre Unterstützung zu, auch einige Lausitzer Firmen brachten sich uneigennützig mit ein und trugen somit ihren Anteil zum Gelingen des Filmes bei. Es gab aber auch Zusagen von Unternehmen und Personen, die später nicht eingehalten wurden, weil man sich nicht mit dem Thema des Filmes identifizieren konnte oder wollte. Die Regisseure Mathias Schulze und Mathias Neuber zeigten sich deshalb zum Abschluß der Dreharbeiten zufrieden und erleichtert zugleich, daß der Drehplan doch noch eingehalten werden konnte.

Danas Gang

Dana trifft ihre alte Clique wieder (Szenenfoto aus “Rootstock”)

Ciupack

Ypsi Ciupack spielt Dana – (c) für alle Fotos: Thori, 2010

Im Film geht es um die 16jährige straffällig gewordene Dana, dargestellt von Ypsi Ciupack, die in das Resozialisierungscamp „Rootstock“ kommt. Täglich ist sie dem harten Drill und militärischem Umgangston der Ausbilderinnen ausgesetzt. Immer wieder gerät Dana in Konflikte mit den Vorgesetzten und den anderen Insassinnen des Camps. Nur die Psychologin Weinreich (Marie-Luise Ette) scheint Zugang zu Dana zu finden. Beide stehen der konservativen Ideologie des Camps ablehnend gegenüber. Als das Camp aus finanziellen Gründen geschlossen werden soll, wird Dana aktiv. Sie flieht aus dem Camp und nimmt wieder Kontakt zu ihrer alten Clique auf. Mit einem inszenierten Zwischenfall auf einem Dorffest will Dana die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erreichen und die dauerhafte Notwendigkeit solcher Camps unter Beweis stellen. Danas Entscheidung wird nicht nur ihr eigenes, sondern auch Weinreichs Leben für immer verändern.

Zur Chronik der Dreharbeiten gehört auch, daß sowohl die ZDF-Produktion als auch das Projekt der Cottbuser fast auf die Stunde genau am gleichen Tag ein Dorffest inszenierten. Und auch wenn man mit der Starbesetzung und dem Etat der ZDF-Filmes nicht mithalten kann, bei „Rootstock“ wurde trotzdem  mit der gleichen Gründlichkeit gearbeitet. Bei den Dreharbeiten für die Dorffest-Szene übertrumpfte „Rootstock“ sogar das ZDF: das Cottbuser „Dorffest“ dauerte zwei Stunden länger, ehe alle geplanten Szenen im Kasten waren.

Ob sich für die „Filmgruppe8“ der ganze Aufwand gelohnt hat, wird man erst in einigen Monaten wissen. Bis dahin müssen der Ton und  die einzelnen Szenen zusammengeschnitten und der Soundtrack zum Film erarbeitet werden. Holger Bergmann von der Filmgruppe8 und Produktionsleiter bei „Rootstock“ denkt schon weiter: „Wenn alles klappt, wollen wir im April oder Mai 2011 im Cottbuser ‚Weltspiegel‘ die Premiere unseres Filmes feiern!“

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„Rootstock“ entsteht in Cottbus

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit laufen seit Anfang Juni in Cottbus die Dreharbeiten für einen  Spielfilm. Doch nicht die großen Filmstudios drehen im Stadtzentrum, sondern die Filmgruppe8 und Mitglieder der Theatergruppe „Bühne 8“.

Der Film heißt „Rootstock“. Dahinter verbirgt sich ein privat finanziertes sogenanntes Boot-Camp für straffällig gewordene Mädchen. Um ihnen eine Haftstrafe zu ersparen, bekommen die Mädchen im Camp die Chance, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken und einen Neuanfang zu starten.

Grabbe und Dana

Die Camp-Insassinnen Edda Grabbe (Maja Schäfer, links) und Dana Schneider (Ypsi Ciupack)

Zu den Mädchen, die in „Rootstock“ ihre Strafe absitzen, gehört auch die Jugendliche Dana Schneider. Immer wieder gerät sie in Konflikte mit den Ausbilderinnen und weigert sich, deren Aufforderungen zu folgen. Nur die Psychologin im Camp, Frau Weinreich, scheint Zugang zu Dana zu finden.

Als die Nachricht von der geplanten Schließung des Lagers die Runde macht und Dana gleichzeitig von Weinreichs persönlichen Problemen erfährt, wird sie aktiv. Dana flieht aus dem Lager und nimmt wieder Kontakt zu ihrer alten Clique auf. Sie hat eine Idee, wie sie Weinreichs gefährdeten Arbeitsplatz sichern könnte.

Holger Bergmann ist der Leiter der „Rootstock“-Produktion und kümmert sich um alles Organisatorisches. „Im September 2009 kam Mathias Neuber mit der Idee für den Film auf die Filmgruppe zu. Sofort erkannten wir, daß die Idee Potenzial für einen Spielfilm hat. Bisher haben ja  unsere Mitglieder von der Filmgruppe8 nur Kurzfilme gedreht.“ erklärt Bergmann bei einem Termin am Filmset.

Regie

Die Regisseure Mathias Neuber (links) und Mathias Schulze

Man begab sich auf die Suche nach geeigneten Drehorten. „Es waren viele Objekte im Gespräch“, so Bergmann weiter. „Aber einige, wie die ehemalige JVA, waren zu groß für ein Camp. Bei anderen interessanten Objekten wurden bereits gemachte Zusagen nicht eingehalten. Deshalb sind wir der Stadt Cottbus auch sehr dankbar, daß wir auf städtischem Gelände drehen dürfen!“

Auch der Requisiten-  und Kostümfundus des Staatstheaters sowie das THW unterstützen völlig unbürokratisch das ehrgeizige Projekt der Filmemacher.

Trotzdem ist vieles anders als bei großen Studioproduktionen. Die Akteure vor und hinter der Kamera kommen überwiegend aus Cottbus und der näheren Umgebung. Viele Dinge wie Kostüme oder die  Bänder für die Filmaufnahmen werden von den Beteiligten aus eigener Tasche bezahlt. Um die Verpflegung der Schauspieler und der Filmcrew kümmern sich die Eltern der Hauptdarstellerin. Die Regie teilen sich Mathias Neuber, der die Schauspieler auf ihre Szenen vorbereitet, und Mathias Schulze, der für die Bildregie verantwortlich ist. Kameramann ist Erik Schiesko. Gedreht wird nur an den Wochenenden, wochentags sind die meisten durch Studium oder Beruf ausgelastet.

Weinreich

Marie-Luise Ette spielt die Psychologin Weinreich

Für teure Stars hat man kein Geld. „Zum Glück für Rootstock sind auch die Film-Diven derzeit mit anderen Projekten beschäftigt…“ schrieb einer ins Drehtagebuch und meint damit die lockere und entspannte Atmosphäre am Film-Set. Es wird eben viel gelacht, auch wenn so ein Drehtag schon mal 10 Stunden und länger dauert. Auch über die aktuellen Spielstände der gleichzeitig stattfindenden Fußball-WM ist man dank Laptop immer informiert, oder wie am Sonnabend, als man den Torjubel beim Klassiker England gegen Deutschland von der Fanmeile am Amtsteich bis zum Drehort hören konnte.

Einige der Darsteller wie Katerina Brandes oder Marie-Luise Ette sind durch Theateraufführungen an der „Bühne 8“ bekannt, andere wiederum sind durch Zufall oder durch Gespräche im Freundeskreis zur Produktion gekommen. Die Dreharbeiten zu „Rootstock“ sind jedoch für alle beteiligten Schauspieler eine völlig neue Erfahrung. Weil man sich aber schon viele Jahre untereinander kennt und auch Neueinsteiger unvoreingenommen in die Gruppe aufgenommen wurden, funktioniert das gesamte Film-Team als eine Einheit.

Holger Bergmann ist mit dem bisherigen Verlauf der Dreharbeiten zufrieden, man liege im Zeitplan. „Wir drehen jetzt noch bis Mitte Juli und dann noch einmal ein paar Wochenenden im Herbst. Wenn alles klappt, wollen wir im April oder Mai 2011 im Cottbuser ‚Weltspiegel‘ die Premiere unseres Filmes feiern!“ Dann wird sich zeigen, ob sich der Aufwand und das Engagement gelohnt haben  und ob es in naher Zukunft weitere Filme dieser Größenordnung geben wird –  gedreht von ein paar mutigen Cottbusern mit wenig Geld und viel Optimismus…

Produzent

Produktionsleiter Holger Bergmann legt schon mal selber Hand an…