Mach’s gut, Schimi!

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Götz George als „Schimanski“ in der Folge „Asyl“
Foto: (c) Uwe Stratmann
Quelle: Agentur Nicolai

„Fang du jetzt bloß nicht an zu weinen
Du spielst doch sonst den harten Mann“

Treffender hätte ihn Klaus Lage nicht beschreiben können. Deutschland hat einen seiner besten Schauspieler verloren. Götz George verstarb am 19. Juni 2016 nach kurzer Krankheit. Der in Berlin geborene Sohn des Schauspieler-Ehepaares Berta Drews und Heinrich George wurde 77 Jahre.

Sein Filmdebüt gab Götz George 1953 an der Seite von Romy Schneider in „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“. Es folgten eher unbedeutende Filmrollen sowie ein paar Western („Der Schatz im Silbersee“, „Unter Geiern“).

Zum Idol einer ganzen Fernsehgeneration wurde George ab 1981, als er erstmals den charmant-rauhbeinigen „Tatort“-Kommissar Horst Schimanski verkörperte. 48mal schlüpfte er in diese Rolle, machte das Wort „Scheiße“ salonfähig und eine ausgediente Militärjacke zum Kultobjekt. Ähnlich wie James Bond hatte Schimanski in jeder Folge eine neue schöne Frau an seiner Seite. Seine unorthodoxen Ermittlungsmethoden sorgten für Beschwerden innerhalb der Polizei, die Action in den „Tatort“-Filmen war für die damalige Zeit etwas völlig Ungewohntes.

Götz George ließ sich aber nicht nur auf die Rolle als Schimanski reduzieren. Immer öfter war er jetzt auch wieder in Kinofilmen präsent („Abwärts“, „Die Katze“). Noch vor der politischen Wende in der DDR spielte George zusammen mit Otto Sander und Rolf Hoppe in der deutsch-deutschen Co-Produktion „Der Bruch“. Im urkomischen Mehrteiler „Schulz & Schulz“ verkörperte er ein Zwillingspärchen, das getrennt in Ost und West lebt und während der Wendezeiten die Rollen tauscht und neue Ideen ins jeweils andere Deutschland bringt.

Nach seinem Abschied als Schimanski spielte Götz George in einigen der bemerkenswertesten Filmen der deutschen Filmgeschichte. Er brillierte in den Komödien „Schtonk“ und „Rossini“ und verschreckte in „Der Sandmann“ und „Der Totmacher“. Eine seiner größten künstlerischen Herausforderungen hatte Götz George 2013: im Fernsehfilm „George“ verkörperte er seinen eigenen Vater Heinrich George.

Götz George war immer direkt und sagte, wenn ihm etwas nicht passte. Legendär sein Auftritt in „Wetten, daß?“, als er Moderator Thomas Gottschalk in die Parade fuhr und ihn aufforderte, endlich mit dem Labern aufzuhören und zum Thema zu kommen und Georges damaligen neuesten Film zu promoten.

Längst war Götz George als Charakterdarsteller einer der gefragtesten Schauspieler des Landes. Nach Hollywood zog es ihn jedoch nie. Hier hatte er sein Publikum, außerdem wollte er nicht auf englisch drehen. George war sich auch nicht zu fein, in seichten Fernsehfilmchen („Alpenglühen“, „Schokolade für den Chef“) mitzuspielen. Auf die Frage, warum er sich das antut, wo er doch ganz andere Rollen annehmen könne, antwortete George: „Beim Fernsehen erreiche ich 6 Millionen Zuschauer, im Kino vielleicht nur eine Million. Als Künstler will ich aber soviel Menschen erreichen wie möglich!“

Auch solche Äußerungen machten Götz George unverwechselbar. Oft wirkte er unnahbar und arrogant. Schaut man sich jedoch „Making of“-Sequenzen seiner Filme an, kommt man zu dem Schluß, daß da ein akribischer Schauspieler am Werk ist, dem es in erster Linie um ein gutes Produkt geht. Und der jüngere oder unerfahrene Kollegen nicht kritisierte, sondern ihnen half, sich genauso gut ins Projekt einzufügen.

Götz George wusste um seine Position in der Filmlandschaft. Skandale, Klatsch und Tratsch gab es bei ihm nicht. Auch auf dem roten Teppich sah man ihn nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ und er einen Preis zugesprochen bekam.

Es gab und gibt nicht viele deutsche Schauspieler von der Klasse eines Götz George. Die Lücke, die er nun hinterläßt, dürfte für zukünftige Schauspieler-Generationen schwer zu füllen sein. „Scheiße!“ würde Schimanski dazu sagen.

Deshalb: Mach’s gut, Schimi!

Tatort: „Der große Schmerz“ / „Fegefeuer“

Das Erste

Erstausstrahlungen 01.01.2016 und 03.01.2016

Was war das für ein mediales Rauschen im Blätterwald, als bekannt wurde, daß Deutschlands Liebling Nr. 1, Helene Fischer, in Til Schweigers neuem Tatort mitspielen soll. Was genau, blieb lange geheim. Bekannt wurde nur, daß sie als Auftragskillerin die Gegenspielerin von Nick Tschiller (Til Schweiger) ist.

Hamburgs LKA-Beamter Nick Tschiller führt immer noch seinen Privatkrieg gegen den Anführer des Astan-Clans. Der soll in die JVA Landshut überstellt werden. Zeitgleich werden Tschillers Tochter Lenny (völlig talentfrei: Luna Schweiger) und seine Ex-Frau Isabell (Stefanie Stappenbeck) gekidnappt. Die Entführer fordern, daß Tschiller Firat Astan (Erdal Yildiz) während der Überführung befreit und anschließend an sie ausliefert.
Natürlich will Tschiller wissen, wer hinter der Aktion steckt. Um das zu erfahren, ist ihm jedes Mittel recht. Bei seinem Rachefeldzug verschont er weder Freund noch Feind: Tschiller trickst das Begleit-MEK aus, lenkt Astans Gefolgsleute ab (die an der Befreiungsaktion teilnehmen sollten), schlägt seinen Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim) K.O, schnappt sich Astan und taucht ab. Sein Vorgesetzter Petretti (Tim Wilde) sowie Staatsanwältin Hanna Lennerz (Edita Malovcic) werden nervös, scheint doch Tschiller so langsam die Kontrolle zu verlieren. Auch der neue Innensenator Revenbrook (Arnd Klawitter) scheint etwas verbergen zu wollen, will er doch unbedingt, daß Tschiller Astan erschießt.

Nick Tschiller (Til Schweiger, li.) und Firat Astan (Erdal Yildiz, re.)
Bild: NDR/Gordon Timpen

Yalcin und Kollegin Ines Kallwey (Britta Hammelstein) ermitteln im Hintergrund weiter und können herausfinden, daß sich Leyla, eine von Astan auf Tschiller angesetzte Killerin (Helene Fischer), auf einem Schiff befindet. Yalcin Gümer entdeckt dort auch Tschillers Frauen. Als Tschiller mit Astan im Schlepptau im Versteck erscheint, eskaliert die Situation. Bei einem Feuergefecht werden Isabell angeschossen und Yalcin erschießt Leyla.

In der Fortsetzung „Fegefeuer“ hat Tschiller immer noch Astan in seiner Gewalt. Terroristen überfallen das „Tagesschau“-Nachrichtenstudio und nehmen Geiseln (u.a. Sprecherin Judith Rakers). Tschiller soll Astan zu einem Übergabeort bringen, dann werden die Geiseln freigelassen.
Inzwischen hat aber Revenbrook alle Polizeibeamte auf Nick Schiller angesetzt. Plötzlich will der Innensenator, daß Astan am Leben bleibt und den Geiselnehmern überstellt wird.
Gümer und Kallwey finden heraus, daß Leyla als junges Mädchen zwangsprostituiert und von Revenbrook zu perversen Sexspielen mißbraucht wurde. Astans Aussage könnte Revenbrook zu Fall bringen, deshalb hat sich Revenbrook mit den Hintermännern der Geiselnahme im Studio eingelassen.
Tschiller und Astan liefern sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Geiselnehmern. Außerdem versucht Astan immer noch zu fliehen, allerdings braucht er vorher noch Tschillers Hilfe, um an gewisse Dokumente zu gelangen.

Was hatte man sich in den 80er Jahren über Ruhrpott-Kommissar Horst Schimanski aufgeregt: zuviele Alleingänge, Missachtung der Dienstvorschriften, Überschreitung der Dienstbefugnisse. Gegen Tschiller war Schimanski ein vorbildlicher Beamter. In seiner ganzen Dienstzeit hatte Schimmi weniger Tote als Tschiller in dieser „Tatort“-Doppelfolge.
Schweigers Tschiller präsentiert sich als Mischung aus John McCaine (Bruce Willis in den „Stirb Langsam“-Filmen) und Jack Bauer (Kiefer Sutherland in „24“), ohne den Beiden auch nur annähernd das Wasser reichen zu können. Auch die Handlung ist völlig unrealistisch. Tschiller wird mit Waterboarding gefoltert, rammt frontal mit seinem Auto einen Lieferwagen, wird fast erdrosselt und bekommt ein Messer in den Rücken gerammt. Von den unzähligen Gegnern mit automatischen Waffen mal abgesehen. Tschiller putzt sich mal schnell das Blut aus dem Gesicht, steht auf und rennt weiter, als wäre nichts geschehen.

Aleksej (Sascha Reimann, re.), Pjotr (Raphael Domanski, 3.v.l.) und Lev (Janos Tiborcz, li.) foltern den immer noch schweigsamen Tschiller (Til Schweiger, 2.v.l.). "Bild: NDR/Gordon Timpen"

Aleksej (Sascha Reimann, re.), Pjotr (Raphael Domanski, 3.v.l.) und Lev (Janos Tiborcz, li.) foltern den immer noch schweigsamen Tschiller (Til Schweiger, 2.v.l.).
Bild: NDR/Gordon Timpen

Eine Spur der Verwüstung zieht sich durch Hamburg und niemand will (oder kann) ihn aufhalten? Und in einer Kommando-Aktion des russischen Inlandsgeheimdienstes kann mal so eben auf einer Straße in Hamburg ein Hubschrauber mit schwer bewaffneten Elitekämpfern landen, ohne daß es jemand mitbekommt?
Tschiller ballert mit allem und auf alles, was ihm vor die Flinte kommt – mal mit Pistole, mal mit MPi, mal mit Panzerfaust. Und bekämpft – mit einer Hand an einen Stuhl gefesselt – drei Ganoven (u.a. Sänger Ferris MC) mit einer Kreissäge.

Tschiller (Til Schweiger) jenseits von Gut und Böse. "Bild: NDR/Gordon Timpen"

Tschiller (Til Schweiger) jenseits von Gut und Böse.
Bild: NDR/Gordon Timpen

Als Actionfilm wäre „Der große Schmerz“ / „Fegefeuer“ durchaus großes Kino, als Tatort-Folgen ist das einfach nur großer Mist.

Und Helene Fischer? Mit dunkler Perücke, grünen Kontaktlinsen, einem starren Blick und ein paar wenigen im russischen Dialekt gesprochen Worten gibt sie eine Leyla ab, die auch jede Filmstudentin im ersten Studienjahr besser hätte spielen können. Daß sie den Filmtod stirbt (leider viel zu spät), ist nur zu gerecht. Und, oh Schreck, die ideale Schwiegertochter nimmt das böse F-Wort in den Mund. Einigen Helene-Fischer-Fans der älteren Jahrgänge dürften spätestens bei dieser Szene die Kinnladen runtergeklappt sein!

ARD/NDR TATORT: DER GROßE SCHMERZ, am Freitag (01.01.16) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Leyla (Helene Fischer) hat noch eine Rechnung mit Firat Astan offen. © NDR/Gordon Timpen, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter NDR-Sendung bei Nennung "Bild: NDR/Gordon Timpen" (S2). NDR Presse und Information/Fotoredaktion, Tel: 040/4156-2306 oder -2305, pressefoto@ndr.de

Leyla (Helene Fischer) hat noch eine Rechnung mit Firat Astan offen.
Bild: NDR/Gordon Timpen

Til Schweiger nuschelt sich durch die Handlung, auch Erdal Yildiz ist nicht immer zu verstehen. Hat man versehentlich während der Dreharbeiten den Tonmann gleich mit erschossen?

Yalcin Gümer (Fahri Yardim) hofft darauf, Lenny und Isabella zu finden. Bild: NDR/Gordon Timpen

Yalcin Gümer (Fahri Yardim) hofft darauf, Lenny und Isabella zu finden.
Bild: NDR/Gordon Timpen

Einziger Lichtblick in diesem – na gut, nennen wir es ruhig Actionkracher – ist Fahri Yardim. Er ist die einzige coole Sau in diesem „Tatort“ und sollte seine eigenen „Tatort“-Folgen bekommen! Nick Tschiller dagegen gehört aus dem Dienst entlassen (oder zumindest in den Innendienst, am Besten zum Akten archivieren, versetzt).
Aber es ist zu befürchten, daß uns dieser Möchtegern-Weltretter weiter belästigt. Wenigstens ist Helene aus dem Spiel….

Helene Fischer ist Leyla Bild: NDR/Gordon Timpen

Helene Fischer ist Leyla
Bild: NDR/Gordon Timpen

 

Drehstart für die neuen Berliner Tatort-Kommissare

Pressetermin des RBB mit Meret Becker und Mark Waschke in Berlin, 04.11.2014In der Hauptstadt begannen die Dreharbeiten für den neuen Tatort des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Das Drehbuch schrieb Stefan Kolditz, Regie führt Grimme-Preisträger Stephan Wagner.

Bei einem Pressetermin vor dem „Zoo-Palast“ präsentierten sich am 4. November die beiden neuen Tatort-Kommissare Meret Becker und Mark Waschke den anwesenden Journalisten sowie zahlreichen schaulustigen Passanten.

In ihrem ersten Fall ermitteln die beiden Kommissare Nina Rubin (gespielt von Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) im Milieu obdachloser Jugendlicher. Eine leere Ferienwohnung entpuppt sich als blutiger Tatort, nur von der Leiche fehlt jede Spur. Die Geschwister Jo und Ronny, die untergetaucht sind, könnten die passenden Hinweise zum Tathergang geben. Rubin und Karow machen sich im Wettlauf gegen die Zeit auf die Suche nach den Beiden….

Gedreht wird u.a. am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER), am Bahnhof Zoo, im Plänterwald sowie in Mitte, Kreuzberg und Wilmersdorf.

Geplant ist die Ausstrahlung im Frühjahr 2015.Pressetermin des RBB mit Meret Becker und Mark Waschke in Berlin, 04.11.2014

(c) für alle Fotos: Thori, 2014