„Jule“-Jubiläum verspricht viele Überraschungen

Nur noch gut zwei Monate, dann wird in Forst das nächste Jubiläum groß gefeiert. Am 26. Mai feiert die „Schwarze Jule“ ihren 125. Geburtstag.

Die Vorbereitungen für die Feier laufen bereits seit Wochen auf Hochtouren. „Wir haben einige Überraschungen vorbereitet, von denen wir an dieser Stelle natürlich noch nicht alle verraten wollen!“, sagt Kristian Schmidt, Vorsitzender des Forster Museumsvereins.

Zwischen 11.00 Uhr und 13.00 Uhr gibt es Sonderführungen an der einzig verbliebenen Original-Lok mit der Betriebsnummer 36, die derzeit im Feuerwehrgerätehaus Forst-Mitte untergebracht ist. Fachkundige Eisenbahn-Liebhaber und ehemalige Mitarbeiter der Forster Stadteisenbahn stehen den Besuchern Rede und Antwort zur Geschichte und zu den Betriebsabläufen der Bahn.

Ab 13:00 Uhr verlagert sich das Geschehen auf das Gelände des Brandenburgischen Textilmuseums. „Auf dem Freigelände demonstrieren wir anschaulich, wie die damals angewandte Rollbocktechnik funktionierte“, blickt Kristian Schmidt voraus. In den Räumen des Museums eröffnet eine Sonderausstellung zur Geschichte der „Schwarzen Jule“. „Einer der Höhepunkte wird sicherlich die Präsentation einer filmischen Dokumentation sein!“, verspricht Kristian Schmidt.

In den vergangenen Wochen und Monaten fanden wiederholt Dreharbeiten in Forst statt. Für die Dokumentation wurden Zeitzeugen befragt und in diversen Archiven nach seltenen Aufnahmen recherchiert. Eine achtköpfige Arbeitsgruppe setzt nun die einzelnen Puzzleteile zu einem rund 60minütigen Film zusammen. Spektakuläre Filmaufnahmen aus den Anfangsjahren des vergangenen Jahrhunderts wechseln sich ab mit Szenen aus der heutigen Zeit. Als besonderer Clou werden die Aufnahmen aus den unterschiedlichen Jahrhunderten ineinander gemischt und bilden neue, einzigartige Sequenzen.

Schon beim Betrachten des Rohschnitts gibt es immer wieder auch innerhalb der Arbeitsgruppe fassungsloses Staunen über das Ergebnis. Uwe Zeihser, Leiter der Arbeitsgruppe, gibt ein weiteres Geheimnis preis: „Wir werden den Film auf DVD herausbringen und am Festtag vor Ort zum Kauf anbieten. So kann sich jeder Besucher ein Stück Zeit- und Filmgeschichte mit nach Hause nehmen!“. Und als wären das noch nicht genug der Geburtstagsgeschenke für die altehrwürdige Dame namens Jule, befindet sich in der DVD-Hülle statt des üblichen Booklets eine ganz besondere „Schatzkarte“.

Der genaue Ablaufplan für das Jubiläumsfest wird zu gegebener Zeit in der Presse veröffentlicht, einige Programmpunkte sind noch offen und nicht endgültig geklärt. „So oder so laden wir schon heute alle Forster und Besucher der Stadt ein, den Geburtstag eines der Forster Wahrzeichen gebührend mit uns zu feiern“, hofft Kristian Schmidt auf viele Gäste.

Dreharbeiten an der „Schwarzen Jule“

An der einzig verbliebenen Original-Lok der Forster Stadteisenbahn fanden am Dienstag weitere Dreharbeiten für die filmische Dokumentation zum 125jährigen Jubiläum der „Schwarzen Jule“ im nächsten Jahr statt. Werner Weiche, Mitarbeiter der ehemaligen Forster Stadteisenbahn, demonstrierte an der Lok Nr. 36 jene Arbeitsschritte, die zum Anheizen des Kessels und zur Inbetriebnahme der Lok notwendig waren.

Für die Dreharbeiten gewährte die Forster Freiwillige Feuerwehr, in deren Fahrzeughalle sich die „Schwarze Jule“ derzeit noch befindet, der Filmcrew um Kameramann Frank Junge dankenswerter Weise den Zutritt.

„Jule“-Nachbau wird zum Filmstar

Wer am Vormittag des Wahlsonntags in der Forster Innenstadt unterwegs war, wunderte sich bestimmt, dass der fahrbare Nachbau der Forster Stadteisenbahn im Stadtgebiet unterwegs war. Normalerweise setzt Familie Herrmann ihr Schmuckstück nur zu besonderen Anlässen in Betrieb. Diesmal wurde der Nachbau der „Schwarzen Jule“ jedoch zum Filmstar.

Im Auftrag des Museumsvereins Forst soll bis zum 125. Geburtstag der Forster Stadteisenbahn 2018 eine filmische Dokumentation zur Geschichte der Bahn erstellt werden. Eine Arbeitsgruppe des Museumsvereins ist für die Vorbereitung und Umsetzung dieses ehrgeizigen Projektes zuständig. „Wir liegen voll im Zeitplan!“, verrät Uwe Zeihser, Leiter der AG. „Dank der Unterstützung der Forster und einiger Auswärtiger bekamen wir viel Material zur Verfügung gestellt, so dass wir nun mit der Produktion der Dokumentation beginnen können.“.

Für die Bewegtbilder ist Frank Junge, bekannt für seine „Forst von Oben“-Videos, zuständig. Nicht nur historisches Bild- und Tonmaterial soll verwendet werden, sondern anhand aktueller Aufnahmen soll der Sprung von Historie und Gegenwart gewagt werden. „Ich habe bereits die Ansichten alter Fotos mit den Ansichten von Heute gegenüber gestellt“, sagt Frank Junge. „In der Dokumentation sollen dann beide Ansichten überblendet werden.“

Da nicht allzu viele Filmaufnahmen der „Schwarzen Jule“ in den Archiven zu finden waren, entwickelten die Mitglieder der Arbeitsgruppe die Idee, mit dem „Jule“-Nachbau neue Szenen zu drehen, die dann später mittels Computertechnik in die vorhandenen Filmaufnahmen eingefügt werden.

Große Unterstützung fand man bei Familie Herrmann. „Es ist ein schöner Anlass und für einen guten Zweck, deshalb helfen wir gerne bei den Aufnahmen.“, sagt Marion Herrmann, die als Beifahrerin und mit ihrem Mann Siegbert am Steuer das grüne Ungetüm durch die Forster Straßen navigierte, teils zum Erstaunen, öfters jedoch zum Schmunzeln der Passanten und Autofahrer in der Innenstadt.

Frank Junge befestigte derweil mehrere Kameras an das Fahrzeug, die die Fahrt aufzeichneten. Zusätzlich wurde aus dem Heck der „Jule“ gefilmt. Weitere Kameras in und auf Begleitfahrzeugen gingen mit der „Jule“ auf die gut zweistündige Fahrt durch Forst.

Aus alten Gleisplänen der Forster Stadteisenbahn wurde ein Rundkurs erarbeitet, der sowohl die noch im Stadtbild existierenden Schienenreste abfährt als auch markante Gebäude in den Fokus rückt. So führte die Tour u.a. zum ehemaligen Schlachthof, in die Alexanderstraße mit der Gleis-Ausweiche, zur ehemaligen Textilfabrik in der Heinrich-Werner-Straße (heute Likörfabrik) und ins heutige Textilmuseum. Natürlich durften auch die Straßen rund um den Stadtbahnhof nicht fehlen.

„Der Stadtbahnhof spielt im Film eine zentrale Rolle. Wir konnten Zeitzeugen interviewen, die früher hier gearbeitet hatten.“, sagt Uwe Zeihser. Das Wissen dieser ehemaligen Mitarbeiter der Stadteisenbahn half der Arbeitsgruppe, bestimmte Betriebsabläufe besser zu verstehen und offene Fragen, die sich aus der Sichtung der Archivalien ergaben, zu beantworten.

Jetzt beginnt für die Filmemacher, die alle ehrenamtlich für das Projekt tätig sind, der schwierigste Teil: die neuen Szenen müssen nun geschnitten und mit den vorhandenen Aufnahmen verknüpft werden, die Tricktechnik muss programmiert und Begleittexte erstellt und eingesprochen werden. Zum Festwochenende anlässlich des Jubiläums der Forster Stadteisenbahn im Mai nächsten Jahres soll die Dokumentation ihre Premiere haben.