Filmperlentaucher

Tamara

TamaraPremiere: 10.02.2007, Berlinale

Als 1978 die „Familie Silly“ gegründet wurde, aus der später Silly wurde, ahnte noch niemand,daß diese Musikformation eines Tages zu den populärsten und zeitgeschichtlich interessantesten Gruppen im deutschsprachigen Raum gehören würde. Frontfrau war Tamara Danz, wohlbehütete Tochter eines Diplomaten. Eine Frau, unangepaßt, provokant und eigensinnig, die auf Grund der Privilegierung ihrer Eltern zunehmend auch eine kritische Sicht auf das Leben in der DDR bekam.

Obwohl Silly immer im Schatten der großen Drei (Puhdys, Karat, City) stand, entwickelte sich die Gruppe schnell zu einer der erfolgreichsten und kreativsten Gruppe in der DDR, Tamara Danz wurde mehrfach als beste Rocksängerin des Landes geehrt. Die Alben „Mont Klamott“ und „Bataillon d’Amour“ gelten als Meilensteine der DDR-Rockmusik. Die Songtexte der Gruppe waren den staatlichen Behörden immer ein Dorn im Auge, Silly wandelte ständig auf einem schmalen Grad Richtung Zensur. Als Tamara Danz 1996 den Kampf gegen den Krebs verlor, starb auch ein Stück DDR-Musik.

Peter Kahane, hier mit Schauspielerin Stephanie Stumpf
Peter Kahane, hier mit Schauspielerin Stephanie Stumpf

In seinem Dokumentarfilm „Tamara“ nähert sich Regisseur Peter Kahane, eher bekannt durch Spielfilme und diverse Krimiserien (u.a. Polizeiruf 110, Stubbe – Von Fall zu Fall), dem Phänomen Tamara Danz. Er widersteht der Versuchung, das Leben dieser ungewöhnlichen Frau einfach nur chronologisch mit Lebensdaten abzuarbeiten, evt. noch unterstützt durch hundertmal gesehenes Archivmaterial. Stattdessen greift Kahane auf Zeitzeugen zurück, die so nah an Tamara Danz dran waren wie keine Anderen. Ritchie Barton und Uwe Hassbecker waren Tamaras Bandkollegen und Liebhaber, gleichzeitig aber auch Rivalen. In Interviews geben beide Musiker Einblicke auf ihre Sicht der Dinge. Die Story um das Leben einer Frau und die Geschichte einer Band wird zur Story einer ungewöhnlichen Liebesbeziehung dreier Menschen und deren Beziehungen zueinander. So erfährt der Zuschauer interessante Details dieser Menage á Trois, ohne das es ins Voyerhafte abgleitet. Daß Tamara Danz ein besonderer Mensch gewesen sein muß, erkennt man an den Reaktionen der Protagonisten. Gesichter sagen mehr als tausend Worte.

Jäcki Reznicek, ebenfalls Mitglied bei Silly, wurde zum neutralen Beobachter. Auch er kommt zu Wort und verrät zum Ende des Filmes, welches Versprechen er der todkranken Sängerin abgeben mußte.

Es ist zweifellos Peter Kahanes Verdienst, daß sich die drei Musiker so sehr öffnen in den Gesprächen. Selbst der Tod Tamaras wird ausgiebig thematisiert und verdeutlicht, daß Silly mehr war als ein Haufen zusammengewüfelter Musiker. Wie im ursprünglichen Bandnamen vorgesehen war es am Ende wieder eine Familie Silly.

Die gut einstündige Dokumentation wird angereichert durch private Filmaufnahmen, gedreht von Tamara Danz und Uwe Hassbecker. So gewinnt der Zuschauer Einblicke in Tamaras Leben, die über das Berufliche hinausgehen. Es gibt Aufnahmen aus dem Probenraum, Urlaubsbilder sowie Konzertmitschnitte. Barton, Hassbecker und Reznicek erzählen Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit mit Tamara, die gleichzeitig einen Einblick in die Kulturpolitik der DDR geben und das Aufständische, daß man seit jeher Silly nachgesagt hat, dokumentieren.

Es hat Jahre gedauert, eher Silly wieder auf die Bühnen des nun gesamtdeutschen Landes zurückgekehrt ist. Es galt, den Verlust einer außergewöhnlichen Persönlichkeit zu verkraften und zu verarbeiten. Peter Kahanes Dokumentation „Tamara“ bringt dem Zuschauer diese Person näher, ohne sie zu glorifizieren.

Für Ostrock-Liebhaber ist diese Doku ein Muß, für alle anderen eine sehenswerte Empfehlung!

Details zur DVD-Box (Veröffentlichung: 18.08.2008)
EINE BAND UND IHRE GESCHICHTE
Eine einzigartige DVD-Edition über die Band SILLY und ihre unvergessene Lead-Sängerin TAMARA DANZ

DVD 1 »Tamara«: Der Berlinale-Film (2007) über Tamara Danz von Peter Kahane
DVD 2 »25 Jahre SILLY«: Die große Band-Dokumentation, Konzert-Highlights, Die besten VIDEO-Clips + Bonusmaterial
DVD 3 »Silly & Gäste«: Das Konzert im Berliner Tempodrom – MIT Stefanie & Thomas (SILBERMOND), Toni Krahl (CITY) u.v.a.
CD EXKLUSIV: Die erste Silly-CD mit Frontfrau Anna Loos. Der Soundtrack zum Kino-Highlight 2008 »DER MOND UND ANDERE LIEBHABER« mit Katharina Thalbach (Kinostart: 24.7.2008)
BUCH »TAMARA DANZ – LEGENDEN« von Alexander Osang (256 Seiten im Hardcover)

Laufzeit: 480 Minuten
Bildformat: 16:9 / 4:3
Tonformat: Dolby Digital 2.0, 5.1
Fernsehformat: PAL
Regionalcode: 2
Produktionsland: Deutschland
Color: Farbe
Sprachen: Deutsch

(Quelle: ICESTORM)

 

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